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Rosmarinwasser selber machen – Rezept und Wirkung auf die Haare

Die Beauty-Szene hat ihre ganz eigenen Trends. Aktuell viel diskutiert ist Rosmarinwasser für die Haare bzw. Rosmarin-Haarwasser. Es soll nicht nur für besonders gepflegtes Haar sorgen, sondern mitunter sogar Haarausfall entgegenwirken. Ob das Haarwasser aus Rosmarin seinem Ruf tatsächlich gerecht wird und wie man es herstellt, verrät die nachstehende DIY-Anleitung.

 

Ein mediterranes Gewürz gegen Haarausfall

Dass Rosmarin in mediterranen Gerichten praktisch Pflicht ist, scheint unanfechtbar. Auch so manche Heilwirkung des Krautes ist durch Studien hinreichend belegt. Doch hat das Gewürz aus dem Mittelmeerraum auch tatsächlich die Heilkraft, Haarausfall zu besiegen?

Beauty-Influencer auf Social Media scheinen überzeugt und viele Anwender scheinen mit Rosmarinextrakt gute Erfahrungen zu machen. Feedback zur Anwendung von Rosmarinwasser auf die Haare mit Vorher-Nachher-Vergleich sind überwiegend positiv. Und tatsächlich hat auch die Wissenschaft erstaunliches über Rosmarinextrakt zu berichten.

Genauer gesagt, sind es Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit von Rosmarinöl gegen Alopezie. Das natürliche Ölextrakt des Rosmarins ist der Hauptwirkstoff in Rosmarinextrakt und kann laut Studienbericht fürwahr etwas gegen androgenetische Alopezie ausrichten.

Die Betonung liegt aber auf androgenetisch. Denn es gibt zahlreiche Formen von Alopecia und nur jene, die androgenetisch bedingt sind, sprechen auf Rosmarin-Haarwasser an. Dazu muss man natürlich wissen, was androgenetische Alopezie überhaupt ist.

 

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Ein Fall fürs Labor: Die Wirkung von Rosmarinwasser gegen dünner werdendes Haar hat bislang schon so manches Forscherteam beschäftigt

Wirkung von Rosmarinwasser auf die Haare

Die Wirkung von Rosmarinextrakt auf dünner werdendes Haar hängt stark von der Art der Haarbeschwerden ab. Gerade mit Blick auf Alopezie kann eine Rosmarin-Haarkur nur unter bestimmten Voraussetzungen helfen. Hier die Begründung:

 

Rosmarinöl als DHT-Blocker

Androgenetische Alopezie wird in der Regel durch Dihydrotestosteron (kurz: DHT) hervorgerufen. Dahinter verbirgt sich ein Steroidhormon, das im Körper entsteht, wenn Testosteron im Körper abgebaut wird. Verantwortlich für diesen Stoffwechselprozess ist das Enzym Steroid-5α-Reduktase (SRD5), wobei eine entsprechende Verstoffwechslung sowohl bei Männern als auch bei Frauen erfolgt.

Denn obwohl es sich bei Testosteron um ein männliches Geschlechtshormon handelt, kommt es doch auch im weiblichen Körper vor. Umgekehrt produzieren auch Männer das weibliche Geschlechtshormon Östrogen. Der einzige Unterschied ist bei beiden Hormonen der Gesamtgehalt im Körper von Männern und Frauen.

Zum Vergleich: Der Testosteronspiegel bei erwachsenen Männern liegt etwa zwischen 3,5 und 11,5 ng pro ml Körperflüssigkeit. Bei Frauen sind es hingegen nur 0,15 bis 0,6 ng pro ml.

 

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Rosmarinöl wirkt nachweislich gegen Alopezie | Bildquelle: Depositphotos

Testosteron befördert sowohl bei Frauen als auch bei Männern einen vermehrten Haarwuchs. Anders sieht es dagegen bei Dihydrotestosteron aus. Dieses kann den Haarwuchs in einigen Fällen hemmen, nämlich dann, wenn die eigenen Haarwurzeln eine genetisch bedingte Sensibilität gegen DHT aufweisen.

Liegt eine entsprechende Überempfindlichkeit der Haarwurzel gegenüber DHT vor, sorgt das Steroidhormon im Laufe der Jahre für immer kleiner werdende Haarwurzeln bis diese schließlich vollständig absterben. Und genau hier setzt die Wirkung von Rosmarinextrakt an.  Denn offenbar kann das im Wasser enthaltene Rosmarinöl ein Andocken von DHT an die Haarwurzel-Rezeptoren erfolgreich unterbinden und sogar das Nachwachsen bereits verkleinerter bzw. zerstörter Haarwurzeln bewirken. Das allerdings nur bei einer bestimmten Wirkstoffkonzentration der ätherischen Rosmarinöle.

 

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Das Geheimnis liegt im Rosmarinöl: Wirkstoffe wie Rosmarinsäure machen das Öl des Rosmarins zu einem hochwirksamen Heilmittel gegen allerlei Gesundheitsbeschwerden, darunter auch Probleme mit der Haargesundheit

Wirkung nur in bestimmten Fällen von Alopezie

Klar von der androgenetischen Alopezie abzugrenzen ist der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata). Ursächlich ist hier eine Autoimmunerkrankung, gegen die Rosmarinextrakt verständlicherweise nichts ausrichten kann.

Diffuser Haarausfall kann ebenfalls sehr unterschiedliche Ursachen haben. Meist ist ein stoffliches Ungleichgewicht im Körper, also entweder Hormonschwankungen, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Resorptionsstörungen (z.B. durch chronische Magen-Darm-Entzündungen) oder ein Nährstoffmangel, etwa durch einseitige Ernährung oder Essstörungen für diese Form von Alopecia verantwortlich.

Übrigens: Manchmal tritt diffuser Haarausfall auch nach der Schwangerschaft auf und ist dann einem vorübergehenden Abfall des Östrogenspiegels der Frau geschuldet. Allerdings hält diese schwangerschaftsbedingte Alopezie nur etwa 2 bis 15 Monate an, bis sich der Östrogenspiegel wieder normalisiert hat.

 

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Wichtig: Rosmarin wirkt nur bei androgenetischer Alopezie

Rosmarinextrakt zur natürlichen Haarpflege

Ein weiterer Aspekt, der Extrakte aus Rosmarin zu einer hervorragenden Ergänzung für die natürliche Haarpflege macht, sind die antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften des Rosmarins. Dank desinfizierender und gefäßreinigender Wirkstoffe fördert eine Rosmarin-Haarkur die Durchblutung der Kopfhaut und beugt Kopfhautentzündungen sowie Schuppen vor.

 

Inhaltsstoffe des Rosmarinextrakts

Rosmarin gehört gemeinsam mit Thymian und Salbei zu den medizinisch wertvollsten Heilpflanzen unter den mediterranen Kräutern. In ihnen stecken hochwirksame Gerbstoffe und Flavonoide, die für ihre desinfizierende, entzündungshemmende und reizlindernde Wirkung bekannt sind. Einer der wichtigsten Wirkstoffe in Rosmarin ist dabei die Rosmarinsäure. Der Gerbstoff besitzt eine außergewöhnlich gute antibakterielle, antimykotische und sogar antivirale Wirkung.

Ebenso hat Rosmarinsäure wie alle Gerbstoffe einen adstringierenden, also die Hautgefäße und Hautporen zusammenziehenden Effekt. Keime können deshalb nicht mehr so leicht in die Haut einziehen und die Kopfhautdurchblutung wird verbessert.

Im ätherischen Öl des Rosmarins sind des Weiteren medizinisch wirksame Terpene wie Betulin, Campher, Cineol, Linalool und Pinen enthalten. Auch bei ihnen handelt es sich um sehr antimikrobielle und antivirale Wirkstoffe, die nach der Extraktion in Auszüge des Rosmarins übergehen. Speziell Linalool ist außerdem für die Synthese von Vitamin E wichtig, das für die Feuchtigkeitsversorgung  der Haare und die Regeneration der Haarzellen von großer Bedeutung ist.

 

Das richtige Rosmarinöl für die Haargesundheit

Mit Blick auf ihre Inhaltsstoffe gibt es beim ätherischen Öl des Rosmarins zahlreiche Unterschiede. Diese bestimmen letztendlich auch die genaue Wirkweise des Öls. Zur Behandlung von Alopezie, ebenso wie zur Haarpflege ist hier ein hoher Gehalt an Campher bzw. dessen Derivat Borneon wichtig.

Der medizinische Wirkstoff besitzt durchblutungsfördernde, entzündungshemmende und haarwuchsfördernde Eigenschaften, weshalb Rosmarinöl des Chemotyps Campher, auch bekannt als Spanisches Rosmarinöl, die beste Wahl für die Behandlung von Haarausfall ist. Für die generella Haarpflege bietet sich ergänzend der Nordafrikanische Rosmarin an. Mehr Einzelheiten zu verschiedenen Arten von Rosmarinöl finden Sie hier:

Leider gibt es Spanischen Rosmarin nur in Ölform zu kaufen. Wer damit Rosmarinwasser herstellen möchte, muss dies also über im Handel erhältliches Rosmarinöl des Chemotyps Campher / Borneon tun.

 

Gegen fettiges Haar, Spliss, Juckreiz und Kopfhautentzündung

Durch den adstringierenden Effekt von Rosmarinwasser, der die Hautporen verkleinrt, lässt sich die Talgproduktion der Kopfhaut regulieren. Das ist insbesondere für fettiges Haar sehr nützlich, das durch eine Talgüberproduktion in den Hautporen entsteht.

Ebenso lindert der beruhigende Effekt von Rosmarinextrakt auch Juckreiz auf der Kopfhaut. Er tritt häufig in Verbindung mit trockenem Haar und sensibler Kopfhaut auf, kann aber auch von einer entzündlichen Kopfhautinfektion durch Keime oder Parasiten herrühren.

Übrigens: Juckreiz kann bei der Anwendung von Rosmarinwasser dennoch kurzfristig auftreten, was allerdings eher einer extremen Stimulierung des Haarwuchses und damit gesteigerter Aktivität der Kopfhautnerven geschuldet ist. Der regelrechte Nervenkitzel der Kopfhaut während der Behandlung von Haarausfall ist bei Rosmarinöl laut Studien insgesamt aber deutlich geringer als bei künstlichen Haarwuchsmitteln wie Menoxidil.

Spliss wird wiederum durch die feuchtigkeitsspendenden Wirkstoffe in Rosmarinextrakt reduziert. Sprödes Haar wird durch die Anwendung von Rosmarinwasser geschmeidiger und aufgerauhte Haarstrukturen werden geglättet. Somit ist der Extrakt im Grunde für jeden Haartyp eine echte Bereicherung.

 

 

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Nicht nur gegen Haarausfall gut: Rosmarinsäure ist ein wichtiger Pflegewirkstoff in Haarpflegeprodukten für jede Art von Haartyp

Rezept für Rosmarinwasser

Was der Social Media Hype um Rosmarinwasser meist vergisst, zu erwähnen ist, dass es sich bei dem vermeintlichen Haarwasser aus Rosmarin eigentlich auch nur um Rosmarintee handelt. Kalten Tee zwar mit höher dosiertem Gehalt an Rosmarinextrakt, die Herstellung des Extrakts ist aber im Grunde dieselbe wie bei Rosmarintee.

 

Zutaten:

  • 5 Zweige Rosmarin (frisch oder getrocknet)
  • 1 l Wasser
  • 1 Topf
  • 1 Sprühflasche

 

Zubereitung

Gebt zunächst das Wasser gemeinsam mit den Rosmarinzweigen in einen ausreichend großen Topf. Anschließend bringt Ihr das Ganze zum Kochen und lasst den Rosmarinsud für etwa 10 bis 15 Minuten bei mittlerer Hitze leicht köcheln.

Ist dies getan, nehmt Ihr den Kochtopf vom Herd und lasst den noch heißen Rosmarinextrakt gut abkühlen. Danach könnt Ihr das Wasser durch ein sauberes Leinentuch oder ein Sieb abfiltern.

Übrigens: Es ist auch möglich, das Rosmarin-Wasser kalt mit ein paar Tropfen Rosmarinöl herzustellen. Verwendet aber nicht mehr als 5 bis 10 Tropfen des Öls pro 1 l Wasser, da ätherische Öle hoch konzentriert und deshalb recht aggressiv sind.

 

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Im Grunde auch nur kalter Tee: Die Herstellung von Rosmarinwasser und Rosmarintee unterscheidet sich kaum

Anwendung von Haarwasser aus Rosmarin

Es ist empfehlenswert, die Rosmarin-Haarkur abends aufs Haar aufzutragen und dann über Nacht einwirken zu lassen. Gut verpackt in einer Nachthaube entfaltet sich die pflegende und haarwuchsfördernde Wirkung des Extrakts dann buchstäblich im Schlaf.

 

Dosierung und Anwendungshäufigkeit

Um Rosmarinextrakt als Pflegeöl für die eigene Haarpracht zu verwenden, füllt Ihr es in eine Sprühflasche. So könnt Ihr den wässrigen Auszug unkompliziert aufs Haar aufsprühen. Vergesst nicht, das Wasser im nächsten Schritt gut ins Haar und auf die Kopfhaut einzumassieren.

Zwar ist Rosmarinöl dafür bekannt, besonders schnell in die Haut einzuziehen, das zusätzliche Massieren stimuliert ergänzend aber die Durchblutung der Kopfhaut, was einer gleichmäßigen Verteilung der Wirkstoffe zugutekommt.

Umwickelt die Haare nun mit einem Seidentuch oder einer Nachthaube und stellt einen sicheren Sitz der Textilien vor dem Schlafengehen sicher. Am nächsten Morgen könnt Ihr die Haarkur dann einfach ausspülen.

Die empfohlene Anwendungsfrequenz der Haarkur liegt üblicherweise bei zwei- bis dreimal pro Woche. Die Häufigkeit kann jedoch individuell angepasst werden, abhängig von den individuellen Haarbedürfnissen und der Reaktion der Kopfhaut.

 

Rosmarinöl vs. Rosmarinwasser

Rundsätzlich ist auch in wässrigen Auszügen aus Rosmarn stets ätherisches Öl der Pflanze enthalten. Konzentriertes Rosmarinöl eignet sich dabei durchaus für eine intensivere Anwendung, erfordert jedoch eine vorsichtige Dosierung, um Hautreizungen zu vermeiden.

Rosmarin-Haarwasser ist milder und kann regelmäßiger verwendet werden, besonders als natürliche Haarspülung. Darüber hinaus ist es gerade für Personen mit dünnem und feinem Haar die bessere Wahl, weil es die Haare nicht fettig macht.

Wichtig: Es ist ratsam, vor der Anwendung einen Hauttest durchzuführen, insbesondere wenn Hautempfindlichkeiten gegenüber Rosmarin bestehen.

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