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Ayurveda Kräuter: Schätze der indischen Heilkunst

Im Wellness Bereich, ebenso wie in der Alternativmedizin ist Ayurveda eine heilkundliche Disziplin der Extraklasse. Die traditionelle indische Heilkunst ist gut 3000 Jahre alt, erlebt jedoch in der Moderne gerade eine neue Blütezeit. Von großer Bedeutung sind dabei einige Ayurveda Kräuter, denen selbst westliche Schulmediziner inzwischen gute Wirkung bei verschiedenen Beschwerden bescheinigen.

 

Von der ayurvedischen Kräuterkunde

Im Buddhismus und Hinduismus existieren bekannterweise unzählige Teildisziplinen. Ayurveda ist eine davon. Der Begriff āyurveda entstammt diesbezüglich dem Sanskrit und bedeutet übersetzt „Wissen vom Leben“. Markant ist hierbei die Wortsilbe veda für „Wissen“, welche in direkter Verbindung mit den heiligen Schriften der Veden steht.

Bei den vedischen Schriften handelt es sich um eine Sammlung uralter hinduistischer Hymnen, Gesänge und Lieder, aber auch magischer Ritualformeln, die praktizierenden Hinduisten und Buddhisten bis heute Orientierung in ihrer spirituellen Ausübung bieten. Manche von ihnen sind als klassische Mantras im Yoga und in der Meditation bekannt. Als wichtigste Segmente der Sammlung gelten dabei die vier Samhitas:

  • Atharvaveda-Samhita: magische Formeln der Veden
  • Rigveda-Samhita: vedische Hymnen
  • Samaveda-Samhita: vedische Lieder
  • Yajurveda-Samhita: Opfergesänge der Veden

Insbesondere die Rigveda-Samhita und Atharvaveda-Samhita enthalten wichtige Passagen über die Anwendung verschiedener Kräuter zur Behandlung von Krankheiten. Eine zentrale mythologische Figur innerhalb der Gesänge stellt außerdem der Arzt der Götter und Urvater der indischen Heilkunst Dhanvantari dar.

 

Ayurveda Kräuter, Koriander, Coriandrum
Ein altes vedisches Heilkraut: Koriander | © Das Grüne Archiv

Ayurveda Kräuter – Heilkunde als Zauberkunst

Erkrankungen wurden im indischen Altertum noch als Heimsuchungen der Götter verstanden, wobei Heilkundige und Magier die einzigen waren, denen es oblag, besagte Krankheiten zu heilen. Das galt auch für die Zubereitung spezieller Kräuterrezepturen, zu denen nach ayurvedischer Tradition im Übrigen auch Gewürzmischungen wie Garam Masala und die berühmte Goldene Milch gehören.

Ein vedischer Arzt war folglich auch ein Zauberer, dessen Wissen um heilsame Kräuter als magisches Handwerk angesehen wurde. Als Schüler des mythischen Dhanvantari verrichteten vedische Ärzte einen mystischen Dienst am Patienten und traten währenddessen in direkten Kontakt mit übernatürlichen Kräften.

Als Pioniere auf dem Gebiet des Ayurveda gelten der Begründer der Inneren Medizin Atreya und der Begründer der Chirurgie Sušruta. Beide bezogen sich bei ihrer Arbeit insbesondere auf die Hymnen des Rigveda, in denen vielfach von der Behandlung mit Heilkräutern, etwa zur Wundheilung die Rede ist. Eine Passage daraus behandelt sogar die frühe Anwendung von Beinprothesen.

Auch die Zauberformeln des Atharvaveda dienten Atreya und Sušruta als Grundlage für die Kräuterbehandlung. In ihnen sind vor allem Weisungen zur Herstellung bestimmter Schutzamulette aus Kräutern sowie rituelle Beschwörungen der Götter im Rahmen der Therapie enthalten.

 

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die magische Kunst des Kräutermischens: Garam Masala ist eine Ayurveda Rezeptur

Grundprinzipien der ayurvedischen Kräuterkunde

Nun hat ayurvedische Kräuterkunde aber nicht nur spirituelle Hintergründe sondern auch sehr fortschrittliche Sichtweisen zur Krankheitsentstehung. Physiologisch ist diese nach ayurvedischem Verständnis einem Ungleichgewicht der Doshas geschuldet.

Doshas stehen in enger Verbindung mit der hinduistischen Chakrenlehre und geben die Konstitution eines Menschen wieder. Nach ayurvedischer Auffassung wird jeder Mensch mit einer bestimmten Dosha Konstitution geboren, was ihm gewisse Stärken, gerade mit Blick auf die Gesundheit aber auch gewisse Problemzonen verleiht. Die Doshas gliedern sich hierbei wie folgt:

  • Vata: Das Dosha der Luft symbolisiert Veränderung und Aktivität. Es ist verantwortlich für die psychischen sowie physischen Bewegungsabläufe des Körpers. Der klassische Vata-Typ
    • ist schlank, sensibel und zart,
    • entweder sehr groß oder sehr klein,
    • hat ein längliches Gesicht und schmale Lippen,
    • sehr aktiv, begeisterungsfähig und geistig flink,
    • neigt aber auch zu Unbeständigkeit und Unzuverlässigkeit,
    • friert leicht und neigt zu Haar- und Hauttrockenheit,
    • hat unregelmäßige Schlaf-, Ess- und Verdauungsgewohnheiten.
  • Pitta: Das Dosha des Feuers, der Wärme und der Umwandlung. Ihm unterliegen alle biochemischen Prozesse des Körpers und somit der Stoffwechsel. Ein Pitta-Typ
    • hat einen mittelschweren Körperbau,
    • neigt zu Sommersprossen und Muttermalen,
    • ist sehr organisiert und gut strukturiert,
    • legt eine moderate Geschwindigkeit an den Tag,
    • arbeitet sehr akkurat und perfektionistisch,
    • oft ein guter Schlichter, Redner und Mentor,
    • liebt die Natur und Outdoor-Aktivitäten,
    • ist leicht reizbar, schnell enttäuscht und ungeduldig,
    • empfindet Abneigung gegen Hitze,
    • bevorzugt kalte Speisen und kühle Getränke,
    • entwickelt oft früh Geheimratsecken oder eine Glatze.
  • Kapha: Das Dosha des Wassers und der Erde verkörpert das Prinzip der Trägheit, Stabilität und Beständigkeit. Feste Körperelemente wie Knochen, Zähne und Nägel werden demnach diesem Dosha zugeordnet. Der Dosha-Typ
    • weist einen stabilen bis schweren Körperbau auf
    • besitzt große Stärke und Ausdauer,
    • geht methodisch, langsam und mit Bedacht vor,
    • hat eine verlässliche, ruhige und beständige Persönlichkeit,
    • sehr kräftiges Haar und einen tiefen Schlaf,
    • lernt langsam, hat aber auch ein gutes Langzeitgedächtnis,
    • neigt zu Übergewicht, Melancholie und Schwermut,
    • kommt gelegentlich schwer in Gang und hat eine langsame Verdauung.

 

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Das Credo des Ayurveda: Wer richtig isst, braucht keine Medizin | © Das Grüne Archiv

Rasayana – Die ayurvedische Kräuterkur

Um eine angemessene ayurvedische Kräuterbehandlung durchzuführen, nehmen ayurvedische Ärzte zunächst eine Dosha-Typenbestimmung vor. Eine Therapie fußt dann auf dem entsprechenden Ergebnis und beinhaltet in der Regel eine Rasayana Kur. Diese handelt im Grunde von der Verjüngung des Körpers durch entsprechende Verhaltensmaßnahmen und Kräuteranwendungen.

Ziel des Rasayana ist es, das Verdauungsfeuer (Agni) zu stimulieren und so eine Stärkung bzw. neue Balance der Doshas zu erreichen. Aus schulmedizinischer Sicht nicht ganz abwegig. Immerhin befinden sich weite Teile des Immunsystems im Verdauungstrakt und auch der Stoffwechsel wird in hohem Maße durch die Verdauungstätigkeit beeinflusst. Dass sich durch gezielte Stärkung der Darmgesundheit auch die körperliche Gesundheit insgesamt verbessern lässt, ist deshalb nur logisch.

Teil der Rasayana Kur ist eine umfassende Reinigung des Körpers und des Geistes durch heilpflanzliche, spirituelle sowie verhaltens- und ernährungsbasierte Maßnahmen. Ein ayurvedisches Detox-Programm also, das sich aus zwei essenziellen Kernbereichen zusammensetzt:

  • Achara-Rasayana
  • Oshadhi-Rasayana

 

Achara-Rasayana

Das Achara-Rasayana umfasst alle verjüngenden Verhaltensmaßnahmen, die zu einer Stabilisierung und Korrektur der Doshas beitragen. Neben reinigenden Meditationen und Yoga Training stehen hierbei auch gezielte Ernährungsumstellungen und verschiedene Ölanwendungen im Vordergrund. Zu letzteren gehören insbesondere ayurvedische Ölmassagen und der ayurvedische Stirnguß Shirodhara. Der warme Ölguss soll das an der Stirn sitzende dritte Auge reinigen und so den Geist klären.

Sowohl Ölmassagen als auch der Stirnguss werden mit speziellen Kräuterölen durchgeführt. Beim Shirodhara sind Stirngüsse mit Sesamöl in Kombination mit geklärter Butter (Ghee), Buttermilch oder warmer Milch üblich. Die personalisierten Ayurveda Kräuter und Kräuteröle werden je nach Beschwerdebild, Dosha-Typ und Vorlieben des Patienten individuell ausgewählt.

 

Oshadhi-Rasayana

Ergänzend zum Achara-Rasayana bietet das Oshadhi-Rasayana heilpflanzliche Verjüngungsmittel zur Anwendung. Das können spezielle Kräutertees, Massageöle, ätherische Öle zur Aromatherapie, aber auch Gewürze, Kräuter- und Fruchtmus mit heilpflanzlicher Wirkung sein. Heutzutage sind auch ayurvedische Smoothies sehr beliebte Hilfsmittel im Oshadhi-Rasayana.

Die Auswahl der Ayurveda Kräuter erfolgt auch beim Oshadhi-Rasayana auf Basis der zugrundeliegenden Gesundheitsbeschwerden und persönlichen Merkmale des Patienten. Vielfach wird den Kräutern auch ein besonderes Verjüngungspotential zugeschrieben, etwa aufgrund herausragender vitalisierender, antioxidativer, stoffwechselreinigender oder immunstärkender Wirkung.

 

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dürfen unter den Ayurveda Kräutern nicht fehlen: Ingwer, Kurkuma und Galgant | © Das Grüne Archiv

Wichtige Ayurveda Kräuter im Überblick

Dass eine Vielzahl der Ayurveda Kräuter in Asien heimisch ist, erklärt sich von selbst. Bestens bekannt sein dürften hier Gewürz- und Wurzelkräuter wie Ingwer, Kurkuma oder Galgant. Es gibt jedoch noch eine Vielzahl weiterer interessanter Heilpflanzen aus der ayurvedischen Kräuterkunde. Hier eine kleine Übersicht:

  • Amalaki: Die Indische Stachelbeere Amalaki (kurz: Amla) ist für ihre antivirale und antimikrobielle Wirkung bekannt. Auch reguliert sie den Blutdruck, beugt Frühjahrsmüdigkeit vor und lindernd Entzündungen sowie Ödeme.
  • Ashwagandha: Bei uns eher als Schlafbeere, Winterkirsche oder Indischer Ginseng bekannt, gilt Ashwangandha als schlaffördernd, beruhigend und entzündungshemmend. Heilpflanzlich genutzt wird vor allem die Wurzel der Pflanze, die wegen ihrer guten Verträglichkeit eines der am häufigsten genutzten Ayurveda Kräuter überhaupt ist.
  • Brahmi: Botanisch trägt Brahmi bei uns den Namen Kleines Fettblatt. Es ist reich an medizinischen Wirkstoffen wie Flavonoiden, Phytohormonen und Terpenen, die ihm eine stoffwechsel-, hormon- und zellregulierende Wirkung verleihen. Laut ayurvedischen Schriften wurde Brahmi außerdem bereits vor Jahrhunderten von Gelehrten und Schülern zur Verbesserung ihrer Lernfähigkeit angewendet.
  • Chili: Wenngleich Chili kein ursprünglich asiatisches Gewürz ist, so fand es doch schon früh nach seiner Einführung aus Amerika seinen Weg in die Ayurveda Küche. Seine wärmende Schärfe stärkt das Agni und ist deshalb sehr nützlich für eine Rasayana Kur. Der Vertreter aus der Gattung der Paprika hat es darum zu Recht unter die modernen Ayurveda Kräuter geschafft.
  • Galgant: Galgant gilt im Bereich der Ayurveda Kräuter als wichtiges Hausmittel zur Steigerung des Wohlbefindens. Er hilft sowohl bei Krämpfen, Blähungen, Völlegefühl, Übelkeit und Appetitlosigkeit, als auch bei Seekrankheit und Entzündungen. Außerdem ist ihm eine antibiotische, antivirale und krebshemmende Wirkung nachgewiesen.
  • Ingwer: Die Königswurzel unter den asiatischen Wurzelkräutern. Ingwer ist nicht nur für seine hochwirksamen, desinfizierenden Eigenschaften bekannt. Darüber hinaus gilt er als antioxidativ, antiemetisch, blutreinigend, entzündungshemmend, immunstärkend, schmerzlindernd und verdauungsfördernd. Damit vereint Ingwer im Grunde alle für eine Rasayana Kur wünschenswerten Wirkungen in sich.
  • Kardamom: Seine schleim- und auswurffördernde Wirkung, ebenso wie seine die Verdauungssäfte und den Appetit anregende Natur macht Kardamom zu einem ausgezeichneten Rasayana Gewürz. Er wird bereits in den altindischen Veden namentlich erwähnt und gehört somit zu den ältesten Ayurveda Kräutern überhaupt.
  • Knoblauch: Während Knoblauch in der Ernährungslehre des Yoga keine Verwendung findet, kennt ihn Ayurveda als zuverlässigen Verdauungshelfer, der Blähungen und Verstopfungen löst. Außerdem wird seine desinfizierende, reinigende und schmerzlindernde Wirkung in der ayurvedischen Ernährung hoch geschätzt.
  • Koriander: Der seifige Geschmack von Koriander ist im Westen für viele gewöhnungsbedürftig. In der indischen Küche und Heilkunst darf er jedoch nicht fehlen. Das Kultkraut der vedischen Kultur gilt im Ayurveda als wertvolles Heilmittel gegen Harnwegsinfekte, Immunschwächen sowie hohe Blutdruck- und Cholesterinwerte. Es soll vor allem das Pitta-Dosha regulieren.
  • Kurkuma: Als Zutat für Goldene Milch, ebenso wie eine Vielzahl an indischen Gerichten ist der auch als Safranwurzel bekannte Kurkuma ein echtes Kultgewürz im Ayurveda. Seine Wirkung reicht von antiviralen und antibiotischen Eigenschaften über eine Anregung der Magen- und Gallensaftproduktion bis hin zu einer krebshemmenden Funktion.
  • Shatavari: Der Indische Spargel Shatavari ist ein klassisches ayurvedisches Frauenheilkraut. Er soll die Fruchtbarkeit steigern und weibliche Verdauungsbeschwerden sowie Unterleibskrämpfe lindern. Innerhalb der Ayurveda Kräuter wird Shatavari außerdem eine stresslindernde Wirkung zugesprochen.
  • Triphala: Eine Kräutermischung aus den drei wichtigsten Ayurveda Kräutern der Myrobalane-Früchte. Das Trio besteht aus Amalaki (Emblica officinalis), Haritaki (Terminalia chebula) und Bibhitaki (Terminalia belerica). Sie verleihen Triphala eine darmreinigende, verdauungsfördernde und harntreibende Wirkung. Die Kräutermischung wird daher gerne für ayurvedische Detox Kurzen eingesetzt.
  • Tulsi: Auch als Königsbasilikum, Heiliges oder Indisches Basilikum bekannt, gilt Tulsi als Mutter der ayurvedischen Naturheilkunde. Das Kraut hat eine vitalisierende, antioxidative und antimikrobielle Wirkung. Außerdem wirkt es schmerz- und stresslindernd.
  • Zimt: Zimt wirkt nach ayurvedischem Verständnis beruhigend auf das Kapha- und Vata-Dosha. Er vereint die Geschmacksrichtungen scharf, bitter und süß, was das Agni anregt. Auch gilt er im Ayurveda als harntreibend und durchblutungsfördernd.

 

Fazit

Ayurveda Kräuter können einen echten Gesundheitsbeitrag leisten und werden daher inzwischen zu Recht selbst von Schulmedizinern geschätzt. Dank einer Jahrtausende alten Anwendungsgeschichte sind die Kräuter auch gut langzeiterprobt. Als Teil einer ayurvedischen Rasayana Kur lehren sie in Kombination mit Kurinhalten wie gesunden Verhaltensweisen außerdem ein besseres Gefühl für die Bedürfnisse des Körpers. Wie viel Naturmagie dabei wirklich in der mystischen Kräuterkunde der Veden steckt, bleibt jedem selbst zu erforschen.

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