Aachen, Hohes Venn, Aachens Naturräume

Grüne Grenzen: Aachens Naturräume und die Renaturierung

Es gibt in Deutschland einige Regionen, die in Sachen Umwelt- und Klimaschutz besondere Bedeutung genießen. Hierzu gehören auch Aachens Naturräume an der deutsch-belgisch-niederländischen Grenze. Erste Naturschutzgebiete, die dem unkontrollierten Raubbau an der Natur Einhalt gebieten sollten, entstanden hier bereits in den 1980er Jahren, als Umweltaktivismus noch in den Kinderschuhen steckte.

Heute dienen Aachens Naturräume nicht nur als beliebte Naherholungsgebiete und Ausflugsziele für Natururlaub. Ebenso gelten sie als Paradebeispiel für innovative Ideen zum Naturschutz. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Renaturierung von Naturflächen.

 

Aachens Naturräume: Das Wasserreich des Gottes Grannus

Mit seiner Lage nördlich der Eifel im Euregio Maas-Rhein-Gebiet ist der Raum Aachen nicht nur durch eine bewegte Geschichte, sondern auch durch vielfältige Naturlandschaften gekennzeichnet. Der heutige Name Aachens leitet sich dabei von der frühmittelalterlichen Bezeichnung Aquisgrani bzw. Aquae Granni ab, die übersetzt „Bei den Wassern des Granni“ bedeutet.

Dem keltisch-germanischen Gott des Wassers, der heißen Quellen und des Heilens wurde im Raum Aachen bereits während der Eisenzeit von dort siedelnden Kelten und Germanen gehuldigt. Dies insbesondere aufgrund der zahlreichen heißen Thermalquellen in der Region, die schon damals als heilige Quellen und Wasserkurorte fungierten.

Das Thermalwasser führt neben schwefligen Bestandteilen auch gelöste Mineralien, die dem Kalkgestein der Region entstammen. Überhaupt ist der Aachener Raum reich an Gewässern, Bächen und Flussläufen. Dominant sind hier die Flusssysteme der Wurm, deren Name sich ebenfalls von den warmen Thermalquellen der Aquae Granni bzw. von dem indogermansichen Suffix uer- oder our- für „Wasser“, „Regen“ oder „Fluss“ ableiten soll.

 

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Der Elisenbrunnen in Aachen als Hommage an die historische Bäderkultur rund um die Thermalquellen der Aquae Granni

Von Natururlaub und Naturschutz

Schon die Römer wussten das Erholungspotenzial der Aquae Granni im keltisch-germanischen Hoheitsgebiet von Aachens Naturräumen zu schätzen. Im 1. Jahrhundert n. Chr. bauten sie die schwefelhaltigen Quellen im Aachener Siedlungsgebiet zwischen Johannisbach und Paunelbach zu einem Heilbad und Kurort für ihre niedergermanischen Truppen aus.

Noch heute ist Aachen wegen seiner heilsamen Thermalwasser ein staatlich anerkanntes Heilbad. Und auch die grünen Aachener Naturräume werden in Sachen Kur- und Natururlaub hoch geschätzt. Die Region besitzt mit 123 Naturschutzgebieten und 139 Landschaftsschutzgebieten stolze 352 km² geschützter Naturfläche. Ein neuer Landschaftsplan soll diese Flächen künftig thematisch wie ökologisch besser aufgliedern.

Doch bereits jetzt ziehen Naturräume wie der Aachener Wald Naturliebhaber magisch an. Das etwa 1.530 ha große Waldgebiet südlich des Aachener Stadtzentrums trägt das Umweltsiegel des Forest Stewardship Council (FSC) und hält neben imposanten Naturdenkmälern wie den Zyklopensteinen auch herrliche Tourrouten für Wanderer, Radfahrer und Reiter bereit hält.

 

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Geologische Kunstwerke an der deutsch-belgischen Grenze: Die Zyklopensteine im Aachener Wald

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Aachener Wald tummeln sich noch weitere idyllische Naturrräume wie etwa die berühmten Moorlandschaften des Hohen Venns, die Taverener Heide und das Wurmtal mit seinen malerischen Bach- und Flussläufen. In allen genannten Gebieten treibt die Regionalverwaltung derzeit zahlreiche Projekte zum Naturschutz voran.

Tipp: Wer sich in Aachens Naturräumen mal eine erholsame Auszeit im Grünen gönnen möchte, setzt am besten auf eine lokale Urlaubsunterkunft. Schöne wie preiswerte Angebote finden Sie hier.

 

Den Fluss befreien: Gewässerrenaturierung in Aachen

Die Hochwasserkatastrophe von 2021 hat in Nordrhein-Westfalen eines klar gemacht: Begradigte Flussläufe in Kombination mit mangelndem Hochwasserschutz sind in einer solch gewässerreichen Region wie Aachens Naturräumen lebensgefährlich. Dabei begannen Maßnahmen zur Renaturierung von Fließgewässern im Raum Aachen eigentlich sehr früh.

Gerade im Haarbachtal lassen sich entsprechende Gewässerschutzprojekte bis ins Jahr 1987 zurückverfolgen. Dies allerdings nicht ohne heftige Kritik an den damaligen Renaturierungsmaßnahmen am Haarbacher Flusslauf durch Naturschutzorganisationen wie Politiker gleichermaßen. Rückwirkend betrachtet, mangelte es bei der frühen Haarbach-Renaturierung nämlich an strategisch kluger Planung.

Zu übereifrig, an manchen Stellen zu umfangreich, an anderen zu zaghaft, habe der Wasserverband ‚Obere Wurm‘ laut einem Dokumentationsbericht des Ökologiezentrums Aachen e.V. aus dem Jahre 1991 den vermeintlich naturnahen Ausbau im Uferbereich des Haarbachs seinerzeit vorangetrieben. Doch aus Fehlern kann man bekanntlich lernen.

 

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Der Raum Aachen ist reich an Gewässern, die aber leider in der Vergangenheit massive Schäden durch Einfluss des Menschen genommen haben

Bessere Strategien zur Gewässerrenaturierung

Jüngere Projekte zur Gewässerrenaturierung in Aachens Naturräumen konzentrieren sich inzwischen vermehrt darauf, Fluss- und Bachbegradigungen zurück zu bauen, die überwiegend durch unnatürliche Kanalisierung des Wurm-Flusssystems entstanden sind. Zu diesem Zweck werden seit 2015 gezielt

  • künstliche Ufer- und Einleitungsbefestigungen, Sohlenleitungen und Staustufen aus Beton entfernt
  • Bach- und Flussläufe zum verbesserten Hochwasserschutz durch Wiederherstellung natürlich gewundener Fließbette in ihrer Fließlänge erweitert
  • Flussbetten verbreitert oder durch Abtragung von Sandfang vertieft
  • neue Naturräume und naturnahe Straßentrassen durch die Anlage von Auen im Uferbereich und Verlegung von Fluss- und Bachbetten geschaffen

 

Entfichtung: Bäume fällen im Namen des Klimaschutzes

Was die Förderung von Klimawäldern im Aachener Raum wie auch in anderen Regionen so wichtig macht, sind vor allen die nach wie vor viel zu großen Bestände an Monokulturen im Bereich der Forstwirtschaft. Jahrzehnte lang mussten Naturwälder der schädlichen Monokultur von Holz als wirtschaftlich genutztem Rohstoff weichen, wobei es sich in der Regel um ökologisch problematische Nadelbaumbestände wie die der Fichte handelte.

Dazu muss man wissen, dass Nadelbäume in Monokultur für jeden Waldboden eine starke Belastung darstellen. Einerseits verdrängen die Koniferen recht systematisch andere Waldpflanzen, weil ihre herabfallenden Baumnadeln den Boden versauern und den Einfall von Sonnenlicht blockieren. Andererseits gelten Nadelbäume als extreme Starkzehrer, die dem Waldboden Nährstoffe im Übermaß entziehen und ihn so schnell auslaugen.

Darüber hinaus erhöhen Nadelbäume durch ihr vergleichsweise trockenes Holz auch die Waldbrandgefahr im Sommer, die aufgrund des Klimawandels ohnehin schon stark gestiegen ist. Eine Entfichtung der Forstbestände scheint somit unausweichlich, um die Wälder gegen Klimakatastrophen und fortschreitenden Raubbau zu wappnen.

Dafür müssen aber zunächst einmal reichlich Nadelbäume fallen, um sie durch widerstandsfähige und umweltfreundlichere Mischkulturen aus Laubbäumen zu ersetzen. Diese sind gerade mit Blick auf die CO₂-Bilanz ohnehin effizienter als Nadelbäume.

 

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Umschichten, Entfichten: In Aachens Forstgebieten sollen künftig mehr laubbaumreiche Klimawälder die umweltschädlichen Fichtenmonokulturen ersetzen

Netz und Natur – Aachener Netzbetreiber renaturiert Forstflächen

Dass Renaturierung nicht immer Verwaltungssache sein muss, beweist der Netzbetreiber NetAachen. Der regionale Vorreiter für Glasfaserausbau engagiert sich in Kooperation mit der Naturschutzorganisation fit4future für die nachhaltige Wiederaufforstung im Wurmtal.

Im Rahmen des Projektes „Net(t) Aufforsten“ werden hier im Raum Würselen und Herzogenrath widerstandsfähige Baumarten gepflanzt, die mit Blick auf den Klimawandel besonders resistent gegen Wetterextreme wie Trockenheit, Stürme und Hochwasser sind. Dazu gehören allen voran Baumsetzlinge der

  • Esskastanie,
  • Heimbuche,
  • Lindenblättrigen Birke,
  • Stieleiche
  • und Winterlinde.

Insgesamt sollen Aachens Naturräume für jeden der über 2.500 Geschäftskunden von NetAachen je eine Baumpflanzung erhalten und so zur Schaffung eines Klimawaldes im Wurmtal beitragen. Dabei ist nicht nur die Klimaresistenz der Bäume von Bedeutung, sondern auch deren reduzierte Anfälligkeit für Schadbilder wie den Borkenkäfer und ihr Beitrag zur CO₂-Bindung und zum Schutz vor Bodenerosion.

 

Hohes Venn, Moore, Moorlandschaft
Der Weg der Renaturierung kann sich für Mensch wie Natur lohnen und die Vennlandschaften im Aachener Raum beweisen es

Sumpfidylle: Renaturierung von Aachens Moorlandschaften

Geht es um die Renaturierung von Biotopen, gibt es für Aachens Naturräume weit aus mehr zurück in den natürlichen Zustand zu überführen als Gewässer und Wälder. Oft vernachlässigt werden hier Torf- und Moorlandschaften. Einst stellten sie wertvolle Lebensräume dar, in denen seltene Sumpf- und Wasserpflanzen ebenso zu Hause waren wie seltene Tierarten.

Leider wurden gerade viele Moore in den letzten Jahrzehnten trocken gelegt und mussten Bau- oder Nutzflächen für die zunehmende Urbanisierung weichen. Eine Renaturierung der Moorlandschaften ist daher umso wichtiger. Ein gutes Beispiel dafür, wie es funktionieren kann, liefert das Brackvenn bei Mützenich. Einst für den Torfabbau trocken gelegt, ist das Moor an der Aachener Grenze zu Belgien heute ein Tummelplatz für gefährdete Pflanzen- und Tierarten.

Dank gezieltem Öffnen der Brachlandschaft durch strategische Abholzung, Überflutung und aufbrechen der oberen Erdschichten ist die charakteristische Vennflora ins Brackvenn zurück gekehrt. Und Sichtungen seltener Tierarten wie Luchse, Wölfe oder Kreuzotter lassen darauf schließen, dass auch die Vennfauna im Brackvenn nicht mehr verloren scheint.

Zu Verdanken haben Aachens Naturräume diese erfolgreiche Moor-Renaturierung im Übrigen dem LIFE-Projekt, einem EU-Förderprogramm, das sich dem Erhalt natürlicher Lebensräume für Tiere und Pflanzen widmet.

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