Raublattgewächse, Boraginaceae, Vergissmeinnicht, Wald-Vergissmeinnicht, Myosotis, Myosotis sylvatica

Vergissmeinnicht – Pflanzen, Pflege und Arten

Seinen Namen erhielt das Vergissmeinnicht (Myosotis) laut mittelalterlichen Sagen, weil es Gott darum gebeten haben soll, nicht in Vergessenheit zu geraten. Die Bitte der Pflanze wurde wohl erhört, denn Myosotis ist heute eine der berühmtesten und beliebtesten Zierpflanzen zur Unterpflanzung in Gärten und Parks. Berühmt ist es vor allem aufgrund seiner markanten, himmelblauen Blüten, die dank des niedrigen Wuchses von Vergissmeinnicht einen wunderschönen Blütenflor zaubert. Bei der Kultivierung des Klassikers unter den Bodenndeckern sollten allerdings ein paar Dinge beachtet werden.

Wissenswertes: Das Vergissmeinnicht trägt auch in anderen Sprachen einen Namen, der mit der liebevollen Erinnerung verknüpft ist. Dabei sind insbesondere die Namen Forget-me-not im Englischen, Ne m’oubliez pas im Französischen, Non ti scordar di me im Italienischen, Förgätmigej im Schwedischen und Wùwàngwǒ(勿忘我) im Chinesischen mit dem deutschen Namen identisch. Wegen der romantischen und emotionalen Assoziation wird Vergissmeinnicht gemäß der Blumensprache auch entsprechend genutzt, beispielsweise für Liebesbekundungen oder Ehrentage eines geliebten Menschen. Sein botanischer Name Myosotis hat jedoch eine ganz andere Bedeutung. Er setzt sich aus den griechischen Wörtern für Maus und Ohr zusammen und bedeutet übersetzt Mäuseohr, womit die Form seiner Blätter gemeint ist.

 

Vergissmeinnicht pflanzen – Standort und Ablauf

Vergissmeinnicht wird gerne mit dem ihm anverwandten Gedenkemein aus der Gattung der Nabelnüsschen verwechselt. Die Pflanzen gehören nicht nur beide zur Pflanzenfamilie der als Boraginaceae bekannten Raublattgewächse, sondern besitzen auch ein sehr ähnliches Erscheinungsbild. Allerdings wächst Vergissmeinnicht etwas niedriger als Gedenkemein, was bei der Unterscheidung helfen kann.

Unter den Boraginaceae sind Vergissmeinnicht weltweit am weitesten verbreitet, denn es nennt nicht nur Europa, sondern auch Afrika, Asien und Nordamerika seine Heimat. Je nach Herkunft und Art wachsen die ziervollen Pflanzen bei uns einjährig oder mehrjährig, woran ersichtlich wird, dass die Winterhärte einzelner Arten eine gewisse Rolle bei der dauerhaften Beetbepflanzung spielt.

Grundsätzlich bevorzugt Vergissmeinnicht dabei sonnige bis halbschattige Standorte. Diese dürfen ruhig etwas feuchter sein, denn Myosotis wächst in freier Wildbahn gerne auf feuchten Waldböden. Besonders feuchtigkeitstolerante Arten wie das Sumpf-Vergissmeinnicht (Myosotis scorpidoides) können sogar an Uferböschungen, Teichen und in Moorbeeten gepflanzt werden. Arten wie das Wald-Vergissmeinnicht (Myosotis sylvatica) vertragen zudem auch schattigere Standorte.

Neben einem ausreichend feuchten Substrat benötigen Vergissmeinnicht auch einen lockeren und humusreichen Boden. Die Pflanze steht am liebsten auf saurem Untergrund, der einen pH-Wert von 4,0 bis 5,5 Punkten aufweisen sollte. Pflanzen kann man Myosotis neben Gartenbeeten auch in Balkonkästen oder im Topf. Als Pflanznachbarn eignen sich andere Wildblumenstauden, wie Primeln, Hornveilchen, Lungenkraut oder auch Tulpen.

Einzelheiten zum Standort für Vergissmeinnicht:

  • Myosotis gehört zu den weltweit heimischen Boraginaceae
  • bei uns heimische Arten sind sehr gut winterhart
  • fühlt sich an sonnigen bis halbschattigen Standorten wohl
  • Boden sollte locker, humusreich und feucht sein
  • Sumpf-Vergissmeinnicht ist besonders feuchtigkeitsliebend
  • Boden-pH-Wert: sauer, zwischen 4,0 und 5,5
  • gute Beetnachbarn: Tulpen, Lungenkraut, Hornveilchen, Primeln

 

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Wald-Vergissmeinnicht (Myosotis sylvatica) | © Das Grüne Archiv

Pflanzanleitung für Vergissmeinnicht

Vergissmeinnicht können Sie entweder in Form von vorgezogenen Jungpflanzen oder als Saatgut kaufen. Beide Varianten führen normalerweise schnell zu einem üppig blühenden Blütenflor, weshalb wir nachstehend die Kultivierung von der Aussaat bis zur Auspflanzung schildern möchten:

1. Schritt – Aussaattermin wählen: Die Aussaat von Myosotis erfolgt zwischen Juni und Juli. Trotz guter Winterhärte sollten die Außentemperaturen für eine optimale Keimung der Pflanze nämlich schon etwas höher liegen.

2. Schritt – Boden vorbereiten: Vor der Aussaat wird entweder eine Saatschale oder ein ausgewählter Gartenstandort mit einem Gemisch aus Blumenerde und Lehm ausgestattet. Um die Bodendurchlässigkeit zu erhöhen, kann ein wenig Sand ins Substrat gegeben werden.

3. Schritt – Vergissmeinnicht säen: Säen Sie die die Vergissmeinnicht-Samen in einer Saattiefe von 1 cm tief aus und bedecken Sie das Saatgut vorsichtig mit Erde. Bis zur Keimung sollte die Erde dann stetig feucht gehalten werden. Am besten eignet sich hierzu eine kleine Sprühflasche, deren Strahl das Substrat leicht befeuchtet, ohne die Samen auszuschwemmen.

4. Schritt – Vergissmeinnicht pikieren / pflanzen: Keimlinge, ebenso wie vorgezogene Vergissmeinnicht werden zwischen Spätsommer und Herbst in einen Abstand von 15 bis 20 cm gepflanzt bzw. auf besagten Abstand vereinzelt. Das Pflanzloch sollte sich hierbei immer am Wurzelballen der Pflanzen orientieren.

Kurzschritte zur Aussaat und Pflanzung im Überblick:

  • Aussaattermin für Myosotis: Juni bis Juli
  • Substrat mit Blumenerde, Lehm und / oder Sand optimieren
  • Saattiefe: 1 cm
  • Erde nach der Aussaat stets feucht halten
  • Keimlinge im Spätsommer pikieren
  • vorläufiger Pflanzabstand: 10 – 15 cm
  • im Oktober vorgezogene Pflanzen und Jungpflanzen vereinzeln
  • finaler Pflanzabstand: 15 – 20 cm

 

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Vergissmeinnicht ist eine Wildblumenstaude | © Das Grüne Archiv

Vergissmeinnicht gießen und düngen

Vor allem während seiner Blütezeit und in anhaltenden Trockenphasen benötigt das Vergissmeinnicht einen ausreichend feuchten Boden, der mit Ausnahme des Sumpf-Vergissmeinnichts allerdings keine Staunässe aufweisen darf. Ansonsten kann es zur Wurzelfäule kommen, was Myosotis rasch absterben lässt.

Auch auf Düngungen reagiert die Wildblumenstaude empfindlich, weshalb eine ausreichende Grunddüngung der Pflanze normalerweise ausreichend ist.

Kurztipps zum Gießen und Düngen:

  • Arten des Myosotis während Blüte ausreichend gießen
  • gleiches gilt für anhaltende Trockenphasen
  • Staunässe trotz Feuchtigkeitsliebe der Pflanzen vermeiden
  • eine Düngung von Myosotis ist nicht erforderlich

 

Vergissmeinnicht schneiden und vermehren

Mehrjährige Vergissmeinnicht-Arten sollten für eine erfolgreiche Überwinterung ohne Frostschäden mit Reisig und einem Gartenvlies abgedeckt werden. Rückschnitte an den Pflanzen sind vorher nicht notwendig, da mehrjährige Arten der Myosotis ihre Laubblätter auch über den Winter behalten. Es reicht also aus, verwelkte Pflanzenteile regelmäßig abzusammeln.

In den Frühlingsmonaten von März bis Mai bildet das Vergissmeinnicht seine Blütenstände aus, die meist üppig mit hellblauen, violetten, weißen oder auch rosafarbenen Blüten besetzt sind. Die Blüten der Pflanze können dabei je nach Sorte entweder rein weiblich, oder auch zwittrig sein, was man bei einer geplanten Vermehrung von Myosotis durch Selbstaussaat berücksichtigen sollte.

 

Vermehrung durch Selbstaussaat

Das Vergissmeinnicht ist eine zweijährige Pflanze, die nach der Blüte abstirbt. Normalerweise müssen Sie es jedoch nicht laufend wieder neu aussäen, denn es breitet sich durch seine Samen von allein aus.

Um auch andere Standorte im Garten zu erobern, benutzt es einen Trick und hängt an seine Samen ein sogenanntes Elaiosom, das Ameisen gern fressen. Sie tragen dieses Paket daher in ihren Bau, fressen das nährstoffreiche Elaiosom auf und befördern den Samen wieder nach oben, weil sie für ihn keine Verwendung haben. So kann es vorkommen, dass im folgenden Jahr an anderen Stellen in Ihrem Garten ein Vergissmeinnicht wächst.

 

Vermehrung durch Wurzelteilung

Eine Vermehrung durch kontrollierte Aussaat der zuvor abgesammelten Samen ist bei Myosotis meist schwierig. Die Samen müssen Sie vor dem Absammeln erst vollständig ausreifen lassen, bevor sie keimfähig sind, was sich vom Gärtner optisch oft nur schwer abschätzen lässt.

Eine bessere Empfehlung ist es deshalb, mehrjährige Vergissmeinnicht zwischen September und Oktober zu teilen, in dem der Wurzelballen der Pflanzen mit einer scharfen Gartenschere vorsichtig in zwei gleich große Teile schneidet.

Kurztipps zum Schneiden und Vermehren:

  • mehrjährige Myosotis können im Freiland überwintern
  • hierzu Pflanzen vor erstem Frost mit Reisig / Gartenvlies abdecken
  • zwittrige Vergissmeinnicht säen sich selbst aus
  • alternativ Vermehrung durch Wurzelteilung im Oktober

 

Interessante Arten und Sorten der Myosotis

Die Gattung Myosotis besitzt etwa 50 verschiedene Arten, von denen die meisten gleichermaßen gerne kultiviert werden. Einige besondere Empfehlungen haben wir aber dennoch für Sie festgehalten:

ArtBeschreibung
Alpen-Vergissmeinnicht
Myosotis alpestris
Blütezeit: Juni bis August
Blütenfarbe: hell- bis dunkelblaue Blüten
Wuchshöhe: 10 bis 15 cm
Heimat: Gebirge Asiens, Europas und Nordamerikas
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: verträgt auch kalkhaltige Böden
Buntes Vergissmeinnicht
Myosotis discolor
Blütezeit: April bis Juni
Blütenfarbe: Blüten mit wechselndem Farbspiel
Wuchshöhe: 10 bis 30 cm
Heimat: Afrika, Europa
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: Die Blüten sind zunächst weiß-gelblich, dann rot und später blauviolett gefärbt
Sumpf-Vergissmeinnicht
Myosotis scporidoides
Blütezeit: Mai bis August
Blütenfarbe: kräftig hellblaue Blüten
Wuchshöhe: 10 bis 40 cm
Heimat: Asien, Europa
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: kommt auch mit sehr nassen Böden zurecht
Wald-Vergissmeinnicht
Myosotis sylvatica
Blütezeit: April bis Juni
Blütenfarbe: himmelblaue Blüten
Wuchshöhe: 15 bis 30 cm
Heimat: Europa
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: es sind weiße und rote Sorten erhältlich
gute Sorten: 'Blaue Grasmücke', 'Blaue Kugel', 'Blaue Schönheit', 'Compindi', 'Miro', 'Rosa Traum', 'Rosylva', 'Snowsylva'

 

Vergissmeinnicht – Mögliche Krankheiten und Schädlinge

Da Myosotis raue Laubblätter besitzt, wird die Pflanze von Schädlingen wie Schnecken gemieden. Stattdessen können dem Pflänzchen aber Pilze wie Mehltau oder Grauschimmel gefährlich werden, die sich bei starker Feuchtigkeit auf den Blättern des Vergissmeinnichts ansiedeln. Ebenso kann sich Staunässe schädigend auswirken, indem sie Wurzelfäule und damit das Absterben der Pflanze herbeiführt.

Unter den Schädlingen fallen vor allem Blattläuse als häufige Plagegeister an Vergissmeinnicht-Arten auf. Gegen diese, ebenso wie gegen einen Pilzbefall, hilft es meist, die Pflanzen mit Brennnesselsud zu besprühen. Bei Wurzelfäule kann man ferner versuchen, die Pflanze in ein trockenes Substrat umzusiedeln.

 

Fazit

Das zu den Boraginaceae gehörende Vergissmeinnicht ist eine der bekanntesten Wildblumenstauden im Garten. Vorzugsweise wird die Pflanze als ziervoller Bodendecker verwendet, allerdings ist auch eine Topfpflanzung generell möglich. Wichtig für die Kultivierung ist dabei ein feuchtes und gutdurchlässiges Substrat.

Mit Nährstoffgaben sollte man an Myosotis dagegen abwarten, bis sich die Notwendigkeit ergibt. Ein spezieller Winterschutz ist bis auf eine leichte Abdeckung mit Reisig oder Gartenvlies nicht notwendig. Darüber hinaus sei erwähnt, dass es neben den berühmten blau gefärbten Sorten des Vergissmeinnichts auch weiße und rote Sorten gibt. Farblichen Kombinationen steht also nichts im Wege.

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