Kuhschelle, Küchenschelle, Pulsatilla

Kuhschelle – Pflanzen, Pflege und Arten

Die auch als Küchenschelle bezeichnete Kuhschelle (Pulsatilla) ist eine heimische Blütenstaude, die ihren Namen den glockenförmigen Blüten vieler ihrer Arten verdankt. Diese erstrahlen artabhängig in Weiß, Gelb, Rosa, Rot oder Violett und besitzen dank ihrer leuchtend gelben Staubbeutel eine äußerst auffällige Blütenmitte. Als Gartenpflanze sind Kuhschellen aber nicht nur wegen ihrer farbenfrohen Blüten sehr beliebt. Die Pflanzen sind daneben nämlich auch unwahrscheinlich pflegeleicht und bereiten dem Gärtner kaum Mühen in der Kultur.

Ein weiterer Punkt, der für die Kultivierung von Kuh- bzw. Küchenschellen spricht ist, dass die meisten ihrer Arten als gefährdet gelten und deshalb dringend auf Unterstützung beim Arterhalt angewiesen sind. Wie sie der seltenen Schönheit Pulsatilla im Garten ein geeignetes Plätzchen bieten, erfahren Sie nachstehend.

Achtung: Die Kuhschelle ist zwar sehr ziervoll, enthält aber in allen Pflanzenteilen hohe Mengen des giftigen Alkaloids Protoanemonin. Dieses kann zu Hautreizungen führen, weshalb man Pulsatilla immer außer Reichweite von Kindern und Haustieren pflanzen sollte! Bei Arbeiten an der Pflanze ist es ratsam, Schutzhandschuhe zu tragen.

 

Kuhschelle pflanzen – Standort und Ablauf

Kuh- oder Küchenschellen zählen zur Familie der Hahnenfußgewächse, die auf der gesamten Nordhalbkugel verbreitet sind. Spezielle Überwinterungsmaßnahmen sind also nicht notwendig, denn die Kuhschelle ist kalte Winter mehr als gewöhnt und bis -35 °C winterhart. In Sachen Lichtverhältnisse am Standort gibt es ebenfalls keine Besonderheiten zu beachten, dann Pulsatilla wächst sowohl in sonnigen als auch in halbschattigen Lagen. Eine besonders beliebte Gartenart der Pulsatilla ist dabei die Gewöhnliche Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris).

In freier Wildbahn gedeihen Kuhschellen vorzugsweise auf humosem Trockenrasen oder in Kiefernwäldern. Ein humoses, kiesig-lehmiges und durchlässiges Substrat ist also ideal, jedoch nicht zwingend erforderlich.

Wichtig ist nur, dass der Boden ausreichend Nährstoffe enthält und tiefgründig ist, denn die Kuhschelle gehört zu den Tiefwurzlern und gräbt sich mit ihren Rhizomen bis zu 1 m tief ins Erdreich vor. In Sachen pH-Werte sind neutrale Böden von 7,0 bis 8,0 Punkten zu empfehlen. Mit kalkhaltigen Substraten kommt Pulsatilla ebenfalls zurecht.

Pflanztipp: Wählen Sie für die Kuh- bzw. Küchenschelle bitte keine starkwüchsigen Pflanzpartner, da diese das Wachstum der Pulsatilla zu arg unterdrücken könnten. Greifen Sie in Mischkultur stattdessen auf klein- und schwachwüchsige Pflanzen, wie das Windröschen zurück, das ohnehin mit der Kuhschelle verwandt sind und ihren moderaten Wuchs teilen.

Einzelheiten zum Standort für Pulsatilla:

  • Kuhschelle verträgt sowohl sonnige, als auch halbschattige Standorte
  • humoser, nährstoffreicher, durchlässiger, kiesig-lehmiger Boden
  • Substrat sollte außerdem tiefgründig sein (Tiefwurzler)
  • pH-Wert des Bodens: neutral, von 7 bis 8 Punkte
  • kalkhaltige Böden sind akzeptabel
  • Kuhschelle verträgt keine starkwüchsigen Pflanzpartner
  • guter Beetnachbar ist das Windröschen
  • besonders beliebte Gartenart: Gewöhnliche Kuhschelle
  • Pulsatilla ist bis -35 °C winterhart

 

Kuhschelle, Küchenschelle, Pulsatilla
Die schellenförmigen Blüten der Pulsatilla

Pflanzanleitung für Kuhschellen

Kuhschellen gibt es als vorgezogene Jungpflanzen in fast jeder Gärtnerei zu kaufen. Auch Spezialzüchter und Online-Shops bieten ein großes Sortiment an Pulsatilla-Arten. Beim Pflanzen der Blütenstauden sollte man diesbezüglich wie folgt vorgehen:

1. Schritt – Pflanztermin wählen: Pulsatilla können Sie ab März bis in den September hinein ins Freiland pflanzen. Einzige Bedingung ist, dass am Pflanztag keine zu heißen Temperaturen über 30°C auftreten. Hierauf reagieren Jungpflanzen der Kuhschelle nämlich etwas empfindlich.

2. Schritt – Boden vorbereiten: Vor der Pflanzung wird der Standortboden der Kuhschellen tiefgründig aufgelockert und mit Humus und Sand bzw. Kies angereichert. Anschließend wird ein Pflanzloch in der Größe des Rhizoms der Küchenschelle ausgehoben.

3. Schritt – Kuhschelle pflanzen: Setzen Sie die Kuhschellen aufrecht in das vorbereitete Pflanzloch ein und füllen Sie dieses im Anschluss mit Erde auf. Die Erdoberfläche wird leicht angedrückt. Der Pflanzabstand zwischen zu Artgenossen und Pflanznachbarn sollte ca. 20 cm betragen. In den ersten Wochen nach der Pflanzung erfreut sich die Blütenstauden dann an regelmäßigen Wässerungen.

Kurzschritte zum Pflanzen im Überblick:

  • Pflanztermin für Pulsatilla: März bis September
  • Temperaturen sollten am Pflanztag nicht über 30 °C liegen
  • Boden vor der Pflanzung tiefgründig auflockern
  • bei Bedarf Humus und Sand / Kies untermischen
  • Pflanzloch sollte sich an der Größe der Wurzeln orientieren
  • Pflanzabstand: 20 cm
  • nach Pflanzung Kuhschelle in den ersten Wochen regelmäßig gießen

 

Pflege der Kuhschelle – gießen und düngen

Die Kuh- bzw. Küchenschelle besitzt an ihren Stängeln und Blättern eine flaumige Behaarung. Diese schützt die Pflanze selbst in den heißen Sommermonaten vor übermäßiger Wasserverdunstung. Aus diesem Grund ist es selbst in der Blütezeit der Küchenschellen von März bis Mai ausreichend, die Pflanzen nur gelegentlich zu wässern, sobald der Boden trocken erscheint. Staunässe darf dabei allerdings nicht entstehen, denn diese verträgt Pulsatilla deutlich schlechter als kurze Trockenphasen.

Düngungen sollten bei Küchenschellen vermieden werden, da sie ansonsten in starken Konkurrenzdruck zu ihren Nachbarpflanzen geraten und häufig von diesen verdrängt werden.

Kurztipps zum Gießen und Düngen:

  • Küchenschelle nur gießen, wenn Boden sehr trocken erscheint
  • Staunässe ist unbedingt zu meiden
  • Pflanze nicht düngen, um Wurzelkonkurrenz zu  vermeiden

 

Kuhschelle, Küchenschelle, Pulsatilla
Wiesen-Kuhschelle (Pulsatilla patensis)

Pflege der Kuhschelle – schneiden und Vermehren

Nach ihrer Blüte bildet die Kuhschelle ihre Samen in Form von graubraunen Federschweiffliegern, die sich beim Abfallen in den umliegenden Boden bohren oder über Windstöße verbreiten. Ebenso können die Samen im Fell vorbeiziehender Tiere haften bleiben, und sich so verbreiten. Eine Selbstaussaat ist bei Kuhschellen also gewiss.

Wenn Sie die Selbstaussaat vermeiden oder ihre Küchenschelle zu einer zweiten Blüte anregen möchten, können Sie welke Blüten frühzeitig abknipsen. Ein besonderer Winterschutz der Küchenschellen ist wie erwähnt nicht notwendig, denn ihre dichte Behaarung schützt die Pflanzen nicht nur vor Verdunstung, sondern auch hervorragend vor Frostschäden, selbst wenn das Laub bereits verwelkt ist. Der bodennahe Rückschnitt der Pulsatilla erfolgt dann im Frühling, um den Neuaustrieb zu fördern.

Vermehrung durch Aussaat oder Wurzelteilung: Pulsatilla kann durch Aussaat vermehrt werden, indem Sie die Federschweifflieger vor ihrem Abfallen von der Pflanze absammeln. Ab Januar werden die Samen im Haus in Anzuchterde vorgezogen, oder ab März direkt ins Freiland gesät. Auch eine Vermehrung durch Teilung der Rhizome der Kuhschelle ist möglich. Hierzu werden neugebildete Rhizome im Frühjahr von der Mutterpflanze getrennt und anschließend in Anzuchterde eingepflanzt, bis sich erste Triebe gebildet haben.

Kurztipps zum Schneiden und Vermehren:

  • Abknippsen welker Blütenstände regt Zweitblüte an
  • auch beugt der Schnitt einer Selbstaussaat vor
  • bodennaher Rückschnitt erfolgt im Frühjahr
  • für Vermehrung durch Aussaat Federschweifflieger absammeln
  • sie werden ab Januar unter Glas in Anzuchterde vorgezogen
  • alternativ im Frühjahr junge Rhizome von Mutterpflanze trennen
  • in Anzuchterde pflanzen und warten, bis die Teilstücke wurzeln

 

Interessante Arten und Sorten der Pulsatilla

Pulsatilla existiert in 33 verschiedenen Arten, von denen die Gewöhnliche Kuhschelle sicher die sortenreichste ist. Laut jüngsten genetischen Untersuchungen ließen sich Kuh- bzw. Küchenschellen übrigens zur Gattung der Windröschen zählen, mit denen Pulsatilla im Gartenbeet sowieso sehr gut harmoniert. Lesen Sie nachstehend ein paar Empfehlungen zu besonders schönen Arten der Kuhschelle:

ArtBeschreibung
Alpen-Kuhschelle
(Alpen-Küchenschelle)
Pulsatilla alpina
Blütezeit: Mai bis August
Blütenfarbe: weiße oder gelbe Blüten
Wuchshöhe: 15 bis 30 cm
Herkunft: Alpen; Europa
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: bis -29 °C winterhart; ideal für Steingärten
Frühlings-Kuhschelle
(Frühlings-Küchenschelle)
Pulsatilla vernalis
Blütezeit: März bis April
Blütenfarbe: rosa Blüten
Wuchshöhe: 5 bis 15 cm
Herkunft: Europa
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: bis -35 °C winterhart; bevorzugt pH-Werte von 5 bis 6,5; beliebte Steingartenpflanze
Gewöhnliche Kuhschelle
(Gewöhnliche Küchenschelle)
Pulsatilla vulgaris
Blütezeit: März bis Mai
Blütenfarbe:
violette Blüten
Wuchshöhe: 15 bis 40 cm
Herkunft: Europa
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: bis - 20 °C winterhart; Gewöhnliche Kuhschelle ist in weißen, blauen und roten Sorten erhältlich
gute Sorten: 'Alba', 'Blaue Glocke', 'Rote Glocke', 'Rubra', 'Weißer Schwan'
Große Kuhschelle
(Große Küchenschelle)
Pulsatilla grandis
Blütezeit: April bis Mai
Blütenfarbe: blauviolette bis hellviolette Blüten
Wuchshöhe: 5 bis 40 cm
Herkunft: Europa
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: bis -29 °C winterhart; es ist eine goldgelbe Sorte erhältlich
gute Sorten: 'Budapest Variety'
Hallers Kuhschelle
(Hallers Küchenschelle)
Pulsatilla halleri
Blütezeit: Mai bis Juli
Blütenfarbe: altrosa bis blauviolette Blüten
Wuchshöhe: 15 bis 20 cm
Herkunft: Europa
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: bis -29 °C winterhart
Rote Kuhschelle
(Rote Küchenschelle)
Pulsatilla rubra
Blütezeit: April bis Juni
Blütenfarbe: rote bis rotviolette Blüten
Wuchshöhe: 20 bis 30 cm
Herkunft: Europa
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: bis -29 °C winterhart; beliebt in Steingärten
Wiesen-Kuhschelle
(Schwarz-Küchenschelle)
Pulsatilla pratensis
Blütezeit: April bis Mai
Blütenfarbe: seltene, schwarzviolette Blüten
Wuchshöhe: 15 bis 30 cm
Herkunft: Europa
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: bis -29 °C winterhart; ideal für den Steingarten

 

Kuhschelle – Mögliche Krankheiten und Schädlinge

Sofern Kuhschellen auf zu stark verdichteten Böden wachsen, die zu Staunässe neigen, können Pilzerkrankungen wie der Rostpilz oder Brandpilz an den Pflanzen auftreten. Gegen einen derartigen Pilzbefall hilft neben dem Spritzen mit Brennnesselsud meist nur das Umpflanzen in einen trockenen Boden. Ansonsten sind keine nennenswerten Schadbilder für Pulastilla bekannt.

 

Fazit

Die Kuhschelle ist mit ihren glockenförmigen Blüten und ihrer silbrigen Behaarung eine optisch besonders reizvolle Zierpflanze, die sich auch in nährstoffarmen oder kalkhaltigen Gartenböden ansiedeln kann. Pflegemaßnahmen sind an Kuhschellen kaum nötig. Ebenso zeigen sich die Pflanzen recht robust und widerstandfähig gegen Kälte und Schadbilder.

Nichtsdestotrotz ist die kleine Blütenkriegerin Pulsatilla heute stark gefährdet, weshalb man ihr im Garten dringend eine Zuflucht bieten sollte. Dies muss aber außer Reichweite von Kindern und Vierbeinern geschehen, da Kuhschellen leider nicht nur schön, sondern auch sehr giftig sind. Bienen, Hummeln und Schmetterlinge lockt die Pflanzen jedoch zahlreich in den Garten, wodurch sie als wertvolle Nützlingsweiden fungieren.

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