Zaubernuss, Hamamelis

Zaubernuss (Hamamelis) – Pflanzen, Pflege, Schneiden

Die Zaubernuss (Hamamelis) ist eine interessante Heilpflanze, die durchaus auch einen besonderen Zierwert besitzt. Ihre sommergrünen Sträucher, welche auch zu kleinen Bäumen heranwachsen können, fallen vor allem durch ihre bandförmigen Blütenquirle auf. Sie erscheinen zumeist gelb, bei Hybridsorten wie der Hamamelis intermedia auch rot oder orange, und verleihen der Zaubernuss ein eigensinniges, leicht verwuscheltes Aussehen. Zudem riechen die Blüten der Pflanze süßlich-orientalisch, weshalb Zaubernuss oder Hamamelis nicht nur gerne als Zierpflanze und Heilkraut, sondern auch als Duftpflanze in Verwendung ist.

 

Zaubernuss alias Hamamelis – Von der Magie einer Heilpflanze

Im Englischen als Witch Hazel (Hexenhasel) bekannt, im Deutschen als Zaubernuss, ist Hamamelis über Ländergrenzen hinweg mit einem wahrhaft magischen Namen belegt. Dessen Herkunft ist nicht eindeutig geklärt, dürfte aber sowohl mit der wundersamen Heilwirkung der Pflanze, als auch mit ihrer ungewöhnlichen Blütezeit Nutzung ihres Holzes als Wünschelrute zusammenhängen.

 

Ein altes indianisches Heilkraut

Bei der medizinisch genutzten Hamamelis-Art handelt es sich diesbezüglich um die aus Amerika stammende Virginische Zaubernuss (Hamamelis virginiana). Sie gilt als altes Heilkraut amerikanischer Ureinwohner, wobei schon die nordamerikanischen Osage aus der Stammesfamilie der Sioux das Kraut zur Behandlung von Hautkrankheiten nutzten.

Die Potawatomi wiederum verwendeten Hamamelis virginiana gegen Muskelbeschwerden. Bei den Iroquoi und Cherokee war Hamamelistee wiederum als Schmerzmittel und Erkältungsmittel bekannt. Und die Irokesen schätzten Virginische Zaubernuss als zuverlässiges Brechmittel bei Vergiftungen sowie als Frauenheilkraut gegen Menstruationsbeschwerden.

Bei den Mohikanern wusste man das Astholz der Zaubernuss gar als Wünschelrute zu verwenden, um damit Wasseradern aufzuspüren. Sie lehrten besagte Methode später auch den ersten europäischen Siedlern, denen derartige Praktiken durchaus wie Zauberei angemutet haben könnten.

 

Mysteriöse Winterblüten und magisches Holz

Ein Wünschelrutenholz, das Wasser aufspürt war im Mittelalter höchstwahrscheinlich gleichbedeutend mit einem Zauberstab. So verwundern Beinamen wie Zaubernuss für Hamamelis nicht wirklich. Vermutungen zur Namensherkunft des englischen Begriffs Witch Hazel gehen außerdem dahin, dass er aus dem mittelenglischen Wort wicke für „lebendig“ bzw. dem angelsächsischen Wort wych für „biegen“ oder „beugen“ entstand.

Gerade mit Blick auf Assoziationen zur ungewöhnlichen Lebendigkeit der Zaubernuss könnte hier auch die Blütezeit der Pflanze eine Rolle bei der Namensgebund gespielt haben. Denn Hamamelis blüht nicht wie die meisten Gewächse zwischen Frühling und Sommer, sondern Mitten im kalten Winter.

Wenn im Altertum goldgelb strahlende sowie unkonventionell quirlige Blüten durch die Schneedecke strahlen, glaubte man durchaus schnell einmal an Hexenwerk. Dass sich Zaubernuss folglich nicht nur als Heilpflanze, sondern auch als Hexenkraut etablierte, versteht sich da praktisch von selbst.

 

Inhaltsstoffe und Wirkung der Hamamelis

Die tatsächliche Heilwirkung von Zaubernuss bzw. Hamamelis ist heute durch zahlreiche Studien gut belegt. Gerade die Anwendung von Hamamelis bei Hautbeschwerden wie Neurodermitis, dermalen Entzündungen, Hautverbrennungen und Hautverletzungen ist diesbezüglich bestens erforscht. Dabei ist die Wirkung der Zaubernuss so sanft, dass sie selbst für Hautkrankheiten im Kindesalter empfehlenswert ist.

Als wichtige Komponente medizinischer Hautcremes und Salben hat sich Hamamelis inzwischen längst bewährt. Als Mundspülung hilft Hamameliswasser außerdem gegen Zahnfleisch-, Rachen- und Schleimhautentzündungen. Insgesamt lässt sich die Heilwirkung der Zaubernuss als blutstillend, entzündungshemmend und juckreizlindernd beschreiben.

Verantwortlich für die heilpflanzlichen Eigenschaften von Hamamelis sind in diesem Zusammenhang eine Reihe an Proanthocyanidinen, Gerbstoffen und Tanninen. Zu letzteren gehört auch das nach der Pflanze benannte Hamamelitannin, welches in neueren Studien eine sehr spezifische Wirkung gegen Darmkrebs-Zellen zeigt.

 

Zaubernuss pflanzen – Standort und Ablauf

Die Zaubernuss ist die namensgebende Gattung in der Familie der Zaubernussgewächse (Hamamelidaceae). Entdeckt wurde sie im 18. Jahrhundert in Nordamerika, von wo aus sie die gemäßigten Breitengrade Europas im Sturm eroberte. Hier bezauberte die Zaubernuss nicht nur durch ihre eindrucksvolle Blüte und Herbstfärbung, sondern erwies sich zudem als extrem frosthart. Zwar wirken die Blüten bei sehr starkem Frost leicht ‚verknittert‘, für gewöhnlich erholen sie sich jedoch schnell wieder.

Durch ihre Frosthärte benötigen Sträucher der Zaubernuss kaum Winterschutz und können daher problemlos frei im Gelände stehen. Allerdings wünscht sich die Hamamelis dabei einen mäßig nährstoffreichen, feuchten Boden, der im Idealfall kalkfrei ist und einen pH-Wert zwischen 5,5 und 7 aufweist. Darüber hinaus ist diesen Vertretern der Hamamelidaceae volle Sonne oder heller Halbschatten am liebsten.

Einzelheiten zum Standort für Zaubernüsse:

  • Zaubernüsse sind äußerst winterhart
  • starker Frost lässt Blüten vorübergehend zerknittern
  • freistehend fühlen sich die Sträucher am wohlsten
  • nährstoffreicher, feuchter und kalkfreier Boden
  • pH-Wert sollte zwischen 5,5 und 7 liegen
  • Zaubernuss liebt Vollsonne oder hellen Halbschatten

 

Zaubernuss, Hamamelis
Hamamelisblüte | © Das Grüne Archiv

Gepflanzt wird Hamamelis im Frühling oder Herbst. Dabei verträgt die Hamamelis keinen Standortwechsel, weshalb Sie von einem Umpflanzen in späteren Wachstumsphasen absehen sollten. Auch ist darauf zu achten, dass der Boden einen pH-Wert von 7 nicht überschreitet.

1. Schritt – Erde vorbereiten: Lockern Sie den Boden auf und heben Sie eine Pflanzengrube aus, die doppelt so breit und anderthalb mal so tief wie der Wurzelballen ist. Wird die ausgehobene Erde mit Kompost angereichert, kommt das der Hamamelis zu Gute.

2. Schritt – Hamamelis vorbereiten: Die Zaubernuss lässt sich wurzelnackt oder als Containerpflanze erstehen. Beide Varianten sind im Frühling oder Herbst pflanzbar. Ist die Hamamelis wurzelnackt, sollten die Wurzeln vor dem Einpflanzen allerdings ein Bad in einem Gefäss mit Wasser nehmen.

3. Schritt – Zaubernuss pflanzen: Setzen Sie die Zaubernuss in das ausgehobene Pflanzloch und decken Sie sie mit der ausgehobenen Erde wieder zu. Es macht nichts, wenn die Wurzeln der Hamamelis etwas tiefer (2 bis 3 Finger breit) liegen als die Erde, die sie umgibt. Bei Sträuchern ist dies sogar sehr zu empfehlen. Die Erde muss aber dennoch gut festgedrückt oder -getreten werden. Um Hohlräume zu vermeiden, ist es zudem sinnvoll, die Pflanze anschließend zu gießen.

Kurzschritte zum Pflanzvorgang im Überblick:

  • Hamamelidaceae im Frühling oder Herbst pflanzen
  • endgültigen Standort auswählen
  • Boden darf pH-Wert 7 nicht überschreiten
  • Erdsubstrat ggf. mit Kompost anreichern
  • Pflanzloch mit doppelten Ausmaßen des Wurzelballens
  • wurzelnackte Sträucher vor dem Pflanzen ins Wasser stellen
  • nach dem Pflanzen Erde gut festdrücken oder -treten
  • Hamamelis gießen, um Hohlräume zu schließen

 

Zaubernuss, Hamamelis
Am Gehölzrand kommt die leuchtend gelbe Blütenpracht der Hamamelis besonders gut zur Geltung

Hamamelis gießen und düngen

Zaubernussgewächse bevorzugen mäßige Feuchtigkeit. Lange Trockenheit behindert ihr Wachstum und die Entwicklung der Blüten aber ebenso wie zu viel Wasser, wobei die Winterblüte der Hamamelis bei unzureichendem Gießverhalten gänzlich ausfallen kann. Da die Pflanze Kalk nicht besonders gut verträgt, ist es zudem ratsam, Regenwasser zu verwenden. Kalkarmes Leitungswasser erfüllt seinen Zweck ebenfalls.

Ein Düngen bietet sich bei der Zaubernuss im Frühjahr an, vor allem dann, wenn ihre Sträucher auf sandigem Boden stehen. Reifer Kompost ist für diesen Zweck ausreichend. Zusätzlich ist eine Düngung erforderlich, wenn die Blätter nicht vor der Blütezeit abfallen wollen. Greifen Sie hier am besten zu 50 Gramm 40 prozentigem Kalidünger, der eventuellen Kaliummangel der Blätter ausgleichen kann. Bei erfolgreicher Anwendung wird dies im Abstand von zwei Jahren wiederholt.

Kurztipps zum Gießen und Düngen:

  • auf mäßig feuchten Boden achten
  • Staunässe und Trockenheit vermeiden
  • mit kalkarmem Regen- oder Leitungswasser gießen
  • bei sandigem Boden im Frühjahr mit Kompost düngen
  • 50 g Kalidünger (alle 2 Jahre) unterstützt Blatterneuerung

 

Zaubernuss, Hamamelis
Hamamelisstrauch | © Das Grüne Archiv

Hamamelis schneiden und vermehren

Mit gerade einmal 20 Zentimetern im Jahr wächst die Hamamelis nur langsam. Ein Rückschnitt zerstört daher schnell die natürliche Wuchsform und es dauert Jahre, bis sich die Pflanze davon erholt hat. Generell sollte die Zaubernuss daher nach der Blüte lediglich etwas ausgelichtet werden. Kranke oder anderweitig abgestorbene Äste können Sie natürlich trotzdem entfernen. Notwendig ist dies aber nicht, da sich die Pflanze selbst reguliert.

Zaubernussgewächse bestechen nicht nur durch ihre Büschelblüten, sondern auch durch die Herbstfärbung ihrer länglichen, leicht gezackten Blätter. Von der Spitze hin zum Blattstiel färbt sich die Hamamelis im Laufe des Herbstes gelb bis rötlich.

Die Zaubernuss trägt aufgrund dieses imposanten Erscheinungsbilds auch den Beinamen ‚Königin der Winterblüher‘ und dank ihrer fast einzigartigen Blüten sowie der Schönheit der herbstlich gefärbten Blätter wird sie diesem Namen auch gerecht. Ein Winterschutz ist bei der Zaubernuss folglich nicht notwendig.

 

Vermehrung durch Absenker

Gut vermehren lässt sich die Hamamelis über Absenker. Befreien Sie hierfür gesunde Triebe der Mutterpflanze von den Blättern und biegen Sie diese behutsam gen Erde, in der sie etwa 20 Zentimeter tief eingegraben werden. Dabei ist es wichtig, dass die Triebspitzen des Absenkers über der Erde verbleiben. Danach dauert es eine Weile, bis sich der Absenker der Zaubernuss bewurzelt hat.

Auf diesen Vorgang können Sie aber positiv einwirken, indem Sie den eingegrabenen Trieb leicht anritzen. Der bewurzelte Trieb kann abgeschnitten und umgepflanzt werden, sobald sich Wurzeln gebildet haben.

 

Vermehren durch Stecklinge

Eine weitere Variante der Vermehrung bietet sich bei der Zaubernuss durch Stecklinge, im Frühjahr wie auch im Spätsommer an. Die Stecklinge sollten eine Länge von etwa 15 bis 20 cm aufweisen, wobei der gepflanzte Steckling idealerweise einen Stellplatz in einem warmen Raum mit hoher Luftfeuchtigkeit (ggf. Mit Frischhaltefolie abdecken) erhält. Regelmäßiges Lüften ist dabei wichtig, damit sich um die junge Hamamelis keine Pilze ansiedeln.

Kurztipps zum Schneiden, Vermehren und Überwintern:

  • Hamamelis nicht schneiden, nur auslichten
  • Pflanze verzeiht keine Radikalschnitte
  • abgestorbene Äste der Hamamelis behutsam entfernen
  • Zaubernuss über Absenker oder Stecklinge vermehren
  • Absenker von Blätter befreien, 20 cm tief in Erde vergraben
  • Einritzen unterirdischer Triebe verbessert Wurzelung
  • nach Bewurzelung abschneiden und umpflanzen
  • 15 bis 20 cm lange Stecklinge im Topf einpflanzen
  • warmen Stellplatz und hohe Luftfeuchtigkeit sicherstellen
  • Vermehrung über Samen ist aufwändig und nicht ratsam
  • Hamamelis überwintert ohne Zutun

 

Zaubernuss, Hamamelis
Hamamelis mollis „Pallida“

Interessante Arten der Hamamelis

Die Gattung der Zaubernüsse enthält nur etwa 5 Arten. Medizinisch genutzt wird dabei vor allem die Virginische Zaubernuss (Hamamelis virginiana). Arten wie die wohlriechende Frühlings-Zaubernuss (Hamamelis vernalis) und die äußerst ziervolle Chinesische Zaubernuss (Hamamelis mollis) werden außerdem gerne als Duft- und Ziergehölze kultiviert. Hier eine Übersicht zu verschiedenen Arten:

ArtBeschreibung
Chinesische Zaubernuss
(Hamamelis mollis)
Blütezeit: Januar bis März
Blütenfarbe: leuchtend gelb; goldgelbe Herbstfärbun
Wuchshöhe: 3 bis 5 Meter
Herkunft: China
Eignung für Anbau: gut in Einzelstellung
Besonderheiten: Winterblüher
Japanische Zaubernuss
(Hamamelis japonica)
Blütezeit: Januar bis März
Blütenfarbe: gelb; Herbstfärbung orangerot
Wuchshöhe: 3 bis 4 Meter
Herkunft: Japan
Eignung für Anbau: mäßig in Einzelstellung
Besonderheiten: anfangs frostempfindlich
Virginische Zaubernuss
(Hamamelis virginiana)
Blütezeit: September bis November
Blütenfarbe: hellgelb; Herbstfärbung rot-orange
Wuchshöhe: 2,5 bis 7 Meter
Herkunft: Amerika
Eignung für Anbau: sehr gut in Einzelstellung
Besonderheiten: schnittverträglich, Heilwirkung
Zaubernuss 'Feuerzauber'
(Hamamelis intermedia 'Feuerzauber')
Blütezeit: Januar bis Februar
Blütenfarbe: granatrot bis braunviolett
Wuchshöhe: 2,5 bis 3,5 Meter
Herkunft: Hybride
Eignung für Anbau: gut in Einzelstellung
Besonderheiten: farbenprächtige Blüten, starker Duft
Zaubernuss 'Arnold Promise'
(Hamamelis intermedia 'Arnold Promise')
Blütezeit: Januar bis Februar
Blütenfarbe: leuchtend gelb; Herbstfärbung gelb bis flammend rot
Wuchshöhe: 2 bis 3 Meter
Herkunft: Hybride
Eignung für Anbau: gut in Einzelstellung, als Kübelpflanze
Besonderheiten: frühe Blüte

Zaubernuss – Mögliche Krankheiten und Schädlinge

Zaubernüsse sind weitestgehend resistent gegenüber Schädlingen und Krankheiten. Bei der Chinesischen Zaubernuss kann es aber zu einem Befall durch echten Mehltau (Erysophaceae) kommen, wenn der Sommer zu feucht war. Hier hilft ein Rückschnitt oder ein regelmäßiges Besprühen der befallenen Blätter mit Knoblauch- oder Zwiebelsud. Auch niemhaltige Spritzmittel können zum Einsatz kommen.

 

Fazit

Die wuscheligen Blüten der Zaubernuss sind ein einzigartiger Blickfang, dessen optische Wirkung durch die individuelle Blütenfarbe einzelner Sorten noch intensiviert wird. Dank ihrer unvergleichlichen Herbstfärbung ist Pflanze zudem vor allem im Winter ein Lichtblick im tristen Gartengrau. Da sie nicht viel und keine intensive Pflege benötigen, eignen sich die Sträucher der Hamamelis darüber hinaus auch für Hobbygärtner im Anfangsstadium.

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