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Borretsch – Wirkung, Kultur und Ernte

Borretsch (Borago) ist eines der ältesten Heil- und Gewürzkräuter. Die anspruchslose Pflanze kann in Töpfen, wie auch auf optimierten Böden im Freiland angebaut werden. Die Ernte der schmackhaften Blätter und Blüten des Borago ist dann während der Sommermonate möglich.

Borretsch zeichnet sich durch einen angenehmen Gurkengeschmack aus. Das markante Aroma brachte dem Kraut auch den Beinamen Gurkenkraut ein und verleiht vor allem Salaten und Suppen eine ganz besonderes Note.

In seiner Kultur ist Borretsch relativ anspruchslos. Allerdings zieht der pflanzeneigene Geruch auch einige Plagegeister magisch an. Wie sie diese erfolgreich von der Pflanze fernhalten und was es sonst noch im Anbau von Gurkenkraut beachten sollten, verraten wir Ihnen nachstehend.

 

Borretsch in der Küche und Medizin

Borretsch lässt sich in der Küche sehr vielseitig verwenden. Ob als Suppengrün, Salatgewürz, Teekraut oder dekorative Garnierung für Gerichte – hier sind der kulinarischen Kreativität keine Grenzen gesetzt. Ein unerlässlicher Bestandteil ist Gurkenkraut diesbezüglich in der Frankfurter Grünen Soße, wo es eines der essenziellen sieben Kräuter darstellt. Das Rezept zur Frankfurter Kräutersoße finden Sie hier.

Neben dem Traditionsrezept aus Frankfurt ist Borretsch auch in anderen Gerichten eine alte Hausmannszutat. So findet er sich zum Beispiel in der italienischen Volksküche, wo er in Ravioli und Pansoti zum Einsatz kommt. In Großbritannien kennt man ihn als Ingridienz im Pimm’s Likör – ein traditioneller Kräuterlikör auf Gin-Basis.

Achtung: Aufgrund einiger lebertoxischer Inhaltsstoffe (z.B. Supinin und Amabilin) sollten man aber gerade die Blätter des Borago nur in kleinen Mengen verzehren. Unbedenklich sind hingegen die Blüten und Samen der Pflanze, die nur geringe Mengen der giftigen Alkaloide enthalten.

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Borretschblüte | © Das Grüne Archiv

Borago – Inhaltsstoffe und Wirkung

Der Gattungsname Borago leitet sich von dem arabischen Wort araq für „Schweiß“ ab. Grund hierfür sind die schweißtreibenden und sekretfördernden Eigenschaften der Boretschpflanze. Die heilpflanzliche Anwendung von Borretsch reicht dabei wie die Nutzung als Küchenkraut ebenfalls sehr weit zurück. Schon in der Antike beschrieben bedeutende Heilkundige wie Dioskurides und Plinius der Ältere die stimmungsaufhellende sowie herzstärkende Wirkung des Krautes. Im Mittelalter schrieb außerdem der deutsche Apotheker, Botaniker und Medizinprofessor Tabernaemontanus über den Borretsch:

“Unter Tags fünff Löffel voll getrunken / reinigt das Geblüt von aller Unsauberkeit. Nimmt auch alle schwärze Fantasey und Traum / und was sich von böser Melancholey erhebt.”

Die beruhigende Wirkung umfasst diesbezüglich nicht nur innere Unruhe, sondern auch Menstruationsbeschwerden, Krämpfe und Schlafstörungen. Ein guter Gehalt an Schleimstoffen sorgt außerdem für eine beruhigung der Schleimhäute bei Erkätlungen, Husten und Heiserkeit.

Ferner enthält Borretsch in seinen Pflanzenteilen neben wohlriechenden ätherischen Ölen auch große Mengen Vitamin C und Kaliumnitrat. Die Samen im Speziellen weisen dagegen einen hohen Anteil an Gamma-Linolensäure auf. Eine wichtige Omega-6-Fettsäure, die entzündungshemmend und blutdrucksenkend wirkt.

 

Borretsch anbauen – Standort und Ablauf

Borretsch ist die Stammgattung Familie der Raublattgewächse und daher eng verwandt mit Beinwell und Vergissmeinnicht. Er entstammt der Mittelmeerregion, von wo aus die einjährige und bis zu 70 cm hohe Pflanze im Altertum Verbreitung in ganz Mitteleuropa fand.

Heute wird Gurkenkraut überwiegend in Nordamerika und Europa angebaut und kommt hier mit so gut wie jedem Boden aus, der feucht, kalkhaltig und sandig-lehmig ist. In Sachen pH-Wert sollte das Substrat neutrale Bedingungen, zwischen 6,5 und 7,5 Punkten aufweisen. Ein vollsonniger und windgeschützter Standort ist zu empfehlen.

Da Borretsch eine lange Pfahlwurzel bildet, sollte der Boden vor dem Anbau tiefgründig aufgelockert werden. Neben einem Anbau in Freilandbeeten kann Borago dabei auch im Topf kultiviert werden, solange dieser eine Mindesthöhe von 30 cm besitzt.

Neben einer Kultivierung von Gurkenkraut in Gesellschaft anderer Würzkräuter ist dabei auch ein Anbau im Gemüsebeet denkbar. Als Pflanznachbarn für Borretsch empfehlen sich diesbezüglich vor allem Erdbeeren, Gurken, Tomaten und Dill. Ungeeignet sind hingegen Mischkulturen mit Rucola oder Petersilie.

Pflanztipp: Achten Sie beim Kauf von Samen des Borretsch darauf, dass diese nicht älter als ein Jahr sind. Nach Verstreichen dieser Zeit sind Borretschsamen nämlich nicht mehr keimfähig. Auch sollten sie sich vergewissern, dass es sich bei dem angebotenen Gurkenkraut auch tatsächlich im eine Boragoart handelt, denn auch die Arten des Dills werden häufig als Gurkenkräuter bezeichnet.

 

Einzelheiten zum Standort für Borretsch:

  • vollsonnigen und windgeschützten Standort wählen
  • Boden sollte feucht, kalkhaltig, locker und sandig-lehmig sein
  • pH-Wert des Bodens: neutral, von 6,5 bis 7,5 Punkten
  • Anbau von Borago ist in Töpfen und Freilandbeeten möglich
  • geeignete Pflanznachbarn: Dill, Gurken, Tomaten, Erdbeeren

 

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Borretsch im Beet | © Das Grüne Archiv

Pflanzanleitung für Borretsch

Borretsch kultiviert man üblicherweise durch Aussaat seiner Samen. Entsprechendes Saatgut erhalten Sie in Gärtnereien oder im Onlinehandel. Vorgezogene Jungpflanzen des Würzkrautes sind hingegen selten zu finden, können aber durchaus in gut sortierten Gärtnereien erworben oder bestellt werden. Wenn Sie bereits Samen des Borago erworben haben, gehen Sie bei der Aussaat wie folgt vor:

1. Schritt – Aussaattermin wählen: Die Aussaat der Borretschsamen erfolgt von April bis Juni direkt in Freilandbeete oder Töpfe. Für widerstandsfähigere Pflanzen können Sie die Samen bereits im Frühjahr auf einer sonnigen Fensterbank vorziehen. Bei Aussaat ins Freiland sollten Sie sicher stellen, dass der Boden nicht mehr gefroren ist und die Außentemperaturen halbwegs stabil bleiben. Wir empfehlen deshalb erst ab Mai nach den Eisheiligen eine Ausbringung im Gartenbeet.

2. Schritt – Boden vorbereiten: Vor der Aussaat sollten Sie den Boden für die Bedürfnisse des Borretsch tiefgründig auflockern und gegebenenfalls mit Lehm oder Sand anreichern. Auch das Einarbeiten von etwas Kalk liefert der Pflanze eine gute Nährstoffgrundlage und kann das spätere Düngen erleichtern.

3. Schritt – Borretsch aussäen: Da Würzkräuter wie Borretsch zu den Dunkelkeimern gehören, muss man die Samen ca. 3 cm tief setzen und gut mit Erde bedecken. Die Aussaat im Freilandbeet erfolgt in Reihen mit einem Mindestabstand 15 cm.

4. Schritt – Saatgut bewässern: Zur Erstbewässerung der Samen eignet sich eine Sprühflasche. Sie verhindert, dass das Saatgut durch einen zu heftigen Wasserschwall davon gespült wird. Insgesamt ist der Boden bis zur Keimung des Borretsch gleichmäßig feucht zu hhalten, Staunässe aber unter allen Umständen zu vermeiden.

5. Schritt – Jungpflanzen pikieren: Sobald die Borretschsamen gekeimt und sich 8 cm hohe Setzlinge gebildet haben, können diese pikiert und auf einen Abstand von ca. 30 cm vereinzelt werden. Nun sind die Würzkräuter bereit, zu ihrer finalen Wuchshöhe heranzuwachsen und lassen sich bei guter Pflege von Mai bis September ernten.

Kurzschritte zur Aussaat im Überblick:

  • Aussaat von Borretsch: April bis Juni
  • Boden vor der Pflanzung gut auflockern
  • ggf. Sand, Lehm und Kalk untermischen
  • Saattiefe für Borretschsamen: 3 cm
  • Reihenabstand bei Aussaat: 15 cm
  • nach der Ausbringung Saatgut gleichmäßig feucht halten
  • ab Wuchshöhe von 8 cm auf 30 cm Abstand vereinzeln

 

Borretsch gießen und düngen

Die Blüten des Gurkenkrauts sind zunächst hellrosa, verfärben sich im Sommer aber innerhalb weniger Wochen leuchtend blau. Vor allem in der Blütezeit von Mai bis September benötigt die Pflanze dabei ausreichend Wasser und sollte regelmäßig gegossen werden.

Um den Boden ohne Staunässe ausreichend feucht zu halten, empfiehlt sich das Mulchen mit Rasenschnitt oder Rindenmulch. Kalkhaltiges Leitungswasser ist für kalkliebende Würzkräuter wie Borago kein Problem.

Um Borretsch frei von Unkraut zu halten, sollte der Boden regelmäßig geharkt werden. Eine Düngung der Pflanze ist, ebenso wie ein Rückschnitt, nicht notwendig, kann aber durch das gelegentliche Untermischen von Brennnesselschnitt oder Kompost erfolgen.

Kurztipps zum Gießen und Düngen:

  • in der Blütezeit von Mai bis September regelmäßig gießen
  • Staunässe kann mittels Mulchen vermieden werden
  • kalkhaltiges Leitungswasser ist kein Problem
  • Unkraut im Umfeld durch regelmäßiges Harken entfernen
  • Düngung und Rückschnitt nicht notwendig
  • ggf. Brennnesselschnitt oder Kompost untermischen

 

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Borretsch | © Das Grüne Archiv

Borretsch ernten und vermehren

Die Ernte der Borretschblätter und -blüten kann bei Frühjahrskulturen schon ab Ende Mai erfolgen. Im Zweifelsfall sollten sie die Würzkräuter vorab probieren und überprüfen, ob sie bereits den charakteristischen, süßen Gurkengeschmack aufweisen. Getrocknet können Sie die Blüten des Borretsch als Tee aufbrühen, der dann zum Beispiel gegen Erkältungen hilft. Die Blätter machen sich dagegen als Blattgemüse in Salaten, Suppen und Soßen sehr gut. Sowohl Blätter als auch Blüten des Borretsch werden bei der Ernte einfach von der Pflanze abgezupft.

Nach der Blütezeit bildet Gurkenkraut seine 3 mm großen Samen. Aus diesen wird unter anderem das heilsame Borretschsamenöl gepresst, welches insbesondere gegen Hauterkrankungen gerne eingesetzt wird. Die geernteten Blätter des Borretschs werden am besten frisch nach der Ernte verzehrt, lassen sich für eine längere Aufbewahrung aber auch einfrieren. Das Trocknen der Blätter empfiehlt sich hingegen nicht, da das Blattwerk dabei meist sein charakteristisches Aroma verliert.

Vermehrung durch Aussaat: Die Vermehrung des Borretsch erfolgt durch Aussaat der Samen. Sammeln Sie hierfür im Herbst das Saatgut aus den verwelkten Blüten und bewahren Sie diese bis zum nächsten Frühjahr an einem trockenen und dunklen Ort (z.B. im Keller) auf. Die Aussaat im Folgejahr geht dann wie gewohnt von statten.

Kurztipps zum Ernten und Vermehren:

  • Erntezeit für Borretsch: ab Juni
  • Blätter und Blüten einfach von der Pflanze abzupfen
  • aus den Borretschsamen lässt sich Pflanzenöl herstellen
  • für längere Haltbarkeit Borretsch ungetrocknet einfrieren
  • beim Trocknungsprozess geht das Gurkenaroma meist verloren
  • Vermehrung erfolgt durch Aussaat

 

Interessante Arten des Borago

Vom Borretsch existieren bislang fünf bekannte Arten. In Europa überwiegend angebaut wird allerdings nur der heimische Gemeine Borretsch (Borago officinalis) gepflanzt, welcher wie bereits erwähnt auch als Gurkenkraut bekannt ist. Der Beiname sorgt gelegentlich für Verwechslungen, denn auch der gerne neben Borretschpflanzen kultivierte Dill wird gerne als Gurkenkraut bezeichnet. Im Gegensatz zu Borretsch bezieht sich der Name hier jedoch nicht auf den Geschmack der Pflanze, sondern auf die Tatsache, dass Dill ein beliebtes Gewürz in Gurkensalat ist.

 

Borretsch – Mögliche Krankheiten und Schädlinge

Da Borretsch zu den besonders widerstandsfähigen Würzkräutern zählt, ist die Pflanze nur selten von Schädlingsbefall betroffen. In den meisten Fällen ist dieser auf Pflegefehler zurück zu führen. So können Erdflöhe beispielsweise bei zu trockenem Boden am Gurkenkraut auftreten und Blätter wie Wurzeln der Pflanze schädigen. Ein Befall durch Blattläuse oder Mehltau kommt es wiederum häufig durch einen zu geringen Abstand Pflanzabstand. Hier hilft das Besprühen der Pflanzen mit Brennnesselsud.

Wird Borretsch allerdings von der Blattflecken-Krankheit befallen, hilft oft nur noch das vollständige entfernen der geschädigten Pflanzen. Entsorgen Sie die Pflanze hier aber auf keinen Fall auf dem Kompost, sondern ausschließlich im Restmüll, damit die Krankheitserreger keine Chance bekommen, sich weiter im Garten auszubreiten.

 

Fazit

Borretsch ist ein beliebtes Würzkraut, das man in Freilandbeeten oder in Topfkultur anbauen kann. Die Aussaat erfolgt von April bis Juni und sollte auf kalkhaltigem, sowie sandig-lehmigem Boden geschehen. Neben den Blättern können Sie ab Juni auch die Blüten und Samen der Pflanze ernten. Bekannte Heilwirkungen des Gurkenkrauts sind unter anderem blutdruck- und fiebersenkende, sowie entzündungshemmende Eigenschaften. Gewarnt sei an dieser Stelle aber vor einer hohen Konzentration an Lebertoxinen in den Borretschblättern. Sie sollten deshalb nur in Maßen verzehrt werden, wohingegen Blüten und Samen des Borago relativ unbedenklich sind.

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