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Rettich – Wirkung, Kultur und Ernte

Beim Rettich (Raphanus) handelt es sich nicht nur um die Stammgattung der Radieschen, sondern auch um ein fast in Vergessenheit geratenes Wurzelkraut. Vor allem der Schwarze Rettich ist der Volksheilkunde seit Jahrhunderten als potentes Antioxidantium und Erkältungsmittel bekannt. Und auch in der Küche kann Rettich dank seines scharfen Geschmacks für würzige Abwechslung sorgen.

 

Rettich in der Küche und Heilkunde

Während in Deutschland vor allem das auch als Sommerrettich bekannte Radieschen unangefochtener Lieblingsrettich ist, dominiert insbesondere in der asiatischen Küche der deutlich größere Winterrettich.

Im Gegensatz zum zierlichen Radieschen sind Arten des Weißen Winterrettichs wie der Daikon weiß, länglich und können bei guten Kulturbedingungen auch locker mal bis zu 60 m lang werden. Zudem ist sein Geschmack auch oftmals etwas schärfer als der des mild-scharfen Radieschens.

Ungeachtet dieser Unterschiede werden Radieschen und Daikon aber gleichermaßen gerne als Salatgemüse verwendet. Dazu schneidet man sie häufig in feine Scheiben, die dann als Salatgarnierung sehr dekorativ wirken. Dazu gibt es sehr ausgefallene Schnitttechniken und Methoden zur Drapieren des Rettichs.

 

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Die Kunst des Rettich-Schneidens | © Das Grüne Archiv

Von Bayern bis Japan ein Kultgemüse

Speziell in der japanischen Küche kommt dem Daikon eine essenzielle Rolle als Einlage für Miso-Suppe zu. Außerdem werden Daikon-Sorten wie Bettarazuke eingelegt in Form von Takuan als Beilage oder Zutat für Maki-Sushi verwendet. Es gibt hier noch eine Vielzahl weiterer Rezepte die mit fermentiertem Rettich arbeiten und ihn durch sehr extravagante Dekoration in Szene setzen.

Übrigens: Eine vor allem in Bayern sehr beliebter Artverwandter des Daikon ist der Bier-Rettich. Wie der Name bereits vermuten lässt, wird er gerne zu deftigen Gerichten, zum Beispiel Rippchen oder Bratwürsten mit einer Maß Bier gereicht. Ähnlich wie Daikon wird auch Bierrettich  in dekorativer Art und Weise angerichtet und etwa eine Stunde vor dem Servieren zum Wasserziehen mit Salz bestreut. 

 

Rettich – Inhaltsstoffe und Wirkung

Rettich ist ein äußerst gesundes und fettarmes Gemüse, das eine Fülle an essenziellen Vitaminen und Mineralstoffen besitzt. Vor allem

  • Calcium,
  • Eisen,
  • Kalium,
  • Kupfer,
  • Magnesium,
  • Natrium,
  • Phosphor,
  • Selen
  • und Zink

sowie die Vitamine A, B, C und K kommen in hohen Mengen im Rettich vor. Darüber hinaus besitzt gerade Winterrettich mit Flavonoiden, Bitterstoffen und den sogenannten Senfölglykosiden einige medizinisch relevante Wirkstoffe. Ihnen verdankt Raphanus seine

  • adstringierende,
  • antimikrobielle,
  • antivirale,
  • harntreibende,
  • krampf- und schleimlösende

Wirkung. Heilkundlich noch wichtiger als der weiße Daikon-Winterrettich ist diesbezüglich der Schwarze Winterrettich. Er wächst meist etwas kleiner als der Weiße Winterrettich und kann neben der typischen Eiszapfenform großer Rettichsorten auch längliche bis rundliche Knollen ausbilden.

 

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Schwarzer Winterrettich | © Das Grüne Archiv

In der Volksheilkunde verwendet man Schwarzen Winterrettich unter anderem zur Herstellung von Hustensirup mit antioxidativer Wirkung. Die Zubereitung des Rettich-Hustensirups erfolgt, indem man der Rettichrübe mit Hilfe von Zucker den heilsamen Saft entzieht.

Achtung: Rettich wird oftmals mit Meerrettich verwechselt, der zwar eine ähnlich gute Wirkung bei Husten und Erkältungen wirkt, jedoch eine eigenständige Gattung stellt.

 

Rettich anbauen – Standort und Aussaat

Rettich gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse und ist demnach neben Meerrettich auch eng mit anderen traditionellen Gemüsesorten wie Kohlgemüse oder Senf verwandt. Das Ursprungsgebiet von Raphanus liegt dabei im Mittelmeerraum und reicht von Nordafrika bis Vorderasien und Pakistan.

Trotz ihr Herkunft aus warmen Gefilden besitzen Rettich-Arten aber eine außergewöhnlich gute Kälteresistenz und sind bis -23 °C winterhart. Dabei sollte der Standort aber ausreichend sonnig sein.

Als Standortboden wünscht sich Raphanus außerdem ein tiefgründiges, nicht zu lockeres, sandig-lehmiges Substrat. Dieses sollte gut nährstoffreich sein und einen sauren bis basischen pH-Wert von 5,5 bis 7 aufweisen.

Anbautipp: Wie für Krezublütler üblich, ist auch der Rettich ein Starkzehrer. Er verträgt sich im Beet deshalb nicht sonderlich gut mit anderen Kreuzblütengewächsen. Besser geeignet sind Beetnachbarn wie Möhren, Petersilie, Spinat oder Tomaten.

 

Einzelheiten zum Standort für Rettich:

  • Raphanus benötigt sonnigen Standort
  • Boden muss nährstoffreich tiefgründig und sandig-lehmig sein
  • Substrat zwar feinkrümelig aber nicht zu locker wählen
  • pH-Wert des Bodens: sauer bis neutral, bei 5,5 bis 7 Punkten
  • nicht neben anderen Kreuzblütengewächsen anbauen
  • gute Beetnachbarn: Möhren, Petersilie, Spinat, Tomaten

 

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Großwüchsiger Winterrettich benötigt im Beet viel Platz | © Das Grüne Archiv

Pflanzanleitung für Rettich

1. Schritt – Pflanztermin wählen: Beim Anbau von Rettich muss zwischen Sommerrettich und Winterrettich unterschieden werden. Soll die Ernte im Sommer erfolgen, ist eine Aussaat ab März oder Februar üblich, wobei eine Vorzucht im Topf empfehlenswert ist. Für eine Ernte im Herbst und Winter wird der Rettich gegen Ende Juni ausgesät.

2. Schritt – Boden vorbereiten: Eine gute Grunddüngung ist für den nährstoffliebenden Rettich sehr wichtig. Allerdings sollte die Bodenvorbereitung etwa einen Monat vor der eigentlichen Aussaat erfolgen. Die Nährstoffe haben so genug Zeit, in den Boden einzuziehen. Lockern Sie das Standortsubstrat hierfür tiefgründig bis in eine Tiefe von mindestens 20 cm auf und reichern Sie es je nach Bedarf mit Sand und Humus oder Kompost an. Störende Bodenhindernisse sind für eine gute Wurzelentwicklung zu entfernen.

3. Schritt – Rettich aussäen: Großwüchsige Rettichsorten benötigen viel Platz. Neben einer ausreichenden Auflockerung des Bodens ist deshalb auch eine angemessene Saattiefe von 2 bis 3 cm wichtig sowie ein Pflanzabstand von 15 bis 25 cm wichtig. Der Reihenabstand beträgt je nach Sortengröße zwischen 20 und 40 cm. Bei einer Vorzucht im Februar oder März erfolgt die Aussaat in Anzuchttöpfen. Die Keimlinge werden anschließend nach ca. 14 Tagen ins Freiland umgesetzt.

Kurzschritte zur Aussaat im Überblick:

  • Aussaattermin für Sommerrettich: Vorzucht im Topf von Februar bis März
  • Aussaattermin für Winterrettich: Aussaat im Freiland ab Juni
  • Freilandboden 4 Wochen vor Aussaat bzw. Auspflanzung vorbereiten
  • Boden bis auf 20 cm Tiefe gut auflockern und Bodenhindernisse entfernen
  • Vordüngung erfolgt mit reifem Kompost oder Humus
  • Substrat ggf. auch mit Sand anreichern
  • Saattiefe: 2 bis 3 cm
  • Pflanzabstand: 15 bis 25 cm
  • Reihenabstand: 20 bis 40 cm

 

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Rettich im Beet | © Das Grüne Archiv

Rettich gießen und düngen

Rettichwurzeln benötigen viel Wasser und sollten ab dem Zeitpunkt der Aussaat konstant feucht gehalten werden. Das gilt insbesondere für die heißen Sommermonate, in denen es leicht zur Austrocknung und Verholzung der Wurzeln kommen kann. Staunässe ist dabei selbstverständlich dennoch zu vermeiden.

Rettich benötigt vor allem eine gute Borversorgung. Liegt hier oder in der Wasserversorgung ein Mangel vor, werden die Wurzeln schnell rissig. Als Düngemittel am besten geeignet ist daher ein borhaltiger Mineraldünger oder Hornmehl. In jedem Fall muss der Dünger biologisch und organisch sein, damit die Wurzeln keine gesundheitsschädlichen Stoffe aufnehmen und somit ungenießbar werden.

Wichtig: Neben dem Gießen und Düngen ist auch ein regelmäßiges Harken essenziell, um optimale Bodenverhältnisse zu erhalten und für eine gute Sauerstoffzirkulation zu sorgen.

Kurztipps zum Gießen und Düngen:

Rettich benötigt konstant frisch-feuchten Boden
beim Gießen aber dennoch Staunässe vermeiden
Düngung mit borhaltigem Mineraldünger oder Hornmehl
keine chemischen Düngemittel verwenden
regelmäßiges Harken verbessert Bodenmileu

 

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gut entwickelte Rettich-Wurzeln | © Das Grüne Archiv

Rettich ernten und lagern

Die Ernte kann bei Sommerrettich etwa 8 bis 10 Wochen nach der Aussaat erfolgen. Winterrettiche benötigen mit 13 bis 15 Wochen etwas länger bis zur Erntereife.

Ein besonderer Vorteil von Winterrettich ist, dass er sich nach der Ernte sehr lange lagern lässt. Hierzu verwahrt man ihn am besten in mit Sand gefüllten Kisten und stellt diese an einen kühlen Ort, etwa den Keller.

Kurztipps zur Ernte:

  • Ernte von Sommerrettich: 8 bis 10 Wochen nach Aussaat
  • Ernte von Winterrettich: 13 bis 15 Wochen nach Aussaat
  • Winterrettich ist gut lagerfähig
  • zur Lagerung den Rettich in Kisten mit Sand kühl lagern

 

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Auch Radieschen sind Rettiche | © Das Grüne Archiv

Interessante Sorten der Gattung Raphanus

Die meisten Kultursorten der Gattung Raphanus entstammen dem Garten-Rettich (Raphanus sativus). Während die Stammart weiße längliche Rüben ausbildet, die wie Eiszapfen aussehen, gibt es innerhalb der Varietäten zahlreiche Farb- und Formvarianten. Zu den wichtigsten Unterarten gehören:

  • Radieschen (Raphanus sativus subsp. sativus) – Gelegentlich auch als Sommerrettich bezeichnet, bilden Radieschen kleine, zwiebelförmige Rüben mit pink-roter Farbe aus. Sie stellen mit einer Größe von nur 5 cm die kleinste Rettichsorte.
  • Weißer Winterrettich (Rahpanus sativus var. sativus) – Der bis zu 50 cm lange Weiße Winterrettich ist dem ursprünglichen Garten-Rettich am ähnlichsten und umfasst solch wichtige Kultursorten wie Daikon und den Weißen Bier-Rettich.
  • Schwarzer Winterrettich (Raphanus sativus subsp. niger) – Schwarzen Winterrettich gibt es sowohl in Eiszapfenform als auch in Knollenform. Er wird für gewöhnlich bis zu 25 cm lang. In der Volksheilkunde gilt der Schwarze Winterrettich als altes Wurzelkraut.
  • Öl-Rettich (Raphanus sativus subsp. oleiferus) – Die Pfahlwurzeln des Öl-Rettichs sind mit einer Länge von bis zu 150 cm die größten Rettiche. Wie der Name schon sagt, wird dieser Rettich zur Herstellung von Pflanzenöl genutzt, wobei jedoch die Pflanzensamen und nicht die Wurzel Verwendung finden. Die Wurzel selbst ist sehr bitter und wird allenfalls als Futtermittel für Nutztiere eingesetzt.

 

Rettich – Mögliche Krankheiten und Schädlinge

Rettichrüben schmecken nicht nur dem Menschen, sondern leider auch Nagetieren und Insekten sehr gut. Zu den häufigsten Schadbildern gehören:

  • Erdflöhe
  • Rettichfliegen
  • Drahtwürmer
  • Läuse
  • Wühlmäuse

Gegen Insekten-Schädlinge hilft oftmals die Behandlung mit bitterem Wermut-Tee. Auch Brennnesselsud und Präparate aus Rapsöl, Kaliseife und Pyrethrum haben sich bewährt. Bei Nagetieren hilft meist nur ein Schutzzaun.

Sollte der Standortboden für Rettich überdüngt oder zu frisch vor der Kultur gedüngt worden sein, droht der Pflanze die sogenannte Rettichschwärze (Aphanomyces raphani). Es handelt sich hierbei um eine Pilzkrankheit, die als direkte Folge von Düngefehlern auftritt. Bei falscher Bewässerung oder zu schattigem Standort kann es außerdem zum Befall mit Falschem Mehltau kommen.

Zwar können natürliche Pflanzenschutzmittel wie Ackerschachtelhalmbrühe oder ein Sud aus Kieselsäure den Befall reduzieren. Langfristig sind aber nur eine stickstoffarme Düngung, wohldosierte Bewässerung sowie ein ausreichend heller Standort zur Vorbeugung sinnvoll.

 

Fazit

Rettich ist ein wenig anspruchsvolles Wurzelgemüse, das sich unter Beachtung der notwendigen Kulturanforderungen problemlos im Gemüsebeet kultivieren lässt. Neben dem berühmten Radieschen sind hierbei auch Sorten wie der Schwarze oder Weiße Winterrettich eine Empfehlung wert, bringen sie doch nicht nur farbliche und aromatische Vielfalt ins Rettichbeet, sondern auch eine Extraportion gesunder Nährstoffe in die Küche.

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