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Rasen anlegen – Infos zu Rasenarten und Saatgutmischung

Ein schöner Rasen entsteht nicht über Nacht. Im Gegenteil, müssen Gärtner eine Vielzahl an Faktoren beachten und eine sorgfältige Planung durchführen, bevor sie einen Rasen anlegen können. Dabei spielt in der heutigen Zeit nicht nur die Lage der Rasenfläche eine Rolle.

 

Rasenanlage als Zier- und Nutzfläche

Eine Rasenfläche entsteht durch den dichten Bewuchs verschiedener Grassorten auf einer Naturfläche. Die Vegetationsdecke, die sich hierdurch bildet, zeichnet sich durch einen engmaschigen Verbund aus Wurzeln und Ausläufern der Gräser aus, wobei vereinzelt auch Kräuter und Blumen in die Rasenfläche eingebunden werden können. Ihre Gewichtung sollte allerdings 30 Prozent in Relation zum Grasanteil nicht überschreiten. Ansonsten wächst die Grasdecke nicht kompakt zusammen und es kann durch zu viele Kräuter- und Blumenhorste zur Wurzelkonkurrenz mit den Gräsern kommen.

Charakteristisch für viele Rasentypen ist, dass sie regelmäßig gemäht und dadurch kurz gehalten werden. So kommt es zum klassischen Erscheinungsbild des grünen Rasenteppichs, der als trittfester, natürlicher Untergrund ideal für Park-, Spiel- und Sportflächen, Aber auch für grüne Zierflächen im Garten ist. Eine Gartenform, die explizit auf den Zierfaktor von Rasenanlagen setzt, ist diesbezüglich der Englische Garten. Seine kunstvollen Beeteinfassungen leben von einer scharfen Abgrenzung der Beeterde hin zur grünen, kurz geschorenen Rasenfläche.

Es gibt aber auch ungemähte Rasentypen, die von ihrer Naturbelassenheit leben. Sie sind im Vergleich zu den gemähten Zierrasen ökologisch wertvoller und außerdem oft witterungsbeständiger, was gerade dann wichtig ist, wenn man einen klimaresistenten Rasen anlegen möchte. Überhaupt gewinnt der sogenannte Klima-Rasen als Rasen der Zukunft zunehmend an Bedeutung, hält er den Wetterextremen des Klimawandels doch besser stand und schafft gleichzeitig eine interessante Möglichkeit, CO² aus der Atmosphäre zu ziehen. Einerseits fungieren hier die tiefreichenden Feinwurzelballen der Gräser wie ein Schwamm, der neben Wasser auch Kohlenstoffdioxid bindet. Andererseits speichern auch die ungemähten Blätter und Halme der Graspflanzen CO², weshalb man mit dem Rasenmähen eigentlich zurückhaltend sein sollte.

 

Unterschied zwischen Rasen und Wiese

In den meisten Fällen besteht die Bepflanzung von Rasen- und Wiesenflächen aus den selben Gräsern. Der einzige Unterschied ist, dass die Gräser in der Wiese höher wachsen, im Rasen dagegen bodennah gehalten werden, um ein flaches, bodendeckendes Erscheinungsbild zu erzielen. Als Rasen bezeichnet man alle Grasflächen mit einer Wuchshöhe bis 10 cm. Wachsen die Gräser höher, spricht man von einer Wiese. Oft wird hier vorausgesetzt, dass Rasenflächen ausschließlich manuell, also durch Mähen kurz gehalten werden. Das ist aber nur teilweise korrekt, da es auch viele kleinwüchsige Grassorten gibt. Den Rasen nach dem Anlegen abzumähen ist also nicht zwingend erforderlich.

 

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Der Übergang zwischen Rasen und Wiese ist fließend | © Das Grüne Archiv

Der Vorteil von Rasenflächen mit großzügiger Wuchshöhe ist vielseitig. Einerseits wird die Grasnarbe durch die verringerte Mäharbeit geschont. Bodennützlinge wie Regenwürmer können sich dadurch ungestört um die Bodenbearbeitung kümmern und das Erdreich auflockern. Das verbessert die Sauerstoffzufuhr und sorgt für eine bessere Verteilung von Bodennährstoffen. Andererseits haben bei höher gelegenen Schnittstellen auch dekorative Rasenbestandteile wie Blumen eine Chance, durchzukommen.

Speziell bei Schattenrasen sollte die Wuchslänge der Halme ohnehin nicht weniger als 4 cm betragen oder sogar noch etwas höher liegen, damit das Gras genügend Licht über seine Blätter aufnehmen kann. Geschieht das nicht, bildet sich bei allzu schattiger Lage schnell Moos im Rasen. Zwar ist der Moosrasen für Naturliebhaber oft eine beliebte Alternative zum Grasrasen, wer seinen Gräserteppich aber erhalten will, sollte dem Moosbewuchs frühzeitig entgegen wirken.

 

Rasen anlegen – Auswahl der Gräser

Es gibt einige Gräser, die Standardmäßig für das Anlegen von Rasenflächen Verwendung finden. Hierzu zählen insbesondere verschiedene Grasarten aus der Familie der Süßgräser. Zu den wichtigsten Gräsern für den Rasen gehören diesbezüglich:

  • Rispengras (Poa)
  • Schwingel (Festuca)
  • Straußgras (Argostis)
  • Weidelgras (Lolium)

Von diesen Gräsern gibt es eine reiche Anzahl bevorzugter Arten und Sorten für das Anlegen von Rasenflächen. Vor allem der Rotschwingel (Festuca rubra), das Deutsche Weidelgras (Lolium perenne) und das Wiesen-Rispen (Poa pratensis) bilden hier quasi das Kult-Trio der Rasengräser. Allerdings zeichnet sich in ihren Anteilen im jeweiligen Mischverhältnis der verschiedenen Rasenarten inzwischen ein Wandel ab. Denn Gräser wie das Wiesen-Ripsengras sind anfällig für Trockenheit, was sie im Zuge des Klimawandels nicht gerade zur besten Wahl für den Rasen macht.

Stattdessen werden vermehrt robuste Sorten des Schwingels als zukunftsweisende Rasenlösungen empfohlen, wobei neben dem Rotschwingel auch der trockenheitstolerante Rohr-Schwingel (Festuca arundinacea) empfehlenswert ist. Insgesamt kann es für einen widerstandsfähigen und ökologischen Rasen von Vorteil sein, auf Rasentypen mit artenreicher Saatgutmischung zu setzen.

 

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Eines der robustesten Gräser überhaupt: das Schwingelgras | © Das Grüne Archiv

Regel-Saatgut-Mischungen (RSM) im Überblick

Es gibt bislang keine gesetzliche Regelung für die Saatgutmischung unterschiedlicher Rasentypen. Als Standard und Orientierungshilfe dienen daher die Regel-Saatgut-Mischungen (RSM) der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau. Der Verein bringt jährlich eine optimierte Ausgabe der Mischverhältnisse für Rasensaatgut heraus, wobei sich grob folgende Rasentypen und Saatgutmischungen festhalten lassen:

 

RSM 1: Zierrasen bzw. Galarasen

Dieser Rasentyp ist dem Englischen Rasen nachempfunden und hat hauptsächlich dekorative Funktion. Die hier verwendeten Gräser gelten als besonders feinblättrig, tiefschnittverträglich, dicht wachsend auch als relativ witterungsbeständig. Allerdings fehlt es dem Zierrasen an Artenvielfalt, weshalb er nicht sonderlich ökologisch wertvoll ist.

Mischverhältnis des Saatguts:

  • Horst-Rotschwingel (30 %)
  • Hartblättriger Rotschwingel (30 %)
  • Gewöhnlicher Rotschwingel (20 %)
  • Deutsches Weidelgras (20 %)

 

RSM 2: Gebrauchsrasen bzw. Universalrasen

Dieser Rasentyp wird gerne für öffentliche Freiflächen wie Parkanlagen oder grüne Seitenstreifen an Gehwegen und Straßen verwendet. Er besitzt einen hohen Anteil an Rotschwingel, was ihn relativ witterungsbeständig macht. Jedoch ist seine Artenvielfalt noch geringer als beim Zierrasen.

Mischverhältnis des Saatguts

  • Rotschwingel (60 %)
  • Wiesen-Rispengras (40 %)

 

RSM 3: Sportrasen und Spielrasen

Ein äußerst robuster Rasentyp, der speziell für die Dauerbelastung durch Tritte konzipiert ist. Die Trittfestigkeit sollte aber nicht mit Witterungsbeständigkeit verwechselt werden, denn der hohe Anteil an klimasensiblem Wiesen-Rispengras macht den Spiel- und Sportrasen anfällig für Trockenheit. Ein Ausbessern der Rasenfläche, um vertrocknete und kahle Rasenstellen neu einzusäen kann daher oftmals notwendig werden.

Mischverhältnis des Saatguts:

  • Deutsches Weidelgras (50 %)
  • Wiesen-Rispengras (50 %)

 

RSM 4: Golfrasen

Der Golfrasen ist bedingt durch seine Funktion sehr witterungsbeständig, für ökologische Zwecke jedoch abermals nicht sehr sinnvoll. Auch wird er außerhalb von Golfplätzen eher selten kultiviert. Dennoch kann seine Saatgutmischung als Basis für klimaresistente Rasenkonzepte dienen.

Mischverhältnis des Saatguts:

  • Deutsches Weidelgras (30 %)
  • Wiesen-Rispengras (30 %)
  • Rotschwingel (40 %)

 

RSM 5: Parkplatzrasen

Namensgemäß die bevorzugte Saatgutmischung für Grünflächen von Parkplatzanlagen. Die Gräserkombination ist besonders pflegeleicht, wobei ein relativ hoher Anteil an trockenheitsanfälligem Wiesen-Rispengras den Parkplatzrasen schnell verkahlen lässt.

Mischverhältnis des Saatguts:

  • Weidelgras (40 %)
  • Wiesen-Rispengras (40 %)
  • Gewöhnlicher Rotschwingel (10 %)
  • Hartblättriger Rotschwingel (10 %)

 

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Ziervoll aber sensibel: Rasentypen mit hohem Anteil an Wiesen-Rispengras sind empfindlich gegen Trockenheit und hohen Sonneneinstrahlung | © Das Grüne Archiv

RSM 6: Dachrasen

Der Dachrasen mag zwar kein herkömmliches Rasenkonzept sein, für die Umwelt und das Klima hat er aber mitunter einen der höchsten Nutzwerte. Neben einen hohen Anteil witterungsresistenter Rotschwingelsorten enthält die Dachbegründung auch einen Kräuteranteil, der durch CO²-aktive Pflanzen wie Mauerpfeffer, Hauswurz, Pimpinelle, Braunelle oder Dost gedeckt wird.

Mischverhältnis des Saatguts:

  • Rotschwingelgräser (70 %)
  • Wiesenrispengras (15 %)
  • Kräutermischung (15 %)

 

RSM 7: Landschaftsrasen

Eine der natürlichsten Rasenarten für den Garten. Der Landschaftsrasen ist den wilden Grünflächen nachempfunden, die sich von der Naturwiese einzig dadurch unterscheiden, dass ihr Wildkräuteranteil etwas geringer ist. Ansonsten zeigt sich diese Rasenart aber ähnlich anpassungsfähig an das Klima wie es die Flora im Freiland tut.

Mischverhältnis des Saatguts:

  • Rotschwingel (40 %)
  • Schafschwingel (40 %)
  • Weidelgras (15 %)
  • Kräutermischung (5 %)

 

RSM 8: Biotoprasen

Die mit Abstand ökologisch wertvollste Rasenmischung. Sie bietet mit einem hohen Anteil an blütenreichen Kräutern und Wildblumen Nützlingen wie Bienen und Hummeln ein herrliches Nektarbankett und kann eine Alternative zur Bienenweide oder Wildblumenwiese sein.

Mischverhältnis des Saatguts:

  • Rotschwingel (40 %)
  • Kräutermischung (30 %)
  • Weidelgras (15 %)
  • Wildblumen (10 %)
  • Trespen (5 %)

 

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Robuste Mischung: Saatgutkombinationen mit Weidelgras und Schwingelgras besitzen die beste Klimaresistenz | © Das Grüne Archiv

Rasen anlegen – Boden, Zeitpunkt und Aussaat

Die besten Ergebnisse erzielen Sie, wenn Sie im Spätfrühling oder besser noch im Frühherbst Ihren Rasen anlegen. Der genaue Zeitpunkt ist wichtig. Falls Sie nämlich zu früh oder aber auch zu spät mit der Aussaat beginnen, sind Witterungsbedingungen wie Frost oder extreme Hitze eine schlechte Voraussetzung für einen schönen, dichten und satten Rasen. Für das Aussäen an sich eignet sich ein warmer und windstiller Tag, an dem die frisch ausgesäten Samen nicht verweht werden.

 

Der passende Boden für den Rasen

Rasenerde muss vor allem Locker und gut durchlässig sein. Ein gewöhnliches Erdgemisch, wie es in Blumenbeeten gängig ist, bringt hier nicht das gewünschte Ergebnis. Grundsätzlich besitzt das Substrat für den Rasen einen höheren Sandanteil. Da sich die meisten Süßgräser auf einem sauren Boden wohl fühlen, sind zudem pH-Werte zwischen 5,5 und 6,5 Punkten empfehlenswert.

Darüber hinaus benötigt der Rasen eine gute Grunddüngung aus Humus und Kompost. Das Nährstoffangebot sollte später durch konsequente Jahresdüngung aufrecht erhalten werden, um einen kräftigen Wuchs der Gräser zu garantieren, aber auch um Unkraut- und Moosbildung vorzubeugen. Als gute Substratkomposition für Rasenerde gilt folgendes Mischverhältnis:

  • Komposterde (50 %)
  • Humus (30 %)
  • Quarzsand (20 %)

Ergänzend können Sie pro Quadratmeter eine Handvoll mineralischer Nährstoffe wie Zeolith, Bimskies oder Lavalit mit einbringen.

 

Die richtige Saatgutmenge macht den Unterschied

Das Saatgut für Ihre Rasenanlage sollte nicht älter als vier Jahre sein, da es nach dieser Zeit seine Keimkraft verliert. Die Aussaat sollte zudem mit einer Sämaschine oder einem Düngerstreuwagen erfolgen. Das säen per Hand erfordert viel Übung, damit ein gleichmäßiges Ergebnis zu erwarten ist. Außerdem ist es recht mühsam. Was die Menge des Saatguts anbelangt,  so sind 20 bis 40 g Samen pro Quadratmeter für gewöhnlich ausreichend sind. Sie können gern etwas großzügiger sein, dann dauert jedoch die Keimung wesentlich länger.

 

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Junger Rasen im Englischen Garten | © Das Grüne Archiv

Nach dem Rasen-Anlegen: Schonung und Pflege

Sobald der Rasen angesät wurde, arbeiten Sie die Samen vorsichtig mit einer Harke in den Boden ein. Dabei reicht ein halber Zentimeter Saattiefe zwar vollkommen aus, sollte aber eingehalten werden. Liegen die Samen zu oberflächlich, sind sie ein gefundenes Fressen für Vögel, was den Saaterfolg zunichte macht. Drücken Sie das Saatgut abschließend daher durchaus mit der Handwalze noch einmal fest.

Nach der Aussaat sind dann erst einmal Schonung und Pflege angesagt. Halten Sie das Saatgut gleichmäßig feucht und vermeiden sie es, die frisch angesäte Rasenfläche in den nächsten Monaten zu betreten. Die Saat braucht etwa vier bis sechs Wochen bis zur Keimung und sollte auch danach erst einmal nicht behandelt werden, ehe die Grashalme eine Höhe von mindestens 8 cm erreicht haben. Das Mähen ist bis dahin tunlichst zu unterlassen. Danach wird zwischen Frühling und Herbst zunächst allenfalls ein bis zwei mal pro Monat gemäht.

Nach den ersten zwei bis drei Schneidgängen mit dem Rasenmäher sollten Sie das Schnittgut gründlich entfernen, damit die neuen Grashalme Luft haben und genügend Licht abbekommen. Bei den ersten Schnitten sollten Sie auch darauf achten, dass nicht zu viel Rasen abgenommen wird. Sind die Grashalme etwa 12 Zentimeter hoch, stellt die optimale Schnitthöhe ca. 6 cm dar. Nach den ersten Schnittgängen können Sie den Rasen dann auf die gewünschte Länge bringen.

 

Rasenpflege und alternative Rasenkonzepte

 

Fazit

Wer heutzutage einen Rasen anlegen möchte, muss sich nicht nur Gedanken um die Lage und Fläche des Rasens machen. Auch das Klima, die Biodiversität und das Mischverhältnis des Saatguts sollten in Zeiten des Klimawandels mit in die Rasenplanung einfließen. Was die Aussaat an sich betrifft, so ist behutsam vorzugehen und von der richtigen Substratmischung bis hin zur Bewässerung und Schonung des Saatguts auf vieles zu achten. Wer alles richtig macht, der kann sich bereits nach einem Jahr der Rasenpflege über herrlich sprießendes Grün freuen, das im Idealfall auch ökologischen Nutzen bringt.

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