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Ölbaum (Olivenbaum) – Pflanzen, Pflege, Überwintern

Der auch als Olivenbaum bekannte Ölbaum (Olea) ist eine der wenigen Gemüsepflanzen, bei denen das Gemüse nicht an Stauden sondern am Baum wächst. Dabei handelt es sich bei Oliven aber streng genommen gar nicht um Gemüse, sondern um Steinfrüchte, die in Sachen Fruchtform enger mit Kirschen und Pflaumen verwandt sind denn mit gängigen Gemüsearten. Dessen ungeachtet, sind Oliven in der Kulinarik eine echte Delikatesse. Und auch gesundheitlich haben Oliven, Olivenöl und selbst die Blätter des Olivenbaums einiges zu bieten.

 

Olivenbaum in der Küche und Medizin

Olivenbäume gehören zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt. Archäologischen Funden zufolge wurden Olivenkerne in Wohnsiedlungen gefunden, die sich in das Jungpaläolithikum datieren lasen. Somit reicht die Kultur von Oliven oder zumindest ihre Nutzung als Nahrungsmittel schätzungsweise bis ins Jahr 35.000 v. Chr. zurück.

Der älteste, noch heute existierende Olivenbaum ist dabei beachtliche 4.000 Jahre alt und steht auf der griechischen Insel Kreta. Überhaupt gilt Griechenland neben Italien heute als einer der wichtigsten Olivenproduzenten. Allerdings stammt der Ölbaum ursprünglich wohl eher aus der Ägäis sowie aus Kleinasien. Insgesamt lässt sich der Mittelmeerraum als Hauptverbreitungsgebiet der Gattung Olea bezeichnen.

Übrigens: Neben der Gewinnung von Oliven liefern Ölbäume auch wertvolles Holz, das sowohl im Möbelbau als auch in der Herstellung von Küchengeräten und Instrumenten hoch geschätzt wird. Fruchtreste wie Kerne und Trester, die bei der Herstellung von Olivenöl anfallen, nutzt man zudem gerne als energiereiche Biomasse.

 

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Ein kleiner Olivenhain in Kroatien | © Das Grüne Archiv

Eine mediterrane Delikatesse: Oliven und Olivenöl

Oliven sind vor allem für mediterrane Salate und Rezepte wie Antipasti, Pizza oder Focaccia unerlässlich. Zur Auswahl stehen dabei entweder grüne, dunkelrote oder schwarze Oliven. Die Farbe der Oliven hat hierbei aber nichts mit der gewählten Sorte, sondern mit dem Reifegrad der Früchte zu tun. Grüne Oliven sind diesbezüglich zum Zeitpunkt der Ernte noch sehr jung, haben ein festeres Fruchtfleisch und schmecken besonders würzig.

Rote und schwarze Oliven werden hingegen im fortgeschrittenen Reifegrad der Olivenfrucht geerntet, weisen ein weicheres Fruchtfleisch auf und schmecken gemeinhin etwas süßlicher als grüne Oliven. Ungeachtet ihres Reifegrades serviert man Oliven in mediterranen Ländern gleichermaßen gerne. Das auch durchaus als Vorspeise, etwa zusammen mit frischem Brot und Fetakäse.

Darüber hinaus werden Oliven natürlich benötigt, um Olivenöl herzustellen. Ein Traditionshandwerk, das seit spätestens 3.500 v. Chr. im Mittelmeerraum bekannt ist. Zur Ölgewinnung werden die Früchte des Ölbaums in einer Olivenpresse gepresst, wobei kaltgepresstes Olivenöl von höherer Qualität ist als warmgepresstes. Die Gesundheitswirkung von Olivenöl, ebenso wie von unverarbeiteten Oliven ist hierbei beachtlich.

 

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Grüne Oliven am Baum | © Das Grüne Archiv

Olivenöl – Inhaltsstoffe und Wirkung

Das in Oliven enthaltene Olivenöl gilt als eines der qualitativ hochwertigsten Speiseöle überhaupt, steckt es doch voller gesunder ungesättigter Fettsäuren, die den Fettstoffwechsel anregen und das Herz-Kreislauf-System stärken.

So manche Studie zu den Auswirkungen mediterraner Ernährung auf die Gesundheit bescheinigt Olivenöl gar eine essenzielle Bedeutung auf die Langlebigkeit der mediterranen Bevölkerung. Denn die ungesättigten Fettsäuren des Öls beugen Herz- und Gefäßerkrankungen wie Arteriosklerose oder Koronarer Herzkrankheit vor, die gerade im Alter vermehrt zu tödlichen Herzinfarkten beitragen.

Ebenfalls interessant ist die gesundheitsfördernde Wirkung von Oleocanthal. Der Wirkstoff besitzt entzündungshemmende, antioxidative und sogar krebshemmende Eigenschaften und wird von Medizinwissenschaftlern als vielversprechender Arzneistoff der Zukunft gegen eine Vielzahl verschiedener Krankheitsbilder beschrieben.

 

Olivenbaum pflanzen – Standort und Ablauf

Der Ölbaum stellt unverkennbar die die Stammgattung in der Familie der Ölbaumgewächse. Zu diesen gehören noch ganz andere Größen unter den Gartengehölzen, so zum Beispiel der Flieder oder die Forsythie. Und wie diese beiden Ziergehölze dient auch der Olivenbaum nicht ausschließlich als Nutzbaum.

In Japan und China verwendet man den Ölbaum zum Beispiel gerne als Bonsaibaum. In Europa bereichern Olivenbäume hingegen mediterrane Gartenkonzepte wunderbar. Alternativ zur Freilandpflanzung ist zudem auch eine Kübelhaltung möglich. Diese kann für Ölbaume insbesondere in jungen Jahren auch sehr ratsam sein, um die noch recht kälteempfindlichen Bäumchen schonend an kältere Winter zu gewöhnen.

Ausgewachsene Olivenbäume sind dann je nach Sorte und individueller Abhärtung bis zu -13 °C winterhart. Vorzugsweise gepflanzt wird dabei sowohl im Freiland als auch im Topf bzw. in der Bonsaischale den Echten Ölbaum (Olea europaea). Von ihm gibt es auch zahlreiche winterharte Sorten, die sich für den Garten eignen. Hier ein kleiner Überblick zu interessanten Olivenbaumsorten:

  • ‚Arbequina‘ (bis -12 °C winterhart)
  • ‚Cipressino‘ (muss frostfrei überwintern)
  • ‚Cornicabra‘ (bis -13 °C winterhart)
  • ‚Empeltre‘ (bis -9,5 °C winterhart)
  • ‚Hojblanca‘ (bis -10 °C winterhart)
  • ‚Leccino‘ (muss frostfrei überwintern)
  • ‚Toscana‘ (muss frostfrei überwintern)

 

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Echter Olivenbaum (Olea europaea) im Garten | © Das Grüne Archiv

Der richtige Standort für Olivenbäume

Damit sich Oliven im Freiland gut etablieren, ist ein sonniger und verhältnismäßig geschützter Standort wichtig. Die Winterhärte der Bäume entwickelt sich erst mit der Zeit, weshalb sie bis zur vollständigen Akklimatisierung unbedingt vor eisigen Winden und Schmelzwasser geschützt werden müssen. Im Topf ist die Kultur deshalb in den ersten Standjahren deutlich einfacher.

Empfehlenswert sind diesbezüglich Terracotta Kübel, die gleich für das passende, mediterrane Ambiente sorgen und überschüssige Feuchtigkeit schnell aufsaugen.

Herkunftsbedingt bevorzugt der Ölbaum ein lockeres, sandig-kiesiges Substrat mit geringem Lehmanteil. im Topf kann man Zimmerpflanzenerde zusätzlich mit Blähton und Kokosfasern kombinieren. Wer den Olivenbaum als Bonsai kultiviert, nutzt Spezialsubstrate wie Akadama Erde. Der ideale pH-Wert des Bodens liegt im Falle des Ölbaums im neutralen bis basischen Bereich bei 7 bis 8 Punkten.

Einzelheiten zum Standort für Ölbaum:

  • sonniger, geschützter Standort
  • lockeres, sandig-kiesiges Substrat
  • pH-Wert des Bodens: neutral bis basisch, zwischen 7 und 8
  • Ölbaum muss Winterhärte erst aufbauen
  • in den ersten Standjahren daher lieber im Kübel halten

 

Pflanzanleitung für Ölbaum

1. Schritt – Pflanztermin wählen: Sofern eine Freilandpflanzung älterer Olivenbäume erfolgt oder Kübelpflanzungen im Freiland geplant sind, sollte man mit dem Pflanztermin bis nach den Eisheiligen warten. Bei Zimmerkultur ist eine ganzjährige Pflanzung möglich, wobei auch hier eine lichtreiche Jahreszeit zu bevorzugen ist.

2. Schritt – Boden vorbereiten: Der Standort für Olivenbäume sollte vorab tiefgründig aufgelockert und optimiert werden. Für eine ideale Substratzusammensetzung mischen sie je drei Teile Kompost, drei Teile Gartenerde, zwei Teile Sand oder Kokosfasern und einen Teil Blähton oder Kies.

3. Schritt – Olivenbaum pflanzen: Heben Sie im Freiland ein Pflanzloch aus, das dem anderthalbfachen Umfang des Wurzelballens entspricht. Auch Kübel sollten 1,5 mal bis doppelt so groß sein wie der Wurzelballen des Ölbaums. Bei Pflanzlöchern bringen Sie vor dem Pflanzen eine Kiesdrainage im Pflanzloch aus. Nach der Pflanzung ist der Standortboden dann einmal gut anzugießen.

Kurzschritte zur Pflanzung:

  • Pflanztermin im Freiland: frostfrei im Frühling
  • Zimmerkulturen kann man ganzjährig pflanzen
  • Boden im Freiland tiefgründig auflockern
  • Substrat: 3 Teile Kompost, 3 Teile Erde, 2 Teile Kokosfasern / Sand und 1 Teil Blähton
  • Pflanzloch und Topf 1 1/2 mal so groß wie Wurzelballen wählen
  • Pflanzlöcher zusätzlich mit Kies drainieren
  • Ölbaum nach dem Pflanzen angießen

 

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Gut gepflegte Olivenzweige | © Das Grüne Archiv

Olivenbaum gießen und düngen

Da Ölbäume in verhältnismäßig trockenen Regionen des Mediterraneums heimisch sind, haben sie einen deutlich geringeren Wasserbedarf als viele anderen Garten- und Zimmerpflanzen. Gegossen wird darum sehr sparsam und nur, wenn die obere Erdschicht völlig trocken erscheint. Kalkhaltiges Leitungswasser ist hier kein Problem, da der Olivenbaum Kalk liebt.

Als Düngemittel für Olea europaea und andere Olivenarte eignet sich entweder ein mineralischer NPG Dünger oder aber ein Spezialdünger für Zitruspflanzen. Letzterer ist gerade für Kübelkulturen ideal und kann als Flüssigdünger mit ins Gießwasser gegeben werden. Die Düngung erfolgt während der Hauptwachstumszeit zwischen April und August.

 

Olivenbaum schneiden und vermehren

Ein richtiger Schnitt garantiert beim Olivenbaum eine gut verdichtete Krone. Gemeinhin versucht man hier, durch schrittweises Entfernen der unteren Blatttriebe den Triebwuchs schleichend nach oben zu verlagern. Ergänzend kürzt man die oberen Triebe in der Krone regelmäßig ein, um eine bessere Verzeigung anzuregen.

Die Grundlagen zum Aufbau von Bonsaibäumen bieten hier in Sachen Schnitt eine hervorragende Orientierungshilfe. Denn Bonsais müssen grundsätzlich durch gezielten Schnitt zur Ausbildung einer üppigen Krone erzogen werden. Entsprechende Erziehungsschnitte sind an Oliven-Bonsais ohnehin notwendig und könne auch für größere Freilandpflanzungen und Oliven im Kübel nützlich sein.

 

Vermehrung durch Stecklinge

Zur Vermehrung des Olivenbaums schneiden Sie im Frühjahr einen jungen, unverholzten Trieb mit einer Länge von ca. 1ß cm. Der Steckling sollte mindestens zwei bis drei Augen besitzen und muss nach dem Schnitt von den unteren Blattpaaren befreit werden.

Versehen Sie die Unterseite des Stecklings anschließend mit Bewurzelungspulver und stecken sie ihn in einen kleinen Topf mit Anzuchterde. Regelmäßig gegossen und an einem hellen Ort mit konstanten 20 °C Umgebungstemperatur gestellt, sollte der Steckling dann in wenigen Wochen bewurzelt sein.

 

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Junge Oliven | © Das Grüne Archiv

Olivenbaum umtopfen

Ölbäume wachsen relativlangsam, weshalb ein Umtopfen erst angezeigt ist, wenn es dem Baum im aktuellen Kübel spürbar zu eng wird. Darüber hinaus kann auch anhaltende Staunässe im Pflanzbehältnis der Olive ein Umtopfen notwendig machen.

Der beste Zeitpunkt, um den Olivenbaum umzutopfen ist der Spätwinter oder das zeitige Frühjahr. Lockern Sie hier den Wurzelballen etwas auf und nehmen Sie dann eine Topf- bzw. Bodenaustausch vor. War ein zu kleiner Topf oder Kübel der Grund für das Umtopfen, sollte das neue Behältnis etwa 5 cm größer sein als das alte.

 

Olivenbaum überwintern

Wie bereits erwähnt, sind Oliven nur bedingt winterhart und müssen besagte Winterhärte erst ausbilden. Ein leichter Winterschutz ist im Freiland in jedem Fall empfehlenswert. Pflanzen Sie die Bäume zunächst am besten in einen Kübel, um den Fortschritt der Abhärtung besser prüfen und kontrollieren zu können.

Die Kübelpflanzung sollte dann während der Wintermonate auf dem geschützten Balkon oder der Veranda zubringen. Klassische Maßnahmen zum Winterschutz im Garten konzentrieren sich dann insbesondere auf eine gute Dämmung des Wurzelbereiches mit Gartenvlies oder Jute. An sehr kalten Tagen mit Temperaturen unter -13 °C kann man die Kübel dann notfalls auch kurzfristig ins Haus holen, wo sie aber an einem hellen und kühlen, also nicht beheizten Standort (z.B. im Wintergarten) stehen dürfen.

Die vollständige Umsiedlung des Ölbaums in den Garten ist dann mit großer Vorsicht vorzunehmen und erst im fünften oder sechsten Standjahr empfehlenswert. Der Standortboden sollte weiterhin mit Reisig oder Mulch abgedeckt werden, um extreme Frosteinwirkung und Schmelzwasser zu vermeiden.

Wichtig: Gedüngt wird während der Winterruhe nicht und auch eine Bewässerung ist allenfalls bei Zimmerkulturen ratsam, die im Winter aber noch wesentlich seltener zu gießen sind als ohnehin schon.

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