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Chiliöl, Chilis

Chiliöl und Chili-Salbe selber machen – Wirkung und Rezept

Liebhaber guter Schärfe bereiten mit Chili gerne scharf-würzige Gerichte zu. Daneben können die scharfen Paprikaarten aber auch äußerst heilsam sein. Das beweisen Chiliöl und Chili-Salbe gleichermaßen. Zwei Chili-Erzeugnisse, die insbesondere für Personen mit Muskelkater und chronischen Entzündungen eine besondere Empfehlung sind.

 

Chiliöl – Mehr als nur ein Speiseöl

Während Chiliöl als scharfes Speiseöl in der Küche vielen ein Begriff ist, scheint der hohe medizinische Wert des Öls nicht jedem bekannt zu sein. Zwar ist der Ölextrakt in Chili-Salbe gegen Muskelverspannungen inzwischen nicht mehr ganz so unbekannt, doch das scharfe Öl der Chili kann noch mehr.

 

Erwärmend, schmerzlindernd und entzündungshemmend

Der Hauptwirkstoff in Chili ist Capsaicin. Es handelt sich hierbei um denselben Inhaltsstoff, der auch für die Schärfe von Chilis verantwortlich ist. Abgesehen von seiner Funktion als Scharfstoff wurden für Capsaicin mittlerweile aber auch diverse medizinische Eigenschaften nachgewiesen. Einige Mediziner nennen die Chili aufgrund seiner mannigfaltigen Heilwirkungen sogar das gesündeste Lebensmittel der Welt und empfehlen es gegen allerlei Gesundheitsbeschwerden.

Die gute Wirkung von Chili gegen Muskelkater rührt dabei von der erwärmenden Natur des Capsaicins her. Es lockert die Muskeln durch Wärme auf, was Verspannungen löst. Gleichzeitig wirkt Capsaicin auch schmerzlindernd auf die Muskeln, da es die Schmerzrezeptoren des Körpers deaktiviert.

Besagte Rezeptoren sind auch an der Entstehung von Entzündungsreaktionen verantwortlich. Kein Wunder also, dass ihre Deaktivierung durch Capsaicin auch Entzündungen hemmen kann. Gleichwohl wirkt Capsaicin auch schweißtreibend, stoffwechselanregend, blutzucker- und cholesterinsenkend. Zusammengenommen können diese Eigenschaften vor einer Reihe an chronischen Erkrankungen bewahren, darunter Diabetes mellitus, Cholesterin sowie Herz- und Gefäßkrankheiten.

 

Chilis, Chilischoten
Chilis sind nicht nur ein scharfes Gewürz, sondern auch wertvolle Heilkräuter

Was Vanille und Chili gemeinsam haben

Die Schmerzrezeptoren, die durch das scharfe Capsaicin lahmgelegt werden, sind auch als Vanilloid-Rezeptoren bekannt. Diese liegen in den sensorischen Nervenzellen des Nervensystems lokalisiert und sind nach einer ganz bestimmten Gruppe der Aromastoffe benannt: den Vanilloiden. Zu ihnen gehören neben Vanillin, dem Aromastoff der Vanille, auch die Capsaicine scharfer Sorten der Paprika.

Die Vanilloidrezeptoren des menschlichen Organismus zeigen eine besondere Affinität gegenüber Vanilloiden. Die Rezeptoren sind sowohl für das Schmerzempfinden als auch das thermale Empfinden und Entzündungsprozesse verantwortlich. Dass wir beim Essen von Chilis ein Brennen auf der Zunge wahrnehmen, liegt daran, dass Capsaicin an die Vanilloid-Thermorezeptoren binden und ein Gefühl der unsäglichen Hitze hervorruft.

Gleichzeitig fühlt sich die Zunge nach dem Verzehr von Chilis meist auch für eine Weile taub an. Im Anschluss an das anfängliche, gesteigerte Hitzeempfinden auf der Zunge kommt es nämlich zu einer Desensibilisierung der Vanilloid-Rezeptoren. Sowohl Schmerzen als auch andere Geschmäcker werden in Folge kurzfristig nicht mehr wahrgenommen.

Und auch der entzündungshemmende Effekt von Chilis ist auf diesen Mechanismus zurückzuführen. Denn so lange die Vanilloid-Rezeptoren außer Kraft gesetzt sind, können sie auch keine Entzündungsprozesse mehr in Gang setzen.

Übrigens: Vanille ist in der Tat ähnlich wirksam gegen Schmerzen und Entzündungen wie Chilis, weil sie genau die gleichen Auswirkungen auf die Vanilloid-Rezeptoren besitzen.

 

Vanille, Vanilla, Vanillin, Vanilleschote, Vanilleschoten
Die heimliche Allianz im Gewürzregal: Vanilleschoten und Chilischoten stammen nicht nur beide ursprünglich aus Amerika, ihre Inhaltsstoffe gehören auch zur selben Stoffgruppe und haben eine ähnlich beruhigende Wirkung auf die Thermo- und Schmerzrezeptoren.

Chiliöl als Massageöl

Chiliöl lässt sich wunderbar als Massageöl gegen Muskelkater einsetzen. Allerdings sollte man die Chilis bei der Herstellung des Öls dann etwas moderater dosieren als bei der Verwendung als Speiseöl. Schon kurz nach dem Einmassieren entfaltet das Öl dann seine wärmende Wirkung auf Muskeln und Nerven.

Vor allem Rückenmassagen werden immer öfter mit Massageöl aus Chilis durchgeführt. Grundsätzlich kann man das Öl aber auch zum Massieren der Waden, Schenkel oder Füße nutzen. Beschwerden wie verspannte Füße, kalte Füße, Durchblutungsstörungen, Wadenkrämpfe oder Muskelkater in den Beinen sprechen dann sehr gut auf die Massagebehandlung an.

 

Rezept für Chiliöl

Um die Chilis bei der Herstellung eines Ölauszugs richtig zu dosieren, ist es wie erwähnt wichtig, das individuelle Nutzungsvorhaben zu definieren. Ist das Öl als Speiseöl gedacht, kann man theoretisch so viele Chilis verwenden, wie man möchte. Oder eben in Sachen Schärfe verträgt… Auch sind frische und getrocknete Chilischoten bei der Herstellung von Speiseöl gleichermaßen verwendbar. Herstellen kann man den Ölauszug dann im kalten Extraktionsverfahren.

Bei der Herstellung von Massageöl aus Chilis sollte man mit der Menge der genutzten Chilis dagegen vorsichtig sein und auch nur frische Chilischoten verwenden. In der Regel reicht hier eine halbe bis eine Chili völlig aus. Es ist ratsam, mit eher geringen Mengen zu beginnen und erst einmal zu testen, wie die Haut das scharfe Öl verträgt. Das heiße Extraktionsverfahren ist für die Herstellung von Chili-Massageöl am besten geeignet. Hier ein mildes Rezept:

 

Zutaten:

  • ½ Chilischote (frisch)
  • 100 ml Basisöl (am besten Mandelöl oder Jojobaöl)

 

Zubereitung:

Hackt die Chilischote fein und gebt sie anschließend mit dem Öl in ein feuerfestes, hohes Gefäß (z.B. ein hitzebeständiges Einmachglas). Das Ölgemisch wird nun für etwa 45 Minuten bei mittlerer Hitze im Wasserbad erwärmt.

Anschließend filtert Ihr das Öl durch ein sauberes Leinentuch oder ein feinmaschiges Sieb. Nach kurzer Abkühlzeit kann das Massageöl in eine dunkle Glasflasche abgefüllt werden. Diese lagert Ihr dann dunkel und kühl.

 

Chili-Salbe, Rezept
Das Massageöl aus Chilis kann im nächsten Schritt eine hervorragende Zutat für chilihaltige Salbe sein.

Rezept für Chili-Salbe

Ergänzend ist es auch möglich, Ölextrakt aus Chilischoten für die Herstellung von Chili-Salbe zu nutzen. Für die Salbenherstellung empfiehlt sich dann ein Öl, das aus ca. 25 g frischer Chilischoten zubereitet wurde. Für einen zusätzlichen hautpflegenden, durchblutungsfördernden und entzündungshemmenden Effekt kann man ergänzend noch etwas Rosmarintinktur oder Rosmarinöl hinzugeben.

 

Zutaten:

  • 100 ml Chiliöl
  • 12 g Bienenwachs
  • 10 g Lanolin
  • 30 ml Rosmarintinktur

 

Zubereitung:

Gebt das Öl, Bienenwachs und Lanolin als Fettphase in eine hitzebeständige Schüssel und lasst alles zusammen im Wasserbad schmelzen, bis sich eine homogene Masse ergibt. Danach nehmt Ihr das Gemisch vom Herd.

Im Anschluss gießt Ihr unter stetigem Rühren die Rosmarintinktur hinzu. Rührt die Salbe so lange weiter, bis sie abgekühlt und leicht fest geworden ist. Füllt die Salbe zuletzt in einen Salbentiegel ab und lagert diesen kühl und dunkel.

 

Rosmarinöl, Rezept
Die perfekte Kombination für eine durchblutungsfördernde und wärmende Chili-Salbe: Chilis und Rosmarin

Anwendung von Öl und Salbe aus Chili

Sowohl Massageöl als auch wärmende Salbe aus Chili können bis zu 2-mal täglich auf verspannte, schlecht durchblutete oder schmerzende Körperpartien aufgetragen werden. Bei sensibler Haut ist es vorab aber ratsam, die Chili-Präparate zunächst auf kleinen Hautstellen zu testen.

Absehen sollten von der Anwendung der Chili-Präparate schwangere Frauen und Kinder. Auch bei offenen Wunden ist das Auftragen von Öl und Salbe aus Chili nicht empfohlen.

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