Sonnentau, Drosera, Sonnentaugewächse, fleischfressende Pflanzen, Gegabelter Sonnentau, Drosera binata, Botanischer Garten Glasgow, Glasgow Botanic Garden

Sonnentau – Pflanzen, Pflege und Überwintern

Die Venusfliegenfalle ist als fleischfressende Zimmerpflanze den meisten ein Begriff. Etwas unbekannter ist hier der Sonnentau (Drosera), der ebenfalls zu den Karnivoren unter den Pflanzen gehört. Er bezieht die für sein Wachstum wichtigen Nährstoffe nicht über sein Wurzelsystem, sondern über bewegliche Fangtentakeln, die mit einem klebrigen Sekret versehen sind, um proteinreiche Insekten dingfest zu machen.

Seine Tentakeln verleihen dem Sonnentau ein äußerst bizarres Erscheinungsbild, das wie von einem anderen Stern anmutet. Einige Sonnentauarten können dabei nicht nur als Zimmerpflanzen kultiviert werden. Mehrjährige, winterharte Arten überleben sogar im Freiland. Lesen Sie im Folgenden mehr über die Kultur von Sonnentau und wie man die fleischfressende Pflanze am besten füttert.

Wissenswertes: Seinen Namen verdankt der Sonnentau dem Umstand, dass seine Fangtentakel, ebenso wie die Pflanzenblüten im Sonnenlicht einen leichten Schimmer erzeugen. Der Effekt wird verstärkt, wenn die Tentakelhärchen mit dem tauartigen Sekret der Pflanze benetzt sind.

 

Sonnentau, Drosera, Sonnentaugewächse, fleischfressende Pflanzen, Drosera hilaris, Botanischer Garten Glasgow, Glasgow Botanic Garden
Pflanztipp: In Kombination mit Moosen und anderen fleischfressenden Pflanzen eignet sich der Sonnentau hervorragend zur Ausgestaltung von Unterwasserwelten, etwa im Terrarium | © Das Grüne Archiv

Sonnentau pflanzen – Standort und Ablauf

Gemeinsam mit der Venusfliegenfalle zählt Sonnentau zur Familie der Sonnentaugewächse (Droseraceae) und ist weltweit verbreitet. In Abhängigkeit von der jeweiligen Untergattung wächst Drosera aufrecht, kriechend oder kletternd in feuchtwarmen Klimaverhältnissen.

Allen Arten des Sonnentaus ist aber gemeinsam, dass sie mit Drüsen besetzte Tentakel oder Tentakelblätter besitzen. Diese produzieren ein klebriges, durchsichtiges Sekret, an dem Insekten bei Kontakt kleben bleiben. Die sensible Erschütterung, die durch den Insektenkontakt entsteht, sorgt für das Zusammenrollen der Blatttentakel. Spezielle Enzyme des Sonnentaus helfen dann dabei, das Beutetier innerhalb von 1 bis 2 Wochen zu verdauen und die in ihm enthaltenen Nährstoffe über die Blattoberfläche aufzunehmen.

Da Drosera Nährstoffe hauptsächlich über pflanzeneigene Tentakel bezieht, ist das Wurzelsystem der Pflanze meist nur schwach ausgeprägt. Es dient lediglich der Verankerung des Sonnentaus im Boden, an Wirtspflanzen oder Gestein. Man kann die fleischfressende Pflanze also problemlos in nährstoffarmen Böden kultivieren, solange diese nur ausreichend locker und dauerhaft feucht sind.

Der pH-Wert des Bodens sollte sauer sein und zwischen 3,5 und 4,5 Punkten liegen. Außerdem sind kalkarme Substrate wichtig, wobei sich am besten Weißtorf eignet, der zu einem Viertel mit Quarzsand angereichert wurde. Grundsätzlich ist für Sonnentaugewächse zudem ein möglichst vollsonniger Standort sowie eine hohe Luftfeuchtigkeit von Bedeutung für ein gutes Wachstum.

Der feuchtigkeitsliebende Sonnentau ist für Steine am Teichrand wie geschaffen. Da Drosera eine geringe Wuchsform hat, sind ihre Arten ideal für einen kleinen Rundtopf oder eine Rundschale geeignet, in der mehrere kleinwüchsige Karnivoren, Kakteen oder Sukkulenten gemeinsam gezüchtet werden. Gerade die Rundschale ist, auf einer hellen Fensterbank oder auch auf der lichtreichen Veranda platziert, ein echter Hingucker. Im Garten profitieren Sukkulenten- oder Kakteengärten von der Pflanzung exotischer Sonnentaugewächse.

Einzelheiten zum Standort für Sonnentau:

  • Drosera benötigt vollsonnigen Standort mit hoher Luftfeuchtigkeit
  • feuchte, lockere sowie kalk- und nährstoffarme Böden sind wichtig
  • idealerweise Substratmischungen aus Weißtorf und Quarzsand
  • pH-Wert des Bodens: sauer, von 3,5 bis 4,5
  • Tipp: Drosera als Mischkultur mit Sukkulenten und Karnivoren
  • Pflanze kommt im Rundtopf oder Pflanzschale gut zur Geltung
  • auch in exotischen Gartenkonzepten ist Sonnentau beliebt

 

Sonnentau, Drosera, Sonnentaugewächse, fleischfressende Pflanzen, Trompetenblatt, Schlauchpflanze, Sarracenia, Botanischer Garten Glasgow, Glasgow Botanic Garden
Sonnentau in Kombinationspflanzung mit Trompetenblatt | © Das Grüne Archiv

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Pflanzung

1. Schritt – Pflanztermin wählen: Sonnentau wird im späten Frühjahr ins Freiland gepflanzt, sobald die Außentemperatur 15 °C beträgt. Als Zimmerpflanzen sollte man Arten der Drosera umtopfen, wenn es ihnen im alten Rundtopf bzw. ihrer alten Schale sichtlich zu eng geworden ist.

2. Schritt – Boden vorbereiten: Mischen Sie ein Substrat zusammen, das zu 70 Prozent aus Weißtorf und zu 30 Prozent aus Quarzsand besteht. Durch das Untermischen von Perlit (Vulkangestein) kann das Wasserspeichervermögen des Substrats zusätzlich erhöht werden. Alternativ ist die Nutzung anorganischer Spezialsubstrate für Karnivoren möglich.

3. Schritt – Sonnentau pflanzen: Lösen Sie den Sonnentau aus seinem alten Topf, schütteln Sie überschüssige Substratrückstände vorsichtig aus dem Wurzelwerk und setzen Sie die Pflanze in ein vorbereitetes Pflanzloch ein. Dieses sollte für die Bedürfnisse der Drosera in etwa die Größe der Wurzelausläufer haben und eher eine Pflanzmulde denn ein richtiges Loch sein. Es ist nämlich besser, die Wurzeln des Sonnentaus auf das Substrat zu legen und nur leicht Erde anzuhäufeln, anstatt sie zu tief einzugraben und sie dabei zu beschädigen. Nach der Pflanzung wird Drosera großzügig angegossen.

Kurzschritte zur Pflanzung im Überblick:

  • Pflanztermin: März bis April oder wenn Topf zu klein wird
  • Substrat aus 70 % Weißtorf und 30 % Quarzsand mischen
  • Perlit erhöht Wasserspeicherfähigkeit des Substrats
  • Pflanzmulde sollte Umfang der Wurzeln gerecht werden
  • Sonnentau aus Topf lösen, überschüssiges Substrat abschütteln
  • danach Drosera einsetzen und abschließend großzügig angießen

 

Sonnentau gießen und füttern

Je nach Art und Untergattung beginnt der Sonnentau zwischen April und August mit der Blütenbildung. Dabei entsteht ein meist 20 cm hoher Blütenstängel, der mit einer Blütentraube aus ca. 25 einzelnen, weißen oder rosafarbenen kleinen Blüten bestückt ist. Die Blüten des Sonnentaus öffnen sich nur bei Sonnenschein und ihre Ausbildung kostet die Pflanze einiges an Kraft. Insbesondere in den trockenen Sommermonaten sollte man Drosera deshalb regelmäßig mit kalkarmem Wasser versorgen.

Sonnentau benötigt besonders viel Wasser, daher sollte die Pflanze vor allem in den Sommermonaten regelmäßig mit kalkarmem Wasser gegossen werden. Die Substratoberfläche sollte immer schön feucht sein, weshalb es sinnvoll ist, den Rundtopf oder Schale auf einen Untersetzer oder eine Schale zu stellen, die immer gut mit Wasser gefüllt ist. Zusätzlich kann ein Besprühen der Pflanze mit Wasser eine zu geringe Luftfeuchtigkeit im Raum kompensieren.

Im Freien fangen sich fleischfressende Pflanzen ihr proteinreiches Futter eigentlich gut selbst. Als Zimmerpflanzen benötigen sie eventuell etwas Hilfe. Denken Sie hier an den Verdauungsprozess der Pflanze und lassen Sie ihr etwa 7 bis 14 Tage Zeit zum Verdauen. Auch dürfen nur lebende Insekten, die nicht zu groß sind (z.B. Ameisen oder Fliegenlarven), für die Fütterung verwendet werden. Ansonsten könnte es bei Drosera zu tödlichen Verdauungsbeschwerden kommen, welche die Pflanze absterben lassen. Durchführen lässt sich die Fütterung am besten mit einer Pinzette.

Kurztipps zum Gießen und Füttern:

  • Substratoberfläche der Drosera schön feucht halten
  • am besten Untersetzer oder Schale mit Wasser anbieten
  • zusätzlich Pflanze regelmäßig besprühen
  • bitte nur kalkfreies Wasser zur Bewässerung nutzen
  • Sonnentau bezieht Nährstoffe eigenständig über Insektenbeute
  • manuelle Fütterung normalerweise nicht notwendig
  • wird doch gefüttert, nur kleine Lebendinsekten abgeben
  • diese mit Pinzette den Tentakeln reichen
  • Pflanze muss danach 7 – 14 Tage lang verdauen

 

Sonnentau, Drosera, Sonnentaugewächse, fleischfressende Pflanzen, Drosera hilaris, Botanischer Garten Glasgow, Glasgow Botanic Garden
Dank seiner Tentakeln fängt Sonnentau seine Lebendbeute weitestgehend selbst | © Das Grüne Archiv

Sonnentau überwintern und vermehren

Je nach Art kann der Sonnentau in den Wintermonaten entweder im Freiland belassen oder an einem frostgeschützten Standort überwintert werden. Auch in dieser Zeit benötigt der Sonnentau einen sonnigen und hellen Standort, das allerdings in einem ungeheizten Raum. Hierfür eignet sich am besten eine Fensterbank in einem kühlen Treppenhaus oder auch ein Plätzchen im Wintergarten. Gegossen wird trotz Winterruhe aber weiterhin.

Vermehrung durch Wurzelstücke: Am einfachsten lässt sich Sonnentau über Wurzelstücke vermehren. Hierzu wird ein etwa 5 cm langes Wurzelstück aus der Pflanze entnommen und waagrecht auf feuchte Torferde gelegt. Mit einer 1 cm dicken Torfschicht bedeckt, sollte der Wurzelableger dann bald austreiben. Sobald sich ausreichend oberirdische Pflanzenteile gebildet haben, kann die junge Drosera dann in ein herkömmliches Karnivorensubstrat umgetopft werden.

Kurztipps zum Überwintern und Vermehren:

  • Sonnentau artabhängig im Freiland oder drinnen überwintern
  • bei Überwinterung im Haus ist kühler, heller Standort wichtig
  • gerade Zimmerpflanzen der Drosera im Winter konstant gießen
  • für Vermehrung 5 cm langes Wurzelstück der Drosera entnehmen
  • danach in Torferde legen und mit 1 cm dicker Erdschicht bedecken
  • nach Austrieb jungen Sonnentau wie gewohnt in Spezialsubstrat pflanzen

 

Sonnentau, Drosera, Sonnentaugewächse, fleischfressende Pflanzen, Gegabelter Sonnentau, Drosera binata, Botanischer Garten Glasgow, Glasgow Botanic Garden
Gegabelter Sonnentau (Drosera binata) | © Das Grüne Archiv

Interessante Arten und Sorten der Drosera

Zur Gattung Drosera zählen stolze 200 verschiedene Arten, die sich nicht nur optisch stark voneinander unterscheiden können. Auch die Winterhärte der fleischfressenden Pflanzen variiert je nach Herkunft. Ein paar interessante Vorschläge für Freiland- und Zimmerpflanzen der Drosera finden Sie in unserer Übersicht:

ArtBeschreibung
Bewundernswerter Sonnentau
Drosera admirabilis
Blütezeit: Januar bis Juli
Blüten und Tentakeln: hellviolette Blüten, rosettenartige Fangblätter
Wuchshöhe: 5 cm
Herkunft: Südafrika
Eignung für Freilandkultivierung: schlecht
Besonderheiten: Sorten der Drosera admirabilis werden als Zimmerpflanzen im Rundtopf oder der Rundschale gehalten
gute Sorten: 'Palmiet River'
Englischer Sonnentau
Drosera anglica
Blütezeit: Juni bis Juli
Blüten und Tentakeln: weiße Blüten, langstielige Fangblätter
Wuchshöhe: 5 bis 10 cm
Herkunft: Europa
Eignung für Freilandkultivierung: sehr gut
Besonderheiten: dieser Sonnentau ist winterhart und kann im Freiland gepflanzt werden; Blätter färben sich bei starker Sonneneinstrahlung rötlich; Drosera anglica gilt als gefährdet
Gegabelter Sonnentau
Drosera bianta
Blütezeit: Januar
Blüten und Tentakeln: weiße Blüten, gegabelte, rosa Tentakelfühler
Wuchshöhe: 10 bis 40 cm
Herkunft: Australien, Neuseeland, Tasmanien
Eignung für Freilandkultivierung: gut
Besonderheiten: Drosera bianta wird gerne im Moorbeet gepflanzt und überwintert dort geschützt
Kap-Sonnentau
Drosera capensis
Blütezeit: Dezember bis Januar
Blüten und Tentakeln: blassviolette Blüten, langzüngige Blatttentakeln
Wuchshöhe: 10 bis 20 cm
Herkunft: Südafrika
Eignung für Kultivierung: schlecht
Besonderheiten: die Sorten der Drosera capensis zählen zu den Zimmerpflanzen und entweder mit rosa oder weißen Tentakelhärchen zu erstehen
gute Sorten: 'Alba', 'All Red', 'Matroosberg', 'Wild Leaf'
Königssonnentau
Drosera regia
Blütezeit: Januar
Blüten und Tentakeln: weiße bis altrosa Blüten, lineare Tentakelblätter
Wuchshöhe: 30 bis 40 cm
Herkunft: Südafrika
Eignung für Freilandkultivierung: schlecht
Besonderheiten: Exemplare der Drosera regia sind nicht winterhart und werden deshalb als Zimmerpflanzen gehalten

 

Sonnentau – Mögliche Krankheiten und Schädlinge

In der Regel sind Arten des Sonnentaus robuste Gewächse und sehr widerstandsfähig, wenn es um Pflanzenkrankheiten geht. Lediglich der Grauschimmel kann sich gelegentlich der Sonnentaugewächse bemächtigen, wenn Beutetiere vorab von Schimmelporen befallen sind. Um den Befall einzudämmen müssen befallene Pflanzenteile umgehend entfernt werden.

Neben Krankheiten können auch Schädlinge wie Blattläuse, Schildläuse und Spinnmilben zur Schädigung des Sonnentaus führen. Gegen diese helfen meist das Besprühen der Pflanze mit Brennnesselsud sowie das vollständige Tauchen in Wasser für mehrere Stunden.

 

Fazit

Der Sonnentau ist eine widerstandsfähige fleischfressende Pflanze, die sich durch bewegliche Fangtentakel auf ihren Blattoberseiten auszeichnet. Diese sind mit einem klebrigen Sekret besetzt, in dem sich Insekten verfangen, die anschließend vom Sonnentau zersetzt und verdaut werden. Sonnentaugewächse benötigen einen vollsonnigen Standort mit einem kalk- und nährstoffarmen, sauren und lockeren Substrat. Auch der Feuchtigkeitsgehalt des Substrats sowie der Luft müssen stetig aufrecht gehalten werden. Sind diese Anforderungen erfüllt, ist Sonnentau trotz seiner oft exotischen Herkunft aber sehr pflegeleicht, wobei manche Arten sogar im Freiland bestehen. Die Sonnentaugewächse müssen also nicht zwingend als Zimmerpflanzen gehalten werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Letzte Beiträge:

Rezepte aus der Winterküche:

Grüne eBooks:

Kräuterwelten, Verdauungskräuter, nach Hildegard von Bingen
Kräuterwelten: Verdauungskräuter
Kräuterwelten, Kräuter und Keime, mit Empfehlungen von Dioskurides
Kräuterwelten:
Kräuter und Keime

mehr…

Grüne Werbung:

Themen & Topics:

Translate