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Flamingoblume (Anthurie) – Pflanzen, Pflege, Überwintern

Der Name der auch als Anthurie bekannten Flamingoblume (Anthurium) stammt nicht von ungefähr. Viele ihrer Arten besitzen nämlich eine rosa bis rote Blüte, in deren Mitte sich grundsätzlich ein gebogener Fruchtkolben befindet, der unweigerlich an die Schnabelform eines Flamingos erinnert.

Als Zimmerpflanzen wurden Flamingoblumen dabei vor allem in den 50er und 60er Jahren zum Dauerbrenner, weil ihr extravagantes Erscheinungsbild wie geschaffen für den damals neu aufgekommenen Retrostil waren. Auch heute noch erfreut sich die Anthurie als Zimmerpflanze großer Beliebtheit. Wie man der exotischen Blütenstaude durch richtige Pflege besonders viele ihrer einmaligen Blüten entlockt, verraten wir Ihnen in diesem Beitrag.

 

Der richtige Standort für Flamingoblumen

Gemeinsam mit anderen beliebten exotischen Zimmerpflanzen wie dem Einblatt, der Calla oder Zanthedeschie zählt die Anthurie zu den sogenannten Aronstabgewächsen. Diesen ist zum einen gemeinsam, dass sie einen auffälligen Blütenkolben (Spadix) ausbilden, der von einem mehr oder weniger gebogenen Hochblatt (Spathae) umgeben ist. Zum anderen stammen viele Aronstabgewächse aus tropischen bis subtropischen Klimaregionen, weshalb sie bis auf einige heimische Ausnahmen bei uns nicht winterhart sind. Die meisten Aronstabgewächse werden in unseren Breitengraden daher als exotische Zimmerpflanzen gehalten.

 

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Flamingoblumen gedeihen bei uns nur an geschützten Standorten im Zimmer, Wintergarten oder Tropenhaus | © Das Grüne Archiv

Nun möchte man meinen, dass südländische Blütenstauden generell viel Licht benötigen. Flamingoblumen belehren den Pflanzenliebhaber hier aber eines Besseren. Denn die Pflanzen gedeihen in ihren karibischen und südamerikanischen Ursprungsgebieten vorwiegend im Schatten großer Tropenbäume und mögen direkte Sonneneinstrahlung deshalb überhaupt nicht.

Warm möchten es Anthurien aber dennoch haben. Schon anhaltende Temperaturen unter 13 °C machen der kälteempfindlichen Flamingoblume stark zu schaffen. Stellen Sie deshalb bitte sicher, dass die Raumtemperaturen für die Bedürfnisse Ihrer Anthurie immer konstant zwischen 18 und 25 °C liegen. Als Standortboden empfiehlt sich für die Urwaldschönheit ein feuchtes aber durchlässiges Torfsubstrat. Der Boden-pH-Wert ist mit sauren 4,5 bis 5,5 Punkten richtig bemessen.

Pflanztipp: Hängetöpfe bieten Flamingoblumen einen wunderbaren Standort, weil sie sich unkompliziert in schattenspendende Raumecken hängen lassen. Achten Sie aber darauf, dass die gewählten Hängetöpfe groß genug sind, denn die Wurzeln der Anthurie sind äußerst wuchsfreudig.

Einzelheiten zum Standort für Anthurien:

  • schattiger bis halbschattiger Zimmerstandort
  • ideale Raumtemperatur: zwischen 18 und 25 °C
  • feuchtes, gut durchlässiges, torfiges Substrat
  • pH-Wert des Bodens: sauer, von 4,5 bis 5,5
  • Anthurie am besten in Hängetöpfe pflanzen und diese in schattige Ecke hängen
  • alternativ ist natürlich herkömmliche Topfpflanzung möglich

 

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Junge weiße Flamingoblume ‚Sierra White‘ | © Das Grüne Archiv

Flamingoblume umtopfen

Flamingoblumen werden bei uns im Sommer sehr zahlreich als vorgezogene Jungpflanzen verkauft. Allerdings sind die mitgelieferten Pflanzgefäße oft viel zu klein, um den rasch wachsenden Wurzeln der Anthurien ausreichend Platz zu bieten. Ein Umtopfen ist deshalb meist schon kurz nach dem Kauf von Nöten. Gehen Sie hierbei am besten wie folgt vor:

1. Schritt – Termin für das Umtopfen wählen: Ein Umtopfen der Flamingoblume ist angezeigt, wenn ihre Wurzeln sichtbar über den Topfrand hinauswachsen. Führen Sie die Umtopfarbeiten nach Möglichkeit im Frühjahr durch, bevor die Pflanze mit der Ausbildung neuer Blüten beginnt. Im neuen Topf angewachsen, kann die Anthurie dann bis zum Sommer ihre volle Energie auf die Blütenbildung konzentrieren.

2. Schritt – Boden vorbereiten: Nachdem ein Topf gewählt wurde, der etwa eineinhalb mal so groß wie der Wurzelballen der Anthurie sein sollte, geht es daran, ein passendes Pflanzsubstrat vorzubereiten. Wer auf den Kauf von Orchideensubstrat verzichten will, der mischt am besten zu gleichen Teilen Komposterde, Sand und Torf bzw. Torfmoos zusammen. Um den Wasserablauf zu verbessern, können Sie den Topf ihrer Flamingoblume vor der Pflanzung mit Tonscherben drainieren und die Drainage in Folge mit einer Grundschicht an Substrat bedecken.

3. Schritt – Flamingoblume umtopfen: Lösen Sie die Anthurie vorsichtig aus ihrem alten Topf. Sollte der Wurzelballen hartnäckig festsitzen, können sie den Topf zuvor leicht kneten, um die Erde zu lockern. Anschließend werden die Wurzeln der Pflanze von alter Erde befreit und die Flamingoblume in ihr neues Pflanzgefäß umgesiedelt. Nachdem Sie den Topf mit Substrat aufgefüllt und dieses leicht angedrückt haben, dürfen Sie die Anthurie abschließend großzügig erstbewässern.

Kurzschritte zum Umtopfen im Überblick:

  • Umtopftermin für Flamingoblumen: Frühling
  • umtopfen, sobald die Wurzeln über den Topfrand treten
  • neues Pflanzgefäß ca. 1 ½ mal so groß wie Wurzelballen
  • vor dem Umtopfen Gefäß mit Tonscherben drainieren
  • Substrat aus gleichen Teilen Komposterde, Sand und Torf(-moos)
  • ansonsten Spezialerde für Orchideen nutzen
  • Flamingoblume vorsichtig aus altem Topf lösen
  • Pflanze in neues Gefäß setzen
  • danach mit Erde auffüllen und diese gut festdrücken
  • Erstbewässerung darf großzügig ausfallen

 

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Gut gepflegte Anthurie am Fenster | © Das Grüne Archiv

Pflege der Anthurie – Gießen und Düngen

Da Flamingoblumen ursprünglich aus tropischen Regenwäldern stammen, sind sie natürlich an konstant feuchte Böden gewöhnt. Die Pflanzen müssen also regelmäßig bewässert werden. Dies jedoch, ohne dabei Staunässe zu erzeugen, denn sie führt bei Anthurien wie bei vielen anderen Zimmerpflanzen zu Wurzelfäule.

Zusätzlich zur Bewässerung ist ein gelegentliches Besprühen der Pflanze mit kalkfreiem Wasser zu empfehlen. Hierdurch wird die Luftfeuchtigkeit im Raum auf einfachem Wege erhöht, ohne das von der Anthurie bewohnte Zimmer in eine Dampfsauna verwandeln zu müssen. Die Spathae der Pflanzen sollten vom Sprühregen verschont bleiben.

Flamingoblumen sind äußerst Nährstoffhungrig. Von April bis September werden sie deshalb alle 14 Tage mit etwas Flüssigdünger für Blütenpflanzen versorgt. Wer seine Anthurie besonders verwöhnen möchte, kann hierfür auch natürliche Düngemittel nutzen. Ein Besonderer Tipp sind hier gut zerstoßene Eierschalen in Kombination mit Kaffeesatz. Achten Sie aber darauf, den Dünger gut ins Pflanzsubstrat einzuarbeiten, damit der Naturdünger nicht zu schimmeln beginnt.

Kurztipps zum Gießen und Düngen:

  • Flamingoblumen regelmäßig wässern
  • Staunässe dennoch vermeiden
  • zusätzlich die Pflanzen hin und wieder besprühen
  • Spathae dabei trocken halten
  • nur kalkfreies Wasser nutzen
  • Düngung der Zimmerpflanzen alle 2 Wochen
  • zur Düngung Flüssigdünger verwenden
  • alternativ Naturdünger aus Eierschalen und Kaffeesatz
  • natürliche Düngemittel gut ins Substrat einarbeiten

 

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Besonders wichtig: frisch-feuchte Standorte für Anthurium | © Das Grüne Archiv

Pflege der Anthurie – Ausputzen und Vermehren

Herumgeschnitten wird an Anthurien eigentlich nicht viel. Lediglich welke Pflanzenteile sollte man regelmäßig ausputzen. Nutzen Sie hierfür nur gut geschärfte Scheren oder Messer, damit keine unsauberen Wunden an der Flamingoblume entstehen.

Vermehrung durch Wurzelteilung: Anthurien bilden keine Ableger aus und auch die Anzucht von Stecklingen ist eine langwierige Angelegenheit. Am besten ist es darum, die Flamingoblume über Wurzelteilung zu vermehren. Tun Sie dies am besten im Zuge des Umtopfens im Frühling und teilen Sie den Wurzelstock mit einem scharfen Messer in zwei Teile. Dabei ist sicher zu stellen, dass beide Teilstücke ausreichend Wurzelmasse besitzen, um neu austreiben zu können. Nach der Teilung können Sie die neu gewonnenen Pflanzen wie gewohnt in einen neuen Topf pflanzen.

Kurztipps zum Ausputzen und Vermehren:

  • abgestorbene Pflanzenteile der Flamingoblume ausputzen
  • Vermehrung vor dem Umtopfen durch Wurzelteilung
  • beide Teilstücke müssen ausreichend Wurzelmasse besitzen
  • danach die Teilpflanzen wie gewohnt in neue Töpfe pflanzen

 

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Anthurium andraeanum ‚Cherry Champion‘ | © Das Grüne Archiv

Flamingoblume richtig überwintern

Wer möchte, dass seine Flamingoblumen nach dem Winter wieder kräftig blühen, sollte bei der Überwinterung ein paar grundlegende Dinge beachten. Denn nur, wenn die Pflanzen ihre natürliche Vegetationsruhe erhalten, setzt die Blüte danach in vollem Ausmaß ein. Besagte Ruhephase beträgt in etwa 5 bis 7 Wochen und erstreckt sich von Dezember bis Januar. Die Raumtemperaturen sind während dieser Zeit auf etwa 15 °C abzusenken.

Düngen Sie Ihre Flamingoblume während dieser Zeit nur noch 1 Mal pro Monat. Gegossen werden die Pflanzen nur, um ein Austrocknen des Wurzelballens zu verhindern. Trockene Heizungsluft sollte bei der Anthurie in den Wintermonaten ebenso vermieden werden wie Wintersonne. Ein Standort im hellen Halbschatten reicht auch während dem Überwintern völlig aus.

 

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Anthurium scherzerianum ‚Amaretti‘ | © Das Grüne Archiv

Interessante Arten der Gattung Anthurium

Anthurium existiert in etwa 1000 verschiedenen Arten. Sie unterscheiden sich hauptsächlich in der Färbung ihrer Hochblätter und Blütenkolben. Ebenso können die Wuchshöhen verschiedener Anthurien artabhängig abweichen. Um Ihnen die Entscheidung für die Pflanze Ihrer Wahl zu erleichtern, hier ein paar Empfehlungen:

ArtBeschreibung
Große Flamingoblume
Anthurium andraeanum
Blütezeit: Februar bis Juli
Blütenfarbe: lachsrote Spathae mit weißem oder weißgelbem Spadix
Wuchshöhe: 50 bis 60 cm
Herkunft: Kolumbien; Südamerika
Besonderheiten: beliebte Schnittblume; besitzt besonders große und glänzende Hochblätter, die leicht herabhängen; der Spadix ist nur leicht gebogen; es sind orange und weiße Sorten erhältlich
gute Sorten: 'Orange Champion', 'Prince of Orange', 'Sierra White', 'TiSento®'
Kleine Flamingoblume
Anthurium scherzerianum
Blütezeit: Februar bis Juli
Blütenfarbe: rote Spathae mit rotem oder orangerotem Spadix
Wuchshöhe: 30 bis 60 cm
Herkunft: Costa Rica; Südamerika
Besonderheiten: Die Hochblätter sind etwas kleiner als bei Anthurium andraeanum; der Spadix ist überlang und oftmals stark gekrümmt; es sind Sorten mit grüner, rosa, orangeroter oder weiß gelfeckter Spatha erhältlich
gute Sorten: 'Album', 'Amaretti', 'Amazone', 'Arabella', 'Arinos', 'Artus', 'Rothschildianum', 'Rustica', 'Stephanie', 'Sunlight', 'Tessa', 'Wardii'
Kristall-Schweifblume
Anthurium crystallinum
Blütezeit: Februar bis Juli
Blütenfarbe: weiße bis grüne Spathae mit weiß-grünem Spadix
Wuchshöhe: 80 bis 90 cm
Herkunft: Südamerika
Besonderheiten: Anthurium crystallinum besitzt herzförmige Blätter mit weißen Netznerven, die der Pflanze ihren Namen verleihen

 

Flamingoblume – Krankheiten und Schädlinge

Ein Schädling, der den Flamingoblumen besonders gerne zu schaffen macht, sind die berühmt berüchtigten Schildläuse. Sie hat es auf den Saft der Anthurie abgesehen, kann durch den Einsatz von Nützlichen, wie etwas Schlupfwespen aber in Schach gehalten werden.

In manchen Fällen verschleppen Schildläuse eine weitere Krankheit mit auf die befallene Pflanze, nämlich den Rußtau. Die Pilzerkrankung befördert bräunliche Beläge auf erkrankten Pflanzen, die ein wenig wie Ruß aussehen und durch die Ausscheidungen der Schildläuse auf die Anthurie gelangen.

In solch einem Fall helfen meist nur noch Fungizide dabei, die betroffene Pflanze zu retten. Außerdem müssen von Rußtau befallene Pflanzen umgehend unter Quarantäne gestellt werden, damit die Pilzerkrankung nicht auf andere Zimmerpflanzen übergreift.

 

Fazit

Flamingoblumen haben sich seit über 50 Jahren als beliebte und pflegeleichte Zimmerpflanzen bewährt. So lange sie einen schattigen sowie torfigen Standort erhalten und regelmäßig gegossen werden, sind sie vollends zufrieden. Dabei gibt es neben den klassischen roten und rosa Anthurien inzwischen auch weiße und orange Sorten der Flamingoblume zu kaufen. Wer also mal etwas neues ausprobieren möchte, dem sind die neuen Anthuriensorten sehr zu empfehlen.

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