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Familien der Pflanzenwelt: Palmengewächse

Die Palmengewächse (Arecaceae) sind in jeglicher Hinsicht eine Pflanzenfamilie der Superlative. Nicht nur, dass sich innerhalb der Familie Pflanzen mit den längsten Blättern sowie größten Samen und Blüten finden. Auch der Umfang der Pflanzenfamilie ist mit ungefähr 185 Gattungen und schätzungsweise 2600 verschiedenen Palmenarten beachtlich. dabei lassen sich die Palmengattungen in folgende Unterfamilien aufteilen:

  • Unterfamilie der Arecoideae
    enthält etwa 108 Gattungen der Arecaceae
  • Unterfamilie der Calamoideae
    enthält etwa 21 Gattungen der Arecaceae
  • Unterfamilie der Ceroxyloideae
    enthält etwa 8 Gattungen der Arecaceae
  • Unterfamilie der Coryphoideae
    enthält etwa 47 Gattungen der Arecaceae
  • Unterfamilie der Nypoideae
    enthält die Gattung der Nipapalme (Nypa)

 

Besonderheiten der Arecaceae

Palmen gehören mit einer Wuchshöhe von bis zu 60 m neben Bäumen zu den größten Gehölzpflanzen der Welt. Allerdings fehlt ihnen im Gegensatz zu Bäumen das Kambium, weshalb sie kein sekundäres Dickenwachstum aufweisen. Ihre Stämme bleiben daher in der Regel sehr schlank.

Die teils gigantischen, bis zu 3,5 m langen Blätter der Palmengewächse erinnern oftmals an eine Mischung aus lanzettlichen Blättern und Nadelspreiten. Dabei bildet sich die Blattspreite der Palmen für gewöhnlich zunächst ungeteilt, spaltet sich im weiteren Wachstumsverlauf aber in die charakteristischen Blattfächer auf.

Auch die Blüten vieler Arecaceae sind mit Blütenlängen bis zu 7,5 m und bis zu 10 Millionen Blüten pro Blütenstand im Riesenwuchs begriffen. Gleiches gilt für die Samen, die bei einigen Palmenarten bis zu 25 kg wiegen können. Die meist schon als recht groß betrachteten Samen der Kokospalme sind hier also noch echte Leichtgewichts im Vergleich zu beispielsweise den Riesensamen der Seychellenpalme. Ihre Samen können nämlich beachtliche 50 cm lang und 10 bis 22 kg schwer werden.

 

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Von Riesenblättern, Riesenfrüchten und Riesenblüten: Palmen haben in Sachen Wuchs den Superaltiv gepachtet | © Das Grüne Archiv

Typische Tropenpflanzen

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Palmengewächsen beschränkt sich auf die Tropen und Subtropen. Sie stammen also aus warmen und sonnenreichen Gebieten Afrikas, Amerikas, Asiens und Südeuropa. Das heißt aber nicht, dass es keine winterharten Palmen gäbe. So halten Arten wie die Nadelpalme (Rhapidophyllum hystrix) oder die Chinesische Hanfpalme (Trachycarpus fortunei) zum Beispiel kurzfristig Temperaturen bis -17 °C aus. Die Blaue Hesperidenpalme (Brahea armata) ist sogar bis -25 °C winterhart und daher in gemäßigten Breitengraden eine beliebte Gartenpalme.

Grundsätzlich ist die Kultur von Palmen also sowohl im Freiland als auch an Zimmerstandorten denkbar. Trotz Eignung einiger Palmen für den Garten ist hierzulande eine Haltung von Palmengewächsen als Zimmerpflanzen aber gebräuchlicher. Dabei sollte man aber die Wuchshöhe einzelner Arecaceae bedenken, damit die Riesengehölze nicht irgendwann durch die Decke schießen.

 

Palmengewächse als Nutzpflanzen

Palmen faszinieren nicht nur durch ihren einmaligen Wuchs und Zierwert. Auch als Nutzpflanzen sind sie von übergeordneter, wirtschaftlicher Bedeutung. In tropischen Ländern werden ihre Blätter und Stämme als Baumaterial für Möbel, Gebäude und sogar Geschirr genutzt. Ebenso sind zahlreiche Palmen wichtige Lebensmittellieferanten. Das gilt insbesondere für Dattelpalmen, Kokospalmen und Ölpalmen, deren Anbau lange Tradition hat. Und auch Palmwein, der aus den Stämmen der Palmengewächse gewonnen wird, ist ein altes Traditionslebensmittel.

Übrigens: Mit Blick auf fruchtliefernde Palmen, denken viele gerne an die Banane. So etwas wie eine Bananenpalme gibt es allerdings nicht. Denn weder verholzen Bananenpflanzen, noch lassen sie sich zu den Palmengewächsen zählen. Tatsächlich handelt es sich bei den vermeintlichen Bananenpalmen nämlich um Riesenstauden.

 

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Eigentlich gar keine Palme: Die Banane wird auch gerne Bananenpalme genannt, ist aber eigentlich eine Staude | © Das Grüne Archiv

Unterschied zwischen Palmen und Scheinpalmen

Während echte Palmen zur Familie der Palmengewächse gehören, gibt es auch einige Pflanzen, die das Wort „Palme“ allein wegen ihrem palmenähnlichen Aussehen mit im Namen tragen. Zu diesen sogenannten Scheinpalmen gehören einerseits die oft auch für einen Kaktus gehaltene Madagaskarpalme (Pachypodium lamerei) und die als Hawaii-Palme bekannte Vulkanpalme (Brighamia insignis). Letztere ist vom Aussterben bedroht und darf deshalb ebenfalls gerne als Zimmerpflanze eine schützende Zuflucht im heimischen Indoor-Dschungel finden.

Als Yucca-Palme berühmt ist des Weiteren die Palmlilie. Sie gehört eigentlich zur Familie der Spargelgewächse, erfreut sich als kultige Zimmerpalme aber dennoch großer Beliebtheit. Eine andere Pflanzenfamilie, die verschiedene Scheinpalmen beinhaltet, ist die der Bromeliengewächse. Die spitzen und schopfigen Blattauswüchse von Pflanzen wie der Agave oder Ananas, ebenso wie ihr meist schlanker langer Stamm sorgen diesbezüglich nicht selten für Verwechslungen mit echten Palmen. Ganz ähnlich sieht es bei Baumfarnen aus. Auch sie muten aus der Ferne häufig wie Palmen an.

 

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Sehen aus wie Palmen, sind aber Baumfarne | © Das Grüne Archiv

Palmengewächse der Arecoideae

Die weltweit in den Tropen heimischen Arecoideae bilden mit Abstand die größte Unterfamilie der Palmengewächse. Zu ihr zählt auch die Stammgattung der Pflanzenfamilie, die als Betelpalme oder Betelnusspalme bekannte Areca. Sie stammt ursprünglich aus Südostasien, wo sie als Nutzpflanze kultiviert wird.

Allerdings entsteht der Nutzfaktor weniger durch die vereinzelt als Genussmittel verwendeten, aber auch giftigen hühnereigroßen roten Nussfrüchte der Palme. Vielmehr sind es die robusten Palmenblätter der Areca, die in Asien und Ozeanien zur Herstellung des berühmten Palmblattgeschirrs genutzt werden.

Charakteristisch für die Areca-Palme, ebenso wie für die anderen Palmengewächse der Arecoideae sind ihre gefiederten, reduplikaten Blattspreiten. Auch die stark reduzierten Hochblätter antlang der Blütenstandachsen zeichnen diese Unterfamilie der Palmen aus.

Zu den Arecoideae zählen neben der Betelnusspalme noch weitere bekannte Palmenarten wie die Kokospalme, Ölpalme oder Honigpalme gehören. Sie alle sind wertvolle Frucht-, Saft- und Öllieferanten, was die Bedeutung von Palmengewächsen innerhalb der Lebensmittelproduktion aufzeigt. Arecoideae wie die Bergpalme sind darüber hinaus beliebte Zimmerpalmen und gelten als besonders pflegeleicht. Insgesamt gehören zu den beliebtesten Palmen der Arecoideae:

  • Bergpalme (Chamaedorea)
  • Betelpalme / Betelnusspalme (Areca)
  • Geleepalme (Butia)
  • Goldpalme / Goldfruchtpalme (Dypsis)
  • Honigpalme (Jubaea)
  • Kentia-Palme (Howea)
  • Kokospalme (Cocos)
  • Königspalme (Roystonea)
  • Ölpalme (Elaeis)
  • Stachelpalme (Aiphanes)

 

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Kultpalme schlechthin: Die Kokospalme | © Das Grüne Archiv

Palmengewächse der Calamoideae

Palmen aus der Unterfamilie der Calamoideae fallen neben ihren fiederrippigen bis fächerförmigen Palmenblättern vor allem durch ihre besondere Fruchtform auf. Die Samen sind hier in der Regel von einer dicken, fleischigen Schicht (Sarkotesta) umschlossen, wie es auch bei den Früchten der Lychee oder Guarana der Fall ist.

Darüber hinaus befinden sich unter den Calamoideae auffallend viele Kletterpalmen, von denen die namensgebende Stammgattung der Unterfamilie Calamus wohl die berühmteste und artenreichste sein dürfte. Das Palmengewächs ist auch als Rotang-Palme oder Rattanpalme bekannt und gilt als Hauptlieferant für den Naturstoff Rattan. Der Naturstoff wird aus dem Stamm der Calamus gewonnen und dient zur Herstellung von Naturmöbeln, Bögen, Teppichklopfern und Gehstöcken. Rattan-Möbel wie das Wiener Geflecht haben dabei lange Tradition und gelten als besonders widerstandsfähig.

Ebenfalls zur Gewinnung von Pflanzenfasern für den Möbel- und Hausbau in Kultur sind die Bastpalme und Dachpalme. Letztere trägt die Eignung ihrer Blätter für das Dachdecken sogar im Namen. Die Blätter und Stiele der Bastpalme eignen sich darüber hinaus auch zur Herstellung von Bast und bambusähnlichem Baumaterial. Das Palmengewächs trägt daher auch den Beinamen Bambuspalme, wobei es hier häufig zu Verwechslungen mit Arten der Bergpalme kommt, die den selben Namen tragen.

Zapft man Calamoideae wie die Bastpalme an, gewinnt man Palmwein und Palmöl. Essbare Früchte liefert außerdem die Salakpalme. Ihre ei- bis birnenförmigen Früchte erinnern im Geschmack an Birnen, Lychee oder Jackfrüchte. Sie lassen sich als Zutat für Obstsalate und Obstbeilagen verwenden. Hier noch einmal die wichtigsten Nutzpalmen der Unterfamilie im Überblick:

  • Bastpalme / Bambuspalme (Raphia)
  • Buriti-Palme (Mauritia)
  • Dachpalme (Eugeissona)
  • Korthalsia-Palme (Korthalsia)
  • Pigafetta-Palme (Pigafetta)
  • Plectocomiopsis-Palme (Plectocomiopsis)
  • Rattanpalme / Rotang-Palme (Calamus)
  • Sagopalme (Metroxylon)
  • Salakpalme (Salacca)

 

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Flechtkorb aus Palmenbast | © Das Grüne Archiv

Palmengewächse der Coryphoideae

Die wohl größte Auswahl an Zimmerpalmen und Palmen für den Garten findet sich gewiss in der Unterfamilie der Coryphoideae. Schon die Stammgattung der als Corypha bekannten Schopfpalme liefert einige sehr beliebte Zierpflanzenarten. Zudem ist sie ein Paradebeispiel für den schopfigen Wuchs der Palmenblätter, der für viele Coryphoideae kennzeichnend ist. Die Blattschöpfe bestehen dabei meist aus gefächerten Blattspreiten. Aus diesem Grund spricht man bei Coryphoideae auch häufig von Fächerpalmen.

Als Zimmerpalmen eignen sich neben Arten der Corypha auch die der Steckenpalme, Strahlenpalme, Schirmpalme. Für Liebhaber von Palmengärten empfehlen sich außerdem die Nadelpalme, blaue Hesperidenpalme und blaue Zwergpalme. Diese Palmengewächse sind winterhart und können mit etwas Gärtnergeschick auch im Freiland bestehen.

Wichtige Nutzpalmen sind außerdem die Dattelpalme und Hanfpalme, deren Früchte, Blätter und Stämme als Lebensmittel und traditionelles Baumaterial relevant sind. Eine Übersicht zu den bedeutsamsten Coryphoideae finden Sie nachstehend:

  • Dattelpalme / Phönixpalme (Phoenix)
  • Hanfpalme (Trachycarpus)
  • Hesperidenpalme (Brahea)
  • Schirmpalme / Livingstonpalme (Livistona)
  • Nadelpalme (Rhapidophyllum)
  • Schopfpalme (Corypha)
  • Seychellenpalme (Lodoicea)
  • Steckenpalme (Rhapis)
  • Strahlenpalme (Licuala)
  • Washingtonpalme (Washingtonia)
  • Zwergpalme (Chamaerops)

 

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Dattelpalme mit reifen Früchten

Fazit

Palmengewächse stellen wertvolle Nutzpflanzen aus den Tropen, die in gemäßigten Breitengraden aber oft nur bei Zimmerkultur prächtig gedeihen. Zwar gibt es einige winterharte Palmen, diese sind jedoch rar gesät. Zudem wachsen zahlreiche Palmengewächse äußerst hoch, weshalb bei der Auswahl von Palmenarten für die Privatkultur auf die finale Wuchshöhe zu achten ist. Ansonsten steht einer Kultur aber nichts im Wege.

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