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Eibisch – Wirkung, Kultur und Arten

17Der Eibisch (Althaea) ist eine heimische Wildstaude und wird nicht ohne Grund gerne mit seinen Artverwandten, Hibiskus und Malve, verwechselt. Nicht nur, dass sich die zarten Blütenstände der drei Pflanzen in Form und Farbe ähneln, besitzen Eibisch, Hibiskus und Malve auch eine sehr ähnliche Heilwirkung.

 

Eibisch in der Küche und Medizin

Eibische tragen zahlreiche Beinamen. Vor allem in Mittelhochdeutsch und Mittelniederdeutsch reichen die Synonyme von über 20 verschiedenen Dialektformen des Wortes „Eibisch“, wie zum Beispiel Ebich, Ibisch, Ibisce, Ybischa oder Ybesce bis hin zu Trivialnamen wie weiße Pappel, weiße Malve oder Sumpf-Malve. Hieraus ergeben sich weitere Verwechslungsmöglichkeiten zwischen Eibisch, Hibiskus und auch den artverwandten Malven.

Besonders Interessant ist in diesem Zusammenhang die Namensgebung Sumpf-Malve, im Englischen Marsh Mallow. Die Ähnlichkeit zur Süßware „Marshmallow“ kommt nicht von ungefähr, denn die eibischeigenen Schleimstoffe werden traditionell für die Herstellung von Marshmallow-Teig genutzt.

 

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Eibischteig, besser bekannt als Marshmallows | © Das Grüne Archiv

Auch als Küchenkraut und Gewürzzutat für Salate und Suppen ist Eibisch hervorragend geeignet. Gemeinsam mit dem Zierwert der wunderschönen Eibischblüten ergeben sich so interessante Nutzungsmöglichkeiten der Pflanze im Garten, die von einer Kultur im Kräuter- und Gemüsebeet bis hin zur Gestaltung von Blumenbeeten reichen.

 

Inhaltsstoffe und Wirkung von Eibisch

Den pflanzeneigenen Schleimstoffen der Eibische wird eine reizmildernde, entzündungshemmende und immunstärkende Wirkung nachgesagt. In der Volksheilkunde ist die Pflanze darum schon seit Jahrhunderten als Heilkraut zur Behandlung von Erkältungen, Hustenreiz, Mund-, Rachen- und Magen-Darm-Entzündungen bekannt.

Verwendet wird in diesem Zusammenhang maßgeblich die schleimstoffreiche Eibischwurzel. Diese kann man einerseits kandieren und wie Lutschpastillen im Mund zergehen lassen, um ihre heilsame Wirkung freizusetzen. Andererseits lässt sich die getrocknete Eibischwurzel auch als Teekraut verwenden oder zu Pulver mahlen und dann beliebig weiterverarbeiten.

 

Eibisch pflanzen – Standort und Ablauf

Wie Hibiskus und Malve gehört Eibisch zur Familie der Malvengewächse. Fast jede Eibischart ist dabei sowohl in Europa als auch in Asien heimisch. Damit unterscheidet sich Althaea ganz klar vom Hibiskus, der ursprünglich einzig in den tropischen Regionen Afrikas und Südostasiens gedeiht.

Auch die Standortbedingungen des Eibischs weichen auffällig von denen des Hibiskus ab, denn während letzterer ausschließlich sonnige Standorte verträgt, kommen Eibischarten ebenso gut mit halbschattigen Lagen zurecht.

In Sachen Frostresistenz übertrifft Althaea mit einer beachtlichen Winterhärte bis -40 °C den oft sehr kälteempfindlichen Hibiskus bei Weitem. Windgeschützt sollte der Standort für Eibisch aber dennoch sein, denn seine zarten Blüten und Pflanzenstängel werden von rauen Winden rasch in Mitleidenschaft gezogen.

 

Der richtige Boden für Eibisch

Völlig anders als bei Hibisken und Malven sind auch die Toleranzgrenzen der Eibische in Sachen Bodenbeschaffenheit. Extrem alkalische Böden mit pH-Werten zwischen 8 und 10, auf denen Hibiskus und Malve recht schnell eingehen, sind für Eibischarten genau richtig. Außerdem schätzt Althaea einen gewissen Salzgehalt im Boden. Denn in freier Natur gedeiht die blütenreiche Wildstaude vorzugsweise Küstenregionen, wo der hohe Salzgehalt des Meeres auch die Bodenbeschaffenheit hiesiger Pflanzenstandorte mitgestaltet.

Neben einem gewissen Salzanteil sollte das Standortsubstrat für Eibisch zudem einen guten Humus-, Nährstoff-, Sand- und Feuchtigkeitsgehalt aufweisen und sehr tiefgründig sein. Eine Eibischart, die zur Kultivierung im Garten besonders beliebt ist, stellt der als Arznei-Eibisch bekannte Echte Eibisch (Althaea officinalis).

Pflanztipp: Eibische sind mit sich selbst unverträglich, weshalb bei der Fruchtfolge eine Anbaupause von mindestens 4 Jahren eingehalten werden muss. Besonders gut kommt Eibisch als Bienenweide in Wild-, Natur- und Bauerngärten zur Geltung. Hier siedelt man das alte Heilkraut am besten in Kräuterrabatten, neben Zäunen oder am Weges- bzw. Teichrand an. Auch eine Kübelpflanzung oder Haltung von Eibischarten als Zimmerpflanzen ist möglich. Gute Pflanzpartner für Eibisch sind Taglilien, Elfenrauten, Engelwurz und Fingerhut.

Einzelheiten zum Standort für Eibisch:

  • kommt mit Sonne und Halbschatten gleich gut zurecht
  • Althaea ist bis zu -40 °C winterhart
  • Standort sollte aber windgeschützt sein
  • tiefgründiger, humoser, frisch-feuchter Boden
  • Substrat sollte sandig-lehmig oder sandig-kiesig sein
  • nährstoffreiche und leicht salzhaltige Böden bevorzugen
  • pH-Wert des Bodens: alkalisch, von 8 bis 10 Punkten
  • Eibisch erst nach 4 Jahren wieder an die selbe Stelle pflanzen
  • beliebte Art: Echter Eibisch (Althaea officinalis)
  • Pflanzpartner: Engelwurz, Elfenraute, Fingerhut und Taglilie

 

Pflanzanleitung für Althaea

1. Schritt – Pflanztermin wählen: Auch, wenn der Eibisch Minusgrade problemlos verträgt, sollte man ihm das Anwachsen im Boden durch zu kühle Pflanztermine nicht unnötig schwermachen. Wählen Sie für die Pflanzung deshalb einen milden Tag im Frühling oder Herbst. Bodenfrost sollte nach der Pflanzung keiner mehr auftreten.

2. Schritt – Pflanze vorbereiten: Stellen Sie ihren Eibisch zunächst ins Wasser, damit sich der Pflanzballen vorab gut mit Feuchtigkeit vollsaugen kann. Die Maßnahme beschleunigt das Anwachsen der Pflanze am Standort, wodurch das Heilkraut schneller zu einer robusten Pflanze heranwächst. Während Althaea ein erfrischendes Wasserbad nimmt, geht es dann an die Bodenvorbereitung.

3. Schritt – Boden vorbereiten: Neben den Eibischblüten macht vor allem die Eibischwurzel durch ihre reichhaltigen Schleimstoffe einen Großteil der Heilwirkung des Eibischs aus. Damit sie sich optimal entwickeln kann, muss der Standortboden vor der Pflanzung tiefgründig umgegraben werden. Pflanzloch und Pflanzkübel sollten in diesem Zusammenhang doppelt so groß wie der Wurzelballen der Pflanze sein. Das Pflanzsubstrat kann bei Bedarf mit etwas Nitratdünger bzw. Hornspänen, Kompost, Sand und / oder Kies optimiert werden. Eine Kiesdrainage im Pflanzloch bzw. Topf verbessert zusätzlich den Wasserablauf.

4. Schritt – Eibisch pflanzen: Setzen Sie den Eibisch aufrecht ins Pflanzloch, bei Kübelkultur aufrecht in den Topf. Bedecken Sie den Wurzelballen gut mit Erde und drücken Sie diese nach der Pflanzung leicht an. Der Pflanzabstand für Althaea zu Beetnachbarn und Artgenossen sollte mindestens 90 cm betragen. Abschließend wird der Eibisch dann noch großzügig angegossen.

Kurzschritte zur Pflanzung im Überblick:

  • Pflanztermin für Eibisch: frostfrei im Frühling oder Herbst
  • Pflanze zuvor in Wasserbad stellen
  • Boden tiefgründig auflockern
  • Pflanzloch doppelt so groß wie Wurzelballen wählen
  • Pflanztöpfe ebenfalls in doppelter Größe (mind. 20 l Topf)
  • Substrat ggf. mit Grunddüngung anreichern
  • Nitratdünger, Hornspänen, Kompost, Sand oder Kies sind ideal
  • für verbesserten Wasserablauf Kiesdrainage ausbringen
  • Pflanzabstand für Althaea: ca. 90 cm
  • nach der Pflanzung das Heilkraut gut anwässern

 

Eibisch gießen und düngen

Natürliche Niederschläge reichen im Freiland meist aus, um Eibische ausreichend mit Wasser zu versorgen. Einzig in anhaltenden Trockenperioden sowie bei Topfkultur muss öfter manuell bewässert werden. Unter der Vermeidung von Staunässe ist in solchen Fällen immer dann vorzunehmen, wenn der Oberboden trocken erscheint. Im Sommer sollte außerdem nur früh morgens und spät abends gegossen werden, um die Pflanze vor Brennschäden durch Starksonne zu schützen.

Gedüngt wird Althaea einmal jährlich im Frühjahr. Zum Einsatz kommen können hier mineralische und organische Düngemittel gleichermaßen, wobei keine chemischen Präparate verwendet werden sollten, wenn das ziervolle Wildkraut für die heilpflanzliche Nutzung vorgesehen ist. Stickstoffdünger in Form von Brennnesseljauche sowie eine Handvoll Kompost sind deshalb vorzuziehen.

Kurztipps zum Gießen und Düngen:

  • bei Kübelhaltung und langer Trockenheit manuell bewässern
  • gegossen wird, sobald der Oberboden trocken erscheint
  • Staunässe ist trotz Feuchtigkeitsliebe der Pflanze zu vermeiden
  • Düngung erfolgt im Frühling
  • ideal sind Brennnesseljauche und Kompost
  • chemische Düngemittel machen Eibisch als Heilkraut unbrauchbar

 

Eibisch schneiden und vermehren

Althaea gehört zu den wenigen Wildstauden, die einen regelmäßigen Schnitt benötigen. Er trägt zur Verjüngung der Pflanze bei und unterstützt selbst nach mehreren Standjahren eine üppige Blühfreudigkeit der Pflanze. Ein erster, leichter Formschnitt erfolgt dabei schon nach der Blüte im Herbst. Schneiden Sie hier aber nur welke Blütenstände ab, da der Rest an überirdischen Pflanzenteilen als leichter Winterschutz von Bedeutung ist. Auch könnten Schnittwunden an den Trieben zu gefährlichen Frostschäden am Eibisch führen.

Ein Umfangreicher Rückschnitt bzw. Verjüngungsschnitt kann dann im Frühjahr erfolgen. Entfernen Sie hier vorrangig alle abgestorbenen und frostgeschädigten Triebe. Zusätzlich können störende oder zu lange Triebe um ein Drittel eingekürzt werden. Wer aus seinem Eibisch ein kleines Hochstämmchen machen möchte, der kürzt im Frühling auch gezielt die Seitentriebe bis auf eine Knospe.

Falls die Eibischwurzel (Radix Althaeae) für eine Verwendung als Heil- oder Küchenkraut vorgesehen ist, erübrigt sich der Schnitt natürlich. Hier werden Eibische zwischen September und Oktober ausgegraben und ihre Pflanzenwurzeln nach der Ernte entweder frisch verwendet oder getrocknet. Frische Eibischwurzeln sind dabei ein ideales Suppengrün, wohingegen getrocknete Wurzeln hervorragend zur Zubereitung heilsamer Tees, zum Beispiel gegen Erkältung oder Hustenreiz geeignet ist.

Besonders aromatisch soll die Eibischwurzel dabei sein, wenn man sie bis zum Oktober ausreifen lässt. Alternativ kann man während der Blütezeit zwischen Mai und August natürlich auch junge Blätter und Blüten der Althaea ernten und verarbeiten.

 

Vermehrung durch Wurzelteilung

Die Wurzeln von Althaea bieten nicht nur heilsame Schleimstoffe. Sie sind auch der einfachste Weg zur Vermehrung der Pflanze. Graben Sie den Eibisch hierfür im Herbst mit einer Grabgabel aus und befreien Sie den Wurzelstock vorsichtig von der Erde. Bei der Teilung der Eibischwurzel ist dann darauf zu achten, die Wurzelstücke nicht zu stark zu beschädigen.

Verwenden Sie also ein scharfes Messer und schneiden Sie unsaubere Schnittstellen unverzüglich nach. Um Schäden so gut wie möglich zu verhindern empfiehlt es sich, das Wurzelwerk im jüngeren Zuwachsbereich in zwei ca. faustgroße Teilstücke abzutrennen. Nach der Wurzelteilung können die Teilpflanzen dann unter den gewohnten Standortbedingungen zurück in die Erde gepflanzt werden. Ein üppiges Anwässern der Teilstücke ist abschließend sinnvoll.

Kurztipps zum Schneiden, Ernten und Vermehren:

  • im Herbst nur welke Blütenstände vom Eibisch abnehmen
  • im Frühling größere Form- und Verjüngungsschnitte
  • hier vor allem tote und erfrorene Triebe entfernen
  • zu lange Triebe dürfen um 1 Drittel gekürzt werden
  • für Hochstamm Seitentriebe bis auf 1 Knospe zurücksetzen
  • Ernte von Blüten und Blättern zwischen Mai und August
  • Eibischwurzel wird im Herbst geerntet
  • für mehr Aroma Wurzeln bis Oktober ausreifen lassen
  • für Vermehrung Pflanzenwurzel im Herbst teilen
  • hierfür an jüngster Zuwachsstelle zwei Teilstücke abtrennen
  • nur scharfes Messer zur Teilung des Eibischs verwenden
  • unsaubere Schnittstellen sofort nachschneiden

 

Interessante Arten der Gattung Althaea

Der Gattungsname Althaea geht auf das altgriechische Wort althéeis für „heilkräftig“ zurück und gibt bereits wieder, dass den 12 Arten der Althaea eine unübersehbare Heilwirkung anheim ist. Neben dem Echter Eibisch gibt es dabei noch so manch andere Eibischart, die für eine Gartenkultur sehr zu empfehlen ist. Hier ein kleiner Überblick:

ArtenBeschreibung
Echter Eibisch
Arznei-Eibisch
Althaea officinalis
Blütezeit: Juli bis August
Blütenfarbe: weiße bis hellviolette Blüten
Wuchshöhe: 1,8 bis 2 m
Herkunft: Eurasien
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: bis -40 °C winterhart; Althaea officinalis wird aufgrund ihrer heilsamen Schleimstoffe traditionell zur Behandlung von Atemwegserkrankungen, Hustenreiz, Magen-Darm-Entzündungen, Schleimhautentzündungen Entzündungen das Mund- und Rachenraums, Abszessen und Geschwüren, sowie zur Stärkung des Immunsystems verwendet; Zudem findet die Eibischart als Küchenkraut und Suppengrün Verwendung
Hanfblättriger Eibisch
Althaea cannabina
Blütezeit: Juli bis September
Blütenfarbe: dunkelrosa Blüten
Wuchshöhe: 1,8 bis 2 m
Herkunft: Eurasien
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: bis -23 °C winterhart; gute Bienenweide
Rauer Eibisch
Althaea hirsuta
Blütezeit: Juli bis August
Blütenfarbe: zartrosa Blüten
Wuchshöhe: 0,3 bis 0,6 m
Herkunft: Eurasien
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: bis -18 °C winterhart; Zwergeibisch; ideal fürs Blumenbeet

 

Eibisch – Mögliche Krankheiten und Schädlinge

Einige Schädlinge, etwa Spinnmilben oder Minierfliegen, haben ein besonderes Auge auf den Eibisch geworfen. Natürliche Fressfeinde, zu denen vor allem die Schlupfwespe und Marienkäfer zählen, können den Plagegeistern aber zuverlässig beikommen. Gegen Minierfliegen im Speziellen hat sich zudem Niemöl bewährt. Von chemischen Insektenschutzmitteln ist mit Blick auf die Tauglichkeit von Eibisch als Heil- und Küchenkraut abzuraten.

 

Fazit

Auch wenn er ähnliche Heilwirkung hat und sogar sehr ähnlich aussieht, sollte man den Eibisch nicht mit dem Hibiskus oder der Malve verwechseln. Geht es nämlich um die Winterhärte der drei Pflanzen, ist Eibisch eindeutig der Sieger. In seinen Standortansprüchen weicht das feuchtigkeits- und salzliebende Heilkraut mit Vorliebe für stark alkalische Bodenwerte ebenfalls deutlich von seinen Artverwandten ab.

Insgesamt ist die Heilpflanze als relativ pflegeleicht einzustufen und spendet mit dem richtigen Frühjahrsschnitt langjährig eine zier- und heilvolle Blütenpracht. Daneben lässt sich auch die Eibischwurzel medizinisch verwenden, wobei die heilsamen Schleimstoffe der Pflanze bedenkenlos und ohne drohende Nebenwirkungen verwendbar sind.

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