Venusfliegenfalle, Dionaea muscipula, fleischfressende Pflanze

Venusfliegenfalle – Pflanzen, Pflege, Überwintern

Die Entdeckung der Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula) geht auf einen Briefwechsel zwischen dem Gouverneur von North Carolina, Arthur Dobbs und dem britischen Botaniker Peter Collinson im 18 Jahrhundert zurück. Die fachbotanische Bezeichnung „Dionaea muscipula“ und somit auch die deutsche Übersetzung sind hingegen dem derben Humor von Collinsons Freund, John Ellis zu verdanken.

Während Dionaea hierbei auf die göttliche Mutter der Venus, dem römischen Pendant zur griechischen Aphrodite verweist, bedeutet das altgriechische Wort muscipula eigentlich „Mausefalle“. Erst durch eine Silbenverdopplung (die einem irritierten Stottern gleicht) wird hieraus muscicipula für „Fliegenfalle“. Ellis spielt hier auf die vagina-ähnliche Fangblattform der fleischfressenden Pflanze an, wobei das Wortspiel Aphrodite’s Mousetrap seinerzeit eine gebräuchliche Metapher für das weibliche Geschlechtsteil war.

Tatsächlich stellt das Gewächs auch in Sachen Standort und Pflege Ansprüche einer göttlichen Diva, was eine erfolgreiche Kultur als Zimmerpflanze nicht gerade leichtmacht.

 

Venusfliegenfalle als Zimmerpflanze – Infos zum Standort

Die Venusfliegenfalle stammt aus der Familie der Sonnentaugewächse (Droseraceae), die noch zahlreiche andere fleischfressende Pflanzen wie den namensgebenden Sonnentau beherbergt. Dionaea muscipula im Speziellen kommt dabei nur in sehr ausgewählten Regionen der USA vor. Hier gedeiht die Pflanze an sehr sonnenreichen Standorten, weshalb sie bei uns den lichtreichsten Platz im Haus bekommen sollte.

Stellen Sie das Gewächs daher am besten auf eine Fensterbank an der Süd-, Südwest- oder Südostseite des Hauses. Die Raumtemperatur sollte ganzjährig warm sein, bei 20 bis 30 °C liegen und gerade im Winter nicht zu oft durch Zugluft irritiert werden. Das Standortsubstrat der Venusfliegenfallen muss sowohl karg, als auch torfig und sandig sein. Der pH-Wert des Bodens liegt mit 3 bis 4,5 Punkten im stark sauren Bereich. Spezialsubstrate für Karnivoren bieten den fleischfressenden Pflanzen hier eine ideale Basis und erleichtern dem Besitzer die Kultur.

Des Weiteren ist für Dionaea eine hohe Luftfeuchtigkeit von ca. 50 bis 80 % von Nöten. Es ist also eine Kunst, die richtige Balance zwischen Wärme und Luftfeuchte in künstlichen Räumen herzustellen. Unter dem Einfluss trockener Heizungsluft geht die Zimmerpflanze nämlich genauso schnell ein, wie bei schwankenden und zu kalten Temperaturen. Ein geschlossenes Gewächshaus mit separater Befeuchtungs- und Wärmetechnik ist also am besten.

Kurztipps zum Standort für Venusfliegenfalle:

  • Dionaea muscipula benötigt vollsonnige Standorte
  • die Raumtemperatur muss konstant zwischen 20 und 30 °C liegen
  • die die Luftfeuchtigkeit beträgt 50 bis 80 %
  • fleischfressende Pflanzen daher am besten im temperierten Gewächshaus halten
  • alternativ Wasserschälchen auf der Heizung positionieren
  • als Standortsubstrat karge sowie torfige und sandige Böden wählen
  • Boden-pH-Wert für Dionaea: stark sauer, von 3 bis 4,5 Punkten
  • Spezialsubstrate für Karnivoren sind zu empfehlen

 

Venusfliegenfalle, Dionaea muscipula, fleischfressende Pflanze
Achtung: Im Handel angebotene Venusfliegenfallen werden oftmals in viel zu kleinen Töfpen verkauft. Es ist daher sinnvoll, sie sofort nach dem Kauf umzutopfen. | © Das Grüne Archiv

Venusfliegenfalle umtopfen

1. Schritt – Termin für das Umtopfen wählen: Umgetopft wird Dionaea, wenn sie deutlich über den Topf gewachsen ist. Die Maßnahme wird für gewöhnlich jedes Jahr notwendig und lässt sich am besten im März durchführen.

2, Schritt – Boden vorbereiten: Der neue Topf sollte in etwa so breit sein wie die Venusfliegenfalle hoch ist. Bringen Sie zunächst eine dünne Drainage in das Pflanzgefäß ein und schichten Sie dann etwas Spezialsubstrat darüber, bis der Topf zu drei Fünfteln gefüllt ist. Ist das Substrat sehr torfig, muss es vor der Nutzung gewässert werden.

3. Schritt – Venusfliegenfalle umtopfen: Holen Sie die Dionaea vorsichtig aus ihrem alten Topf, ohne die Wurzeln der Pflanze zu beschädigen. Notfalls müssen hier die Drainagelöcher des Topfes aufgeschnitten werden. Danach setzen Sie die fleischfressende Pflanze in das neue Gefäß und füllen dieses mit Erde auf. Denken Sie bitte auch an einen Untersetzer, denn dieser wird für die richtige Bewässerung wichtig sein.

Kurzschritte zur Pflanzung im Überblick:

  • Umtopftermin für Venusfliegenfalle: alljährlich im März
  • neuer Topf sollte so breit sein wie die Pflanze hoch ist 
  • auf Drainagelöcher im Topf achten
  • sehr torfige Substrate vor der Nutzung wässern
  • Pflanzgefäß mit Tongranulat drainieren
  • danach bis auf 3/5 mit Erde auffüllen
  • Dionaea aus alten Topf holen, ohne Wurzeln zu beschädigen
  • in neues Gefäß einsetzen und mit Spezialsubstrat bedecken
  • für die Bewässerung auf Untersetzer stellen

 

Venusfliegenfalle gießen

Dionaea bevorzugt es, wenn sie von unten bewässert wird. Damit sie das Wasser über die Wurzeln aufnehmen kann, befüllen Sie den Untersetzer mit einer 2 cm tiefen Wasserschicht. Sobald der Untersetzer leer ist, benötigen Venusfliegenfallen eine sogenannte Trinkpause von 2 Tagen, damit ihr Pflanzsubstrat die Möglichkeit hat, ausreichend abzutrocknen. Danach wird der Untersetzer der Dionaea erneut mit Wasser befüllt.

Zusätzlich zur Bewässerung müssen Venusfliegenfallen mehrmals wöchentlich besprüht werden. Dies gilt vor allem dann, wenn die Luftfeuchtigkeit im Raum von Haus aus etwas niedriger ist. Verwendet wird für jedwede Befeuchtungsmaßnahmen an Dionaea nur kalkfreies Regenwasser oder stilles Mineralwasser. Eine Düngung ist hingegen nicht notwendig, da wichtige Nährstoffe von der Pflanze nur über das Wasser bzw. die verdauten Insekten absorbiert werden.

Kurztipps zum Gießen:

Düngung der Dionaea ist nicht nötig
bei der Bewässerung gewissenhaft vorgehen
Untersetzer regelmäßig 2 cm tief mit Wasser befüllen
hat die Pflanze ausgetrunken, 2-tägige Bewässerungspause
danach den Untersetzer erneut auffüllen
zusätzl. fleischfressende Pflanze mehrmals wöchentlich besprühen
ausschließlich kalkfreies Regen- oder stilles Mineralwasser nutzen

 

Venusfliegenfalle, Dionaea muscipula, fleischfressende Pflanze
Üppiger Bestand an Venufsfliegenfallen | © Das Grüne Archiv

Venusfliegenfalle füttern

In freier Natur verirren sich normaler Weise ausreichend Insekten in die Fangblätter der Dionaea. Im abgeschotteten Zimmer ist hier gelegentlich eine manuelle Fütterung angebracht. Diese erfolgt natürlich mit Lebendfutter, denn tote Tiere kann die fleischfressende Pflanze nicht richtig verdauen, weshalb die Blätter hier schnell absterben. Gleiches gilt für zu große Insekten. Organisieren Sie sich darum am besten kleine Fliegen, Spinnen oder Ameisen aus dem Tiermarkt oder sammeln Sie die Tierchen lebend im Haus ein.

Mit einer Pinzette wird das Lebendfutter dann vorsichtig auf den Fangblättern der fleischfressenden Pflanze abgelegt. Sollten sich die Blätter der Dionaea nicht von alleine schließen, können Sie sacht (!) mit der Pinzette gegen das innere des Fangblattes tippen. Da die Krabbeltierchen häufig sehr wendig sind und leicht entkommen, raten wir dazu, die Tiere im Kühlschrank zu lagern, wo sie meist der Trägheit verfallen und langsamer werden.

Kurztipps zur Fütterung:

Nur Lebendfutter in Form kleiner Insekten verfüttern
tote oder zu große Tiere lassen Fangblatt absterben
geeignete Insekten im Tier- und Zoohandel erhältlich
alternativ Stubenfliegen fangen
zur Fütterung Insekten vorsichtig mit Pinzette auf Fangblatt ablegen
bleibt Schnappreaktion aus, mit Pinzette leicht ans Blattinnere tippen
Lebendfutter am besten im Kühlschrank lagern

 

Venusfliegenfalle überwintern

Die Überwinterung entscheidet oftmals über Leben und Tod der Venusfliegenfallen, denn die fleischfressenden Pflanzen vertragen keine extremen Klimawechsel. Schon zu Beginn der Winterruhe im Oktober, wenn Dionaea muscipula kleinere Fangblätter ausbildet, muss sie an einen kühleren Standort mit knapp und konstant über 5 °C überstellt werden, der jedoch nach wie vor ausreichend Licht bietet. Vor winterlicher Zugluft sollte die Pflanze ab da gut geschützt werden.

Bewässert wird die Venusfliegenfalle im Winter nur noch einmal im Monat. Leichtes Besprühen ist nun aber umso wichtiger, da trockene Heizungsluft mehr und mehr an der Luftfeuchtigkeit der Räume zehrt. Im Frühling muss die Pflanze dann behutsam wieder an das wärmer und lichtreicher werdende Klima gewöhnt werden.

 

Dionaea muscipula – Mögliche Schadbilder

Unter den Schadbildern der Dionaea fallen besonders Trauermücken auf. Diese legen ihre Larven gerne in das Pflanzsubstrat. Topfen Sie die fleischfressende Zimmerpflanze bei derartigen Problemen am besten in ein neues Substrat um und spülen Sie die Wurzeln zuvor gut unter kalkfreiem Wasser ab. Bringt das Umtopfen keine Besserung können als letzter Ausweg Pflanzenschutzmittel wie Lizetan zum Einsatz kommen.

 

Fazit

Venusfliegenfallen sind interessante Exoten, deren Kultur allerdings viel Fingerspitzengefühl erfordert. Von konstanten und hellen Lichtverhältnissen über die richtige Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur bis hin zur sorgsamen Bewässerung muss hier alles stimmen. Ansonsten reagiert Dionaea muscipula schnell mit dem Eingehen der Fangblätter, was kurze Zeit später zum Tod der Pflanze führt. Auch zu extreme Klimawechsel im Herbst und Winter können tödlich für die die Venusfliegenfalle sein. Wer sich an dem fleischfressenden Gewächs versuchen möchte, muss deshalb gewissenhaft auf die sensiblen Bedürfnisse der Zimmerpflanze eingehen. Hat man den Dreh aber erst einmal raus, kann sich Dionaea im Haus richtig wohl fühlen.

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