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Rainfarn, Wurmkraut, Tanacetum vulgare

Rainfarn pflanzen – Inhaltsstoffe, Anwendung und Kultur

Wenngleich der auch als Wurmkraut bekannte Rainfarn (Tanacetum vulgare) früher als traditionelle Heilpflanze galt, wird er heute kaum mehr genutzt. Das hat auch seine Gründe, denn das vermeintliche Heilkraut ist in allen Pflanzenteilen giftig. Nützlich sein kann Tanacetum vulgare im Garten aber dennoch.

 

Von der Heilpflanze zur Giftpflanze

Rainfarn gehört zur Gattung der Wucherblumen und ist daher eng verwandt mit Mutterkraut. Während dieses aber nach wie vor als Heilpflanze in Gebrauch ist, zählt man Rainfarn inzwischen zu den gefährlichen Giftpflanzen und das trotz regem Einsatz in der mittelalterlichen Volksküche und Volksheilkunde.

 

Verwendung von Tanacetum vulgare im Mittelalter

Wenngleich Rainfarn in der Antike noch nicht als Heilkraut bekannt war, spielte die Pflanze doch zumindest in der griechischen Mythologie eine Rolle. Die Legende besagt, dass Göttervater Zeus einst ganz angetan von dem schönen Jüngling Ganymed war. Er entführte den Knaben deshalb in Gestalt eines Adlers in den Olymp, wo Ganymed zum Mundschank des Gottes wurde. Um seine Schönheit auf ewig zu bewahren, ließ Zeus den Jüngling einen Sud aus Rainfarn trinken, der ihm Unsterblichkeit verlieh.

Ein kontroverser Akt, wenn man bedenkt, dass der Verzehr von Tanacetum vulgare mitunter tödlich enden kann. Das Kraut verdeutlicht eindrucksvoll, dass die Nutzung von alten Kräutern nicht immer ganz ohne Risiko ist und sich selbst Heilkundige in der Vergangenheit nicht immer über besagte Risiken im Klaren waren.

Noch bis ins 18. Jahrhundert war man sich der Giftwirkung dieser Pflanze nicht bewusst. Die Nutzung als Küchenkraut, etwa als Zutat für Suppen, Salate und Gemüsebeilagen, war allgemein gebräuchlich. Hildegard von Bingen empfahl Rainfarn sogar explizit gegen Verdauungsbeschwerden. Auch in der Tierheilkunde war Rainfarn-Tee zur Behandlung von Durchfall bei Kühen nicht unüblich.

Eine besondere Rolle spielte Rainfarn (engl.: Tansy) außerdem als Festtagskraut zum altertümlichen Osterfest in Großbritannien, wo Rezepte wie Tansy Cake, Tansy Pancake oder Tansy Pudding zum Osterfest praktisch Pflicht waren. Auch mit Tanacetum vulgare gefärbte bzw. gewürzte Speisen wie die Irish Drisheens (irische Blutwürste) oder österlicher Räucherfisch hatten auf den britischen Inseln lange Tradition. Kaum verwunderlich, dass die Pflanze in der britischen Kunst und Literatur, wie auch in Kochbüchern des Mittelalters häufig auftaucht.

Die Färbeeigenschaften machten Tanacetum vulgare seinerzeit nicht nur zu einer beliebten Lebensmittelfarbe. Belegt ist zudem auch eine Nutzung als Färberpflanze und Beize für Wolle. In Kombination mit Alaun erzeugen die Pflanzenextrakte eine dunkelgelbe Färbung, wobei für 100 g Wolle ein Kräuterextrakt aus etwa 400 g Rainfarnblüten sowie 20 g Alaun benötigt werden.

 

Rainfarn, Wurmkraut, Tanacetum vulgare
Die gelb färbenden Flavonoide in Rainfarn machten ihn im Mittelalter zu einem beliebten Färberkraut | © Das Grüne Archiv

Wurmkraut als Wurmmittel und natürlicher Pflanzenschutz

Seinen Beinamen „Wurmkraut“ erhielt der Rainfarn, weil er in der Volksheilkunde gezielt zur Behandlung von Wurmerkrankungen Verwendung fand. Ebenso wurden andere Formen von Parasitenbefall, zum Beispiel Flöhe und Kopfläuse, durch Waschungen mit Rainfarn behandelt.

Hinzu kamen Anwendungen in der Schmerz- und Wundbehandlung, etwa gegen Quetschungen, Krampfadern und Rheuma. Zu diesem Zweck wurde aus dem Kraut ein Brei hergestellt und dann äußerlich in Form von Umschlägen auf die betroffenen Körperstellen aufgetragen.

Während die medizinische Anwendung von Tanacetum vulgare heute nicht mehr empfehlenswert ist, hat sich zumindest der mittelalterliche Einsatz als Duftpflanze gegen Schädlinge und Parasiten in Teilen bis heute erhalten.

Der intensive Duft der Rainfarnblüten war schon damals für seine gute Wirkung gegen Pflanzenschädlinge wie den Kartoffelkäfer bekannt. Man pflanzte das Kraut darum gerne im Gemüsegarten zwischen Kartoffeln und anderen schädlingsgefährdeten Gemüsesorten. Eine Studie der Montana State University zu Tanacetum vulgare konnte diesbezüglich sogar einen Rückgang des Kartoffelkäferbefalls nach dem Einsatz des Krautes als Pflanzenschutzmittel von 60 bis 100 Prozent feststellen.

Tipp: Wer Motten im Kleiderschrank effizient bekämpfen möchte, kann getrocknete Rainfarnkräuter in ein Kräutersäckchen einnähen, und dieses in den Schrank hängen. Die Plagegeister reagieren auf den ätherischen Geruch der Pflanze nämlich ähnlich allergisch wie Kartoffelkäfer und Co.

 

Rainfarn, Wurmkraut, Tanacetum vulgare
Wenngleich er als Heilpflanze heute keine Rolle mehr spielt, ist Rainfarn nach wie vor eine interessante Duftpflanze und auch ein wertvolles natürliches Pflanzenschutzmittel.

Inhaltsstoffe und Wirkung von Rainfarn

Der markante Duft von Tanacetum vulgare ist vor allem dem intensiven Aroma seiner ätherischen Öle geschuldet. Diese setzen sich maßgeblich aus folgenden Monoterpenen zusammen:

  • Borneol
  • Campher
  • Cineol
  • Pinen
  • Thujon

 

Darüber hinaus enthält die Pflanze Flavonoide und Cumarine. Die Giftwirkung des Rainfarns beruht dabei auf dem Terpen Thujon – ein Nervengift, das bei Überdosierung lebensbedrohliche Symptome auslösen kann. Diese reichen von Schwindel und Halluzinationen bis hin zu epileptischen Krämpfen. Im schlimmsten Fall kann es sogar zum Koma kommen.

Geringe Mengen Thujon sind auch in anderen Kräutern enthalten, darunter Beifuß und Wermut. Der Thujongehalt von letzterem war Grund für kritische Diskussionen um Absinth und seine tückische Wirkung bei Überdosierung. Auch bei Rainfarn spielt die Dosis eine entscheidende Rolle. Vergiftungserscheinungen treten diesbezüglich schon ab einer Menge von mehr als 1 bis 3 g Tanacetum vulgare auf.

Achtung: Neben Vergiftungen kann Wurmkraut auch Kontaktallergien auf der Haut auslösen.

 

Rainfarn, Wurmkraut, Tanacetum vulgare
Rainfarn auf einer sonnigen Wildflur | © Das Grüne Archiv

Rainfarn pflanzen – Standort und Aussaat

Auch wenn es sein Name anders vermuten lässt, ist der Rainfarn keine echte Farnpflanze. Wie alle Arten der Wucherblume gehört auch er zur Familie der Korbblütler. Im Unterschied zum artverwandten Mutterkraut sind die Blütenröhren bei Tanacetum vulgare aber stark reduziert, weshalb die Blütenkörbchen anmuten, als hätten sie überhaupt keine Blütenblätter. Für Nützlinge ist das von Vorteil, denn sie gelangen besonders leicht an den Nektar der Pflanzenblüten.

Aus diesem Grund ist das Wildkraut eine hervorragende Bepflanzung für die Bienenweide, auch wenn es als Heilkraut für Menschen keine Rolle mehr spielt. Und auch zur Schädlingsabwehr und als Zierpflanze macht sich Tanacetum vulgare im Garten wunderbar. Da Rainfarn außerdem bis -35 °C winterhart ist, kann er problemlos mehrjährig im Garten wachsen. Man sollte lediglich sicherstellen, dass die Pflanze vor dem Zugriff von Kindern geschützt steht.

 

Der richtige Standort für Rainfarn

Rainfarn ist in ganz Europa und Asien heimisch. An seinen Naturstandorten bevorzugt er sonnige Freiflächen. Häufig gedeiht er am Wegesrand, auf Geröllhalden, aber auch an Waldrändern und lichten Ufern und Wildblumenwiesen.

Als Standortboden wünscht sich Tanacetum vulgare ein frisch-feuchtes, nährstoffreiches und humoses Substrat. Der Boden sollte gut durchlässig sowie sandig-lehmig sein und keinen zu hohen Stickstoffgehalt aufweisen. Ein neutraler bis schwach basischer pH-Wert zwischen 7,5 und 8 ist empfehlenswert.

Einzelheiten zum Standort für Wurmkraut:

  • sonniger Standort
  • frisch-feuchter, nährstoffreicher, humoser Boden
  • durchlässiges, sandig-lehmiges Substrat
  • Boden-pH-Wert: neutral bis basisch, zwischen 7,5 und 8
  • Rainfarn ist bis -35 °C winterhart
  • Pflanze gibt eine wunderbare Bienenweide ab

 

Rainfarn, Wurmkraut, Tanacetum vulgare
Ein Bienchen beim Nektarschlürfen an einer Rainfarnblüte

Rainfarn säen

Der Pflanztermin für Rainfarn lässt sich von Frühling bis Sommer relativ frei wählen. Empfehlenswert ist eine Aussaat zwischen März und August. Lockern Sie den Gartenboden vorab gut auf und reichern Sie die Erde mit etwas Sand an. Zur Grunddüngung bringt man am besten eine Hand voll Kompost ins Substrat ein.

Säen Sie die Samen breitwürfig an gewünschter Stelle aus. Danach sollte das Saatgut nicht mit Erde bedeckt werden, da es sich bei Rainfarnsamen um Lichtkeimer handelt. Die Erstbewässerung erfolgt mit einem Gießaufsatz, damit die Samen nicht fortgeschwemmt werden. Die Keimdauer beträgt bei Tanacetum vulgare je nach Außentemperatur zwischen zwei und sechs Wochen. Danach können die Keimlinge ab einer Größe von 10 bis 15 cm pikiert werden.

Rainfarn erreicht eine Wuchshöhe von 50 bis 150 cm und eine Wuchsbreite von 30 bis 50 cm. Der Pflanzabstand sollte deshalb mindestens 30 cm betragen. Pro Quadratmeter dürfen dementsprechend nicht mehr als 5 Pflanzen stehen.

Rainfarn gießen und düngen

Bei geeigneter Standortwahl ist Tanacetum vulgare recht pflegeleicht. Bei regelmäßigem Niederschlag muss nicht gegossen werden. Da die Pflanze aber frisch-feuchte Böden liebt, sollten Gärtner im Sommer mit manueller Bewässerung nachhelfen, damit das Substrat in anhaltenden Trockenphasen nicht gänzlich austrocknet.

Die Blütezeit des Rainfarns erstreckt sich von Juni bis November. Zur Düngung reicht es aus, alljährlich vor der Blüte etwas Hornspäne oder Komposterde mit ins Standortsubstrat einzuarbeiten. Stark stickstoffhaltige Düngemittel wie Brennnesselsud sind dagegen zu vermeiden, da die Pflanze wie erwähnt eher stickstoffarme Böden liebt.

Rainfarn schneiden und vermehren

Umfangreiche Rückschnitte sind am Rainfarn nicht nötig. Um einen üppigen Austrieb im Folgejahr zu gewährleisten, kann es aber helfen, im Herbst welke Pflanzenteile abzuschneiden.

Zur Vermehrung des Rainfarns kann man entweder im Herbst eine Wurzelteilung durchführen oder aber zwischen Mai und Juni Kopfstecklinge entnehmen. Hierzu werden einjährige Jungtriebe der Pflanze ausgewählt. Achten Sie darauf, dass der Steckling drei Blattpaare besitzt und schneiden Sie den Trieb unter dem letzten Blattknoten ab.

Anschließend stellt man den Steckling für etwa 5 bis 10 Minuten in eine Nährstofflösung, die eine schnelle Bewurzelung fördert. Ein guter Tipp ist diesbezüglich Weidenwasser. Alternativ kann man das Schnittende des Triebes auch in Bewurzelungspulver tauchen und dann ins Wasser stellen.

Nach dem Nährstoffbad pflanzen Sie den Kopfsteckling direkt in einen Topf mit Anzuchterde und befeuchten das Substrat gut. Stechen Sie hier unbedingt Bewässerungslöcher vor, um den Steckling vor einem Verstopfen seiner Kapillaren zu bewahren.

Eine geeignete Luftfeuchtigkeit für den Steckling stellen Sie sicher, indem sie eine transparente Plastiktüte über den Topf stülpen. Bei guter Pflege und ausreichend Wärme sollten die Stecklinge binnen 14 bis 28 Tagen bewurzelt sein und können dann ins Freiland umgesetzt werden.

 

Mögliche Krankheiten und Schädlinge

Dass Rainfarn solch einen hervorragenden Pflanzenschutz abgibt, macht sich auch in der eigenen Schadbildresistenz der Pflanze bemerkbar. Dank seines intensiven ätherischen Duftes wird das Kraut kaum von Schädlingen oder Pflanzenkrankheiten befallen. Auch hier zeigt sich Tanacetum vulgare also äußerst pflegeleicht.

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