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Verdauungskräuter bei Gallenleiden und Lebererbeschwerden

7 Minuten Lesezeit

Gallenblase und Leber bilden anatomisch eine gewisse Einheit innerhalb des Verdauungskomplexes. Immerhin werden zwischen beiden Organen fortwährend Sekrete und Nährstoffe ausgetauscht, darunter Fettsäuren, Proteine, Enzyme und Blutfarbstoffe. Erkrankungen eines der beiden Organe beeinflusst darum auch recht schnell das anschließende Organ, sofern keine angemessene Behandlung erfolgt.


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Kaptel 3.1:

Verdauungskräuter bei Gallenleiden

Gallenprobleme entstehen bereits dann, wenn der in der Leber gebildete Gallensaft an seiner Gallengangpassage gehindert wird. Kommen kann es hierzu unter anderem durch ein Gallensteinleiden (Cholelitiasis). Die als Colelithen bekannten Gallensteine entstehen immer dann, wenn es in der Gallenblase zu kristallinen Ausfällen der Gallenflüssigkeit kommt.

Gallenflüssigkeit besteht neben Gallensäure maßgeblich aus Cholesterin, Protein sowie den Gallenfarbstoffen Bilirubin und Biliverdin, wobei Cholesterinsteine mit etwa 80 Prozent und Bilirubinsteine mit ca. 20 Prozent die häufigsten Gallensteinvarianten bilden.

Gallensteine wachsen mitunter sehr langsam über einen Zeitraum von mehreren Jahren hinweg. Nicht immer verursachen Sie dabei sofort entsprechende Beschwerden. Erst, wenn die Steine eine bestimmte Größe erreicht haben, und wiederholt gegen die Gallenblasenwände stoßen, stellen sich allmählich wiederkehrende und äußerst schmerzhafte Koliken ein.

In vielen Fällen entsteht durch diese anhaltende Reizung der Gallenwände auch eine Gallenblasenentzündung (Cholezystitis). Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass die Steine in die Gallengänge abwandern, was nicht nur stärkere Schmerzen, sondern auch Stenosen im Bereich der Gallenwege begünstigt.

Die Gallenflüssigkeit kann bei derartigen Verschlüssen nicht mehr oder nur unzureichend abfließen, was im weiteren Verlauf zu einer Stauungsblase (Gallenblasenhydrops) führt. Für die Verdauung bedeutet dies, dass immer weniger Gallenflüssigkeit in den Dünndarm gelangt, was wiederum die Fettverdauung massiv beeinträchtigt. Verdauungsbeschwerden wie Sodbrennen oder Blähungen sind deshalb als Folgebeschwerden nicht auszuschließen.

Sollte der Bilirubinstoffwechsel im Rahmen eines Gallenleidens nachhaltig gestört werden, kann es zu einer erhöhten Konzentration des gelben Gallenfarbstoffes im Blut kommen. Die Folge ist dann meist eine ausgeprägte Gelbsucht (Ikterus), wie sie im Übrigen auch durch schwere Lebererkrankungen zustande kommen kann. Anzeichen der Gelbsucht sind dabei deutliche Gelbfärbungen der Haut, Schleimhäute, sowie der Lederhaut der Augen.

„Wer Gelbsucht hat, zerreibe den Steinbrechsamen in Wein und lasse ihn eine Stunde lang liegen. Er trinke das oft nach dem Essen, und die Gelbsucht in ihm wird ausgelöscht, weil diese manchmal durch ein Überfließen der Galle ausgelöst wird und so etwas oft zu Verhärtungen in Form eines Steines führen kann.“

Es muss nicht erwähnt werden, dass die Behandlungsmöglichkeiten für Gallensteine im Mittelalter sehr begrenzt waren. Die chirurgische Entfernung der Steine war damals noch völlig unbekannt, weshalb man damals primär auf eine Ausleitung bzw. eine Auflösung der Gallenkonkremente durch natürliche Heilmittel setzte.

Ein Heilkraut, das hier sogar seinen Namen der guten Wirkung gegen Steinleiden aller Art verdankt, ist der Steinbrech, genauer gesagt, der Knöllchen-Steinbrech. Denn sowohl an seinen felsigen Standorten in freier Natur als auch im menschlichen Organismus durchbricht dieses Heilkraut ohne Mühen steinige Hindernisse.

 

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Kommt nicht von ungefähr: Der Name des Steinbrechs verweist auf seine Fähigkeit, durch Gestein zu brechen. Das schließt auch Gallensteine mit ein. | © Das Grüne Archiv

Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen des Steinbrechs gehören Gerb- und Bitterstoffe. Zwei Pflanzenstoffe, die dafür bekannt sind, unwahrscheinlich anregend auf Stoffwechsel und Verdauung wirken.

Auch besitzen sie entzündungshemmende und keimtötende Eigenschaften, was sowohl bei Gallen-, als auch bei Leberentzündungen eine wertvolle Unterstützung sein kann. Der adstringierende Effekt von Steinbrech sorgt außerdem für einen verbesserten Blutfluss, wodurch Bilirubinrückstände im Blut schneller ausgeleitet werden können.

 

Kaptel 3.2:

Verdauungskräuter bei Leberbeschwerden

Bilirubin und Biliverdin sind Abbauprodukte des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin, das nach einer Zirkulationsdauer im Blutkreislauf von maximal 120 Tagen regelmäßig in der Leber abgebaut und durch frisches Hämoglobin ersetzt wird.

Das grüne Biliverdin bildet bei besagtem Abbauprozess die Vorstufe zum gelblichen Bilirubin. Sollte es zu Komplikationen beim Abbau von Hämoglobin in der Leber kommen, hat dies nicht nur Auswirkungen auf die Produktion der Gallenflüssigkeit.

Ebenso begünstigen Störungen im Hämoglobinabbau ernste Leberschäden. Sie nehmen ihren Anfang zumeist in einer vermehrten Einlagerung von Nahrungsfetten ins Lebergewebe. Die Folge ist dann langfristig eine sogenannte Fettleber (Steatosis hepatis). Eine Erkrankung, die auch nach einer langjährigen Fehlernährung durch stark fetthaltige Lebensmittel eintreten kann und in diesem Zusammenhang häufig als Begleiterscheinung von Übergewicht auftritt.

Gefährlich ist eine Fettleber insbesondere für die Funktionalität der Leberzellen, die krankheitsbedingt irgendwann so überladen mit Fettsäuren sind, dass sie ihrer blutreinigenden Aufgabe nicht mehr nachkommen können. Ganz ähnliche Schädigungen der Leberzellen verursacht auch exzessiver Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenkonsum, der im weiteren Verlauf eine regelrechte Lebervergiftung provoziert.

Zu den weiteren denkbaren Auslösern zählen Leberinfektionen und Verletzungen der Leber. Ungeachtet der Ursache führen geschädigte Leberzellen früher oder später unweigerlich zur Entstehung einer Leberentzündung (Hepatitis). Als Folgeentzündung kann diese übrigens auch im Zuge einer Gallenblasenentzündung auftreten. Überhaupt neigen Entzündungsprozesse im Verdauungstrakt dazu, nach einer Weile der ausbleibenden Therapie zu streuen. Dies umso mehr, wenn ein Infektionsgeschehen an der Entzündung beteiligt ist.

Zur heilpflanzlichen Behandlung sind deshalb Kräuter gefragt, die bei bestehendem Entzündungsgeschehen Leber, Galle und ggf. auch den Magen-Darm-Trakt gleichermaßen entlasten und das Risiko weiterer Folgeentzündungen in angrenzenden Organen reduzieren.

Eine besondere Empfehlung Hildegards ist an dieser Stelle ein weiteres längst vergessenes Traditionskraut: der Gemeine Odermennig (Agrimonia eupatoria). Einst als wichtige entzündungshemmende und verdauungsfördernde Heilpflanze bekannt, die selbst in Nordafrika und Asien hochgeschätzt wurde, kennen den Odermennig heutzutage viele nicht einmal mehr vom Namen her. Und das obwohl seine Inhaltsstoffe medizinisch nach wie vor äußerst relevant sind.

Von seltenen Gerbstoffen wie Corilagin über altbewährte Flavonoide wie Apigenin und Quercetin bis hin zu hochwertigen Pflanzensäuren wie der Kieselsäure, mangelt es Agrimonia eupatoria kaum an wenigen heilpflanzlichen Wirkstoffgruppen.

Die ganzheitliche Wirkung des Odermennigs auf den gesamten Verdauungstrakt beinhaltet dabei auch gallen- und leberschützende Aspekte. Es gibt sogar Quellen, die von einer Wirksamkeit des Odermennigs bei akutem Leberversagen berichten. Die beste Form der Darreichung ist dabei die als Teekraut in Kombination mit anderen Leberkräutern.

Besonders gefährlich an der Hepatitis ist, dass sie ohne geeignete Gegenmaßnahmen noch weitaus größere Leberschäden verursachen kann. Im schlimmsten Fall tritt eine Leberzirrhose (Kirrosis) ein, bei der es zu einem schleichenden Untergang von Lebergewebe kommt.

Das betroffene Gewebe kann sich aufgrund einer vorliegenden Leberkrankheit nicht mehr in ausreichendem Tempo regenerieren. Stattdessen bildet sich in geschwächten Abschnitten des Lebergewebes vermehrt überschüssiges Bindegewebe aus, was die Durchblutung des Organs beeinträchtigt und auch die Gallenproduktion gravierend stört.

Begleitsymptome wie starke Schmerzen, entzündungsbedingte Verschleimungen und selbst Eiterungen in der Leber sind bei einer Leberzirrhose, welche das gefährliche Endstadium vieler Lebererkrankungen markiert, nicht mehr auszuschließen. Ein Leberversagen ist nun eine allgegenwärtige Gefahr für Gesundheit und Leben des Patienten. Es gilt daher, durch tiefgreifende Ernährungsmaßnahmen und Lebertherapeutika so schnell wie möglich eine Entlastung der Leber herbeizuführen.

Hildegard wusste selbst gegen solch ernste Zustände noch Rat. Sie setzte hier auf ein altes Farngewächs, und zwar den Hirschzungenfarn. Ihr daraus hergestelltes Hirschzungenelixier ist weltberühmt und wird Leberkranken noch heute in Apotheken als heilpflanzliches Lebertherapeutikum angeboten.

Es sei aber erwähnt, dass derartige Maßnahmen bei schweren Leberschäden keine Alleinmaßnahme darstellen. Eine fundierte ärztliche Behandlung ist hier optionslos und kann durch Heilkräuter lediglich unterstützend begleitet werden. Dies aber sehr zuverlässig.

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Hirschzungenfarn verdankt seinen Namen den markanten, züngelnden Blättern | © Das Grüne Archiv

„Die Hirschzunge hilft der Leber, der Lunge und bei schmerhaften Eingeweideleiden. […] Das Hirschzungen-Elixier hilft der Leber, reinigt die Lunge und heilt die schmerzenden Eingeweideleiden, beseitigt innere Eiterungen und Verschleimung. […] Trinke davon oft vor und nach dem Essen.“

Die Hirschzunge wurde in der Vergangenheit immer wieder gegen die verschiedensten Erkrankungen eingesetzt. Bekannt sind Anwendungen in der Lungenheilkunde, der Urologie, bei Erschöpfungszuständen sowie in der Behandlung von Geschlechts-, Drüsen- und Magen-Darm-Erkrankungen.

Außer Hildegard von Bingen erwähnen diesbezüglich auch andere namhafte Heilkundige, wie etwa Dioskurides, Plinius, Theophrast, Hieronymus Bock oder Otto Brunfels. Sie zeigen auf, dass die Heilwirkung des Hirschzungenfarns über alle Jahrhunderte hinweg stets neu beurteilt und für bedeutsam befunden wurde. Ein erprobtes Heilkraut also, dessen lange Anwendungsgeschichte seine gute Wirkung bestätigt.

Als Lebertherapeutikum hilft Hirschzungenfarn nun einerseits durch seine das Immunsystem und den Stoffwechsel stimulierenden Vielfachzucker beim Stoffabbau des Organs. Gleichzeitig wirken die Polysaccharide im Falle von Leberschmerzen auch als beruhigende und schmerzlindernde Schleimstoffe auf das irritierte Gewebe.

Nicht zuletzt stecken in der Hirschzunge auch Gerbstoffe und Antioxidantien, die sehr gezielt gegen Entzündungen und Organschlacken vorgehen. Einer geplagten Leber wird mittels eines Hirschzungenelixiers also gleich auf mehrfache Weise etwas Gutes getan. Lesen Sie nachstehend Hildegards Originalrezept zur Herstellung des berühmten Hirschzungenelixiers.

 

Hirschzungenelixier:

  • 50 g Mehl
  • 20 g Hirschzunge
  • 10 g Zimtrinde
  • 1 g Pfeffer
  • ½ l Rotwein
„Die Hirtzunge [Hirschzunge] ist warm und tut Leber, Lunge und schmerzenden Eingeweiden wohl. Koche sie stark in Wein, füge reines Mehl hinzu, lasse es dann noch einmal aufsieden, pulverisiere dann langen Pfeffer und zweimal so viel Cynamomum [Zimt] und lasse die Milch mit dem Wein noch einmal aufsieden, drücke sie durch ein Tuch und mache so einen luterdranck und trinke ihn oft nüchtern wie nach dem Frühstück.“

 

Tipp: Eine entsprechende Hirschzungenkur wird heutzutage mit 4 bis 6 Wochen Anwendungsdauer angesetzt, wobei in der ersten Woche 3 x täglich ein Likörglas des Elixiers nach dem Essen einzunehmen sind. In den Folgewochen wird jeweils vor und nach dem Essen ein Likörglas gereicht.


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