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Trollblume, Europäische Trollblume, Trollius, Trollius europaeus

Trollblume – Wirkung, Anwendung und Kultur

Bei der Trollblume (Trollius) handelt es sich nicht nur um eine verkannte Zierpflanze für den Teichrand, sondern auch um eine alte Heilpflanze. Zwar ist sie schwach giftig, jedoch lässt sich ihr geringer Giftgehalt durch Trocknen erfolgreich neutralisieren. Darüber hinaus sind ihre kopfigen Blütenstände auch unwahrscheinlich dekorativ.

Wissenswertes: Der Name der Trollblume verweist auf die Wortherkunft des Begriffes „Troll“. Dieses leitet sich nämlich vom althochdeutschen troll für „kugelrund“ bzw. trollen für „umherrollen“ ab. Bei der Trollblume bezieht sich das „Troll-“ auf die kugelrunden Blüten der Pflanze.

 

Trollblume in der Küche und Medizin

Trollblumen gehören zur Familie der Hahnenfußgewächse und sind daher eng verwandt mit dem Hahnenfuß, der Sumpfdotterblume und dem Scharbockskraut. Gemeinsam ist diesen Blumen einerseits eine Vorliebe für feuchte Standorte. Darüber hinaus fallen sie aber auch durch markant gelbe Blüten und einen schwachen bis mittleren Giftgehalt auf.

Zumindest beim Scharbockskraut und der Trollblume überwiegt der gesundheitliche Nutzen aber die schwache Giftigkeit der Pflanzen. Das für Hahnenfußgewächse typische Toxin Protoanemonin lässt sich zudem durch Trocknung unschädlich machen, wird das Alkaloid im Rahmen des Trocknungsprozesses doch zu dem ungiftigen Anemonin umgewandelt.

Übrigens: Die Vorstufe zu Protoanemonin ist das ebenfalls ungiftige Ranunculin, dessen Name sich von der wissenschaftlichen Bezeichnung der Hahnenfußgewächse, Ranunculus, ableitet.

 

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Den leuchtend gelben Blüten der Trollblume sieht man ihre Verwandtschaft zum Hahnenfuß und zur Sumpfdotterblume wahrlich an | © Das Grüne Archiv

 Ein vitaminreiches Blümchen

Die Europäische Trollblume (Trollius europaeus) war einst fester Bestandteil der europäischen Volksheilkunde. Wegen ihrem hohen Gehalt an Vitamin C fand sie früher ähnlich wie das Scharbockstraut traditionell Anwendung gegen Skorbut.

Die kräftig gelbe Farbe der Trollblumen-Blüten ist außerdem auf einen reichen Gehalt an Xanthophyllen, Trollixanthin und β-Carotin. Es handelt sich hierbei um drei verschiedene Varianten der auch als Provitamin A bekannten Carotinoide, die für ihre antioxidative, immunstärkende und zellschützende Wirkung bekannt sind.

 

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Blütenkopf der Europäischen Trollblume (Trollius europaeus) | © Das Grüne Archiv

Medizinische Inhaltsstoffe der Trollblume

Gut belegt ist die medizinische Wirkung der Trollblume durch zahlreiche Studien zur Chinesischen Trollblume (Trollius chinensis). Als medizinische Hauptwirkstoffe wurden diesbezüglich folgende Inhaltsstoffe festgestellt:

  • Carotinoide
  • C-Glycoside
  • Lactone
  • Saponine
  • Sterole
  • Terpene

Vor allem Flavonoide wie Carotinoide und C-Glycoside sind dabei für die Heilwirkung der Trollblume verantwortlich. Diese umfasst neben antioxidativen Eigenschaften auch einen entzündungshemmenden, antibakteriellen und antiviralen Effekt. Kaum verwunderlich also, dass getrocknete Kräuter der Trollblume seit jeher gegen Entzündungs- und Infektionskrankheiten wie Bronchitis, Pharyngitis und Tonsillitis eingesetzt werden.

Achtung: Trollblumen gehören zu den gefährdeten Arten und stehen unter Naturschutz. Wer sie heilpflanzlich anwenden möchte, muss daher auf Präparate aus der Apotheke bzw. Drogerie setzen oder die Trollblume selbst kultivieren.

 

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Trollblumen sind aufgrund zunehmender Trockenlegung ihrer natürlichen Feuchtwiesen- und Sumpfstandorte äußerst selten geworden. Eine Kultur trägt deshalb auch zum Artenschutz bei | © Das Grüne Archiv

Trollblume pflanzen – Standort und Ablauf

Assoziationen mit Trollen lassen im Falle der Trollblumen schnell an nordische Länder denken. Tatsächlich erstreckt sich das Verbreitungsgebiet der Europäischen Trollblume auch bis nach Skandinavien. Ein äußerst robustes Blümchen also, das mit einer Winterhärte bis -28 °C selbst der arktischen Kälte wacker trotzt.

 

Der richtige Standort für Trollblumen

Wie für viele Hahnenfußgewächse üblich, bevorzugen Trollblumen einen feuchten bis sumpfigen Standort. Idealerweise pflanzt man sie auf Feuchtwiesen, im Sumpfbeet oder am Uferrand von Teichen oder Bachläufen.

Das optimale Standortsubstrat für Trollblumen ist sandig-lehmig oder sandig-tonig. Außerdem sollte der Boden nährstoffreich sein und einen alkalischen pH-Wert zwischen 8 und 10 aufweisen. Darüber hinaus ist auf einen sonnigen Standort zu achten, an dem den schönen Blumen kein Lichtmangel durch überschattende Bäume und Sträucher droht.

Trollblumen erreichen Wuchshöhen von 50 bis 80 cm und eine Wuchsbreite von 30 bis 60 cm.  Es ist daher wichtig, dass die Pflanzen am Standort genügend Platz zur freien Entfaltung haben. Wurzelkonkurrenz durch Nachbarpflanzen verträgt Trollius nicht besonders gut, daher ist von Kombinationspflanzungen abzusehen.

Einzelheiten zum Standort für Trollblumen:

  • vollsonniger Standort
  • frischfeuchter bis sumpfiger Boden
  • sandig-lehmiges oder sandig-toniges Substrat
  • Boden sollte nährstoffreich sein
  • pH-Wert des Bodens: alkalisch, von 8 bis 10
  • Trollius verträgt keine Wurzelkonkurrenz
  • gute Standorte: Feuchtwiesen, Gewässerrand, Sumpfbeete
  • Trollblume ist bis -28 °C winterhart

 

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Für die Kultur von Trollblumen unwahrscheinlich wichtig: ein lichtreicher Standort | © Das Grüne Archiv

Aussaat der Trollblume

Wer Saatgut der Trollius gekauft hat, muss beachten, dass es sich bei dieser Pflanze um einen Kaltkeimer handelt. Um die Keimung einzuleiten wird somit ein Kältereiz von mindestens -7 °C benötigt.

Die Trollblume aussäen sollte man daher schon im Herbst oder Frühwinter, zwischen Oktober und Dezember. So bekommt sie im Winter den natürlichen Kältereiz ab. Alternativ dazu ist es natürlich auch möglich, die Trollblumensamen vor der Aussaat für ein paar Tage in den Kühlschrank zu geben.

Achtung: Es sei darauf hingewiesen, dass Trollblumensamen relativ schlecht keimen. Außerdem kann es bei einer Vorzucht durch Aussaat bis zu zwei Jahre dauern, bevor die Trollblumen das erste Mal blühen. Eine Direktpflanzung ist daher oft vielversprechender.

 

Pflanzen der Trollblume

Ungeachtet dessen, ob sie gekeimte Jungpflanzen vereinzeln oder vorgezogene Exemplare aus dem Gartenfachhandel vermehren möchten, ist eine Pflanzung von Trollblumen im Frühjahr oder Frühsommer, zwischen April und Juni ratsam.

Reichern Sie den Standortboden vor der Pflanzung ggf. mit etwas Sand und reifem Kompost an. Anschließend pflanzen Sie einzelne Exemplare in einem Pflanzabstand von ca. 30 bis 40 cm. Es sollten abschließend nicht mehr als 8 Pflanzen pro m² stehen.

 

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Trollblumen werden fast 1 m hoch und benötigen dementsprechend Platz | © Das Grüne Archiv

Trollblume gießen und düngen

Wie bereits erwähnt, sind Trollblumen äußerst feuchtigkeitsliebende Gewächse. Bereits direkt nach der Pflanzung sollte der Boden großzügig gewässert werden. Insgesamt kommt Trollius mit vorübergehender Staunässe deutlich besser zurecht als mit Trockenheit. Es ist daher insbesondere im Sommer auf eine konstante Bodenfeuchte durch manuelle Bewässerung zu achten.

Die Düngung von Trollblumen erfolgt alljährlich im Frühling. Geben Sie hier etwas Kompost oder phosphorreichen Volldünger an die Pflanzen ab.

 

Trollblume schneiden und vermehren

Die Blütezeit reicht bei Wildformen der Trollblume von Mai bis Juni, bei Zuchtsorten bis August. Schneiden Sie während dieser Zeit regelmäßig welke Blütenköpfe ab. Das kann im Idealfall für eine Zweitblüte sorgen.

Ein bodennaher Rückschnitt von Trollblumen vor dem Winter ist möglich, aber nicht zwingend erforderlich. Gerade dann, wenn eine Selbstaussaat angestrebt wird, sollte man die letzten welken Blüten ohnehin stehen lassen.

 

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Blütezeit der Trollblumen lässt sich durch gezielten Blütenschnitt verlängern | © Das Grüne Archiv

Für die manuelle Vermehrung bietet sich bei Trollblumen eine Wurzelteilung an. Diese sollte allerdings erst ab dem 10. Standjahr vorgenommen werden.

Graben Sie die Trollblume hierfür im Frühling aus und teilen Sie den Wurzelstock mit einem scharfen Messer. Alle Teilstücke sollten gut bewurzelt sein und können nach der Wurzelteilung direkt zurück ins Freiland gepflanzt werden.

 

Trollblume überwintern

Für gewöhnlich benötigt die winterharte Trollblume keinen umfangreichen Winterschutz. Ist allerdings ein besonders frostreicher Winter zu erwarten, sollte man den Wurzelbereich mit etwas Mulch, Reisig oder Laub abdecken. Für Topfkulturen empfiehlt sich das Umwickeln des Pflanzgefäßes mit Gartenvlies, um starkem Bodenfrost vorzubeugen.

 

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Herrliches Blütenmeer aus Trollblumen | © Das Grüne Archiv

Schöne Arten der Gattung Trollius

Die Gattung Trollius umfasst etwa 30 Arten, deren Blüten in mitunter recht verschiedenen Gelbtönen blühen. Außerdem gibt es einige Kultursorten mit individuellen Wuchseigenschaften. Besonders interessant für eine Privatkultur sind hierbei folgende Trollblumen-Arten:

  • Asiatische Trollblume (Trollius asiaticus): orange-gelbe Kugelblüte, sehr seltene Art
  • Chinesische Trollblume (Trollius chinensis): orange-gelbe Blüten mit verlängerten Honigblättern; beliebte Sorte ist ‚Golden Queen‘
  • Europäische Trollblume (Trollius europaeus): leuchten Gelbe Kugelblüten; Sorte ‚Superbus‘ bildet besonders große Blüten aus
  • Garten-Trollblume (Trollius x cultorum): Zuchtform; Blütenfarben der Zuchtsorten reichen von pastellgelb über orange-gelb bis orange; wichtige Sorten sind ‚Alabaster‘, ‚Baudirektor Linne‘, ‚Earliest of All‘, ‚Lemon Queen‘, ‚Orange Globe‘
  • Zwerg-Trollblume (Trollius pumilus): kleinwüchsige Art mit nur 20 cm Wuchshöhe; hellgelbe Blüten

 

Trollblumen – Krankheiten und Schädlinge

Trollblumen sind von Haus aus recht robust und werden kaum von Schadbildern heimgesucht. Allerdings kann ein zu schattiger Standort Echten Mehltau befördern, weshalb unbedingt die Standortbedingungen zu beachten sind.

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