Wacholder, Juniperus, Juniperus communis, Wacholderbeeren

Wacholder – Wirkung, Standort und Kultur

Bei der Wacholder (Juniperus) handelt es sich um eine immergrüne Kräuter- und Zierpflanze, deren Arten entweder als Baum oder Strauch wachsen. Aufgrund ihrer nadelförmigen bis nadelschuppigen Belaubung zählt das Gehölz außerdem zu den Koniferen und wird gerne als Heckenpflanze kultiviert. Die Beeren der Wacholder sind wegen ihrem außergewöhnlichen Aroma sowie ihren medizinischen Inhaltsstoffen außerdem als Gewürz-, Duft- und Heilkräuter in Gebrauch.

 

Wacholder in der Küche und Medizin

Es gibt eine Reihe von Gerichten, die ohne Wacholderbeeren und Wacholderblätter nicht auskommen. Das gilt insbesondere für fermentierte Spezialitäten wie eingelegte Gurken, Sauerkraut oder Sauerbraten. Speziell die zerstoßenen Beeren sind außerdem seit jeher eine wichtige Zutat für Mehlen und Salzlaken, die zum Räuchern oder Pökeln von Fleisch und Fisch dienen. Selbst die Holzspäne der Wacholder werden hierzu gelegentlich verwendet.

Das sich Wacholderbeeren so gut zur Herstellung von Pökelfleisch und Räucherfisch eignet, liegt an ihren Inhaltsstoffen. Diese fördern beim Pökel- und Räuchervorgang die Entwicklung des unverkennbaren Räucheraromas. Bei dieser vielfältigen Eignung zum Würzen deftiger Speisen ist es kein wunder, dass die Beeren der kulinarisch genutzten Gemeinen Wacholder (Juniperus communis) auch als Gewürzbeeren bekannt sind. Vorsicht geboten ist allerdings bei der Dosierung. Denn ähnlich wie Koriander hinterlässt ein Übermaß an Wacholder einen seifigen Geschmack.

 

Weißkohl, Weißkraut, Sauerkraut
In Sauerkraut unerlässlich: Lorbeerblätter und Wacholderbeeren

Inhaltsstoffe und Wirkung der Wacholder

Die bläulichen Scheinfrüchte, ebenso wie die Blätter der Wacholder sind nicht nur beliebte Würzkräuter. Daneben ist gerade Juniperus communis auch für die Heilkunde von besonderer Bedeutung. So helfen Wacholderbeeren beispielsweise hervorragend gegen

  • Entzündungen,
  • Infektionen,
  • Gicht,
  • Rheuma und
  • Verdauungsbeschwerden

wie Sodbrennen oder Völlegefühl. Auch als Diuretika und Antidiabetika sind Wacholderbeeren bekannt. Zu verdanken hat die Wacholder ihre vielseitige Heilwirkung unzähligen Inhaltsstoffe. Die Pflanze enthält unter anderem wertvolle ätherische Öle, Terpene und Flavonoide.

Doch Vorsicht: Zu viel des Guten ist wie so oft nicht zu empfehlen, denn trotz ihrer aromatischen und heilsamen Eigenschaften gelten Wacholderpflanzen als schwach giftig. In zu hohen Dosen kann es hier zu Hautreizungen, Nierenschäden und unregelmäßigem Herzschlag kommen. Schwangere, wie auch Patienten mit bestehender Herz- oder Nierenerkrankung, sollten Wacholder daher lieber nicht zu sich nehmen.

 

Wacholder, Wacholderbeeren, Gemeine Wacholder, Juniperus communis
getrocknete Wachelderren | © Das Grüne Archiv

Juniperus pflanzen – Standort und Ablauf

Die Wacholder gehört zur Familie der Zypressengewächse und macht hier dank ihrer Artenvielfalt beachtliche 40 % aller Cupressaceae aus. Die Pflanze kommt vorwiegend auf der Nordhalbkugel vor. Für die Kultivierung im heimischen Garten hat die Herkunft des Wacholders natürlich zahlreiche Vorteile. Eine gute Winterhärte von bis zu -40 °C versteht sich in den meisten Fällen von selbst und macht aus Juniperus eine äußerst robuste Pflanze.

Mit Wuchshöhen zwischen 10 und 18 m lässt sich Juniperus in die Sparte der Zwerggehölze einordnen. Die Pflanze ist also sowohl für kleinere als auch für große Gärten gut geeignet, solange man einige grundlegende Dinge in der Kultur von Wacholder beachtet.

 

Der richtige Standort für Wacholder

In freier Natur sind Wacholderarten vor allem auf sonnigen Magerweiden, an lichten Waldrändern und Felshängen zu finden. Die Pflanzen bevorzugen damit helle Standorte, kommen aber auch mit lichtem Halbschatten gut zurecht.

In Sachen Bodenansprüche ist Wacholder nicht besonders wählerisch. Bevorzugt werden vor allem trockene und gut durchlässige Sand- oder Kiesböden, wobei meist ein saurer bis schwach alkalischer Boden-pH-Wert von 5,5 bis 6,5 zu empfehlen ist.

Eine Ausnahme bildet hier die Gemeine Wacholder. Sie mag es eher stark alkalisch, weshalb Sie die Wacholderart besser in Böden mit pH-Werten von 8 bis 10 Punkten pflanzen. Interessante Pflanzpartner für Wacholderarten sind zum Beispiel Besenheide, Knospenheide, Rhododendron und Wildrosen.

Pflanztipp: Aufgrund ihrer Vorliebe für trockene Böden ist Wacholder ideal für Mediterran-, Heide- und Steingärten. Auch Dachgärten werden gerne mit der Kräuter- und Zierpflanze bestückt. Grundsätzlich passen Wacholdergehölze aber auch in andere Gartenkonzepte, solange die Standortbedingungen der Pflanze erfüllt werden.

Einzelheiten zum Standort für Wacholder:

  • Standorte in der Sonne oder im hellen Halbschatten
  • trockene, durchlässige sowie sandige oder kiesige Böden
  • Boden-pH-Wert: nsauer bis schwach alkalisch von 5,5 bis 6,5
  • für Gemeine Wacholder alkalische Böden von 8 bis 10 wählen
  • Juniperus ist ideal im Mediterran, Heide-, Stein- oder Dachgarten
  • Pflanzpartner: Besenheide, Knospenheide, Rhododendron, Wildrosen

 

Pflanzanleitung für Wacholder

1. Schritt – Pflanzzeit wählen: Pflanzen Sie sonnenliebende Zwerggehölze wie Wacholder am besten im April. In dieser Zeit steht der Pflanze bereits ausreichend Sonne zur Verfügung, um sich rasch am Standort zu etablieren. Trotz guter Winterhärte ist allerdings darauf zu achten, dass kein Spätfrost mehr auftritt, was das Anwurzeln des Wacholders im Boden beeinträchtigen könnte.

2 Schritt – Boden vorbereiten: Lockern Sie den Standortboden von Wacholder vor dem Pflanzen gut auf und optimieren Sie das Substrat bei Bedarf mit etwas Sand, Kies, Kalk, Torf und / oder Kompost nach. Das Pflanzloch sollte in etwa doppelt so groß wie der Wurzelballen sein und zum verbesserten Wasserablauf mit einer Kiesdrainage versehen werden.

3. Schritt – Wacholder pflanzen: Wacholder kann eine Wuchsbreite von bis zu 1,5 m erreichen. Der Pflanzabstand zu Artgenossen und Nachbargewächsen sollte deshalb mindestens 2 m betragen. Setzen Sie die Pflanzen auch ausreichend tief ins Erdreich, damit sie genügend Stabilität erhält. Abschließend wird die Erde vorsichtig angedrückt und die Zwerggehölze angewässert.

Kurzschritte zur Pflanzung im Überblick:

  • Pflanztermin für Wacholder: April
  • es sollte kein Frost mehr auftreten
  • Standortsubstrat gut auflockern
  • Substrat ggf. mit Sand, Kies, Kalk, Torf, Kompost optimieren
  • Pflanzloch muss doppelt so groß wie der Wurzelballen sein
  • Kiesdrainage für besseren Wasserablauf ist ratsam
  • Pflanzabstand für Juniperus: 2 m
  • Pflanzen ausreichend tief ins Erdreich einsetzen
  • abschließend Erde gut andrücken und Wacholder angießen

 

Wacholder gießen und düngen

Viel Wasser benötigen Wacholderpflanzen nicht. Mehr noch, muss Staunässe unbedingt vermieden werden. Sinnvoll ist es, das Gehölz nur während der Anwachsphase und in anhaltenden Trockenperioden mit leicht erwärmtem Wasser zu gießen, um eine völlige Austrocknung zu vermeiden.

Der Nährstoffbedarf des Wacholders ist nicht besonders hoch. Bei guter Grunddüngung kommt die Pflanze sehr lange ohne zusätzliche Düngung aus. Sollten Nährstoffgaben doch einmal nötig werden, so reicht es, etwas Kompost auszubringen.

Kurztipps zum Düngen und Gießen:

  • Juniperus nur nach Pflanzung und bei Trockenheit gießen
  • hierfür leicht vorgewärmtes Wasser nutzen
  • gute Grunddüngung ersetzt zusätzl. Düngemaßnahmen 
  • im Ernstfall etwas Kompost im Wurzelbereich ausbringen

 

Wacholder schneiden und vermehren

Schnittmaßnahmen sind bei Wacholder nicht zwingend notwendig, können jedoch einmal pro Jahr in Form leichter Formschnitte erfolgen. Diese sollten im Frühjahr oder Herbst stattfinden, bevor bzw. nachdem die Pflanze im vollen Saft steht oder stand. Schneiden Sie mit Augenmaß und entfernen Sie nur so viel Verschnitt, dass es die Pflanze nicht zum übermäßigen Bluten provoziert. Scharfe Schneidwerkzeuge beugen wie üblich unsauberen Schnittwunden vor, an denen sich gerne Krankheiten niederlassen.

Als Heil- und Würzkräuter werden vorrangig die getrockneten Scheinfrüchte des Wacholders verwendet. Gelegentlich finden auch die getrockneten Nadeltriebe der Pflanze Anwendung als Kräuter. Die Früchte lassen sich dabei im Sommer ernten. Frische Äste entnehmen Sie am besten nach dem Austrieb im Frühling.

 

Vermehrung durch Stecklinge

Für die Stecklingsvermehrung von Wacholder schneiden Sie im August junge Triebe in einer Länge von 15 cm von der Pflanze ab. Achten Sie dabei darauf, die Triebe so weit unten wie möglich abzuschneiden. Anschließend können Sie den Steckling entweder an einen geeigneten Anzuchtstandort im Garten oder im Topf pflanzen. Wichtig ist ein guter Wind- und Kälteschutz.

Kurztipps zu Vermehrung und Schnitt:

  • Wacholder einmal jährlich im Frühling oder Herbst schneiden
  • nicht zu umfangreich einkürzen
  • Augenmaß und geschärftes Schneidwerkzeug ist wichtig
  • Ernte der Scheinfrüchte im August
  • die Heil- und Würzkräuter vor der Verwendung trocknen
  • frische Triebe können ebenfalls als Kräuter verwendet werden
  • diese jedoch schon im Frühling nach dem Austrieb ernten
  • für Vermehrung im Sommer 15 cm lange Jungtriebe entnehmen
  • die Triebe so weit unten wie möglich abschneiden
  • anschließend die Stecklinge geschützt in Anzuchtsubstrat setzen

 

Interessante Arten der Gattung Juniperus

Die Gattung Juniperus umfasst etwa 60 verschiedene Arten, die sich neben ihrer Wuchshöhe auch ihrer Wuchsform sowie in der Färbung ihrer Nadeln unterscheiden. Artabhängig sind Wacholdergehölze somit für unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten im Garten geeignet. Nachstehend ein paar besonders schöne Empfehlungen:

ArtBeschreibung
Beschuppter Wacholder
Juniperus squamata
Blütezeit: April bis Mai
Nadeln: grüne bis blaugrüne Nadeltriebe
Wuchshöhe: 10 bis 12 m
Herkunft: China, Asien
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: wächst als Baum oder Strauch; die Wuchsform ist niederlegend
gute Sorten: 'Blue Carpet', 'Blue Star' (Zwergwacholder), 'Loderi' (Zwergpyramidenwacholder), 'Meyeri' (Blauzederwacholder)
Chinesischer Wacholder
Juniperus chinensis
Blütezeit: Februar bis April
Nadeln: gelb- bis dunkelgrüne Blätter
Wuchshöhe: 20 bis 25 m
Herkunft: China, Asien
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: wächst natürlich als niederlegender Baum; strauchwüchsige, konische und säulenförmige Sorten sind erhältlich
gute Sorten: 'Blaauw', 'Blue Alps' (Strauchwacholder), 'Glauca', 'Hetzii', 'Kaizuka' (Strauchwacholder), 'Keteleeri' (Säulenwacholder), 'Kuriwao Gold' (Strauchwacholder), 'Mint Julep', 'Monarch' (Säulenwacholder), 'Old Gold', 'Pfitzeriana', 'Pfitzeriana Aurea', 'Plumosa Aurea', 'Repanda', 'Spartan' (konischer Säulenwacholder), 'Stricta' (Kegelwacholder), 'Torulosa' (Säulenwacholder)
Gemeiner Wacholder
Juniperus communis
Blütezeit: April bis Mai
Nadeln: gelb- oder dunkelgrüne Nadeltriebe
Wuchshöhe: 5 bis 8 m
Herkunft: Asien, Europa, Nordamerika
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: seine Pflanzenteile werden traditionell als Heil- und Würzkräuter verwendet; wächst als Strauch, die Wildform besitzt einen säulenförmigen Wuchs, jedoch sind Sorten mit abweichender Wuchsform erhältlich
gute Sorten: 'Arnold' (Heidewacholder), 'Compressa', 'Green Carpet' (bodendeckender Teppichwacholder), 'Gold Cone' (Goldener Heidewacholder), 'Hibernica', 'Horstmann' (Hängewacholder), 'Oblonga Pendula' (Hängewacholder), 'Sentinal', 'Suecica', 'Wilsede'
Sadebaum
Sebenstrauch
Juniperus sabina
Blütezeit: März bis Mai
Nadeln: tiefgrüne Nadeltriebe
Wuchshöhe: 1 bis 5 m
Herkunft: Europa
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: eines der traditionellen Heil- und Würzkräuter der deutschen Volksmedizin; wächst meist aufrecht, seltener kriechend
gute Sorten: 'Rockery Gem' (sehr giftig)
Virginischer Wacholder
Juniperus virginiana
Blütezeit: März bis Mai
Nadeln: grüne bis blaugrüne Nadeltriebe
Wuchshöhe: 15 bis 25 m
Herkunft: Ostamerika
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: wächst in natura strauch- bis baumförmig, Säulenformen sind erhältlich
gute Sorten: 'Blue Arrow' (Säulenwacholder), 'Canaertii', 'Glauca', 'Grey Owl', 'Skyrocket' (Säulenwacholder), 'Wichita Blue' (Zwergkegelwacholder)

 

Wacholder – Krankheiten und Schädlinge

Wacholderpflanzen werden normalerweise nur selten von Schädlingen wie der Wacholderbaumlaus befallen, welche sich erfolgreich durch Nützlinge wie Schlupfwespen oder Florfliegen in Schach halten lässt.

Etwas lästiger ist da schon der Birnengitterrost. Die Wacholder dient als Zwischenwirt für den Rostpilz, welcher die Konifere vor allem bei Vorkommen von Birnbäumen im Garten befällt. Er schwächt die Pflanze enorm, übersteht erfreulicher Weise aber nur selten den Winter. In sehr schweren Fällen von Birnengitterrost muss eine betroffene Wacholderpflanze allerdings ggf. gefällt werden.

 

Fazit

Wacholderpflanzen liefern nicht nur äußerst aromatische Heil- und Würzkräuter, sondern sind auch beliebte Zierpflanzen für Mediterran-, Stein-, Heide- und Dachgärten. Anders als viele anderen Pflanzen bevorzugen die Zwerggehölze karge und trockene Böden, wodurch sich der Gießaufwand in Grenzen hält.

Auch muss man das genügsame Gehölz nur selten düngen oder schneiden. Geht es um die Artenvielfalt, so überzeugt Wacholder mit einer Fülle an verschiedenen Wuchsformen, die von niederlegend und hängend bis hin zu säulenförmig und konisch reichen. Auch die Nadelfarben gibt es in vielen Variationen, sodass Gärtner hier wahrlich die freie Auswahl haben.

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