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Ölauszüge herstellen – Anwendung, Arten und Rezept

Unter den Extraktionsverfahren für Kräuter ist der Ölauszug gewiss der berühmteste. Das liegt nicht zuletzt daran, dass man Kräuteröle und Pflanzenöle im Allgemeinen für eine Vielzahl an Verwendungszwecken nutzen kann. Welche Arten von Ölauszug es gibt und was es zu beachten gilt, wenn man einen Ölauszug herstellen möchte, erfahrt Ihr im nachstehenden Ratgeber.

 

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Grundlagen zur Herstellung von Ölauszügen

Als Ölauszüge werden zumeist Kräuterextrakte auf Ölbasis bezeichnet. Die Kräuter werden hierzu in ein geeignetes Basisöl eingelegt, das den Pflanzenteilen in Folge ihre kostbaren Inhaltsstoffe entzieht. Man spricht hier auch von einem sogenannten Mazerat.

Ölauszüge stellen neben Kräutertee und Tinkturen die wichtigste Variante der Kräuterextrakte dar. Anders als eine Tinktur, die in der Regel sehr stark dosiert ist, handelt es sich bei den meisten Ölauszügen um eher milde Extrakte. Letztendlich sind für die genaue Wirkungsweise aber die gewählten Kräuter verantwortlich.

 

Verwendete Pflanzenteile für den Ölauszug

Einen Ölauszug herstellen kann man sowohl aus weichen Pflanzenteilen wie Blüten und Blättern als auch aus festeren Pflanzenteile wie Wurzeln oder Früchten. Häufig handelt es sich um getrocknete Kräuter, wobei grundsätzlich auch frische Kräuter verwendet werden können.

In manchen Fällen sind frische Kräuter auch vorzuziehen, etwa wenn man sehr einen sehr aromatischen Ölauszug herstellen möchte. Denn im Rahmen des Trocknungsprozesses verlieren einige Kräuter schnell an Aroma.

 

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Ob Blüten, Blätter, Wurzeln oder Früchte – Für die Herstellung von Ölauszügen kann man im Grunde alle Pflanzenteile verwenden

Wichtige Hilfsmittel für die Ölextraktion

Es ist empfehlenswert, nur geschmacksneutrale Basisöle wie Keimöl, Traubenkernöl oder Sonnenblumenöl zu verwenden, wenn man einen aromatischen Ölauszug herstellen will. So kann sich gerade in aromatischen Kräuterölen der natürlich Geschmack der Kräuter am besten entfalten.

Um einen Ölansatz herzustellen, benötigt man ein geeignetes Schraubglas oder eine Flasche mit breitem Hals zum Befüllen. Um die Kräuter nach der Extraktion abzufiltern, nutzt man entweder ein sauberes Leinentuch oder ein feinmaschiges Sieb.

Die Aufbewahrung der Ölextrakte erfolgt in dunklen Glasflaschen, die den Ölauszug für Inhaltsstoffverlust durch Sonneneinstrahlung schützen. In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, die Ölextrakte dunkel und kühl zu lagern, zum Beispiel im Kühlschrank oder in der Speisekammer.

 

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Besonders aufwändig ist die Herstellung von Ölauszügen nicht. Allerdings benötigen hochwertige Kräuteröle mit Blick auf die Extraktionsdauer etwas mehr Zeit.

Ölauszug herstellen: Arten von Ölextrakten

Pflanzenöle findet man gemeinhin nicht nur in der Küche. Auch im Bad sind sie mitunter Bestandteil diverser Pflegeprodukte. In der Hausapotheke findet man zudem häufig Kräuteröle mit heilsamer Wirkung. Und selbst im Schlafzimmer und Wohnzimmer haben wohlriechende Ölextrakte in Form von Raumduft ihren Platz.

Will man einen entsprechenden Ölauszug herstellen, muss man aber auf die Eignung der jeweiligen Kräuter für individuelle Verwendungszwecke achten. Denn nicht jedes Kräuteröl ist für den Verzehr geeignet. Umgekehrt lässt sich auch nicht jedes Küchenöl automatisch in Naturheilmitteln, Pflegeprodukten oder Raumduft verarbeiten. Aus diesem Grund, hier ein Überblick zu den wichtigsten Unterschieden:

 

Ätherische Öle

Der Begriff „Äther“ leitet sich von dem altgriechischen Wort aithér für „Himmel“ oder „die obere Luft“ ab. In der griechischen Mythologie besitzt der Äther mit dem Urgott des Lichts und des Himmels Aither sowie dem gleichnamigen kosmischen Sitz der Götter auch eine eigenständige Personifikation.

Interessanterweise werden ätherische Öle in der spirituellen Praxis auch gezielt dazu verwendet, um den „Äther anzurufen“ und sich göttliches Gehör zu verschaffen. Ebenso sollen Sie im Zuge der Aromatherapie den Geist als ätherischen Motor des Körpers beleben und genesen lassen.

 

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Kleine Fläschchen, große Wirkung: Ätherische Öle enthalten hochkonzentrierte Wirkstoffe in öliger Konsistenz

Ätherische Öle sind flüchtige Pflanzenstoffe, die zumeist aus einer Kombination von Alkoholen, Terpenen und Aromastoffen bestehen. Sie werden meist durch Wasserdampfdestillation gewonnen, lassen sich in etwas schwächerer Konzentration aber auch durch einen Ölauszug herstellen.

Einen besonders hohen Gehalt an ätherischen Ölen weisen vor allem die Pflanzensekrete verholzender Kräuterpflanzen auf. Dazu gehören insbesondere Baumharze wie Weihrauch oder Myrrhe und stark aromatische Kräutersträucher wie Lavendel, Rosmarin oder Thymian aus der Gruppe der Gewürzkräuter und Duftkräuter. Daneben lassen sich ätherische Öle aber auch aus Früchten (z.B. ätherisches Zitronenöl oder Orangenöl), Blüten und Wurzeln gewinnen.

Es handelt sich bei den Inhaltsstoffen von ätherischen Ölen oft um medizinisch hochwirksame, in hoher Konzentration aber auch haut- und schleimhautreizende sowie leicht entflammbare Substanzen. Aus diesem Grund sollte man ätherische Öle zur äußeren Anwendung (z.B. bei Teebaumöl) nur sehr niedrig dosiert und stark verdünnt verwenden. Zum Verzehr sind hochkonzentrierte ätherische Öle grundsätzlich nicht geeignet.

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Zweifelsohne eines der beliebtesten ätherischen Öle der Welt: das magisch duftende und beruhigende Lavendelöl

Duftöl

Die häufigste Verwendung finden ätherische Öle als Duftöl. Diese sind nicht nur als Raumduft sehr beliebt. Ebenso sind für die Aromatherapie, Kosmetik und zeremonielle Praxis im Bereich Ritual- und Zauberpflanzen relevant. Überhaupt ist die rituelle Verwendung von Duftölen ein äußerst interessantes Thema und steht in direkter Verbindung mit der Begriffsgeschichte des Wortes Äther.

Gemäß der Elementenlehre des griechischen Universalgelehrten Aristoteles gibt es nicht vier, sondern unter Einbeziehung des Äthers fünf Elemente. Auf Basis dieser Lehre entstand im 17. Jahrhundert die Theorie einer unsichtbaren bzw. transparenten Substanz, die in der Physik lange Zeit als universelles Medium für die Ausbreitung von Licht und elektromagnetischen Wellen vermutet wurde.

Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich aus dieser Theorie sowohl wissenschaftliche als auch esoterische Konzepte zum Äther. Neben der eher spirituellen Definition von Äther als Sphäre der andersweltlichen Wesen, Geister und Götter setzte sich speziell in der Physik Äther als Bezeichnung für die sogenannte „feine Masse jenseits der Lufthülle der Erde“ durch.

Gemeint sind damit nicht nur Wirkstoffe und Aromastoffe in ätherischen Ölen aus der Gruppe der Ether. Auch unsichtbare astronomische Massen wie die dunkle Materie und der stellare Raum, die nach wie vor zwei große Unbekannte für die Astronomie und Astrophysik darstellen, werden als Äther bezeichnet.

Die spirituelle Praxis versucht diesbezüglich explizit, mit ätherischen Duftölen eine Verbindung zu diesen unergründlichen Reichen des Kosmos und der jenseitigen Welt herzustellen. Ob als Inspirationsquelle für kreative Eingebungen, Hilfsmittel zur Meditation oder direktes Kommunikationsmedium für Anrufungen und Gebete – die Geschichte zur Verwendung von ätherischen Ölen als rituelles Räucherwerk reicht bis in die Antike zurück.

 

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Himmlische Düfte: Rosenöl wird als Ritualduft gerne zur Anrufung der Erzengel verwendet

Medizinisches Kräuteröl

Eine wesentlich weniger abstrakte Rolle spielen ätherische Öle in medizinischen Kräuterölen, wenn auch nur schwach dosiert. Dafür werden die ätherischen Inhaltsstoffe der Heilkräuter aber meist nicht separat, sondern gemeinsam mit weiteren medizinischen Wirkstoffen in den Kräuterpflanzen extrahiert. Dadurch ergibt sich ein deutlich milderer Wirkstoffkomplex und eine vielseitigere Wirkungsweise.

Nun müssen Kräuter aber nicht zwingend ätherische Öle enthalten, um für die Herstellung eines medizinischen Ölauszugs relevant zu sein. Es gibt noch eine Fülle weiterer heilsamer Inhaltsstoffe in Kräuterpflanzen, die in Form eines Ölauszugs ungeahnte Heilkraft besitzen. Hierzu gehören:

  • Bitterstoffe
  • Flavonoide
  • Gerbstoffe
  • Glykoside
  • Phenole
  • Phytohormone

Medizinisches Kräuteröl wird vorwiegend zur äußeren Anwendung genutzt. Wohlbekannt ist zum Beispiel die Anwendung von zellregenerativem Ringelblumenöl, Nachtkerzenöl und Hamamelisöl zur Behandlung von chronischen Hauterkrankungen. Ölauszüge aus Kräutern wie Beinwell, Kamille oder Schafgarbe unterstützen ergänzend auch die Wundheilung.

Kräuteröle wie Rosenöl und Lavendelöl haben wiederum eine beruhigende, entspannende, schmerzlindernde sowie schlaffördernde Wirkung. Sie werden deshalb auch gerne in der Anti-Stress-Therapie und für die Herstellung von Massageöl zur Lösung von Muskelverspannungen genutzt.

 

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In der Wundbehandlung und Hautpflege hochgeschätzt: Kamillenöl

Speiseöl

Einen Ölauszug herstellen kann man nicht nur aus Kräutern, sondern auch aus Samen, Kernen, Nüssen, Obst und Gemüse. Gerade Getreidesamen, Saaten und Nüsse sind diesbezüglich von Natur aus sehr reich an gesunden Fettsäuren, die eine hohe Ölausbeute versprechen.

Andere Speiseöle werden aus aromatischen Gewürzkräutern gewonnen, die dann nicht nur zum Braten, sondern auch zum Verfeinern von Gerichten ideal sind. Zu den wichtigsten Speiseölen gehören diesbezüglich:

  • Chiliöl
  • Distelöl
  • Hanföl
  • Knoblauchöl
  • Kokosöl
  • Kürbiskernöl
  • Mandelöl
  • Olivenöl
  • Rapsöl
  • Sonnenblumenöl
  • Traubenkernöl
  • Walnussöl

 

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Als hochwertiges Speiseöl ein echter Geheimtipp: Distelöl

Wer Speiseöle nicht durch klassische Kaltpressung direkt aus den Pflanzen gewinnen, sondern als Ölauszug herstellen möchte, muss aber einiges beachten. Beispielsweise sind harte Samen, Saaten und Nüsse vor der Extraktion ausreichend zu zerkleinern, damit die Inhaltsstoffe und Fettsäuren leichter in das Trägeröl übergehen können.

Auch sind nicht alle Speiseöle gleichermaßen gesund. Zum Beispiel ist der Anteil an gesunden, ungesättigten Fettsäuren wie Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren in Olivenöl und Hanföl deutlich höher als etwa bei Sonnenblumenöl. Beide Ölvarianten bringen außerdem auch einen beachtlichen Gehalt an essenziellen Aminosäuren mit, die für zusätzlichen Gesundheitswert sorgen.

 

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Der Klassiker unter den gesunden Speiseölen: Olivenöl ist nicht nur ein hervorragendes Gourmetöl und Basisöl für Pflegeprodukte. Man kann es zudem auch selbst machen, indem man die Oliven püriert, in einem Topf für etwa 10 Minuten erwärmt und dann durch ein Passiertuch auspresst

Haaröl und Hautöl

Viele Speiseöle lassen sich auch wunderbar für die Haarpflege und Hautpflege nutzen. Vor allem störrisches Haar und trockene Haut profitieren sehr von Pflegeölen, die man sowohl in ihrer Reinform als auch als Zutat für Cremes, Salben und andere Pflegeprodukte verwenden kann. Zudem sind auch in Pflegeprodukten wie Rosmarinwasser ätherische Ölauszüge enthalten.

Es sei aber gesagt, dass sich nicht alle Pflegeöle zur Haut- und Haarpflege gleichermaßen gut als Ölauszug selbst herstellen lassen. Gerade exotische Öle wie Arganöl, Jojobaöl, Macadamiaöl oder Kokosöl könnten für die DIY-Kräuterküche zur Herausforderung werden.

Leichter gelingen Pflegeöle wie Mandelöl, Rizinusöl, Rosmarinöl oder Walnussöl, an deren Zutaten man auch deutlich einfacher herankommt. Ein besonderer Tipp für die Anti-Aging-Pflege sind neben Rosenöl außerdem Hagebuttenöl und Retinolöl, das man ganz einfach aus Kürbis und Karotten gewinnen kann.

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Liegt in der Haarpflege aktuell voll im Trend: Rosmarinöl als Zutat für Rosmarinwasser gegen Haarausfall

Rezept für Ölauszug: Die zwei Methoden

Bei der Herstellung von Ölauszügen ist zwischen dem kalten und heißen Extraktionsverfahren zu unterscheiden. Beide Verfahren haben ihre Vor- und Nachteile.

 

Heißes Extraktionsverfahren für Ölauszüge

Für das heiße Extraktionsverfahren bzw. die Heißextraktion werden Öl und Kräuter im Wasserbad erhitzt. Die Methode ist gut für festere Kräuter und Wurzeln geeignet. Allerdings ist die Wirkstoffkonzentration des Ölauszugs aufgrund der kurzen Extraktionszeit relativ gering.

 

Zutaten:

  • Glasschüssel
  • Kochtopf mit 2 Liter Wasser
  • gesäuberte Pflanzenteile
  • Keimöl
  • sauberes Tuch
  • dunkle bzw. blaue Flasche

 

Zubereitung:

Stellt den Topf samt Wasser auf den Herd und wartet, bis es erhitzt wurde. Unterdes gebt Ihr die Kräuter in die Glasschale und bedeckt diese bis gänzlich mit Olivenöl. Nun das Ölgemisch bei geringer Hitzezufuhr ca. 3 Stunden im Wasserbad sieden lassen. Danach den Ölauszug etwas abkühlen lassen und wie gehabt abseihen und zur Aufbewahrung abfüllen.

 

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Klassischer Ansatz für Ölauszug aus Ringelblumen im kalten Extraktionsverfahren

Kaltes Extraktionsverfahren für Ölauszüge

Das kalte Extraktionsverfahren bzw. die Kaltextraktion erfolgt in Form eines Ölansatzes, wobei die Kräuter in einen Glasbehälter gefüllt und anschließend mit einem geeigneten Basisöl übergossen werden.

Der Ansatz muss danach mehrere Wochen ziehen, wodurch sich aber eine deutlich höhere Wirkstoffkonzentration im Ölauszug ergibt. Die Methode eignet sich hervorragend, um weiche Pflanzenteile wie Blüten und Blätter zu extrahieren.

 

Zutaten:

  • Schraubglas
  • gesäuberte Pflanzenteile
  • Keimöl oder Sonnenblumenöl
  • sauberes Tuch
  • dunkle bzw. blaue Flasche

 

Zubereitung:

Füllt ein Schraubglas randvoll mit Kräutern und gebt anschließend so viel Öl hinzu, dass die Kräuter vollständig bedeckt sind. Der Ölansatz sollte nun ein Monat lang an einen hellen Ort gestellt und täglich geschüttelt werden. Nach Ablauf der Zeit das Ganze abseihen und in eine dunkle Flasche füllen.

Um die Haltbarkeit des Ölauszugs zu verlängern, könnt Ihr ihn mit ein paar Tropfen Antiranz bzw. einer entsprechenden Menge ätherischer Öle versehen. Nichtsdestotrotz sollten Sie vor allem sehr sensible Ölsorten, wie Mandel- oder Weizenkeimöl nach Anbruch der Flasche innerhalb weniger Wochen aufbrauchen.

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