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Gründonnerstagsuppe, Neunkräutersuppe, Grüne Neune

Rezept: Gründonnerstagsuppe (Grüne Neune)

Die Gründonnerstagsuppe ist heute als klassisches Suppenrezept zu Ostern bekannt. Ihren Ursprung hat sie aber in der germanischen und keltischen Tradition. Darüber hinaus ist das Rezept nicht auf das Osterfest alleine limitiert. Denn die Suppe schmeckt im Grunde den ganzen Frühling über wunderbar und stärkt den Körper nach der kalten Jahreszeit.

 

Die Neunkräutersuppe der Kelten und Germanen

Wenngleich die auch als Grüne Neune oder Neunkräutersuppe bekannte Gründonnerstagsuppe heute auf den gleichnamigen christlichen Feiertag in der Karwoche verweist, stammt das Originalrezept eigentlich aus einem ganz anderen Kulturkreis. Genauer gesagt sind es zwei Kulturkreise. Denn sowohl die alten Kelten als auch die Germanen kannten die Kräutersuppe als traditionelles Gericht zur auch als Ostara bekannten Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche.

Die Farbe Grün galt diesbezüglich schon damals als offizielle Festtagsfarbe. Es ist auch gut möglich, dass der Gründonnerstag als christliches Fest direkt in Anlehnung an die keltisch-germanische Neunkräutersuppe gewählt wurde. Dafür spricht auch, dass der Donnerstag nach der obersten Gottheit des germanischen Glaubens, Donar, benannt ist. Der „Grüne Donarstag“ wäre demnach ein Frühlingsfeiertag zu Ehren des Donnergottes der Germanen.

 

Ach du grüne Neune – Symbolik der Zahl 9 in Neunkräutersuppe

Dass es gerade neun Kräuter sind, die als Zutaten für die Gründonnerstagsuppe fungieren, hängt mit der besonderen Bedeutung der Zahl Drei zusammen. Sie findet sich in zahlreichen Kulturen als magische Zahl der Dreifaltigkeit wieder. Dreimaldrei symbolisiert hierbei als Ergebnis der Multiplikation besagter Zahl mit sich selbst die größtmögliche Steigerung magischen und spirituellen Potenzials. Um ein Kräutergebräu mit Heilmagie und Schutzzauber zu belegen, sind neun Kardinalzutaten also praktisch Pflicht.

Es tun sich hier auffallende Parallelen zum sogenannten Neunerlei Holz auf. Dabei handelt es sich um einen mittelalterlichen Brauch, bei dem Personen, die mit einem Fluch oder einer Verwünschung belegt waren, einer Räucherung mit neunerlei Holz unterzogen wurden. Ein klassischer Reinigungs-, Schutz- und Abwehrzauber, der sich auch in Form von magischen Bädern oder durch das Tragen von Schutztalismanen durchführen ließ.

Im Erzgebirge ist das Neunerlei des Weiteren als Weihnachtsbrauch bekannt. Hier serviert man traditionellerweise ein aus neun Mahlzeiten bestehendes Weihnachtsessen, das als Dreimaldrei die Dreifaltigkeit Gottes repräsentieren soll. Eine ähnliche Bedeutung könnte die Neunkräutersuppe auch bei den Kelten gehabt haben, wobei hier aller Wahrscheinlichkeit nach die dreifaltige Göttin im Zentrum der feierlichen Verehrung stand.

 

Gründonnerstagsuppe, Neunkräutersuppe, Grüne Neune
Ein keltisch-germanisches Rezepterbe zu Ostern: Die Gründonnerstagsuppe ist älter als der Gründonnerstag selbst | © Das Grüne Archiv

Unterschied zwischen Gründonnerstagsuppe und Frankfurter Grüner Soße

Die Frankfurter Grüne Soße wird hin und wieder mit der Gründonnerstagsuppe verwechselt. Wie diese ist auch die Grüne Soße eines der klassischen Kräuterrezepte zu Ostern und wird auch mit ähnlichen Kräutern zubereitet. Allerdings sind es im Falle der Frankfurter Grünen Soße nur sieben Kräuter.

Die abweichende Anzahl der Kräuter begründet sich möglicherweise darauf, dass je nach Wetterlage nicht immer neun frische Kräuter pünktlich zu Frühlingsbeginn bereit zur Ernte sind. Speziell nach einem langen Winter mit anhaltendem Frost bis Ende Februar oder gar Anfang März lassen manche Kräuter noch etwas länger auf sich warten.

Zudem gibt es mit Blick auf die Zutaten noch einige weitere Unterschiede zur Neunkräutersuppe. Die Grüne Soße ist insgesamt deutlich gehaltvoller und enthält neben Kräutern auch reichlich Quark, Joghurt, Sahne oder Schmand sowie Mayonnaise und Senf. Serviert wird sie gerne zusammen mit Salzkartoffeln und gekochtem Ei.

 

Neun Frühlingskräuter für die Gesundheit

Etwa um die Zeit der Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche findet auch die erste Kräuterernte des Jahres statt. Die Neunkräutersuppe ist dabei das Beste, was man aus Frühlingskräutern zubereiten kann.

Schon die Germanen und Kelten wussten, dass die ersten Kräuter der Saison nach einem harten Winter besondere Stärkung für den geschwächten Körper bedeuteten. Immerhin sind die Kräuter reich an Mineralstoffen und Vitaminen. Ebenso enthalten sie mit Flavonoiden, Bitterstoffen und Gerbstoffen immunstärkenden sowie stoffwechselfördernde Eigenschaften. Ideal also für eine Frühjahrskur zum Entschlacken. Eine klassische Kräuter-Kombination für die Gründonnerstagsuppe wäre hier:

  1. Bärlauch
  2. Gundermann
  3. Kerbel
  4. Kresse / Brunnenkresse
  5. Petersilie
  6. Pimpinelle
  7. Sauerampfer
  8. Schnittlauch
  9. Waldmeister

 

Grundsätzlich kann man die Kräuterzutaten aber frei wählen und bei Bedarf austauschen, wenn man eines der genannten Kräuter nicht zur Hand hat. Ein paar weitere schöne Kräuterempfehlungen sind diesbezüglich Borretsch, Brennnessel, Gänseblümchen, Giersch, Huflattich, Löwenzahn, Rauke, Spinat, Spitzwegerich, Taubnessel und Vogelmiere. Während die individuelle Auswahl der Frühlingskräuter für die Grüne Neune je nach Kräuterangebot variieren kann, dürfen einige Klassiker aber doch nicht fehlen.

Wer eine keltische Neunkräutersuppe zaubern möchte, sollte beispielsweise auf Waldmeister setzen. Er ist eines der hartnäckigsten Frühlingskräuter und treibt meist schon üppig aus, wenn draußen noch dichte Schneedecken liegen. Darüber hinaus war Waldmeister den Kelten als heiliges Kraut der Druiden bekannt. Die Zubereitung einer echten Germanen-Neunkräutersuppe kommt wiederum nicht ohne Gundermann aus. Er galt den Germanen als potentes Stärkungskraut.

Wichtig: Bei der Verwendung der Kräuterzutaten ist darauf zu achten, Kräuter mit intensiven Aromen etwas moderater zu dosieren. Das gilt zum Beispiel für Bärlauch, dessen intensiver Geschmack dem von Knoblauch sehr ähnlich ist. Auch bittere Kräuter wie Rucola sollte man in etwas geringerer Menge verwenden, damit die Grüne Neune einen feinen Geschmack erhält.

 

Neunkräutersuppe, Kräuter, Frühlingskräuter
Unsere Kräuterauswahl für die Neunkräutersuppe: Bärlauch, Blutampfer, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Schnittlauch, Spitzwegerich und Waldmeister | © Das Grüne Archiv

Gründonnerstagsuppe selber machen

Wir geben der Neunkräutersuppe im nachstehenden Rezept einen keltischen Touch und verwenden Waldmeister als Spezialkraut. Wer seine Kräutersuppe etwas sämiger mag, kann außerdem ein paar Kartoffeln mit hinein schnibbeln. Zum Garnieren bieten sich dann Gänseblümchen, Taubnesselblüten und Bärlauchblüten wunderbar an.

 

Zutaten:

  • 1,5 l Gemüsebrühe
  • 200 ml süße Sahne (optional)
  • 2 Kartoffeln (optional)
  • 2 mittelgroße Zwiebeln
  • 2 EL Butter oder Margarine
  • 2 EL Mehl
  • 1 Prise Muskat
  • Salz und Pfeffer

sowie je eine Hand voll:

  • Bärlauch
  • Blutampfer
  • Kerbel
  • Kresse
  • Petersilie
  • Pimpinelle
  • Schnittlauch
  • Spitzwegerich
  • Waldmeister

 

Zubereitung:

Schält und würfelt die Zwiebeln und dünstet sie dann in etwas Butter oder Margarine kurz an. Stäubt die Zwiebeln anschließend mit dem Mehl an und verrührt alles zu einer leichten Mehlschwitze. Danach könnt ihr bei Bedarf noch die Kartoffel kurz mit anschwitzen, bevor ihr das Ganze mit Gemüsebrühe ablöscht. Der Suppenansatz muss nun köcheln, bis die Kartoffeln gar sind.

Unterdes wascht und hackt ihr die Kräuter. Vom Waldmeister nehmt ihr nur die jungen Spitzen, da die Stiele etwas bitter sind. Nach angemessener Garzeit nehmt ihr die Gemüsebrühe vom Herd und gebt die Kräuter sowie ggf. die Sahne mit in den Topf.

Die Suppe wird nun noch mit einem Pürierstab fein püriert und abschließend mit Muskat, Pfeffer und Salz abgeschmeckt. Für einen besonders dekorativen Effekt könnt Ihr die Neunkräutersuppe final mit Kräuterblüten garnieren.

Tipp: Die Gründonnerstagsuppe schmeckt besonders gut mit einem Klecks Schmand und frisch gebackenem Brot als Beilage.

 

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