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Familien der Pflanzenwelt: Süßgräser

Die auch als Süßgräser bekannten Süßgrasgewächse (Poaceae / Gramineae) stellen die namensgebende Pflanzenfamilie in der Ordnung der Süßgrasartigen. Zu dieser Ordnung gehören im Übrigen auch die Sauergräser, die nur allzu gerne mit den Süßgräsern verwechselt werden.

Allerdings ist die Familie der Poaceae um einiges größer. Mehr noch, stellt sie mit rund 780 Gattungen eine der größten Pflanzenfamilien der Welt. Ihre Gattungen lassen sich dabei auf 11 Unterfamilien aufteilen:

  • Unterfamilie der Anomochlooideae
    umfasst 2 Gattungen der Poaceae
  • Unterfamilie der Aristioideae
    umfasst 3 Gattungen der Poaceae
  • Unterfamilie der Arundinoideae
    umfasst 19 Gattungen der Poaceae
  • Unterfamilie der Bambusoideae
    umfasst 98 Gattungen der Poaceae
  • Unterfamilie der Chloridoideae
    umfasst 145 Gattungen der Poaceae
  • Unterfamilie der Danthonioideae
    umfasst 26 Gattungen der Poaceae
  • Unterfamilie der Ehrhartoideae
    umfasst 19 Gattungen der Poaceae
  • Unterfamilie der Panicoideae
    umfasst 216 Gattungen der Poaceae
  • Unterfamilie der Pharoideae
    umfasst die Gattung Pharus
  • Unterfamilie der Pooideae
    umfasst 202 Gattungen der Poaceae
  • Unterfamilie der Puelloideae
    umfasst 2 Gattungen der Poaceae

Besonderheiten der Süßgrasgewächse

Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Süßgräser bereits vor ungefähr 100 Millionen Jahren, während der Kreidezeit, also im Erdmittelalter entwickelt haben. Ihre Blütezeit erlebten sie aber während dem Miozän in der Erdneuzeit vor etwa 55 Millionen Jahren.

Süßgrasgewächse gehören aus botanischer Sicht zu den Stauden, besitzen jedoch einige markante Besonderheiten, die sie von anderen Staudenpflanzen unterscheiden. Besonderheiten, die sie heute zu einer der vielfältigsten Pflanzenfamilien überhaupt machen.

 

Aussehen und Wuchs der Süßgräser

Wie alle Gräser fallen auch Süßgräser durch ihre schmalen, linearen Blätter auf, die oft am Stängel entlang angeordnet sind. Die Blattspreiten sind meist länglich und können je nach Art unterschiedliche Größen und Farben aufweisen, von hellgrün bis zu tieferem Grün oder sogar blaugrün.

Der Wuchs der Süßgräser variiert je nach Art und Umweltbedingungen erheblich. Einige Arten können nur wenige Zentimeter hoch werden, während andere eine Wuchshöhe von mehreren Metern erreichen.

Einheitlicher geht es bei den Stängeln dieser Gräser zu. Diese sind oft hohl und an den Knoten verdickt, was eine gewisse Flexibilität und Widerstandsfähigkeit gegenüber Wind und mechanischer Belastung verleiht. Die Blütenstände der Süßgrasgewächse sind Ähren und bestehen aus vielen kleinen Einzelblüten, die eng aneinander gereiht sind.

 

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Klassische Ährenform der Süßgräser am Beispiel der Gerste

Von Getreideähren und Ziergräsern

In Sachen Ökologie sind Süßgrasgewächse eine der wichtigsten Pflanzenfamilien in der Landwirtschaft und spielen eine bedeutende Rolle in vielen Ökosystemen.

Die Artenvielfalt der Poaceae spiegelt sich unter anderem darin wider, dass sie sowohl als Nahrungsquelle, als auch Zierpflanzen und Bezugsquelle für pflanzliche Rohstoffe dienen. Ein gutes Beispiel hierfür sind das Zuckerrohr und der Bambus.

Ihre farbenfrohen Blätter machen einige Süßgräser zu beliebten Ziergräsern, darunter Pampasgras und Schilf. Und auch die wichtigsten Grasarten für den Rasen stammen aus der Familie der Poaceae, so etwa der Rotschwingel, das Weidelgras und das Wiesenrispengras.

Die charakteristischen Ähren spielen bei einigen Süßgräsern eine wichtige Rolle als Getreide. Hier kommt den Poaceae ihre einzigartige Anpassungsfähigkeit der Süßgräser an verschiedene Lebensräume und Umweltbedingungen zugute. Diese trug nämlich zur weltweiten Verbreitung vieler Getreidearten bei.

 

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Ohne Süßgräser kein Rasenbelag | © Das Grüne Archiv

Poceae der Arundinoideae

Gattungen Arundinoideae sind vor allem für ihre robusten und oft schilfartigen Wuchsformen bekannt. Das namensgebende Pfahlrohr alias Arundo donax, ebenso wie das Schilfrohr steht hier stellvertretend für die Standortvorlieben der Unterfamilie.

Die Pflanzen bevorzugen feuchte bis nasse Lebensräume am Uferrand von Flüssen, Bächen, Seen oder Teichen, in Sümpfen und anderen Feuchtgebieten. Ihre Stängel sind typischerweise hohl und können beträchtliche Höhen erreichen, was sie zu wichtigen Bestandteilen der Wasserrandvegetation macht.

Die Blätter der Arundinoideae sind meist lang und schmal, oft mit scharfen Rändern, die sie vor Fressfeinden schützen können. Ihre Blütenstände sind in lockeren Ähren angeordnet, die je nach Art und Standort verschiedene Formen und Größen annehmen können.

Eine bemerkenswerte Gattung innerhalb der Arundinoideae ist zum Beispiel das Schilfrohr, das weltweit in vielen feuchten Gebieten vorkommt und eine wichtige Rolle in der Ökologie spielt. Denn Schilf reinigt das Wasser und wird zu diesem Zweck sogar im Rahmen der Wasseraufbereitung in Kläranlagen eingesetzt.

Auch als Rohmaterial für Flechtwerk oder Dächer ist Schilf allgemein bekannt. Folglich sind Arundinoideae auch für die Wirtschaft relevant. Weitere wichtige Gattungen dieser Unterfamilie sind Pfeifengras und Zwergschilf. Sie sind beliebte Ziergräser.

 

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Das Wasserliebende: Schilfrohr

Poaceae der Bambusoideae

Entgegen weitläufiger Meinung handelt es sich bei Bambus nicht um eine einzelne Gattung, sondern um eine ganze Unterfamilie der Süßgräser: die Bambusgewächse.

Dass es sich bei Bambusarten um Gräser handelt, sieht man ihnen auf den ersten Blick nicht an. Tatsächlich sind ihre riesigen, verholzten Triebe aber Grashalme.

Sie sind ein Paradebeispiel für die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten der Poaceae, dienen Bambusrohre doch nicht nur als Baumaterial. Ebenso sind die aus ihnen gewonnenen Bambussprossen ein wichtiges Grundnahrungsmittel in Asien.

Darüber hinaus lässt sich aus den riesigen Bambushalmen sogar Bambusfaser herstellen, die eine bedeutsame Naturtextilie darstellt. Es erübrigt sich zu erwähnen, dass Bambus ein wertvoller Naturrohstoff ist.

 

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Der Riesengrashalm: Bambus

Poaceae der Ehrhartoideae

Benannt nach dem deutschen Botaniker Jakob Friedrich Ehrhart, der sich im 18. Jahrhundert um die Beschreibung und Charakterisierung zahlreicher Gräser verdient gemacht hat, gehört zu den Ehrhartoideae eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel der Welt: Reis (Oryza).

Ähnlich wie die Arundinoideae bevorzugen auch Ehrhartoideae feuchte bis nasse Standorte. Man denke nur an die weitläufigen Reisfelder Asiens, die zur Reiskultur unter Wasser gesetzt werden.

Diesbezüglich sei auch der Wasserreis (Zizania) erwähnt. Seine länglichen, braunen Reiskörner sind häufig in Reismischungen zu finden, wobei er eine eigenständige Gattung innerhalb der Ehrharoideae darstellt.

 

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Der Nahrhafte: Reis

Poaceae der Panicoideae

Zu den Panicoideae gehören sowohl einige beliebte Ziergräser, als auch Getreidearten und andere Lebensmittel. Im Bereich der Lebensmittel währen hier neben Zuckerrohr und Mais vor allem die verschiedenen Arten der Hirse zu nennen, also:

  • Borstenhirse (Setaria)
  • Fingerhirse (Digitaria)
  • Grannenhirse (Oplismenus)
  • Hühnerhirse (Echinochloa)
  • Rispenhirse (Panicum)
  • Sorghumhirse (Sorghum)

 

Speziell die Rispenhirse ist hierbei auch Stammgattung der Panicoideae. Ein wichtiges Gewürzkraut ist ferner das Zitronengras. Beliebte Ziergräser finden sich in der Unterfamilie weiterhin mit Bartgras und Lampenputzergras.

Panicoideae bevorzugen in der Regel warme und oft trockene Standorte, sind aber auch an feuchteren Naturstandorten zu finden. Diese Gräser sind häufig in tropischen und subtropischen Regionen anzutreffen, gedeihen jedoch ebenso in gemäßigten Zonen.

Wuchseigenschaften der Panicoideae umfassen oft robuste, aufrecht wachsende Halme mit einer variablen Wuchshöhe, die von wenigen Zentimetern bis zu mehreren Metern reichen kann. Die Blätter sind meist lang und schmal, und die Ähren sind oft kompakt und spindelförmig.

Einige Arten haben spezialisierte Anpassungen wie Kriechen oder Bildung von Rhizomen, um sich an unterschiedliche Bodenbedingungen anzupassen und sich auszubreiten.

 

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Die Riesenähre: Mais

Poaceae der Pooideae

Die wohl wichtigste Unterfamilie der Süßgräser sind die Pooideae. Sie umfasst mit Gerste, Hafer, Roggen und den verschiedenen Arten des Weizens (Einkorn, Zweikorn und Dinkel) die wichtigsten Getreidesorten.

Daneben gehören auch einige der beliebtesten Rasen- und Ziergräser zu den Pooideae, darunter Blaugras, Federgras, Glanzgras, Rispengras, Ruchgras, Schmiele, Schwingel, Silbergras, Straußgras, Zwerggras und das als Lolch bekannte Weidelgras.

Die Ziergräser der Pooideae sind in ihrer Kultur relativ anspruchslos und bevorzugen teils feuchte, teils trockene Standorte. Anders sieht es hingegen bei den Getreidearten aus. Sie benötigen mitunter sehr sorgfältig auf die Pflanzen abgestimmte Standorte und ihr erfolgreicher Anbau gilt in der Landwirtschaft als eine hohe Kunst.

 

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Das Kultgetreide: Weizen

Fazit

Süßgräser oder Süßgrasgewächse sind nicht nur eine der größten, sondern auch eine der vielseitigsten Pflanzenfamilien. Ihre Mitglieder sind unerlässliche Grundnahrungsmittel und natürliche Rohstoffe. Zudem können einige Süßgräser sogar die Boden- und Wasserqualität verbessern. Wenigstens ein Süßgras sollte man deshalb schon im Garten ansiedeln.

 

FAQ – Häufige Fragen zu Süßgräsern

Was sind Süßgräser?

Süßgräser stellen die Familie der Poaceae und umfassen wichtige Getreidearten wie Weizen, Reis, Mais und Hafer, aber auch Ziergräser und Lebensmittel wie Schilfrohr, Zuckerrohr und Bambus. Sie spielen eine zentrale Rolle in der menschlichen Ernährung und Landwirtschaft, da sie die Hauptquelle für viele Grundnahrungsmittel darstellen.

Wie pflege ich Süßgräser im Garten?

Süßgräser bevorzugen gut durchlässigen Boden und volle Sonne. Halten Sie den Boden gleichmäßig feucht, aber vermeiden Sie Staunässe. Regelmäßiges Mähen oder Schneiden fördert dichtes Wachstum und gesundes Aussehen.

Welche Vorteile bieten Süßgräser?

Süßgräser bieten zahlreiche Vorteile, darunter Nahrungssicherheit, Bodenerosionsschutz und Lebensraum für viele Tierarten. Sie sind auch eine wichtige Quelle für Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe in der menschlichen Ernährung.

Wie unterscheide ich Süßgräser von anderen Gräsern?

Süßgräser haben charakteristische Merkmale wie hohle, runde Stängel, parallelnervige Blätter und blühende Ähren oder Rispen. Sie unterscheiden sich von Sauergräsern und Binsen, die meist dreikantige Stängel und andere Blattstrukturen aufweisen.

Kann man Süßgräser auch im Topf anbauen?

Ja, viele Süßgräser lassen sich erfolgreich im Topf kultivieren. Verwenden Sie hochwertige Blumenerde und sorgen Sie für ausreichende Drainage. Platzieren Sie die Töpfe an einem sonnigen Standort und gießen Sie regelmäßig, um ein gesundes Wachstum zu gewährleisten.

Was ist der Unterschied zwischen Süßgräsern und Sauergräsern?

Süßgräser und Sauergräser gehören zwar zur selben Pflanzenordnung, sind aber zwei unterschiedliche Pflanzenfamilien. Dabei haben Süßgräser runde, hohle Stängel mit Knoten und parallelnervige Blätter, die aus einer Blattbasis herauswachsen. Ihre Blütenstände sind typischerweise Ähren oder Rispen. Sauergräser besitzen im Gegenzug oft dreikantige, feste Stängel ohne Knoten und blattartige Strukturen, die direkt am Stängel anliegen. Ihre Blütenstände sind komplexer und weniger auffällig.

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