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Bonsai drahten – Infos und Ablauf

Etwa ab dem 10. Jahr eines zum Bonsai bestimmten Gehölzes wird das Drahten zu einem wichtigen Arbeitsschritt der finalen Formgebung. Je nachdem für welche Wuchsform Sie sich entschieden haben, müssen sowohl Äste, als auch Stamm und Wurzeln des Bonsai dieser besonderen Technik unterzogen werden. Allerdings gilt es einiges zu beachten, wenn Ihr Bonsai eine schonende und formschöne Drahtung genießen soll. Erfahren Sie deshalb nachstehend alle wichtigen Details zum Drahten von Bonsaibäumen.

 

Vorbereitungen fürs Bonsai Drahten

Die Wahl der richtigen Materialen beginnt in Sachen Drahttechnik schon beim Gehölz selbst. Am besten für das Drahten geeignet sind Prebonsai, die zwischen 10 und 12 Jahre alt sind, und durch die Aufbaumethode entsprechend vorbereitet wurden.

Auch Bonsai, die durch die Reduktionsmethode entstanden sind, lassen sich relativ gut einer Drahtung unterziehen. Äste und Wurzeln natürlich gewachsener Pflanzen lassen sich zwar grundsätzlich ebenfalls drahten, doch gerade was den Stamm betrifft ist eine nachträgliche Formgebung hier nur bedingt möglich.

Als Vorbereitung für den Drahtvorgang sollten Sie sich des Weiteren Gedanken über mögliche Hilfsmittel machen. Neben dem Draht selbst benötigen Sie für das Biegen von Holz nämlich meist auch geeignete Polstermaterialien, um zu verhindern, dass Drahtmetall im gespannten Zustand unschöne Druckstellen am Bonsai hinterlässt. Empfehlenswert sind hier unter anderem zurecht geschnittene Korkstreifen, Leder- oder Kunststoffstücke.

 

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Fehler beim Drahten: Werden Drähte zu spät entfernt, schneiden sie in den Stamm

Kork spielt auch beim Abspreizen von Astansätzen am Bonsai eine wichtige Rolle. Um den Wuchswinkel des Astes, aber auch um so manche Stammform zu korrigieren, werden entsprechende Korkkeile zwischen Stamm und Ast geklemmt. Alternative Spreizhilfen hierfür sind kleine Holzkeile oder angespitzte Drahtstücke dickerer Natur.

Besonders dicke Äste oder Stämme erfordern daneben den Einsatz von speziellen Zwingen. Sie sind in verschiedenen Größen erhältlich und erlauben eine Schritt-für-Schritt-Anpassung von Wuchsrichtung, Astwindungen und Stammverlauf des Bonsai.

Tipps zur Vorbereitung fürs Drahten:

  • 10 – 12 Jahre alte Prebonsai am besten zum Drahten geeignet
  • Polstermaterialen zur Vermeidung von Druckstellen wichtig
  • gute Polster sind Korkstreifen, sowie Leder- und Kunststoffstücke
  • Kork- oder Holzkeile ggf, zum Spreizen von Astansätzen nötig
  • Spezialklemmen zum Biegen dickerer Äste und Stämme

 

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Goldene Regel beim Drahten: Bonsai niemals zu stark biegen, sondern lieber nachjustieren

Bonsai drahten – Die Wahl des richtigen Drahts

Nachdem Sie ein passendes Bonsai-Basisexemplar gezogen oder gekauft haben, geht es natürlich daran, den richtigen Draht auszuwählen.

 

Aluminiumdraht für Laubbäume

Für Laubgehölze mit weichen Ästen empfehlen wir diesbezüglich Aluminiumdraht. Er lässt sich besonders leicht biegen und im Notfall auch einer Korrektur unterziehen, was gerade für Bonsaianfänger sehr von Vorteil sein dürfte.

Zudem ist Aluminiumdraht eine sehr preiswerte Variante und in vielen Fällen mit einer besonderen Eloxierung, beziehungsweise Lackierung versehen, die den Draht vor Oxidation und den Bonsai somit vor unschön verfärbten Druckstellen bewahrt.

 

Kupferdraht für Koniferen

Für Koniferen, also Nadelgehölze, ist Kupferdraht besser geeignet. Das oftmals sehr kräftige Astholz dieser Pflanzen benötigt zum Drahten ein äußerst stabiles Drahtungsmaterial, was leichte Aluminiumdrähte von vorn herein ausschließt.

Kupferdraht hingegen ist nicht nur äußerst robust, er härtet nach dem Biegen auch weiter aus und gibt zu drahtenden Ästen, Stämmen und Wurzeln damit sicheren Halt. Besagte Aushärtung sorgt allerdings auch dafür, dass sich Korrekturen am Kupferdraht sehr schwierig gestalten. Des Weiteren sind Drähte aus Kupfer etwas teurer als Aluminiumdraht.

 

Draht mit oder ohne Kunststoffbeschichtung?

Sowohl Alu- als auch Kupferdraht gibt es im Handel in verschiedenen Stärken. Welche Drahtstärke für Ihr vorhaben geeignet ist, ohne dass die behandelten Äste während dem Biegen brechen, probieren Sie am besten an einem abgeschnittenen Ast aus. Dieser muss nicht zwingend von Ihrem Bonsai stammen und kann einfach im Wald oder Garten gesammelt werden.

Unser Tipp: Nutzen Sie wann immer es geht Gartendraht mit Kunststoffbezug oder Aluminium- bzw. Kupferdraht, der mit einem Gummischlauch umwickelt ist. Hierdurch ersparen Sie sich bei vielen kleineren Arbeitsschritten am Bonsai die aufwändige Polsterung.

Einzelheiten zur richtigen Drahtwahl:

  • für Laubgehölze leicht biegsamen Aluminiumdraht nutzen
  • Aludraht ist preiswert und lässt sich bei Fehlern leicht korrigieren
  • ggf. ist auch eine Wiederverwendung des Materials denkbar
  • für Nadelgehölze nur robuster Kupferdraht nutzen
  • Kupferdraht ist etwas teurer, nicht korrigier- oder wiederverwendbar
  • verschiedene Drahtstärken vorab an abgeschnittenen Ästen testen
  • mit Kunststoff oder Gummi umwickelte Drähte ersetzen Polsterung

 

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Gartendraht mit Kunststoffbezug an jungem Ahorn Bonsai

Bonsai drahten – Schritt-für-Schritt-Anleitung

Nicht nur die Drahtwahl, auch die passende Jahreszeit fürs Drahten richtet sich beim Bonsai nach der Art der Gehölze. So werden Laubgehölze idealer Weise zwischen April und Juni gedrahtet, da ihr Holz während dieser Zeit besonders weich und biegsam ist.

Koniferen lassen sich hingegen zwischen Oktober und März am besten drahten, wobei Sie hier darauf achten müssen, dass das Geäst der Nadelhölzer nicht gefroren ist. Nachdem Sie einen passenden Termin fürs Drahten Ihres Bonsai gefunden haben, gehen Sie wie folgt vor:

 

1. Schritt: Drahtungsroute festlegen

Betrachten Sie Ihren Bonsai eingehend und überlegen Sie, welche Form einzelne Äste, Wurzeln oder der Stamm erhalten sollen. Bedenken Sie bereits hier, dass für Holz unterschiedlichen Durchmessers auch unterschiedlich dicke Drähte gebraucht werden.

Gedrahtet wird gemäß der Wuchsform von Bäumen grundsätzlich von innen nach außen. Arbeiten Sie sich bei umfangreichen Drahtmaßnahmen also gedanklich vom Stamm über die dickeren Äste des Kronenansatzes bis zu den Kronenspitzen vor. Eine Vorskizze kann helfen, ihre Pläne zu visualisieren.

 

2. Schritt: Draht vorbereiten

Bereiten Sie nach der Ausarbeitung eines Fahrplans Drahtbahnen von großzügiger Länge vor. Das Wort ‚großzügig‘ ist zu beherzigen, übt zu kurz geratenes Stückwerk doch häufig zu starken Druck auf die zu biegenden Äste aus. Dies kann zu Ast-, Stamm- und Wurzelbrüchen führen, was für die Gesundheit des Bonsai schädlich ist und dessen Wuchsform nachhaltig beeinträchtigt.

Als Orientierungshilfe gilt bei Ästen und Zweigen etwa die anderthalbfache Drahtlänge der Triebe. Beim Stamm sollte der Draht ungefähr doppelt so lang sein.

 

3. Schritt: Draht richtig anlegen

Wenn Sie einen Ast nach oben drahten möchten, so wird der entsprechende Draht am darunter liegenden Ast oder am Stamm verankert. Soll ein Ast nach unten gedrahtet werden, ist es genau umgekehrt und der darüber liegende Ast oder Stammabschnitt dient als Ankerpunkt.

Sofern der Stamm eines Bonsai im Ganzen verdrahtet wird, stellt das Pflanzsubstrat die Fixierungshilfe. Stecken Sie den Draht hier tief in die Erde, bis er am Schalenboden anstößt und drahten Sie dann vom Stammansatz aufwärts.

 

4. Schritt: Bonsai drahten

Winden Sie den Draht so, dass er zwar fest sitzt, den Bonsai aber nicht ins Holz schneidet. Achten Sie auch darauf, dass sich das Metall beim Verarbeiten nicht verdreht. Der Abstand zwischen einzelnen Windungen sollte möglichst gleich bleiben, damit ein Gerüst entsteht, das harmonisch und stabil gedrahtet ist.

Sobald Sie das Drahten abgeschlossen haben, biegen Sie die losen Drahtenden zu einer Schlaufe. Danach werden Stamm und Triebe sehr vorsichtig in die gewünschte Form gebogen, ohne dabei das Holz zu brechen. Sollte es doch einmal zu Bruchstellen kommen, müssen die entsprechenden Teile des Bonsai abgeschnitten und die Wunde verschlossen oder von künftigem Drahten ausgenommen werden, je nachdem, wie tief der Bruch geht.

 

5. Schritt: Bonsai entdrahten

Bis das Holz des Bonsai die durch das Drahten vorgegebene Form annimmt, kann es je nach Holzstärke zwischen drei und zwölf Monaten dauern. Abgenommen werden sollte der Draht demnach spätestens nach einem Jahr.

Ein drohendes Einwachsen des Metall gebietet ein Entdrahten unter Umständen schon früher. Ist dies der Fall oder die Formgebung des Bonsai selbst nach zwölf Monaten noch zu schwach ausgeprägt, können Sie zur weiteren Ausdefinierung der Form selbstverständlich erneut Draht anlegen.

Allerdings sollte dieser im zweiten Anlauf leicht versetzt zur vorherigen Auflagefläche angebracht werden. Auf diese Weise beugen Sie Dellen, Druckstellen und Brüchen am Holz vor.

 

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Spanndrähte geben der angestrebten Wuchsform zusätzliche Stabilität

Arbeiten mit Spanndrähten am Bonsai

Spanndrähte sind gut für Wuchsformen geeignet, bei denen die Triebe in einem Bogen verlaufen (z.B. Kaskade oder Halbkaskade). Hier wird der Draht durch die Ablauflöcher in der Bonsaischale geführt und dann am entsprechenden Triebansatz befestigt. Eine Verankerung am Stamm des Bonsai ist beim Abspannen mit Draht nicht ratsam. Denn die Zugkraft des Drahtes könnte dafür sorgen, dass der Bonsaibaum in seiner Schale umkippt. Umspannt der Draht dagegen den Wurzelballen, ehe er zu seinem eigentlichen Einsatzort am Trieb verläuft, gibt er dem Bonsai ausreichend Halt und sorgt für ein insgesamt stabiles Spanngerüst.

 

Fazit

Das Drahten eines Bonsais erfordert ein gutes Augenmaß, sowie ein Gespür für die Druck- und Zugbelastbarkeit von Holz. Für Anfänger empfiehlt es sich, mit leicht biegsamen Laubgehölzen zu starten und das Drahten zunächst an abgeschnittenen Trieben auszuprobieren. Spezielle Hilfsmittel, wie Polstermaterialien, Spreizhilfen und spezielle Baumzwingen können den Drahtvorgang zudem erheblich erleichtern. Gleiches gilt für das Vorskizzieren der angestrebten Wuchsform. Denn mit einem finalen Bild vor Augen lässt sich Gehölz logischerweise einfacher in Gestalt biegen.

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