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Giftkräuter: Gefährliche Giftpflanzen, die man kennen sollte

Zu Vergiftungsfällen durch giftige Pflanzen kommt es immer wieder. Von Erwachsenen werden die Giftkräuter häufig irrtümlicherweise mit ungiftigen Pflanzen verwechselt. Im Falle von Vergiftungen im Kindesalter sind es dagegen oft unbedacht im Garten gepflanzte Gewächse mit verlockenden aber giftigen Beeren. Ein kleiner Überblick zu den wichtigsten Giftpflanzen und nützliche Tipps zur sicheren Bestimmung.

 

Geschichte der Giftpflanzen

Die Grenze zwischen Heilkräutern und Giftkräutern verlief bis zum Mittelalter oft noch recht fließend. Zahlreiche Gewächse, die heute als Giftpflanzen definiert sind, zählten früher noch zu den Heilpflanzen. Grund dafür ist die Tatsache, dass bei manchen Giftkräutern die Dosierung des Giftes (Toxikum) über das Vergiftungsrisiko entscheidet.

 

Historische Verwendung von Giftkräutern

Dass Giftkräuter toxische Wirkstoffe enthalten, bedeutet nicht, dass sie für den Menschen in der Vergangenheit nicht nützlich gewesen wären. Indigene Völker verwenden teilweise bis heute verschiedene Giftpflanzen als Pfeilgifte für die Jagd. Die Frauen der Antike schätzten wiederum die giftige, als Schminkwurz bekannte Alkanna zur Herstellung von kosmetischem Farbpuder. Und auch als Färberpflanze für Textilien waren Giftpflanzen wie Alkanna oder Rainfarn in der Antike bedeutsam.

Andere Giftpflanzen werden noch heute gerne als Zierpflanzen kultiviert. Das betrifft im Übrigen auch die meisten Heckenpflanzen, von denen viele giftig sind. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, wenn man die Pflanzen sicher außer Reichweite von Kindern und Haustieren pflanzt. Außerdem sollte man bei Gartenarbeiten an Giftpflanzen immer Handschuhe tragen, um vergiftungsbedingten Hautreaktionen vorzubeugen.

 

Alkanna, Schminkwurz, Alkanna tinctoria
Ein altes Giftkraut aus der antiken Kosmetik: Die Schminkwurz alias Alkanna

Von Zauberpflanzen und Giftpflanzen

Giftkräuter sind unter allen Kräuterpflanzen besonders stark mit Hexen und üblem Zauber assoziiert. Giftige Zaubertränke aus Fliegenpilz und Nachtschatten, kräuterbasierte Flüche, die Herstellung von Flugsalben aus giftigen Kräutern – es gibt so einiges, was Hexen angeblich mit den giftigen Pflanzen getrieben haben sollen.

In vielen Fällen entsprangen etwaige Anschuldigungen aber eher der regen Fantasie der Menschen. Tatsächlich war die Anwendung giftiger Pflanzen weniger Hexenwerk, als vielmehr volksheilkundliche Tradition. Bestes Beispiel hierfür ist die Alraune. Sie war früher ein geschätztes Heilkraut gegen Schlafstörungen und Schmerzen. Legenden zufolge konnte sie sogar den Weg ins Jenseits aufzeigen.

Diese Legenden sind auch durchaus wörtlich zu nehmen, denn in der Alraune stecken neben schmerzlindernden und schlaffördernden Wirkstoffen auch die Giftstoffe Scopolamin und Hyoscyamin. Abgesehen von einer halluzinogenen Wirkung, deretwegen Alraunenwurzel als Zauberpflanze im Altertum gerne zur Förderung von Visionen Anwendung fand, können die Toxine bei Überdosis  auch zu lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen, Nervenlähmungen und Hautreizungen führen. Selbes gilt auch für andere giftige Zauberpflanzen.

 

Hexenkräuter, Ritualkräuter, Zauberpflanzen, Alraune, Mandragora
Die Königin aller Zauberpflanzen (und Giftkräuter): die Alraune

Zwischen Giftpflanze und Heilpflanze

Selbst heute noch ist die eindeutige Zuordnung einiger Pflanzen zu den Giftpflanzen eine Gratwanderung. Beispielsweise sind die schleimlösenden und hustenreizlindernden Extrakte von Efeu nach wie vor zur Behandlung von Bronchialerkrankungen wie Grippe oder Erkältung in Gebrauch. Entsprechende Hustensäfte und Erkältungsmittel sind in Apotheken teils sogar rezeptfrei erhältlich.

Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Efeu in allen Pflanzenteilen giftig ist und mit Hederin und Falcarinol zwei hochgefährliche Giftstoffe enthält, die von Übelkeit und Erbrechen bis hin zum Atemstillstand so manche tödliche Vergiftungserscheinungen hervorrufen können. Von Privatexperimenten mit selbstgemachten Efeuextrakten ist Laien daher tunlichst abzuraten.

 

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Wird trotz seiner Giftigkeit bis heute als Husten- und Erkältungsmittel genutzt: der Efeu

Toxizität von Pflanzen

Nicht jede Giftpflanze ist im gleichen Maße giftig. Zudem sind manche Pflanzen zumindet in Teilen ungiftig und werden sogar als Lebensmittel genutzt. Auch kann die Körperreaktion im Zuge einer Vergiftung je nach Giftgehalt und Art der Gifte unterschiedlich ausfallen.

 

Schwach giftig oder hochgiftig

Gemeinhin wird bei Giftkräutern zwischen gering bzw. schwach giftig, giftig und hochgiftig unterschieden. Giftpflanzen wie die Stechpalme oder Mistel gelten zum Beispiel nur als schwach giftig. Zu einer handfesten Vergiftung (Intoxikation) kommt es hier also erst ab einer bestimmten Dosis. In geringen Dosen bleibt es meist bei leichten Vergiftungserscheinungen wie Bauchschmerzen oder Übelkeit.

Anders sieht es hingegen bei hochgiftigen Pflanzen wie dem Stechapfel aus, der aufgrund seiner Namensähnlichkeiten nur allzu gerne mit der Stechpalme verwechselt wird. Er ist hochgiftig und führt schon in geringen Mengen zum Tod. Todesursache sind bei solch hochgiftigen Pflanzen dann meist schwere Vergiftungserscheinungen wie Atem- oder Herzstillstand.

 

Essbare Pflanzenteile von Giftpflanzen

So verschwommen, wie die Grenzen zwischen Giftkräutern und Heilkräutern sind, zeigen sie sich bisweilen auch im Bereich der Lebensmittel. Das fängt schon beim Holunder an, dessen Beeren roh giftig sind. Vor dem Verzehr muss man sie daher ausreichend erhitzen, damit sich die giftigen Inhaltsstoffe verflüchtigen.

Ähnlich sieht es mit rohen Vogelbeeren und den Beeren des Feuerdorns aus. Die Vogelbeeren enthalten den Bitterstoff Parasorbinsäure, Feuerdornbeeren wiederum cyanogene Glykoside. Beide Stoffe können die Verdauung stark irritieren und lassen sich ebenfalls nur durch Kochen der Beeren neutralisieren. Aus diesem Grund sind Vogelbeeren und Feuerdorn als Früchte lediglich für Rezepte wie Eingemachtes, Marmelade oder Säfte zu empfehlen.

Bei der Eibe, deren rote Früchte ebenfalls gerne als giftig beschrieben werden, ist es in Wahrheit nur der markante schwarze Samenkern, der einen hohen Giftgehalt besitzt. Im Falle der Heckenkirsche muss man dagegen zwischen essbaren und giftigen Arten unterscheiden. Während die Früchte der Blauen Heckenkirsche essbar sind, gelten die der Roten Heckenkirsche als äußerst giftig und dürfen auf keinen Fall verzehrt werden.

Ins Gemüsebeet hielten Giftpflanzen während der Kolonialzeit in Form von Nachtschattengemüse Einzug, als europäische Seefahrer in Amerika mit Kartoffeln, Tomaten, Paprika bis dato unbekannte Gemüsepflanzen entdeckten. Während die Früchte, bei der Kartoffel die Wurzelknollen, dieser Pflanzen jedoch essbar sind, enthalten ihre übrigen Pflanzenteile giftige Inhaltsstoffe und dürfen auf keinen Fall verzehrt werden.

 

Tomate, Tomaten, Solanum lycopersicum, Tomaten Sorten
Eine Giftpflanze mit essbaren Früchten: die Tomate

Giftkräuter sicher bestimmen

Giftkräuter begegnen uns im Alltag häufiger als gedacht. Und nicht selten werden sie mit ungiftigen Pflanzen verwechselt, die ihnen äußerst ähnlich sehen. Aus diesem Grund ist es wichtig, Giftpflanzen zuverlässig bestimmen zu können, wenn man vor ihnen steht. Bei der sicheren Bestimmung von Giftkräutern kann es oftmals hilfreich sein, die Pflanzenfamilie genauer zu betrachten.

 

Giftkräuter der Aronstabgewächse

Aus der Familie der Aronstabgewächse, stammen einige echte Klassiker unter den Zimmerpflanzen, wie zum Beispiel:

Es gibt aber auch einheimische Giftpflanzen aus dieser Pflanzenfamilie. Sowohl die Sumpfcalla als auch die Stammgattung der Aronstabgewächse, der namensgebende Aronstab kommen natürlich auf der Nordhalbkugel vor. feurig roten, traubigen Beerenfrüchte des Aronstabs fallen dabei sofort auf und verleiten gemeinsam mit dem süßen Geschmack der beeren vor allem Kinder gerne zum Naschen. Das kann jedoch tödlich enden.

 

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Ein Giftkraut mit verlockenden, süßen Früchten, die jedoch absolut tödlich sind: der Aronstab

Giftkräuter der Doldenblütler

Eigentlich kennt man Doldenblütler als wertvolle Heilkräuter und Gemüsepflanzen. Engelwurz, Fenchel, Möhren, Petersilie, Senf und Sellerie sind hier nur einige Beispiele. Allerdings zeigt sich gerade an der Petersilie auch, dass es sehr darauf ankommt, welche Pflanzenteile man verzehrt und wann.

Abgeraten wird davon, Petersilienblätter nach der Blüte zu ernten, weil sie dann nämlich einen höheren Gehalt an giftigen Inhaltsstoffen aufweisen. Gleichwohl ist Engelwurz, obgleich nur sehr schwach giftig, mit Vorsicht zu genießen. Darüber hinaus tummeln sich mit Bärenklau und Schierling auch zwei waschechte Giftpflanze unter den Doldenblütlern.

 

Giftkräuter der Hahnenfußgewächse

Die meisten Hahnenfußgewächse sind heimische Giftpflanzen, die uns täglich auf Wildblumenwiesen, am Wegesrand, in Wäldern oder Sumpfgebieten begegnen. Markant sind die meist gelben Blüten von Hahnenfußgewächsen wie:

Insbesondere Sumpfdotterblumen kann man zudem leicht an ihrem gelblichen Milchsaft in den Stängeln erkennen.

Giftige Hahnenfußgewächse werden gerne als Blumen und Zierpflanzen kultiviert. Das gilt nicht nur für die charakteristisch gelben Arten, sondern auch für Giftpflanzen wie Akelei, Eisenhut, Rittersporn, Waldrebe und Windröschen. Sie zeigen auf, wie wichtig es ist, Giftpflanzen auch im Garten sicher zu bestimmen, um lebensgefährliche Zwischenfälle zu vermeiden.

 

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Die schöne gelbe Giftblume vom Bachufer: die Sumpfdotterblume

Giftkräuter der Hundsgiftgewächse

Ihren Giftgehalt bereits mit im Namen tragen die Hundsgiftgewächse. Giftpflanzen wie die Schlangenwurz warnen bereits mit ihrem Namen vor der assoziierten Giftwirkung. Allerdings finden sich in dieser Pflanzenfamilie auch viele beliebte Zierpflanzen wie die das Immergrün oder die Wachsblume.

Mit Jasmin und Frangipani gehören außerdem zwei legendäre Duftkräuter zu dieser Pflanzenfamilie. Verzehren sollte man die wohlriechenden Hundsgiftgewächse aber auf keinen Fall. Bei der Kultur der Pflanzen im Garten oder als Zimmerpflanze sind zudem entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.

 

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Frangipani wird wegen seiner heilsamen Inhaltsstoffe gerne zur Aromatherapie genutzt. Dabei sollte es aber auch bleiben, denn die Pflanze kann bereits bei Hautkontakt ernste Vergiftungserscheinungen auslösen.

Giftkräuter der Korbblütler

Apropos gelb: Unter den Korblütlern – ihreszeichens Familie alter Heilkräuter und harmolser Blümchen wie Kamille, Gänseblümchen, Sonnenhut, Ringelblume oder Mutterkraut – sollte man auf einige gelb blühende Giftpflanzen gefasst sein. Die Rede ist von Rainfarn und dem als Jakobskreuzkraut bekannten Greiskraut. Beide Gewächse galten früher als Heilpflanzen aus der Volksheilkunde, sind heute aber wegen ihrer teils hochgiftigen Alkaloide nicht mehr medizinisch in Gebrauch.

 

Giftkräuter der Nachtschattengewächse

Zu den Nachtschattengewächsen gehören neben dem Nachtschattengemüse auch einige der wohl berümtesten Giftpflanzen der Geschichte, namentlich:

  • Alraune
  • Bilsenkraut
  • Engelstrompete
  • Schwarzer Nachtschatten
  • Stechapfel
  • Tollkirsche

Ihr Giftgehalt schlägt den vieler anderer Giftpflanzen um Längen. Mit Ausnahme von Tomaten, Paprika und Physalis sind alle Früchte der Nachtschattengewächse hochgiftig. Gleiches gilt für all ihre Pflanzenteile, von denen lediglich Kartoffelknollen ausgenommen werden können.

 

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Sie sehen den artverwandten sehr ähnlich, führen im Gegensatz zu diesen beim Verzehr aber zum sicheren Tod: die Beren des Schwarzen Nachtschattens

Giftkräuter der Raublattgewächse

Unter den Raublattgewächsen sind vor allem folgende Giftpflanzen als besonders gefährlich bekannt:

 

Die Pflanzen zeichnen sich durch sehr flaumig behaarte Stängel und Blätter aus, wodurch sie sich leicht identifizieren lassen. Als gefährliche Giftstoffe dieser Raublattgewächse gelten unter anderem Allantoin und Pyrrolizidinalkaloide. Allerdings verleitet gerade die Sonnenwende alias Vanilleblume mit ihren süßen, vanilleartigen Duft ihäufig dazu, die neben einem Duftkraut auch für ein Gewürzkraut zu halten. Ein gefährlicher Trugschluss.

 

Giftkräuter der Wegerichgewächse

Unter den Wegerichgewächsen ist die Artverwandtschaft zwischen Heilkräutern und Giftkräutern ebenfalls sehr groß. Während Spitzwegerich und Ehrenpreis harmlose und sogar medizinisch wertvolle Heilpflanzen sind, sollte man vor Fingerhut schon gebührenden Respekt haben.

Zwar enthält auch er medizinisch relevante Inhaltsstoffe, die zur Behandlung von Herzerkrankungen eingesetzt werden, seine hochgiftigen Toxine Digitoxin, Gitaloxin und Gitoxin führend jedoch schon in geringen Mengen zum Tode.

 

Fingerhut, Digitalis, Roter Fingerhut, Digitalis purpurea
Im Ziergarten ein Klassiker, in der Kräuterkunde ein Heilkraut mit hochgiftigen Schattenseiten: der Fingerhut

Giftkräuter der Wolfsmilchgewächse

Mit den Wolfsmilchgewächsen verhält es sich ähnlich wie mit den Doldenblütlern. Zur Pflanzengamilie gehören einige kostbare Heilpflanzen wie Rizinus und die namensgebende Wolfsmilch, die aber zumindest vereinzelt auch giftige Pflanzenteile besitzen. Ein ums andere Mal fällt die vollständige Zuordnung der Gewächse zu den Giftkräutern also schwer.

 

Vergiftungserscheinungen frühzeitig erkennen

Sollte es im Ernstfall doch einmal zu einer Vergiftung kommen, gilt es, die Symptome zeitnah zu erkennen. Diese zeigen sich oft anhand einschlägiger Beschwerden, nämlich:

  • Atemlähmung, Atemnot und schweres Atmen
  • Fieber oder Schüttelfrost
  • Hautreizungen, Hautentzündungen und Hautrötungen
  • Nervenlähmungen und Muskelschmerzen
  • Schläfrigkeit und / oder Desorientiertheit
  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen
  • ungewöhnliches Krankheitsgefühl

 

Warnung: Versuchen Sie bei einem Verdacht auf keinen Fall, die Symptome „auszusitzen“, sondern rufen Sie umgehend den Giftnotruf. Gifte können über die Blutbahn sehr schnell ins Gehirn und in lebenswichtige Organe gelangen und im schlimmsten Fall binnen kürzester Zeit zu Herzstillstand, Atemstillstand, Leber- oder Nierenversagen führen.

 

Giftige Inhaltsstoffe in Pflanzen

Es gibt einige Pflanzenstoffe, die als besonders giftig gelten. Besagte Giftstoffe (Toxine) lassen sich häufig klar einer der folgenden Stoffgruppen zuordnen:

 

Alkaloide

Zu den pflanzlichen Giftstoffen gehören unter anderem sogenannte Alkaloide. Zwar besitzen einige Alkaloide auch heilsame Eigenschaften, in höheren Dosen sind sie aber oft tödlich. Das ist unter anderem bei Mohngewächsen wie dem Schöllkraut der Fall. Und auch Nachschattengewächse fallen allesamt durch sogenannte Nachtschattenalkaloide wie Solanin, Scopolamin, Hycoscyamin und Atropin auf.

Ein weiteres, hochgefährliches alkaloides Pflanzengift ist das Aconitin des Eisennhuts. Er gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse, unter deren Arten auch Giftkräuter wie der namensgebende Hahnenfuß mit Protoanemonin giftige Alkaloide enthalten.

Wissenswertes: Pflanzliche Giftstoffe sind häufig nach den Pflanzen benannt, in denen sie in besonders hohen Dosen vorkommen. Beispielsweise leitet sich der Name von Solanin direkt vom wissenschaftlichen Namen des Nachtschattens, Solanum, ab. Ein weiteres giftiges Alkaloid mit Namen Strychnin ist nach der Brechnuss alias Strychnos benannt.

 

Kartoffel, Kartoffelblüte, Solanum tuberosum
Während man ihre Wurzelknollen essen kann, stecken die Blüten und Blätter der Kartoffel voller giftiger Alkaloide

Saponine

Bei Aronstabgewächsen sind neben Alkaloiden wie Coniin auch Saponine wie Aroin als gefährliche Giftstoffe enthalten. Es handelt sich bei Saponinen um Glykoside, die neben heilsamen Varianten wie Glykosiden aus Zuckern und Terpenen auch Alkaloidglykoside stellen.

 

Lektine

Es sei darauf hingewiesen, dass es auch einige giftige Proteine gibt. Als äußerst gefährliches Pflanzeneiweiß gilt diesbezüglich Ricin. Benannt ist es nach dem Rizinus, in dessen Samenschalen besonders viel Ricin enthalten ist. Das als Abführmittel und zur Haarpflege beliebte Rizinusöl ist dagegen ricinfrei.

 

Blausäure

Die mit dem Rizinus artverwandte Wolfsmilch ist für ihren hautreizenden Milchsaft bekannt, der einige giftige Terpenester enthält. Darüber hinaus weisen einige Wolfsmilchgewächse cyanogene Glykoside wie Linamarin auf, die im menschlichen Körper zur giftigen Blausäure (Cyanwasserstoff) zersetzt werden.

Blausäure ist eigentlich ein natürliches Pflanzenschutzmittel, das vielen Pflanzen als Fraßschutz gilt. Zum Beispiel enthalten die Kerne vieler Steinobstarten wie Aprikosen, Pfirsiche oder Kirschen geringe Mengen Blausäure, um die Chancen einer erfolgreichen Keimung zu gewährleisten. Da diese Kerne in der Regel aber nicht gegessen werden, ist der Blausäuregehalt in Steinobst eher weniger bedenklich.

Anders sieht es mit cyanogenen Giftpflanzen wie der Wolfsmilch, dem Gummibaum oder dem Goldtüpfelfarn aus. Sie enthalten auch in ihren übrigen Pflanzenteilen große Mengen Blausäure. Früchte, Blätter oder Stängel dürfen darum auf keinen Fall verzehrt werden.

 

Wolfsmilch, Sonnwend-Wolfsmilch, Euphorbia, Euphorbia helioscopia
Wegen ihrem hohen Gehalt an Saponinen als Heilkraut nicht ganz ungefährlich: die Wolfsmilch

Phototoxine

Eine besondere Gruppe der Giftstoffe in Pflanzen sind sogenannte Phototoxine. Sie sensibilisieren die Haut gegenüber UV-Strahlung, die in Folge leichter in die Hautschichten eindringen kann. Typische Hautreaktionen sind dann Juckreiz, Rötungen und im schlimmsten Fall Hautverbrennungen.

Klassische Phototoxine sind die Furocumarine einiger Doldenblütler. Wohlbekannt ist hier der Bärenklau. Doch auch manche Doldenblütler, die eigentlich als gesunde Heilkräuter gelten (z.B. Engelwurz und Pastinake), enthalten Furocumarine. Sie sollten daher nur wohldosiert Anwendung finden. Weitere wichtige Phototoxine in Pflanzen sind Hypericin (Johanniskraut) und Fagopyrin (Buchweizen).

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