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Schlangenwurz, Rauvolfia, Rauwolfia, serpentina, Indische Schlangenwurz

Schlangenwurz (Rauwolfia) – Wirkung, Kultur und Pflege

Die Schlangenwurz oder Schlangenwurzel (Rauvolfia oder Rauwolfia) sorgt bei Laien häufig für Verwechslung mit der Drachenwurz, die ebenfalls gerne als Schlangenwurz bezeichnet wird. Allerdings etablierte sich der Begriff als Beiname für die Drachenwurz erst später. Ursprünglich waren für die Entstehung des Pflanzennamens nämlich die schlangenartig verdrehten Wurzeln der Rauwolfia verantwortlich.

Gemeinsam hat die Schlangenwurz mit der Drachenwurz ohnehin nicht viel. Schon das Erscheinungsbild der roten, riesenblütigen Drachenwurz mit ihrem unverkennbaren Blütenkolben unterscheidet sich deutlich von den zierlichen Radblüten der Rauwolfia. Deren Blütenfarbe kann zudem von gelb oder weiß über zartrosa und rot bis hin zu violett stark variieren.

Und auch in Sachen Standortbedingungen sind Schlangen- und Drachenwurz grundverschieden. Denn während es sich bei der Drachenwurz um ein einheimisches Gewächs mit guter Winterhärte handelt, ist Rauwolfia deutlich empfindlicher gegenüber Minusgraden.

 

Ein Giftkraut unter den Heilpflanzen

Wenngleich Schlangenwurzen nicht sonderlich winterhart sind, haben sie dafür doch andere Vorzüge. Einerseits besticht Rauvolvia bzw. Rauwolfia als Zimmerpflanze durch einen außergewöhnlichen Zierwert ihrer Blüten. Dahingehend hat sie viel mit ihrem Artverwandten Frangipani gemeinsam, dessen duftende Blütenpracht in der Zimmerpflanzenkultur ebenfalls hoch geschätzt wird.

Andererseits gehört die Schlangenwurz wie die verwandte Frangipani zu den alten Heilpflanzen und hier speziell zu den Ayurveda Kräutern. Beide Hundsgiftgewächse haben es trotz einschlägigem Giftgehalt ihrer Pflanzenfamilie in die Riege der Heilkräuter geschafft, wobei von Privatexperimenten dringend abgeraten wird. Eine Anwendung ist nur unter fachmedizinischer Anleitung zu empfehlen und etwaige Präparate sollten aus professioneller Herstellung stammen.

 

Schlangenwurz als Ayurveda Kraut

In Indien zählt die Schlangenwurzel bereits seit etwa 3000 Jahren zu den traditionellen Heilpflanzen der ayurvedischen Medizin. Zu den üblichen Anwendungen gehört hier auch die Nutzung der Wurzelkräuter gegen Schlangenbisse, daher auch der Name der Schlangenwurz.

Mahatma Gandhi wird ferner nachgesagt, dass er aufgrund der beruhigenden und meditationsfördernden Wirkung von Rauwolfia täglich eine Tasse Tee aus der Wurzel der Pflanze zu sich nahm. Und auch die Anwendung von Schlangenwurztinktur hat in Asien lange Tradition.

 

Rauwolfia als Zauberpflanze

In Europa brachte die tückische Wirksamkeit der Schlangenwurz, ebenso wie ihr Name dem Kraut dagegen ihren mystischen Status als Hexenkraut ein. Als Heilkraut, das sowohl Leben retten als auch nehmen kann, genoss sie im Altertum einen zweifelhaften Ruf und wurde dementsprechend als Zauberpflanze unter Beinamen wie Teufelspfeffer mit Vorsicht genossen.

Eine Empfehlung, die sich mit Blick auf mögliche Vergiftungen nur weitergeben lässt.

Die botanische Fachbezeichnung der Schlangenwurzel variiert je nach Autor zwischen Rauvolfia und Rauwolfia. Sie ehrt den deutschen Naturforscher und Botaniker Leonard Rauwolf, der auch als Rauchwolf bekannt war. Die ungewöhnliche Namensgebung verleiht der Schlangenwurz eine weitere mysteriöse Komponente, denkt man bei Schlangenwurz wie Rauwolfia doch gern an Tierbisse mit verhängnissvollen Nebenwirkungen.

Während Schlangenbisse ähnlich wie die Pflanze selbst zu Vergiftungen führen können, wird mit einem Wolfsbiss gerne die Verwandlung in einen Werwolf assoziiert. Entsprechende Assziationen trugen demzufolge ebenfalls zum Bildnis der Schlangenwurzel als Zauberpflanze im Aberglauben bei.

 

Inhaltsstoffe und Wirkung der Schlangenwurz

Genutzt wird Rauvolfia oder Rauwolfia unter anderem zur Behandlung von innerer Unruhe, Krämpfen, Verstopfung und Bluthochdruck. Das gilt insbesondere für die Indische Schlangenwurzel (Rauvolfia serpentinea / Rauwolfia serpentina). Sie enthält rund 60 verschiedene Alkaloide, die auch als Rauwolfia-Alkaloide bekannt sind. Zu ihnen gehören:

  • Ajmalicin
  • Ajmalin
  • Corynanthin
  • Deserpidin
  • Rescinnamin
  • Reserpinin
  • Sarpagin
  • Serpentin
  • Yohimbin

Alkaloide sind in zahlreichen Giftpflanzen für deren toxische Wirkung verantwortlich. Allerdings besitzen sie in geringen Dosen auch heilsame Eigenschaften und werden deshalb recht umfangreich als medizinische Arzneistoffe verwendet. Das gilt insbesondere für Rauwolfia-Alkaloide.

 

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Bloß nicht essen: Die Beeren der Rauwolfia sind giftig!

Schlangenwurz pflanzen – Standort und Ablauf

Die Schlangenwurz gehört zur Familie der Hundsgiftgewächse und ist in den warmen Tropen und Subtropen Afrikas und Asiens heimisch, weshalb sie kaum mit der Kälteresistenz der heimischen Drachenwurz mithalten kann. Sie schätzt darum eher milde bis warme Temperaturen zwischen 10 und 40 °C.

 

Der richtige Standort für Rauwolfia

Weitere Unterschiede tun sich mit Blick auf die Lichtverhältnisse am Standort auf. Wo Drachenwurz auch mit schattiger Lage im Freiland gut zurechtkommt, benötigen Schlangenwurzen unbedingt einen geschützten Zimmerstandort in der Sonne oder zumindest im hellen Halbschatten.

Als Standortboden wünscht sich die Schlangenwurzel ein frisch-feuchtes und nährstoffreiches Substrat. Am besten geeignet ist ein toniger oder lehmiger Boden mit kleineren Anteilen Humus und Sand. Möglich ist eine Kultivierung außerdem auf einem vollständig sandigen Boden. Der optimale pH-Wert für Rauwolfia liegt im neutralen Bereich, zwischen 6,5 und 7 Punkten.

Einzelheiten zum Standort für Schlangenwurz:

  • Rauwolfia ist nicht winterhart
  • Kultivierung nur als Zimmerpflanze möglich
  • sonniger bis halbschattiger Standort
  • nährstoffreicher, humoser und sandig-lehmiger Boden  
  • pH-Wert des Bodens: neutral von 6,5 bis 7
  • beliebte Art: Indische Schlangenwurz

 

Pflanzanleitung für Rauwolfia

Eine vorgezogene Rauwolfia findet man nur selten im Gartenhandel. Samen der Pflanze können Sie jedoch problemlos in versierten Online-Shops erwerben. Bei der Aussaat und Anzucht der Rauwolfia gehen Sie diesbezüglich am besten wie folgt vor:

1. Schritt – Aussaattermin wählen: Da es sich bei Rauvolfia hierzulande um eine Zimmerpflanze handelt, können Sie den Zeitpunkt der Aussaat frei wählen. Empfohlen wird allerdings eine Aussaat im Frühjahr, damit sich das Pflänzchen vor Einbruch der kalten und lichtarmen Jahreszeit ausreichend entwickeln kann.

2. Schritt – Boden und Saatgut vorbereiten: Lockern Sie den Boden vor der Aussaat Ihrer Rauvolfia gut auf und fügen Sie ein wenig Humus und Sand bei, um optimale Bedingungen für die Kultivierung zu erreichen. Die Samen werden vor der Aussaat am besten einige Stunden in lauwarmem Wasser eingeweicht, um den Keimerfolg zu erhöhen. Fruchtreste sind vorab ggf. vom Saatgut zu entfernen.

3. Schritt – Schlangenwurz säen: Die Saattiefe für Schlangenwurzsamen beträgt etwa 1 cm. Danach bedecken Sie das Saatloch nur locker mit Erde, denn die Samen der Rauvolfia sind Lichtkeimer. Der Boden sollte nun bis zur Keimung konstant feucht gehalten werden. Dürren sind somit zu vermeiden. Wichtig ist auch, dass die Aussaaterde nach dem Ansäen konstant warmgehalten wird. Die ideale Temperatur liegt zwischen 22 und 29 °C.

4. Schritt – Jungpflanzen pikieren: Sobald die jungen Rauvolfia einige Zentimeter über den Boden ragen, können Sie die Jungpflanzen vereinzeln. Jede Pflanze sollte in einem geeigneten Kübel untergebracht werden, um einen optimalen Wuchs zu gewährleisten.

Kurzschritte zur Aussaat im Überblick:

  • Aussaattermin: ganzjährig, idealerweise im Frühling
  • optimale Keimtemperatur: 22 bis 29 °C
  • Samen vorab in lauwarmem Wasser vorquellen
  • Boden vor Aussaat gut auflockern
  • Substrat mit etwas Humus und Sand anreichern
  • Saattiefe für Rauwolfia: 1 cm
  • nach Aussaat Boden konstant feucht und warm halten
  • ab einer Größe von ca. 5 cm Jungpflanzen pikieren
  • die Pflanzen dann in separaten Kübeln unterbringen

 

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Blüte der Indischen Schlangenwurz

Schlangenwurz gießen und düngen

Aufgrund ihrer tropischen Herkunft sollten Schlangenwurzen in regelmäßigen Abständen gegossen und immer so feucht gehalten werden, dass ihre Wurzelballen nicht austrocknen.

Hilfreich kann ein mit Kieselerde befüllter Untertopf sein, welcher für eine stetige Befeuchtung der Rauwolfia sorgt. Darüber hinaus sollten Sie die Blätter mit entkalktem oder abgestandenem Wasser besprühen, um die hohe Luftfeuchtigkeit der tropischen Ursprungsstandorte zu simulieren.

Gedüngt werden sollte Rauvolfia eher vorsichtig. Dies gilt insbesondere, wenn ihre Exemplare als Heilpflanzen genutzt werden. Chemischer Dünger ist hier absolut tabu, denn die gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffe setzen sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Heilpflanzen ab und werden dann im Falle einer innerlichen Anwendung ins Körpersystem verschleppt.

Normaler Weise würde sich für die phosphatliebenden Schlangenwurzen Superphosphat oder Thomasmehl als wöchentlicher Langzeitdünger anbieten. Bei ihrer Nutzung als Heilpflanzen ist dagegen Vogelguano besser geeignet.

Kurztipps zum Gießen und Düngen:

  • Rauvolfia stets feucht halten
  • Untertopf mit Kieselerde zur Befeuchtung hilfreich
  • Blätter regelmäßig besprühen
  • entkalktes oder abgestandenes Wasser nutzen
  • mit Superphosphat oder Thomasmehl düngen
  • natürlicher Phosphatdünger ist am besten

 

Schlangenwurz schneiden und vermehren

Geschnitten wird Rauvolfia in der Regel nicht. Nur welke Blätter sind von Zeit zu Zeit auszuputzen. Wer Schlangenwurzen als Heilpflanzen nutzen möchte, der sollte die Wurzeln der Pflanzen vorsichtig entfernen, zerteilen und an der Luft trocknen lassen.

Eine Trocknung im Ofen oder anderen Geräten empfiehlt sich nicht, da sich die heilsamen Inhaltsstoffe der Schlangenwurzen ab einer Temperatur von etwa 60 °C zersetzen und die Heilpflanzen somit ihre Wirkung verlieren.

Geeignet sind die getrockneten Wurzeln der Rauvolfia entweder zur Herstellung eines beruhigenden und blutdrucksenkenden Tees, einer konzentrierten Schlangenwurztinktur oder zur Inhalationsbehandlung (Phytotherapie). Bei der Nutzung als Tee sollten täglich nicht mehr als zwei Tassen getrunken werden. Nach spätestens vier Wochen ist eine Anwendungspause von 7 Tagen ratsam.

 

Vermehrung durch Aussaat

Wurde die Schlangenwurzel im Frühjahr gesät, so erfolgt die Selbstaussaat bei geeigneten Temperaturen oft schon im Oktober oder November desselben Jahres. Alternativ kann man das Saatgut der Rauwolfia vorher auch absammeln.

Sie erkennen die Fruchtreife artabhängig an einer tiefroten oder tiefschwarzen Färbung der pflanzeneigenen Steinfrüchte. Diese können Sie vorsichtig von den Pflanzen abtrennen und dann wie gewohnt aussäen.

Vermehrung durch Stecklinge: Die Stecklingsvermehrung von Rauvolfia erfolgt über Wurzelstecklinge. Dabei empfiehlt sich eine Vorbehandlung der Schlangenwurzstecklinge mit Wuchsstoffen. Geeignet hierfür ist beispielsweise Indolylessigsäure.

Kurztipps zum Schneiden und Vermehren:

  • zur Ernte Wurzeln behutsam ausgraben
  • Wurzelstücke danach schonend lufttrocknen lassen
  • Ofentrocknung zerstört Wirkstoffe der Rauwolfia
  • getrocknete Schlangenwurz für Kräutertees geeignet
  • Vermehrung gelingt über Aussaat oder Wurzelstecklinge

 

Rauwolfia – Krankheiten und Schädlinge

Rauwolfia ist besonders anfällig für Spinnmilben. Diese Schädlinge sind mit dem bloßen Auge nur schwer zu erkennen. Auffällig sind jedoch ihre kleinen Gespinste und die Saugschäden, die sie an einer befallenen Pflanze hinterlassen.

Vorbeugen kann man den Schädlingen mit einer Erhöhung der Luftfeuchtigkeit durch Besprühen der Schlangenwurzel und regelmäßiges Lüften. Bekämpfen lassen sie sich durch einen scharfen Wasserstrahl, das Entfernen befallener Pflanzenteile oder den Einsatz anderer Insekten wie bestimmter Raubmilben, Marienkäfer oder Florfliegen.

 

Fazit

Schlangenwurz zählt zu den ayurvedischen Heilpflanzen, die maßgeblich als Tee, Schlangenwurztinktur oder zur Phytotherapie gegen Unruhe und Bluthochdruck eingesetzt werden.

Trotz einer mangelnden Winterhärte kann eine Kultur Rauvolfia als Zimmerpflanze also lohnen. Wichtig sind hierbei vor allem die Einhaltung einer geeigneten Temperatur, eines stetig frisch-feuchten Bodens sowie ausreichender Lichtverhältnisse am Standort.

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