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Familien der Pflanzenwelt: Mohngewächse

Die Mohnblume ist eine der berühmtesten Blumen überhaupt. Interessant ist dabei, mit welchen Pflanzen die Stammgattung der Mohngewächse (Papaveraceae) noch so verwandt ist. Besagte Verwandtschaft sieht man nämlich nicht allen Gewächsen dieser Pflanzenfamilie an, deren 41 Gattungen sich in zwei Unterfamilien aufteilen:

  • Unterfamilie der Fumarioideae
    enthält ca. 21 Gattungen der Papaveraceae
  • Unterfamilie der Papaveroideae
    enthält ca. 23 Gattungen der Papaveraceae

 

Besonderheiten der Papaveraceae

Die Familie der Mohngewächse mag nicht besonders groß sein, ist dafür aber umso geschichtsträchtiger. In ihr tummeln sich nämlich einige alte und längst vergessene Heilpflanzen. Relativ vielfältig sind dabei die Inhaltsstoffe der Papaveraceae, wie auch ihre Wuchsformen.

 

Wuchs und Blüten der Mohngewächse

Bei den Papaveraceae handelt es sich in der Regel um ein- oder mehrjährige krautige Pflanzen mit sehr individuellen Wuchsbesonderheiten. Viele von ihnen bilden wechselständige, gelappte oder gefiederte Blätter aus, die allerdings meist keine Nebenblätter aufweisen.

Ein wahres Feuerwerk an Farben und Formen tut sich bei den Blüten der Mohngewächse auf. Während die Stammgattung des Mohns radiärsymmetrische, gelegentlich etwas zerknittert anmutende Blüten ausbildet, gibt es durchaus auch Gattungen mit zygomorphen Blüten.

Darüber hinaus lässt sich die Blütenform nicht einheitlich festlegen. Neben klassischen Radblüten finden sich hier auch röhrenförmige und gespornte Blütenvarianten, wie es zum Beispiel beim Lerchensporn oder Erdrauch der Fall ist.

 

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Ein Mohngewächs, das auf den ersten Blick als solches gar nicht auffällt: der Lerchensporn | © Das Grüne Archiv

Inhaltsstoffe sind nicht ganz ohne Tücken

Aus heilkundlicher Sicht fällt auf, dass innerhalb der Papaveraceae mindestens drei verschiedene Pflanzen als historische Heilkräuter mit schmerzstillender bis sedativer Wirkung bekannt waren. Das gilt allen voran natürlich für den Schlafmohn, der im Übrigen zu den ältesten Heilpflanzen der Welt gehört.

Wie für Mohngewächse typisch, führt Schlafmohn einen alkaloidreichen Milchsaft, der ihm im Laufe der Geschichte einen zweifelhaften Ruf einbrachte. Denn Alkaloide wie Codein, Morphin, Narkotin Papaverin und Thebain sind nicht nur für ihre beruhigende, schmerzstillende und schlaffördernde Wirkung, sondern auch für ihre Rauschwirkung bekannt.

Viele Alkaloide der Papaveraceae gehören zu den sogenannten Opiaten. Aus ihnen werden neben medizinischen Schmerzmitteln und Narkotika nämlich auch hochgradige Rauschmittel mit hohem Suchtfaktor wie Heroin und Opium hergestellt. Die Substanzen docken an die Opioidrezeptoren des Gehirns und des Nervensystems an. Eine Überdosis kann diesbezüglich zu Substanzabhängigen und Atemdepressionen führen.

Davon abgesehen, sind einige im Milchsaft der Mohngewächse enthaltenen Alkaloide auch äußerst giftig. Es handelt sich also bei zahlreichen Vertretern dieser Pflanzenfamilie um Giftpflanzen. Herumexperimentieren sollte man mit den meisten deshalb nicht. Als ziervolle Gewächse im Garten sind sie aber dennoch interessant.

 

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Schöne Blume und gefährliche Droge zugleich: aus dem Schlafmohn werden einige der gefährlichsten Rauschmittel hergestellt | © Das Grüne Archiv

Mohngewächse der Papaveroideae

Die Mitglieder der Unterfamilie Papaveroideae besitzen für gewöhnlich radiärsymmetrische Blüten. Zu ihnen gehören neben dem echten Mohn auch andere Mohngattungen wie der Scheinmohn, Federmohn oder Hornmohn. Ebenfalls zur Unterfamilie zählen die Blutwurz und das giftige Schöllkraut.

Papaveroideae bevorzugen in der Regel sehr sonnige und eher trockene Standorte. Viele von ihnen kommen mit kalkhaltigen Böden gut zurecht. Nicht wenige sind außerdem in gemäßigten bis subpolaren Breitengraden Nordamerikas, Europas oder Asiens heimisch. Die natürlichen Verbreitungsgebiete diverser Arten erstreckt sich sogar bis in Gebirgsregionen wie den Himalaya, weshalb sie auch sehr gut winterhart sind. Insgesamt sind folgende Papaveroideae für eine Kultur interessant:

  • Blutwurz (Sanguinaria)
  • Federmohn (Macleaya)
  • Goldmohn / Kappenmohn (Eschscholzia)
  • Hornmohn (Glaucium / Eomecon)
  • Scheinmohn (Meconopsis)
  • Schöllkraut (Chelidonium)
  • Stachelmohn (Argemone)
  • Tulpenmohn (Hunnemannia)
  • Tüpfelmohn (Roemeria)
  • Waldmohn (Hylomecon)

 

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Der Scheinmohn fasziniert mit seltenen blauen Mohnblüten | © Das Grüne Archiv

Mohngewächse der Fumarioideae

Die auch als Erdrauchgewächse bekannten Fumarioideae verdanken ihren Namen dem Erdrauch. Dieser fällt durch längliche bis halbgespornte, zygomorphe Blüten auf, was charakteristisch für die Gattungen dieser Unterfamilie ist. Manche Arten weisen sogar herzförmige Blüten auf und tragen dementsprechende Bezeichnungen.

Erdrauchgewächse sind beliebte Zierpflanzen, was neben dem Erdrauch selbst auch für Arten wie den Lerchensporn und das Tränende Herz gilt. Die Fumarioideae kommen mit Halbschatten meist besser zurecht als ihre Artgenossen aus der Unterfamilie der Papaverioideae. Dennoch benötigen sie aber oft lockere und nicht zu feuchte Standortsubstrate. Hier ein paar Empfehlungen für die Gartenkultur:

  • Erdrauch (Fumaria)
  • Herzblume (Dicentra)
  • Lerchensporn (Corydalis)
  • Tränendes Herz (Lamprocapnos)

 

Tränendes Herz, Marienherz, Lamprocapnos spectabilis
Der elegante und einzigartige Klassiker im Zierstaudenbeet: das Tränende Herz | © Das Grüne Archiv

Fazit

Mohngewächse sind beliebte Zierpflanzen im Garten. Allerdings enthalten viele von ihnen auch giftige bis psychoaktive Alkaloide, weshalb im Umgang mit den Pflanzen Vorsicht geboten ist. Als Faustregel für den Standort gilt: Hell und eher trocken sollte er sein.

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