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Familien der Pflanzenwelt: Nachtschattengewächse

Die Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) macht ihrem Namen aller Ehre. Nicht nur, dass viele ihrer Arten vom Wuchs bis zur Wirkung äußerst mysteriös, um nicht zu sagen gespenstisch sind. Auch tappen Botaniker bei vielen Merkmalen der Solanaceae nach wie vor im Dunkeln.

Beispielsweise schwankt die Anzahl der Unterfamilien, ebenso wie die Zahl der ihnen zugeordneten Gattungen je nach botanischer Auffassung. Manche Botaniker gliedern die Solanaceae in vier, andere gar in acht Unterfamilien. Grund für letztere Methode ist vor allem die Tatsache, dass bei der Einteilung in nur vier Unterfamilien zwei Gattungen ohne Zuordnung bleiben.

Gemeint sind der in Brasilien heimische Baum Duckeodendron, sowie die aus Chile stammende Blume Schizanthus, deren Arten bei uns als Bauernorchideen, Schmetterlings- oder Spaltblumen bekannt sind. Der Einfachheit halber möchten wir uns hier aber dennoch auf die Einteilung in vier Unterfamilien beschränken. Diese lauten wie folgt:

  • Unterfamilie der Cestroideae
  • Unterfamilie der Goetzoideae
  • Unterfamilie der Nicotianoideae
  • Unterfamilie der Solanoideae

 

Besonderheiten der Nachtschattengewächse

Eine gewisse Faszination üben Nachtschattengewächse auf den Menschen schon seit Jahrhunderten aus. So galten einige ihrer Gattungen wie etwa die Alraune früher als Zauberpflanzen und wurden zum einen für magische Rituale, zum anderen für medizinische Zwecke genutzt. Heutzutage findet man Solanaceae im Garten dagegen überwiegend im Blumen- und Gemüsebeet. Ob Zierpflanzen wie Petunien, Spaltblumen und Lampionblumen, oder Traditionsgemüse wie die Kartoffel, Aubergine oder Tomate – Sie alle zählen zu den Nachtschattengewächsen.

Allerdings sind Nachtschattengewächsen nicht nur essbare und schmuckvolle, sondern auch gesundheitsgefährdende Merkmale zu eigen. Da Solanaceae bisweilen einen sehr hohen Gehalt an Alkaloiden und Giftstoffen wie Solanin aufweisen, zählt ein Großteil ihrer Gattungen zu den Giftpflanzen. Man denke nur an Bilsenkraut, Engelstrompeten, Stechapfel oder Tollkirsche, deren Giftigkeit den meisten gut bekannt sein dürfte.

Selbst das Pflanzengrün jener Nachtschattengewächse, die essbares Gemüse hervorbringen, birgt meist ein hohes Giftpotential. Beim Umgang mit den Pflanzen im Garten ist daher unbedingt Vorsicht geboten.

 

Tomate, Tomaten, Solanum lycopersicum, Tomatenpflanzen
Gesundes Gemüse an giftiger Staude: Tomaten | © Das Grüne Archiv

Nachtschattengewächse der Cestroideae

Bei der Namensgebung der Cestroideae Pate stand der bei uns als Zierstrauch beliebte Hammerstrauch alias Cestrum. Überhaupt finden sich in dieser Unterfamilie der Nachtschattengewächse viele Strauchgehölze und Blumenstauden mit Zierwert. Dauerhaft im Garten ansiedeln lassen sich dabei aber nur die wenigsten, denn die meisten Cestroideae nennen die warmen Regionen Mittel- und Südamerikas ihre Heimat. Einige dieser schmuckvollen Solanaceae wachsen dort sogar endemisch, was bedeutet, dass sie an keinem anderen Ort der Welt zu finden sind.

Kennzeichnend für Cestroideae sind ihre farbenfrohen und großblumigen Blütenstände, die entweder in Becher-, Röhren- oder Trompetenform erstrahlen. Aufgrund ihrer Herkunft bevorzugen die Gattungen dieser Nachtschattengewächse sonnige, warme und windgeschützte Standorte. Als Balkonpflanzen oder leicht verstellbare Kübelpflanzen machen sie sich daher am besten.

Besonders beliebte Cestroideae sind bei uns neben dem Hammerstrauch vor allem Petunien, Brunfelsia und das Rubinglöckchen. Letztere wurde 2012 in Rheinland-Pfalz sogar zur Balkonpflanze des Jahres gekürt. Nachstehend ein kleiner Überblick zu geeigneten Zierpflanzen aus dieser Unterfamilie:

  • Browallia (Browallia)
  • Brunfelsia (Brunfelsia)
  • Fabiana (Fabiana)
  • Hammerstrauch (Cestrum)
  • Petunie (Petunia)
  • Rubinglöckchen (Calibrachoa)
  • Schwenckia (Schwenckia)
  • Streptosolen (Streptosola)
  • Trompetenzungen (Salpiglossis)
  • Weißbecher (Nierembergia)

 

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Hammerstrauch (Cestrum)

Nachtschattengewächse der Goetzoideae

Die für viele Nachtschattengewächse typischen Becher-, Röhren- und Trompetenblüten finden sich auch bei den Goetzoideae. Im Gegensatz zu den Cestroideae werden die Gattungen dieser Gruppe aber kaum bei uns kultiviert. Dies liegt vor allem daran, dass es sich bei ihnen überwiegend um Endemiten handelt, die entweder aus Argentinien, Brasilien, Chile, Kuba, Patagonien oder von den karibischen Inseln stammen.

Wer sich allen Standortwidrigkeiten zum Trotz dennoch eine Pflanze der Goetzoideae halten möchte, der sollte stets auf die individuellen Wuchsbedürfnisse dieser exotischen Strauch- und Baumgehölze achten. Solange es draußen ausreichend warm ist, sind die Nachtschattengewächse im Steingarten, Kakteengarten oder an geschützten Balkonstandorten am besten aufgehoben. Im Winter wird dann ein lichtreicher Platz im Haus, beispielsweise im Wintergarten, nötig. Bislang botanisch belegte Goetzoideae sind:

  • Benthamiella (Benthamiella)
  • Coeloneurum (Coeloneurum)
  • Combera (Combera)
  • Espadaea (Espadaea)
  • Goetzea (Goetzea)
  • Henoonia (Henoonia)
  • Metterrnichia (Metternichia)
  • Pantacantha (Pantacantha)
  • Tsoala (Tsoala)

 

Nachtschattengewächse der Nicotianoideae

Weiter geht es mit den endemischen Unikaten in der Unterfamilie der Nicotianoideae, wobei diese in aller Regel nicht in Amerika, sondern in Australien beheimatet sind. Im Ausland kultiviert werden auch sie eher selten, weshalb man ihre Gattungen in Europa allenfalls im Pflanzenfundus botanischer Gärten finden wird. Mit einer Ausnahme. Der Tabakpflanze.

Ihre 75 Arten kommen sowohl in Australien, als auch in Afrika und Amerika vor. Ein Irrglaube ist es diesbezüglich, dass Tabakblätter nur zur Herstellung von Zigaretten-, Pfeifen- und Kautabak dienen. Tatsächlich wird die aromatische Pflanze auch als Pflanzenschutzmittel gegen Blattläuse, sowie als Parfüm- und Zierpflanze genutzt.

Gewarnt sei an dieser Stelle vor dem gesundheitsschädlichen Inhaltsstoff des Tabaks, Nikotin. Mag das Nervengift bei Blattlausbefall noch äußerst positive Wirkung zeigen, ist es für den menschlichen Körper mehr als gefährlich, insbesondere dann, wenn Tabak in rauen Mengen konsumiert wird. Auch andere Nicotinoideae bergen einen hohen Gehalt an nikotinähnlichen Alkaloiden (Nicotinoide), welche der Unterfamilie letztendlich ihren Namen verliehen. Alles in Allem sind bislang folgende Nicotinoideae bekannt:

  • Anthocercis (Anthocercis)
  • Anthotroche (Anthotroche)
  • Combera (Combera)
  • Crenidium (Crenidium)
  • Cyphanthera (Cyphanthera)
  • Dubiosia (Dubiosia)
  • Grammosolen (Grammosolen)
  • Symonanthus (Symonanthus)
  • Tabak (Nicotiana)

 

Tomate, Tomaten, Solanum lycopersicum, Tomaten Sorten
In Form und Farbe ungewöhnlich ausdrucksstark: Viele Nachtschattengewächse weisen eine kräftige Färbung und eigenwillige Fruchtformen auf. Hier: Fleischtomate ‚Rebellion‘

Nachtschattengewächse der Solanoideae

So selten und für eine Kultivierung in unseren Breitengraden ungeeignet die Gattungen der anderen Unterfamilien auch sind – das mannigfaltige Angebot an kultivierbaren Solanoideae entschädigt hier für vieles. Zwar stellen auch sie sehr individuelle Standortansprüche und überstehen mitteleuropäische Kälteperioden nur bedingt, ein Anbau im Garten ist bei uns aber spätestens seit Einführung der Nachtschatten im 17. Jahrhundert gängige Praxis.

Kein Wunder, denn die Stammgattung der Nachtschatten birgt namhafte Größen, wie die Tomate, Kartoffel und Aubergine, welche inzwischen allesamt zur Riege heimischer Gemüsesorten gehören. Des Weiteren zählt auch Paprika zu den Solanoideae. Allerdings gehört er nicht zu den Nachtschatten, sondern bildet gemeinsam mit Peperonis und Chilis die Gattung Capsicum. Und sogar eine exotische Frucht gehört mit der als Lampionblume bekannten Physalis zu dieser Unterfamilie der Solanoideae.

 

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Die Gattung der Paprika enthält die mit Abstand schärfsten Gemüsefrüchte der Welt | © Das Grüne Archiv

Es wird ersichtlich, dass Solanoideae die umfangreichste und am häufigsten kultivierte Gruppe unter den Nachtschattengewächsen stellen. Dies bedeutet aber leider auch ein erhöhtes Vergiftungsrisiko beim Anbau. Selbst wenn einige Solanoideae, etwa der Bittersüße Nachtschatten, der Schwarze Nachtschatten, Stechapfel, Bilsenkraut und Alraune vereinzelt als Heilpflanzen genutzt werden, sei ausdrücklich vor dem hohen Giftpotential besagter Nachtschattengewächse gewarnt. Von privaten Experimente bezüglich ihrer Nutzbarkeit raten wir deshalb entschieden ab. Zur besseren Übersicht hier eine kleine Liste der wichtigsten Solanoideae:

  • Alraune (Mandragora)
  • Aubergine (Solanum melongena)
  • Baum der Zauberer (Latua pubiflora)
  • Baumtomate / Tamarillo (Solanum betaceum)
  • Bilsenkraut (Hyosycamus)
  • Bittersüßer Nachtschatten (Solanum dulcamara)
  • Blasenkirschen (Calliphysalis)
  • Bocksdorn (Lycium)
  • Engelstrompete (Brugmansia)
  • Giftbeere (Nicandra)
  • Goldkelch (Solandra)
  • Kartoffel (Solanum tuberosum)
  • Lampionblume (Physalis)
  • Paprika / Chili / Peperoni (Capsicum)
  • Schwarzer Nachtschatten (Solanum nigrum)
  • Stechapfel (Datura)
  • Tollkirsche (Atropa)
  • Tollkraut (Scopolia)
  • Tomate (Solanum lycopersicum)
  • Wunderblume (Mirabilis)

 

Gattungen der Solanaceae ohne Zuordnung

Wie zu Beginn erwähnt, gibt es unter den Nachtschattengewächsen zwei Gattungen, die nach jüngster Definition ohne Zuordnung bleiben. Während Duckeodendron (Duckodendron) jedoch abermals einen klassischen Endemiten der Solanaceae stellt, werden zumindest die Arten der Spaltblume (Schizanthus) auch hierzulande gerne im Garten angesiedelt.

Einige Sorten dieser auch als Bauernorchideen bekannten Spaltblumen überstehen sogar Minustemperaturen von bis zu -7 Grad, womit sie sich deutlich von frostempfindlichen Solanaceae wie den Nachtschatten oder Petunien unterscheiden. Nichtsdestotrotz halten viele Pflanzenliebhaber ihre Spaltblumen einjährig im Kübel oder Topf.

 

Fazit

Auch wenn Nachtschatten in Form von Kartoffeln, Auberginen und Tomaten wohl die bekanntesten Nachtschattengewächse stellen, gibt es innerhalb der Familie der Solanaceae noch eine Vielzahl anderer berühmter Gartenpflanzen. Ein gutes Beispiel hierfür sind Hammersträucher, Petunien, Rubinglöckchen, Lampion- und Spaltblumen, die als imposante Zierpflanzen kaum aus der Gartenbotanik wegzudenken sind. Selbst Paprikas, Chilis und Peperoni gehören den Nachtschattengewächsen an und bestätigen, dass ein heimisches Gemüsebeet nur schwer ohne Solanaceae auskommt.

Doch Vorsicht: Trotz essbarer Früchte sind alle übrigen Pflanzenteile besagter Gemüse- und Zierpflanzen giftig. Gleiches gilt für altertümliche Heil-, Zauber- und Rauschpflanzen der Nachtschattengewächse, wie etwa Alraune, Stechapfel oder Tabak. Ihnen allen ist ein extrem hoher Gehalt giftiger Alkaloide gemeinsam, deretwegen Solanaceae immer außer reichweite von Kindern und Haustieren, sowie unter Verwendung eines geeigneten Handschutzes angebaut werden müssen.

2 thoughts on “Familien der Pflanzenwelt: Nachtschattengewächse

    1. Die Wurzeln der Engelstrompete sind mitunter die giftigsten Teile der Pflanze. Inwiefern die Giftstoffe auf das Pflanzsubstrat und folglich auf Nachbarpflanzen übergehen, dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Beim gemeinsamen Anbau auf kleiner Fläche ohne Ausweichmöglichkeiten für Bodenstoffe wie im Pflanztopf ist vorsichtshalber aber von einem Verzehr der benachbarten Tomaten abzuraten.

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