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Familien der Pflanzenwelt: Zypressengewächse

Innerhalb der als Koniferen bekannten Nadelgehölze stellen die Zypressengewächse (Cupressaceae) mit etwa 29 Gattungen die größte Pflanzenfamilie dar. Dazu gehören einerseits solch beliebte Ziergehölze und Heckenpflanzen wie die Wacholder, der Lebensbaum und natürlich die Stammgattung der Zypressen. Andererseits ordnet man den Cupressaceae heute auch viele Gattungen zu, bei denen man früher eine engere Verwandtschaft zu Koniferen aus den Familien der Kieferngewächse, zum Beispiel Fichten, Tannen oder Zedern vermutete. Entsprechende Verweise tragen zahlreiche Zypressengewächse bis heute in ihrem Namen, wie die Systematik der Familie aufzeigt:

  • Unterfamilie der Athrotaxidoideae
    umfasst die Gattung der Schuppenfichten
  • Unterfamilie der Callitroideae
    umfasst etwa 10 Gattungen der Cuppressaceae
  • Unterfamilie der Cunninghamioideae
    umfasst die Gattung der Spießtanne
  • Unterfamilie der Cupressoideae
    umfasst etwa 10 Gattungen der Cupressaceae
  • Unterfamilie der Sequoioideae
    umfasst 3 Gattungen der Cupressaceae
  • Unterfamilie der Taiwanioideae
    umfasst die Gattung der Taiwanie
  • Unterfamilie der Taxodioideae
    umfasst 3 Gattungen der Cupressaceae

 

Besonderheiten der Zypressengewächse

Das wohl eindeutigste Merkmal der Cupressaceae ist ihre Zugehörigkeit zu den Nadelgehölzen. Allerdings sind die Nadeln zahlreicher Zypressengewächse deutlich anders geartet als beispielsweise bei Kieferngewächsen. So bilden die namensgebende Zypresse, ebenso wie der Lebensbaum, im Vergleich zu Kiefern und Co. keine spitzen Blattnadeln, sondern abgeflachte Blattschuppen aus. Gleiches gilt für Schmuckzypressen, Scheinzypressen, Weihrauchzedern, den Hiba-Lebensbaum und die Schuppenfichte.

 

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Die Blattschuppen des Lebensbaums | © Das Grüne Archiv

Selbst Zypressengewächsen mit „echten“ Nadeln wie die Wacholder, Sumpfzypresse, Spießtanne oder Sicheltanne sieht man ihre Tendenz zum schuppfenförmigen Nadelwuchs noch an. Denn die Nadeln sind hier zumeist gegenständig und wirtelig angeordnet, was sie wie ein nadeliges Schuppenkleid erscheinen lässt.

Die besondere Form der Schuppenblätter diverser Cupressaceae erinnert außerdem stark an urzeitliche Farne, Moose und grüne Unterwasserpflanzen. Einige Zypressengewächse, darunter die Mammutbäume, sind sogar ähnlich alt und gelten in der Botanik als lebende Fossilien. Somit ist die Pflanzenfamilie nicht nur eine der größten, sondern auch eine der ältesten der Welt.

Übrigens: Die Ähnlichkeit mit Farnen kommt nicht von ungefähr. Als Koniferen sind Cupressaceae nämlich nacktsamige Pflanzen und besitzen somit die selben Samenanlagen wie Farne und andere Urzeitpflanzen.

 

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Zwischen Farn und Konifere: Mammutbäume

Artensterben der Zypressengewächse

Mit Besorgnis ist bei den Zypressengewächsen zu beobachten, dass die Pflanzenfamilie trotz ihrer Größe eine erhöhte Zahl an Gattungen beinhaltet, die nur (noch) wenige existierende bzw. bekannte Art umfassen. Das gilt unter anderem für die Schuppenfichte, Spießtanne und Taiwanie. Jedes genannte Zypressengewächs stellt mit nur ein bis drei Arten eine eigenständige Unterfamilie. Auch viele Zypressengattungen sowie Gattungen der „Scheinzedern“ fallen durch sehr geringe Artenvielfalt und sehr begrenzt versprengte Naturstandorte auf.

Zwar besteht die Möglichkeit, dass einige Arten der genannten Koniferen noch unentdeckt sind, viel öfter aber ist ein Artensterben für die stark geschrumpften Gattungen verantwortlich. Am meisten gefährdet sind diesbezüglich die Sequoioideae oder Mammutbäume. Wer gerne Zypressengewächse kultiviert, sollte neben Gartenklassikern wie Lebensbaum und Zypresse daher auch über die Ansiedlung einiger gefährdeter Arten nachdenken.

 

Zypressengewächse der Callitroideae

Die Callitroideae sind die wohl am hitzigsten diskutierte Unterfamilie der Zypressengewächse. Die Botanikwelt ist sich bis heute nicht einig, wie viele Pflanzengattungen tatsächlich zu dieser Gruppe gehören und die Angaben variieren zwischen fünf und zehn Gattungen.

Dass die Callitroideae eine eindeutige Zuordnung schwer macht, verraten bereits die Namen ihrer Mitglieder. Die Stammgattung Callitris trägt im Deutschen den Namen Schmuckzypresse und lässt sich nach Auffassung einiger nur schwer von den echten Zypressen abgrenzen. Dabei ist es nicht besonders förderlich, dass von so manchem Zypressengewächs nur eine Art existiert, was die Festlegung gemeinsamer Artenmerkmale erschwert.

Gerade Vertreter der Callitroideae wie die Chilezeder, Flusszeder oder Schuppenfichte lassen diesbezüglich vermuten, dass Erstbeschreiber ihre liebe Mühe damit hatten, die artenarmen Zypressengewächse auseinander zu halten. Viele dieser Gewächse wachsen als endemische Arten an exklusiven Standorten wie Australien, Neuseeland oder in den unerforschten Urwäldern Afrikas und Südamerikas und sind daher rar gesät. Grob lassen sich die Callitroideae aber auf folgende Arten beschränken:

  • Afrikazypresse (Widdringtonia)
  • Alcere / Patagonische Zypresse (Fitzroya)
  • Chilezeder / Südzeder (Austrocedrus)
  • Diselme (Diselma)
  • Flusszeder (Libocedrus)
  • Papuazeder (Papuacedrus)
  • Schuppenzypresse (Actinostrobus)
  • Schmuckzypresse (Callitris)

 

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Die Stammgattung der Zypressengewächse: Die Zypresse (Cupressus) | © Das Grüne Archiv

Zypressengewächse der Cupressoideae

Die bekanntesten Zypressengewächse entstammen der Unterfamilie der Cupressoideae, zu denen neben der Stammgattung der Zypresse auch der Lebensbaum und die Wacholder gehören. Alle drei Gattungen sind hierzulande beliebte Heckenpflanzen und werden folglich als Sträucher kultiviert, auch wenn es durchaus Arten gibt, die als Bäume wachsen.

Neben Heckenpflanzungen kommen viele Cupressoideae auch als Solitär sehr schön zur Geltung. Ihre kompakten Blattschuppen bilden hierbei blickdichte Verzweigungen aus, die sich sowohl als Sichtschutz als auch für spezielle Formschnitte hervorragend eignen. Außerdem besitzen einige dieser Zypressengewächse aromatische Pflanzenteile. Gerade die Wacholder wird darum auch als Duft- und Gewürzkraut verwendet.

Heimische Cupressoideae sind äußerst schnittverträglich und winterhart. Dabei bevorzugen sie eher saure und kiesige bis steinige Böden sowie sonnige bis halbschattige Standorte. Es fällt abermals auf, dass auch in dieser Unterfamilie viele Zypressengewächse mit nur einer Art vorkommen (z. B. Morgendländischer Lebensbaum). Ein weiterer möglicher Hinweis darauf, dass die Pflanzenfamilie der Cupressaceae mit einem vermehrten Artenverlust zu kämpfen hat. Hier noch einmal die einzelnen Vertreter der Unterfamilie im Überblick:

  • Lebensbaum (Thuja)
  • Fujian-Zypresse (Fokienia)
  • Hiba-Lebensbaum (Thujopsis)
  • Morgenländischer Lebensbaum (Platycladus orientalis)
  • Sandarakbaum (Tetraclinis)
  • Scheinzypresse (Chamaecyapris)
  • Wacholder (Juniperus)
  • Weihrauchzeder (Calocedrus)
  • Zwerglebensbaum (Microbiota)
  • Zypresse (Cupressus)

 

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Lebendes Fossil: der Urweltmammutbaum | © Das Grüne Archiv

Zypressengewächse der Sequoioideae

Sequoioideae sind besser bekannt als Mammutbäume und gelten als majestätische Urzeitriesen unter den Baumgehölzen. Sie erreichen Wuchshöhen von bis zu 100 m, einen Stammdurchmesser von bis zu 10 m und werden über 3000 Jahre alt.

Dabei muss man übrigens nicht in weit entfernte Nationalparks wie den Grand Canyion fahren, um die Riesenbäume zu bestaunen. Seit dem 19. Jahrhundert werden Mammutbäume auch in Mitteleuropa immer wieder gerne als Parkbäume oder in Landschaftsgärten kultiviert.

Die gezielte Kultivierung dieser Urzeitriesen tut auch dringend not. Denn von den einstmals 13 Arten der drei Mammutbaumgattungen sind inzwischen bereits zehn ausgestorben. Projekte zum Erhalt der Mammutbäume sind daher dringend notwendig, um die größten Lebewesen dieser Erde besser zu schützen. Die drei noch existierenden Arten dieser vom Aussterben bedrohten Zypressengewächse sind:

  • Küstenmammutbaum (Sequoia sempervirens)
  • Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum)
  • Urweltmammutbaum (Metasequoia glyptostroboides)

 

Zypressengewächse der Taxodioideae

Kontroverse Diskussionen gibt es mit Blick auf die Familienzugehörigkeit nicht nur bei den Callitroideae. Denn in der Unterfamilie der Taxodioideae finden sich ausschließlich Gattungen, die früher als Sumpfzypressengewächse (Taxodiaceae) eine eigenständige Pflanzenfamilie bildeten. Problematisch an der Zuordnung von Koniferen zu den Taxodioideae ist jedoch, dass offenbar nicht alle vormals als Sumpfzypressengewächse definierten Gattungen die Voraussetzungen für eine Zugehörigkeit zu dieser Unterfamilie erfüllen.

So stellen die Mammutbäume, Taiwanie, Spießtanne und Schuppenfichte oder Tasmanische Zeder als ehemalige Sumpfzypressengewächse heute zum Beispiel eigenständige Unterfamilien innerhalb der Zypressengewächse. Die Schirmtanne ist inzwischen gar Stammart einer eigenen Pflanzenfamilie. Und das Sumpfzypressen- bzw. Zypressengewächs Cunninghamites ist mittlerweile ausgestorben und nur noch in Fossilien erhalten. Übrig bleiben damit lediglich drei Gattungen der Taxodioideae mit jeweils einer Art, einschließlich der Stammgattung der Sumpfzypresse:

  • China-Zypresse (Glyptostrobus pensilis)
  • Sicheltanne (Cryptomeria japonica)
  • Sumpfzypresse (Taxodium distichum)

 

Fazit

Gemeinsam mit Moosen und Farnen veranschaulichen Zypressengewächse auf eindrucksvolle Weise, wie sich aus urzeitlichen Pflanzen unsere heutige Artenvielfalt in der Pflanzenwelt entwickelt hat. Ihr einzigartiges Konzept der nacktsamigen Vermehrung legte den Grundstein für alle anderen Arten von Samenanlagen und die nadel- bis schuppenförmigen Blätter ihrer Gattungen bildeten den Prototyp für eine Fülle unterschiedlicher Laubformen.

Bei der Kultur von Zypressengewächsen geht es dabei nicht allein um formschöne Hecken und Solitäre mit urzeitlicher Ästhetik. Immer öfter bedeutet Cupressaceae-Kultur nämlich auch Arterhalt einiger der ältesten Pflanzen der Welt. Das gilt vor allem für die legendären Mammutbäume, deren noch existierende Arten bis auf drei geschrumpft sind. Um dem entgegen zu wirken, ist es wichtig, auch seltene Zypressengewächse häufiger in den heimischen Pflanzenbestand zu integrieren.

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