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Gräser im Garten – Mehr als nur Rasenbelag

Bei dem Wort Gras denken viele zunächst an die Rasenfläche im Garten. Allerdings bilden Gräser innerhalb der Pflanzenwelt eine ganze Ordnung mit mehreren Pflanzenfamilien. Auch gibt es für Gräser im Garten deutlich mehr Verwendungszwecke als ihre Funktion im Rasenbelag. So manches Gras ist dabei sogar eine wichtige Kulturpflanze.

Wissenswertes: Das Wort „Gras“ vereint in sich verschiedene Ursprungswörter und Wortsilben. Der Begriff leitet sich vom indogermanischen ghr für „wachsen“ ab, das sich neben dem Gras an sich auch in Wörtern wie dem englischen grow wiederfindet. Im Lateinischen Wort für Gras, gramen, im altgriechischen Wort grástis für „Futterkraut“, und sogar in der Farbe Grün ist die Silbe ebenfalls enthalten.

 

Welche Gräser gibt es?

Als Gräser werden gemeinhin Pflanzen aus der Ordnung der Süßgrasartigen definiert. Diese zeichnen sich durch ihre holen Halme aus, welche meist in Horsten wachsen und bei Flächenpflanzung den Eindrucks eines borstigen Pflanzenteppichs entstehen lassen. Das macht Gräser als Pflanzengrundlage für weitläufige Grünflächen wie Wiesen oder Rasenteppiche besonders interessant. Auf ungemähten Naturwiesen fangen Gräser darüber hinaus bedeutende Mengen an CO² ein. Sie sind damit wertvolle Klimapflanzen, weshalb natürliche Graslandschaften eigentlich besonders geschützt werden sollten.

Grashalme besitzen mitunter eine äußerst robuste Faserstruktur. Aus getrockneten Halmen stellt man seit jeher Flechtwerk wie Körbe, Schalen, Behälter oder auch Sitzmöbel her. Legendär ist diesbezüglich das Papyrus-Schilf. Als Namenspatron des Papiers kennt man den Rohstoff vor allem aus dem alten Ägypten, wo es schon vor tausenden von Jahren als Material für einen der ältesten Beschreibstoffe der Welt diente. Gleichzeitig nutze man Papyrus auch als Nahrungsmittel sowie als Baumaterial für Schilfboote, Segel, Seile und Matten.

Apropos Nahrungsmittel: Viele Gräser weisen eine beachtliches Nährstoffprofil auf. Vor allem Proteine, Kohlenhydrate und gesunde Fettsäuren lassen sich in einem Großteil aller Grasarten nachweisen. Auch eignen sich die Saaten diverser Gräser zur Herstellung von Mehl und Getreideprodukten. Gräser stellen deshalb wichtige Nahrungs- und Futterpflanzen.

 

Getreide, Weizen, Weizenkorn
Auch Getreidesorten sind Gräser | © Jutta Lieb

Arten der Gräser im Überblick

Die Ordnung der Süßgrasartigen lässt sich in stolze 16 eigenständige Pflanzenfamilien mit gut 1000 Gattungen und über 18.000 verschiedenen Arten einteilen. Einige dieser Familien sind wegen ihrer hohen Anzahl an Zier- und Nutzpflanzen von besonderer Bedeutung:

  • Süßgräser (Poaceae)
  • Sauergräser (Cyperaceae)
  • Binsengewächse (Juncaceae)
  • Rohrkolbengewächse (Typhaceae)
  • Bromeliengewächse (Bromeliaceae)

 

Getreidegräser

Den Getreidearten ist gemeinsam, dass sie allesamt aus der Familie der Süßgräser und hier maßgeblich aus der Unterfamilie der Pooideae stammen. Ausnahmen bilden lediglich der Reis aus der Unterfamilie der Ehrhartoideae sowie Mais und die verschiedenen Arten der Hirse, die gemeinsam mit Zuckerrohr zur Süßgras-Unterfamilie der Panicoideae gehören.

Charakteristisch für die Getreidegräser ist, dass sie allesamt die für Getreide charakteristischen Blütenähren ausbilden, aus denen Später die Getreidekörner hervorgehen. Im Falle von Mais sind das ganze 600 Körner pro Maiskolben. Bei den kleineren Getreidesorten sind es etwa 45 bis 80 Körner pro Ähre.

 

Gräser, Getreide, Weizen
Das Kultgetreide schlechthin: die Weizenähre | © Das Grüne Archiv

Der Anbau von Getreidegräsern hat lange Tradition und reicht an die 10.000 Jahre bis ins gebiet des frühen Mesopotamien zurück. Hier, in den fruchtbaren Ebenen zwischen Euphrat und Tigris kam es während dem Neolithikum erstmals zum kulturellen Wandel des Menschen hin zur Sesshaftigkeit. Die daraus resultierende Agrarbewirtung von Getreide als Grundnahrungsmittel für erste Siedlungen ist archäologisch belegt.

Allen voran waren es Urkörner wie Emmer, Zweikorn und Hirse, die zu den ersten kultivierten Getreidesorten zählten. Heute ist das Getreidesortiment viel umfangreicher, wobei folgende Getreidearten zu den wichtigsten Kultursorten gehören:

  • Einkorn (Triticum monococcum)
  • Zweikorn / Emmer (Triticum dicoccum)
  • Hartweizen / Durumweizen (Triticum durum)
  • Weichweizen / Saat-Weizen (Triticum aestivum)
    • Dinkel (Triticum aestivum subsp. spelta)
  • Wilder Weizen (Triticum boeoticum)
  • Roggen (Secale cereale)
    • Roggen-Weizen (Triticale)
  • Saat-Hafer (Avena sativa)
  • Gerste (Hordeum vulgare)
  • Mais (Zea mays)
  • Reis (Oryza)
  • Wasserreis (Zizania)
  • Kolbenhirse (Setaria)
  • Rispenhirse (Panicum)
  • Sorgumhirse (Sorghum)

 

Übrigens: Redet man von Feldfrüchten und Früchten unter den Gräsern, so muss auch die Ananas als Gattung aus der Familie der Bromeliengewächse genannt werden. Es handelt sich bei der Ananaspflanze also eigentlich um eine Graspflanze.

 

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Graspflanze Ananas

Rasen- und Wiesengräser

Gräser gestalten auf der Welt eine Vielzahl eigenständiger Landschaftsformen. Diese Graslandschaften zeichnen sich allesamt durch ein individuelles Vorkommen spezifischer Grasarten aus, die perfekt an ihre Klimaregionen angepasst sind. Gängige, von Gräsern dominierte Landschaften sind unter anderem:

  • Dünenlandschaft
  • Heidelandschaft
  • Marsch
  • Moorlandschaft
  • Pampa
  • Prärie
  • Savanne
  • Steppe
  • Uferlandschaft
  • Wiesenlandschaft

In der Gartenkultur zielen viele Gärtner darauf ab, eines dieser natürlichen Landschaftskonzepte durch entsprechende Graswahl nachzuahmen. Gartenkonzepte, in denen eine üppige Grasbepflanzung das Ambiente prägt, sind unter anderem der Bauerngarten, Heidegarten, Naturgarten, Steppen- oder Präriegarten und Nutzgarten. Im Nutzgarten übernehmen vor allem Naturwiesen die Funktion eines Nektarbanketts für Nützlinge wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. Ergänzend können auch Nutzgräser wie Getreide zum Anbau im Nutzgarten Verwendung finden.

 

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Klassische Naturwiese in der Heidelandschaft | © Das Grüne Archiv

Etwas anders verhält es sich mit der Graswahl im Garten, wenn es um den Rasen geht. Er hat häufig primär eine ästhetische Funktion und findet in Gartenkonzepten wie dem Englischen Garten seine kultivare Vollendung. Beim Anlegen eines Rasens werden aber dennoch oft die gleichen Gräsersorten verwendet, wie auf der Graswiese. Einziger Unterschied ist hier, dass Rasengras getrimmt und künstlich kurz gehalten wird, um einen bodendeckenden Grasteppich zu kreieren. Die wichtigsten Rasen- und Wiesengräser stammen dabei wie die Getreidegräser aus der Gattung der Süßgräser und umfassen:

  • Rispengras (Poa)
  • Schwingel (Festuca)
  • Straußgras (Argostis)
  • Weidelgras (Lolium)

 

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Deutsches Weidelgras als Basisbepflanzung für Gartenrasen und Wiesen | © Das Grüne Archiv

Ziergräser

Die Gruppe der Ziergräser ist äußerst umfangreich und beinhaltet neben Vertretern aus der Familie der Süßgräser wie Bambus, Pampasgras oder Schilf auch Gräser aus anderen Pflanzenfamilien. Da wäre zum Beispiel die Riege der Sauergräser. Obgleich es der Name anders vermuten lässt, sind auch die beliebten Ziergräser dieser Pflanzenfamilie Mitglieder aus der Ordnung der Süßgrasartigen. Zu nennen wären hier unter anderem Segge, Pampasgras, Riedgräser, Simsen und Scheinbinsen.

Die „echten“ Binsen bilden eine eigenständige Familie innerhalb der Ordnung der Süßgrasartigen. Neben der Gattung der Binse finden sich hier noch sechs andere Binsengattungen. Eine ähnlich kleine Gräserfamilie wie die der Binsengewächse ist die der Rohrkolbengewächse. Zu ihr gehören nur zwei Gattungen, nämlich der Igelkolben und der Rohrkolben. Sie sind gleichermaßen beliebte Wasser- und Ufergräser, wobei der namensgebende Blütenkolben den Gräsern einen besonderen Zierwert verleiht.

Unter den Bromeliengewächsen tut sich insbesondere die Tillandsia als recht ungewöhnliches Ziergras hervor. Es zählt nämlich zu den Sukkulenten und zeichnet sich durch eine einzigartige Überlebensfähigkeit in trockenem, bisweilen sogar erdlosem Terrain aus. Allerdings ist Tillandsia dafür nicht winterhart und eignet sich deshalb eher für die Kultur als Zimmerpflanze.

 

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Ziergräser bestechen durch außergewöhnliche Farb- und Formvielfalt | © Das Grüne Archiv

 

Fazit

Gräser sind mehr als nur grüne Halme, die den kahlen Boden kaschieren. Viele von ihnen besitzen besitzen eindrucksvolle Nährwerte und werden wegen ihrer nahrhaften Körner als Getreide angebaut. Andere Gräser bestechen durch ihren hohen Zierwert sowie ihre beachtliche CO²-Leistung. Graslandschaften wie die Heidelandschaft stehen darüber hinaus unter Naturschutz, was aufzeigt, wie kostbar Gräser wirklich sind.

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