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Familien der Pflanzenwelt: Raublattgewächse

Der Name der Raublattgewächse (Boraginaceae) lässt bereits erahnen, dass es sich bei den Mitgliedern dieser Pflanzenfamilie um Gewächse mit recht widerspenstigem Blattwerk handelt. Die rauen Blätter der Boraginaceae tun ihrer Schönheitjedoch keinen Abbruch.

Mit zauberhaften Blüten, die in allen nur erdenklichen Farben und Formen erstrahlen, sind sie zweifelsohne wunderbare Zierpflanzen. Einige von ihnen, wie zum Beispiel der Borretsch, Natternkopf, Beinwell oder die Hundszunge, besitzen sogar Qualitäten zum Heil- und Küchenkraut. Eingeteilt werden die rund 156 Gattungen und bis zu 2740 Arten der Boraginaceae dabei in folgende Unterfamilien:

  • Unterfamilie der Boraginoideae
    enthält 112 Gattungen mit etwa 1600 Arten der Boraginaceae
  • Unterfamilie der Heliotropioideae
    enthält 8 Gattungen mit etwa 405 Arten der Boraginaceae
  • Unterfamilie der Cordioideae
    enthält 4 Gattungen mit etwa 330 Arten der Boraginaceae
  • Unterfamilie der Ehretioideae
    enthält 11 Gattungen mit etwa 170 Arten der Boraginaceae
  • Unterfamilie der Hydrophylloideae
    enthält 17 Gattungen mit etwa 225 Arten der Boraginaceae
  • Unterfamilie der Lennooideae
    enthält 3 Gattungen mit etwa 7 Arten der Boraginaceae

 

Besonderheiten von Raublattgewächsen

Raublattgewächse sind auch unter dem Beinamen Borretschgewächse bekannt, der die deutsche Form der Fachbezeichnung „Boraginaceae“ darstellt. Er ist einem recht berühmten Raublattgewächs, nämlich dem Borretsch (Borago) geschuldet. Eine alte Gewürz- und Heilpflanze, die bei uns schon seit dem Mittelalter kultiviert wird.

Als eines der ersten Boraginaceae, das botanisch genauer untersucht wurde, halfen die charakteristischen Pflanzeneigenschaften des Borretschs dabei, die Gattungen und Arten der Pflanzenfamilie genauer zu bestimmen. Typisch für den Borretsch, wie auch die meisten anderen Boraginaceae, ist diesbezüglich wie erwähnt eine aufgeraute Blattoberfläche, die in vielen Fällen auch mit einer rauen Behaarung versehen ist.

In der Kultur der Boraginaceae bringt dies gewisse Vorteile mit sich. Denn dank ihrer dichten Blattbehaarung trotzen viele von ihnen oft selbst der kältesten Witterung ohne Probleme. Es gibt aber auch Gattungen, die trotz Pelzschutz auf ihrem Blattwerk eher warmes Klima bevorzugen und deshalb eher in den Tropen und Subtropen verbreitet sind.

Unter den Raublattgewächsen gibt es sowohl Staudenpflanzen als auch Sträucher, Bäume und Lianen. Diese sind praktisch weltweit verbreitet, wobei so manches Raublattgewächs dank seines guten Blattschutzes selbst der Eiszeit wacker trotzte. Gegen extreme Minusgrade sind die meisten Raublatt- bzw. Borretschgewächse also bestens gewappnet. Es gibt aber auch Ausnahmen.

 

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Zierlich, aber robust: Das Vergissmeinnicht | © Das Grüne Archiv

Vorsicht, Verwechslungsgefahr

Zu Verwechslungen kommt es innerhalb der Pflanzenfamilie häufig, weil insbesondere unter den Stauden der Raublattgewächse viele Arten blau blühen. Vor allem Vergissmeinnicht, Ochsenzunge, Himmelsherold, Nabelnüsschen und Alkanna sehen sich mit ihren zierlichen blauen Radblüten oft zum Verwechseln ähnlich.

Auch das Lungenkraut, die Hundszunge und der Natternkopf bergen eine gewisse Verwechslungsgefahr, da ihre Blüten je nach Fortschritt der Blütezeit zweifarbig wachsen. Sind die Blüten zu Beginn der Blütezeit noch rosa bis rot gefärbt, wandeln sie sich im weiteren Verlauf zu einer blauen Blütenfarbe. Grund dafür ist der sich ändernde pH-Wert der Raublattgewächse, der so relativ einzigartig unter den Blütenstauden ist.

Wer die schönen Blumenstauden zuverlässig auseinander halten möchte, muss daher schon etwas genauer hinsehen. So besitzen die Blüten des Nabelnüsschens beispielsweise auffällige weiße Streifen zwischen ihren Blütenblättern, die es von blaublütigen Artverwandten unterscheiden. Der Himmelsherold wächst wiederum deutlich niedriger als Vergissmeinnicht und Co. und gedeiht vorrangig in Bergregionen, was ihn für eine Pflanzung im Steingarten prädestiniert.

 

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Dem Vergissmeinnicht zum Verwechseln ähnlich: Das Nabelnüsschen alias Gedenkmein | © Das Grüne Archiv

Giftpotential der Raublattgewächse

Obgleich es unter den Arten Raublattgewächsen viele Gewürz-, Küchen- und Heilpflanzen gibt, enthalten viele Arten hochgiftige Pyrrolizidinalkaloide. Dies gilt selbst für Gewächse, die als Nutzpflanzen kultiviert werden. Essbare oder zu Heilzwecken verwendbare Boraginaceae sollten deshalb nur in geringen Mengen genutzt und vor dem Gebrauch gut erhitzt werden, um die Giftstoffe unschädlich zu machen.

Ansonsten könnte es je nach Giftstoffkonzentration der Pflanzen zu leichten bis schweren Vergiftungserscheinungen wie Bauchschmerzen, Verdauungs- und Bewegungsstörungen und sogar zu Atem- und Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand kommen. Im Zweifelsfall sollte hier ein Apotheker oder Arzt zur richtigen Verwendung bestimmter Arten befragt werden.

 

Raublattgewächse aus der Unterfamilie Heliotropioideae

Typische Sonnenanbeter lassen sich unter den Arten der Heliotropioideae finden. Der Name der Unterfamilie verrät es bereits, leitet er sich doch vom griechischen Wort heliotropion ab, das so viel wie „der Sonne zugetan“ bedeutet.

Der berühmteste Vertreter dieser sonnenliebenden Raublätter ist, wie sollte es auch anders sein, der Heliotrop alias die Sonnenwende. Unverkennbarer Namenspate der Heliotropodeae und bei uns vor allem in Form der Vanilleblume sehr beliebt, deren süßliche Vanillenote den Heliotrop zu einer begehrten Duftpflanze und Nützlingsweide im Garten macht.

Die kräftig lavendelblau gefärbten Radblüten der Sonnenwende, die sich in ganzen Doldenwickeln wie ein wohlriechender Teppich über die Pflanze werfen, sind darüber hinaus auch eine originelle Zierde und verschönern vielerorts private wie öffentliche Zierstaudenbeete.

 

Sonnenwende, Vanilleblume, Heliotropium, Heliotropium arborescens
Sonnenwende | © Das Grüne Archiv

Sommerhitze und starke Sonneneinstrahlung macht Sonnenwenden in der Regel nichts aus. Gleiches gilt für zeitweise trockene Böden. Dafür sind viele Sonnenwenden namensgemäß aber eher weniger gut auf Winterkälte und Lichtarmut zu sprechen. Sie sind daher überwiegend in tropischen und subtropischen Gebieten verbreitet und bei uns oft nur als einjährige Zierstauden kultivierbar.

Eine Ausnahme bilden hier Arten wie die weißblühende Europäische Sonnenwende, die etwas weiter im Norden verbreitet sind. Sie ist eine der wenigen Arten des Heliotrops, die auch mit weniger Licht und Wärme zurechtkommt. Dafür ist der für Sonnenwenden typische Pflanzenduft bei der Europäischen Sonnenwende aber auch weniger stark ausgeprägt. Ihre in eleganten Rispenwickeln angeordnete Blütenpracht macht den fehlenden Duftaspekt allerdings schnell wieder wett. Nachstehend die wichtigsten Arten der Sonnenwende sowie weitere Heliotropoideae im Überblick:

  • Ceballosie (Ceballosia)
  • Hilgerie (Hilgeria)
  • Nogalie (Nogalia)
  • Schleidenie (Schleidenia)
  • Sonnenwende / Heliotrop (Heliotropium)
  • Europäische Sonnenwende (Heliotropium europaeum)
  • Samtblatt (Heliotropium foertherianum)
  • Vanilleblume (Heliotropium arborescens)
  • Tournefortie (Tournefortia)

 

Raublattgewächse der Unterfamilie Cordioideae

Auch die Gattungen der Cordioideae fühlen sich in der gemäßigten Klimazone nicht wirklich wohl. Zu schade, denn Ziergehölze wie die als Kordie bekannte Stammgattung Cordia, welche dieser Unterfamilie ihren Namen verlieh, faszinieren mit solch zauberhaften Blütenformen und -farben, dass man sie am liebsten das ganze Jahr über im Garten halten würde.

Leider ist dies in Europa nur im Mittelmeerraum möglich, wo die Arten der Kordie das üppige Sonnenangebot mediterraner Freilandflächen mit steinigem Untergrund voll auskosten können. Womit wir bei einem weiteren grundlegenden Standortfaktor für Boraginaceae wären: dem Boden.

Raublattgewächse fühlen sich vor allem in sandigen sowie steinig- bis kiesig-lehmigen Standortsubstraten wohl. Ob diese eher nährstoffreich oder nährstoffarm sein sollte, variiert von Pflanze zu Pflanze. Bei den Cordioideae ist ein eher nährstoffreiches Substrat empfehlenswert, da es sich bei ihnen um eine überwiegend verholzende und damit energiehungrige Unterfamilie handelt.

Die Wintermonate sollten die exotischen Gehölze bei uns zudem an einem lichtreichen Platz im Haus (am besten im Wintergarten) verbringen. Mit etwas Fingerspitzengefühl, kann man sich die sonnverwöhnten Zierpflanzen dann auch mehrjährig erhalten. Neben den Arten der Kordie gibt es dabei noch drei andere Gattungen der Cordioideae, deren Arten für eine Kultur interessant sein könnten. Hier die Unterfamilie im Überblick:

  • Coldenie (Coldenia)
  • Kordie (Cordia)
  • Saccelium (Saccelium)
  • Varronie (Varronia)

 

Kordie, Cordia, Scharlachkordie, Sebestenbaum, Cordia sebestena
Sebestenbaum alias Scharlach-Kordie

Raublattgewächse der Unterfamilie Boraginoideae

In Sachen mangelnde Kälteresistenz blickten Boraginoideae wohl mit Verwunderung auf die Sensibelchen ihrer Familie. Auch der einseitige Nutzen ihrer Artgenossen, der sich bisweilen auf schöne Blüten und aromatische Düfte beschränkt, würde womöglich nur müde belächelt. In dieser größten Unterfamilie der Rau- bzw. Borretschgewächse tummeln sich nämlich wahre Allrounder, deren gute Winterhärte dafür gesorgt hat, dass manche von ihnen heute selbst in Skandinavien weit verbreitet sind.

Die Wikinger unter den Raublattgewächsen also und ähnlich grobschlächtig geht es auch bei der Wahl ihrer natürlichen Standorte zu. Die steinigsten Gletscher- und Gebirgsregionen sind vielen ihrer Arten gerade gut genug. Anspruchsvolle Nährstoff- und Pflegewünsche? Nur was für Heulsusen. Boraginoideae haben buchstäblich ein dickes Fell.

Dabei brachte die stark behaarte Oberfläche wie auch die besondere Form ihrer Blätter manchen Gattungen sonderliche Namen wie Rindszunge, Ochsenzunge oder Hundszunge ein. Andere Boraginoideae wiederum, wie zum Beispiel der Natternkopf oder die Wachsblume, verdanken ihre Bezeichnung ihrer außergewöhnlichen Blütenform. Diese ist ein wahres Markenzeichen der Unterfamilie, denn neben einfachen Radblüten wie sie die Arten des berühmten Vergissmeinnicht trägt, findet man hier auch Arten mit ausgefallenen Trichter-, Stern- und Glockenblüten.

 

Lungenkraut, Lungenkräuter, Pulmonaria
Boraginoideae wie das Lungenkraut faszinieren durch zweifarbige Blüten ein rosarot und blau | © Das Grüne Archiv

Geht es um die Verwendungsmöglichkeiten von Boraginoideae, so sind viele als Heilpflanzen verwendete Gewächse gleichzeitig auch Giftpflanzen. Selbst die Arten des Beinwell und die Stammgattung Borretsch, eigentlich traditionelle Heil- und Küchenkräuter, weisen geringe Mengen giftiger Pyrrolizidinalkaloide auf. Man verwendet die Pflanzen darum hauptsächlich zur äußerlichen Behandlung oder Phytotherapie. Lediglich das Lungenkraut ist als Heilkraut der Boraginoideae in Sachen Giftigkeit eher unbedenklich.

Insgesamt zählen die Arten folgender Boraginoideae zu den beliebten Gewächsen für Zier- und Nutzgärten:

  • Alkanna (Alkanna)
  • Beinwell (Symphytum)
  • Borretsch (Borago)
  • Himmelsherold (Eritrichium)
  • Hundszunge (Cynoglossum)
  • Lungenkraut (Pulmonaria)
  • Nabelnüsschen (Omphalodes)
  • Natternkopf (Echium)
  • Ochsenzunge (Anchusa)
  • Rindszunge (Buglossoides)
  • Scharfkraut (Asperugo)
  • Steinsame (Lithospermum)
  • Vergissmeinnicht (Myosotis)
  • Wachsblume (Cerinthe)
  • Wolfsauge (Lykopsis)

 

Fazit

Charakteristisch für die meisten Boraginaceae sind nicht nur raue, behaarte Blätter, sondern auch ein Hang zu Standorten in rauer Umgebung. Manche Arten bevorzugen dabei steinig-sandige, jedoch auch nährstoffreiche, sonnige und warme Böden. Sie in Europa deshalb meist nur im Mittelmeerraum verbreitet und bei uns eher weniger erfolgreich durch den Winter zu bringen.

Als Zier- und Duftpflanzen sind viele Arten aber dennoch sehr beliebt. Andere Boraginaceae wiederum lassen sich selbst von tiefsten Minusgraden nicht beeindrucken. Sie kommen gemeinhin ohne großartige Nährstoffversorgung aus und besitzen darüber hinaus auch noch interessante Heil- und Aromawirkung.

Aufpassen sollte man bei diesen Raublattgewächsen aber dennoch. Denn ob Heil-, Zier- oder Duftpflanze – den meisten Arten dieser Pflanzenfamilie ist ein giftiger Anteil an Pyrrolizidinalkaloiden gemeinsam, mit denen ohne besondere Vorbehandlung und vorsichtigen Umgang in der Anwendung nicht zu Spaßen ist.

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