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Familien der Pflanzenwelt: Malvengewächse

Wer einen genauen Blick in die Familie der Malvengewächse (Malvaceae) wirft, der mag von der Zugehörigkeit mancher Gattungen erstaunt sein. Außer den Malven selbst zählen nämlich noch zahlreiche andere botanische Berühmtheiten, darunter Hibiskus, Stockrosen und Lindenbäume, zu den Malvaceae.

Es gibt in der Systematik dieser Pflanzenfamilie also einiges zu entdecken. Zudem Malvengewächse sind einige der wenigen Pflanzenfamilien, in denen von Stauden bis hin zu Sträuchern, Bäumen und Lianen so ziemlich alle pflanzentypischen Wuchsformen vertreten sind. Gleiches gilt für die Malvengewächsfrüchte. Ob Spaltfrüchte, Kapselfrüchte, Steinfrüchte, Beeren oder Nüsse – unter den Malvengewächsen ist jede der genannten Fruchtformen mindestens einmal vertreten. Die Pflanzenvielfalt innerhalb der Familie ist folglich sehr groß, was sich auch in der Aufstellung der jeweiligen Unterfamilien wiederspiegelt:

  • Unterfamilie der Bombacoideae
    enthält 12 bis 16 Gattungen der Malvaceae mit etwa 120 Arten
  • Unterfamilie der Brownlowioideae
    enthält 8 Gattungen der Malvaceae mit etwa 68 Arten
  • Unterfamilie der Byttnerioideae
    enthält 26 Gattungen der Malvaceae mit etwa 650 Arten
  • Unterfamilie der Dombeyoideae
    enthält 21 Gattungen der Malvaceae mit etwa 381 Arten
  • Unterfamilie der Grewioideae
    enthält 25 Gattungen der Malvaceae mit etwa 770 Arten
  • Unterfamilie der Helicteroideae
    enthält 12 Gattungen der Malvaceae mit etwa 95 Arten
  • Unterfamilie der Malvoideae
    enthält 78 Gattungen der Malvaceae mit etwa 1670 Arten
  • Unterfamilie der Sterculioideae
    enthält 12 Gattungen der Malvaceae mit etwa 430 Arten
  • Unterfamilie der Tillioideae
    enthält 3 Gattungen der Malvaceae mit etwa 50 Arten

 

Besonderheiten der Malvengewächse

Charakteristisch für so manches Malvengewächs sind die auffällig großen und farbenfrohen Radblüten, welche den Pflanzen einen außergewöhnlichen Zierwert verleihen. Einige Beispiele für diese einmalige Blütenpracht sind wie bereits erwähnt Malven, Hibiskus und Stockrosen. Die Gewächse gelten nicht nur als begehrte Zierpflanzen, sondern auch als aromatische Teekräuter. Überhaupt zeichnen sich diverse Malvaceae durch ihren wohlriechenden Duft aus, mit dem sie im Garten eine liebliche Note verströmen.

 

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Eines der elegantesten, blütenprächtigsten und heilsamsten Malvengewächse: Der Hibiskus

Apropos Aroma: Hätten Sie gewusst, dass sogar der Kakaobaum ein Malvengewächs ist? Er gehört zur Systematik der Byttnerioideae, deren Vertreter überwiegend in den tropischen Regionen Südamerikas und Afrikas beheimatet sind. Auch der Kolabaum, dessen Nüsse zur Herstellung von Cola-Getränken verwendet werden, ist als Malvengewächs definiert. Hier handelt es sich um ein Mitglied der Sterculioideae, die ähnlich wie Byttnerioideae hauptsächlich in den afrikanischen und südamerikanischen Tropen gedeihen.

Es wird ersichtlich, dass nicht alle Pflanzen unter den Malvengewächsen gleich gut für eine Kultivierung in unseren Breitengraden geeignet sind. Um genau zu sein, werden die bei uns gartentauglichen Gattungen von gerade einmal zwei der neun Unterfamilien gestellt.

 

Malvengewächse der Unterfamilie Tilioideae

Die auch als Lindengewächse bekannten Tilioideae umfassen zum einen die namensgebende Gattung der Linden. Zum anderen zählen zwei weitere Pflanzengattungen namens Craigia und Mortoniodendron zu den Lindengewächsen, welche aber nicht in Europa heimisch sind.

Die Linde hingegen ist hierzulande ein echter Traditionsbaum. Sowohl ihr Holz, als auch ihre Blüten und Blätter werden seit hunderten von Jahren genutzt, wobei für Gartenbesitzer vor allem die Heilkraft und Geschmacksnote der Pflanzenteile relevant sein dürfte. Ob als Teekräuter, Honig, Pflegeprodukt oder Raumduft – mit Lindenblüten und Lindenblättern lässt sich so einiges anstellen.

 

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Lindenblüten | © Das Grüne Archiv

Gemeinsam ist den Lindengewächsen, dass sie in der Regel als Bäume wachsen und zumeist wohlriechende, weiß bis gelblich gefärbte Blütenstände besitzen. Die aus den Blüten entstehenden Fruchtstände werden von Kapselfrüchten gestellt.

Als Standort bevorzugen Lindengewächse eher helle Freiflächen, an denen sie in Ruhe ihre ausladende Baumkrone entwickeln können. Der Feuchtigkeits- und Kalkgehalt im Boden darf dabei ruhig etwas höher liegen. Zudem kommen europäische Lindengewächse selbst mit extremen Minusgraden meist sehr gut zurecht. Eine Empfehlung sind hier vor allem folgende Lindenbäume:

  • Kaukasische Linde (Tilia dasystyla)
  • Silberlinde (Tilia tomentosa)
  • Sommerlinde (Tilia platyphyllos)
  • Winterlinde (Tilia cordata)

 

Malvengewächse der Unterfamilie Malvoideae

Die größte aller Unterfamilien der Malvengewächse wird von den Malvoideae gestellt. Wie der Name bereits vermuten lässt, tummelt sich hier die Gattung der Malven. In jeder Hinsicht eine sehr vielseitige Zierstaude, sei es nun in Sachen Blütenfarben oder Nutzungsmöglichkeiten. Ähnliches gilt auch für andere Vertreter der Malvoiden.

Im Bereich der Zier- und Nutzpflanzen wären hier vor allem Stockrosen, Eibisch, Hibiskus, Okra und Baumwolle zu nennen, wobei die letzten beiden bei uns nicht fürs Freiland geeignet sind. Wer gerne herumexperimentiert, kann es aber auf einen Versuch in Zimmer- oder Gewächshauskultur ankommen lassen.

Das wohl wichtigste Kennzeichen der Malvoideae ist ihr üppiges Blütenfarbspektrum. Von Weiß und Gelb über Rosa und Rot bis hin zu Blauviolett oder gar mehrfarbigen Blüten findet sich in dieser Unterfamilie so ziemlich alles. Zur Ausbildung der Blütenpracht benötigen Malvoiden natürlich ausreichend Licht.

 

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Wunderschön aber lichthungrig: die Malve | © Das Grüne Archiv

Ebenso sollte ein nährstoffreicher und durchlässiger Boden gewährleistet sein, der Wasser gut ableiten kann. Anders als Lindengewächse kommen die zarten Blütenstauden der Malvengewächse mit zu viel Bodenfeuchte nämlich überhaupt nicht zurecht. Ideal sind darum eher trockene Böden.

Darüber hinaus sollte der Standort windgeschützt liegen, denn die imposanten Blütenblätter der Malvoideae sind sehr empfindlich und gehen bei starken Böen leicht kaputt. Auswählen können Sie bei geeigneten Standortbedingungen dann zwischen einer Fülle an Varianten, so zum Beispiel:

  • Callirhoe (Callirhoe)
  • Eibisch (Althaea)
  • Fuertesimalva (Fuertesimalva)
  • Hampea (Hampea)
  • Hibiskus (Hibiscus)
  • Iliama (Iliama)
  • Malve (Malva)
  • Schönmalve (Abutilon)
  • Sida (Sida)
  • Stockrose (Alcea)

 

Kennen Sie dieses Malvengewächs?

Er ist der wohl urtümlichste Baum auf Erden und besitzt einen derart einzigartigen Wuchs, dass er trotz seiner entlegenen Heimat in den afrikanischen Savannengebieten weltweite Berühmtheit erlangte. Die Rede ist vom sogenannten Affenbrotbaum (Adansonia), auch bekannt als Baobab oder Lebensbaum.

Legenden zufolge sei er der erste Baum gewesen, den Gott bei der Erschaffung der Erde kreierte. Und mit einem Stammdurchmesser von bis zu 10 m, einer Wuchshöhe von bis zu 50 m und einem Alter von bis zu 3000 Jahren lässt sich an derartigen Mythen auch nur schwer rütteln.

Fakt ist jedenfalls jedenfalls, dass der Baobab mit seinem knorrig-stämmigen Wuchs wie ein mysteriöses Naturmonument in der kargen Landschaft wirkt, die er sein Zuhause nennt. In vielen Kulturen Afrikas ist der zur Systematik der Wollbaumgewächse gehörende Affenbrotbaum deshalb von fast schon spiritueller Bedeutung. Neben Sagen zur Entstehungsgeschichte irdischen Lebens ranken sich noch zahlreiche andere Geschichten um das Malvengewächs, das seinen eigentümlichen Wuchs bevorzugt in unwirklicher Umgebung entfaltet.

Unter den Heilkundigen ist der Baum zudem wegen seiner vitaminhaltigen Riesenbeeren und heilsamen Inhaltsstoffe als Apothekerbaum bekannt. So weiß die afrikanische Volksmedizin den Baobab beispielsweise als Arzneiquelle gegen Magen-Darm-Erkrankungen, Infektionen und Hautprobleme zu nutzen.

Auch im Westen, wo Baobab inzwischen sogar als Powerfood gehandelt wird, wächst die Nachfrage nach Heil- und Pflegeprodukten aus Pflanzenteilen des Affenbrotbaums stetig. Tragisch ist jedoch, dass zahlreiche Arten des Lebensbaums mittlerweile vom Aussterben bedroht sind. Es bleibt zu hoffen, dass der aktuelle Gesundheitstrend diese Entwicklung umzukehren vermag.

 

Fazit

Malvengewächse sind weitaus mehr als bloße Zierpflanzen. Zwar sind es oftmals die großen und bunten Blüten dieser Pflanzen, die dem Betrachter im Gedächtnis bleiben, doch mindestens genauso denkwürdig wie der Zierwert ihrer Blüten sind Aroma und Heilkraft vieler Malvaceae. Dabei gehören nicht nur wohlbekannte Traditionspflanzen wie Malven und Stockrosen zur Systematik der Pflanzenfamilie. Auch alltägliche Nutz-, Nahrungs- und Heilpflanzen wie Hibiskus, Eibisch, Linde, Baumwolle, Kakao- und Kolabäume sind Teil dieser gut 5000 Arten umfassenden Sippe.

Darüber hinaus beherbergt die Familie mit dem als Baobab bekannten Affenbrotbaum einen der wohl ältesten Bäume der Welt, welcher dem Ruf des sowohl heilsamen als auch optisch beeindruckenden Malvengewächses alle Ehre macht. Wer sich eines dieser Allroundtalente in den Garten holen möchte, sollte allerdings lieber auf ein Malvengewächs zurückgreifen, das in unseren Breitengraden überlebensfähig ist.

Selbst heimische Arten benötigen nämlich noch reichlich Sonne, um ihre bemerkenswerten Eigenschaften zu entfalten. Alternativ ist für Vertreter tropischer Unterfamilien wie jener der Byttnerioideae eine Kultivierung als Zimmerpflanze in Erwägung zu ziehen. Ob diese von Erfolg gekrönt ist, kann aber nur ein Versuch zeigen.

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