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Drachenblut, Sanguis draconis

Drachenblut – Wirkung, Anwendung und Geschichte

Drachenblut ist zweifelsohne das magischste Räucherharz von allen. Schon sein Name kündet von der majestätischen Natur dieses Harzes. Und spätestens seine außergewöhnliche rote Farbe verdeutlicht, dass es sich hierbei um ein Naturharz der ganz besonderen Art handelt. Ein kleiner Informationsguide zum harzigen Blut des Drachen.

 

Geschichte von Drachenblut

Das Drachenblut (Sanguis draconis) ist das rote bis rotbraune Naturharz des Drachenbaums, dessen wissenschaftlicher Name Dracaena sich von dem altgriechischen Wort drákaina für „weiblicher Drachen“ ableitet. Um die Namensgebung des Drachenbaums ranken sich diverse Mythen. Sein rotes Harz soll dabei sogar magische Wirkung besitzen.

 

Von Drachen, Blut und Baumharz

Drachenbäume verdanken ihren Namen der legendären Hydra. Das neunköpfige Drachenmonster aus der griechischen Mythologie war dafür bekannt, dass ihm für jeden abgeschlagenen Kopf zwei neue nachwachsen. Ein ganz ähnliches Wachstumsverhalten zeigt auch der Drachenbaum, aus dessen Rinde das echte Drachenblut gewonnen wird. Denn aus abgebrochenen Trieben des Drachenbaums erwachsen in Folge ebenfalls mehrere neue Triebe.

Wie hartnäckig der Kopfwuchs der Hydra war, musste einst auch Herkules realisieren. Das Monster zu töten, war eine der 12 Aufgaben, die er im Namen von König Eurystheus zu vollbringen hatte, als Strafe dafür, dass der Göttersohn im Delirium seine Frau Megara und die gemeinsamen Kinder ermordet hatte. Besiegen konnte er die Hydra nur, indem er die Hälse des Ungeheuers nach dem Enthaupten ausbrannte und den unsterblichen Hauptkopf unter einem schweren Felsen begrub.

Einige sehen im Vergraben des unsterblichen Hauptes der Hydra den Ursprung des Drachenbaums. Der römische Gelehrte und Naturforscher Plinius der Ältere gab in seinen Aufzeichnungen aber noch eine zweite Legende zur Entstehung des Baumes an. Demnach sei der Drachenbaum in Folge eines Kampfes zwischen einem Elefanten und einem Drachen durch die Vermischung des Blutes beider Tiere entstanden sein.

Eine interessante Theorie, denn die multiplen Stämme mancher Drachenäume erinnern stark an Elefantenfüße. In diesem Zusammenhang sei auch der arabische Name von Drachenblut, al-akhwain, erwähnt, der übersetzt „Blut der zwei Brüder“ bedeutet.

 

Drachenbaum, Dracaena, Sokotrischer Drachenbaum, Dracaena cinnibari
Bizarre Schönheit: Der Sokotrische Drachenbaum mutet magisch und extraterrestrisch an

Ein magisches und heilsames Baumharz

Aufgrund der Mythen um seine Entstehungsgeschichte schrieb man dem Drachenbaum seinerzeit ein besonderes Eigenleben zu und ging davon aus, dass es sich bei ihm um ein lebendiges Wesen mit mysteriösen Kräften handelte. Die rote Farbe des Drachenbaumharzes rief bei Betrachtern zudem die Vorstellung eines real blutenden Baumes hervor, wenn es aus der Rinde trat.

Unnötig zu erwähnen, dass Drachenblut früher nicht nur als aromatisches Räucherwerk, sondern auch als magisches Ritualopfer und Zauberharz verwendet wurde. Selbst als heiliger Leichenbalsam zur Einbalsamierung von Mumien ist Sanguis draconis bekannt. In der antiken Heilkunde kam es ferner als antiseptisches Wundheilmittel sowie zur Behandlung von Atemwegserkrankungen und Durchfall zum Einsatz. Ebenso ist eine Nutzung als Naturfarbstoff und Zutat für Lack, Zahnpaste und Tinkturen belegt.

Der Wert für das Harz aus Drachenbäumen war in der Antike dementsprechend hoch. Wie Weihrauch und Myrrhe galt Drachenblut als kostbares Handelsgut der antiken Weihrauchstraße und wurde schon vor über 2.000 Jahren über weite Strecken zwischen Nordafrika, der Arabischen Halbinsel und Südeuropa gehandelt.

 

Drachenblut, Sanguis draconis
Ein kostbares Handelsgut: Drachenblut wurde schon in der Antike vom Orient und Afrika bis nach Europa teuer verkauft | © Das Grüne Archiv

Arten von Drachenblut

Im Unterschied zu Weihrauch und Myrrhe gehört der Drachenbaum trotz ähnlicher Wirkung und Anwendung nicht zu den Balsambaumgewächsen. Stattdessen ist er als Spargelgewächs ein enger Verwandter von Spargel, Bogenhanf, Agave und Grünlilie.

Nun sei aber erwähnt, dass der Drachenbaum nicht die einzige Bezugsquelle für Drachenblut ist. Tatsächlich gibt es noch einige andere Gehölze, die zur Gewinnung von Sanguis draconis Verwendung finden. Unterscheiden muss man in diesem Zusammenhang also zwischen echtem und unechtem Drachenblutharz.

 

Sokotrisches Drachenblut

Das qualitativ hochwertigste und echte Drachenblut stammt von dem Sokotrischen Drachenbaum (Dracaena cinnabari). Es handelt sich hierbei um eine endemische Drachenbaumart, die ausschließlich auf den Inselgruppen von Sokotra im Roten Meer zwischen Somalia und dem Jemen gedeiht.

Der Artenzusatz cinnabari leitet sich von dem lateinischen Wort cinnabarinus für „zinnoberrote“ ab. Allerdings ist Sokotrisches Drachenblut nicht leuchtend rot, sondern eher purpurrot bis rotbraun. Anhand dieser Farbeigenschaft lässt sich das Harz gut von Drachenblutharzen anderer Gehölze unterscheiden. Der Geruch des Naturharzes aus Sokotrischem Drachenbaum lässt sich als schwer-süßlich bis würzig-balsamisch beschreiben.

 

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Echtes Sokotrisches Drachenblut hat eine purpurrote Farbe | © Das Grüne Archiv

Kanarisches Drachenblut

Die zweite Drachenbaum-Art, die zur Herstellung von echtem Sanguis draconis verwendet wird, ist der Kanarische Drachenbaum (Dracaea draco). Das Harz des Baumes besitzt die gleichen Eigenschaften wie Sokotrisches Drachenblut, wobei die Bestände des Kanarischen Drachenbaums heute stark gefährdet sind.

Als endemische Baumart aus Nordafrika gedeiht der Baum üblicherweise in Felsschluchten und ist für die Ernte von Harz somit nur schwer zugänglich. Kanarisches Drachenblut gilt darum als äußerst selten.

 

Chinesisches Drachenblut

Die dritte, echte Variante des Sanguis draconis, das aus asiatischen Drachenbäumen wie den Chinesischen Drachenbaum (Dracaena cochinchinensis) und dem Kambodscha-Drachenbaum (Dracaena cambodiana) gewonnen wird. In China ist das Pulver dieses Harzes insbesondere als Naturfarbstoff zum Einfärben von Papier und Plakaten in Gebrauch. Des Weiteren dient es als Werkstoff und Verbundmittel zum Verkleben und Beschichten von Möbeln.

 

Westindisches Drachenblut

Diese Harzvariante ist ein unechtes Drachenblut. Es wird aus dem harzähnlichen Sekret von Fruchtschalen der Drachenblutpalme (Daemonorops draco / Daemonorops rubra) gewonnen und somit streng genommen kein echtes Baumharz, sondern ein Fruchtsekret. Häufig ist es in gemahlener Form als Drachenblutpulver erhältlich.

Das rote Pulver von Daemonorops draco und Daemonorops rubra ist in der Regel deutlich heller als das Baumharz der Drachenbäume und intensiv rot gefärbt.

 

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Westindisches Drachenblut ist heller und häufiger in Pulverform erhältlich | © Das Grüne Archiv

Croton- und Pterocarpus-Drachenblut

Zwei weitere, unechte Varianten des Sanguis draconis stammen von Pterocarpus-Arten wie dem in Amerika heimischen Palo de Sangre (Pterocarpus officinalis) sowie verschiedenen Croton-Arten.

Unter den Croton-Arten relativ bekannt ist der Kaskarillabaum (Croton eluteria). Allerdings gibt es noch einige weitere Arten, die sogar den Drachen mit im Namen tragen. Dazu gehören:

  • Croton draco
  • Croton draconoides
  • Croton draconopsis
  • Croton dracunculoides

 

Inhaltsstoffe und Wirkung von Drachenblut

Laut einer chinesischen Studie konnten im Harz des Drachenbaums ganze 300 verschiedene Inhaltsstoffe identifiziert werden. Darunter befinden sich insbesondere viele Flavonoide, Phenole, Steroide und Terpene. Sie verleihen Sanguis draconis eine antimikrobielle, antioxidative, entzündungshemmende, schmerzstillende und wundheilende Wirkung. Insgesamt lassen sich folgende wichtigen Wirkstoffe in Drachenblut nennen:

  • Betain
  • Borneol
  • Camphen
  • Caryophyllen
  • Cymen
  • Eugenol
  • Limonen
  • Linalool
  • Myrcen
  • Proanthocyanidine
  • Terpinen
  • Vanillin

 

Die rote Farbe von Drachenblut ist ferner dem Farbstoff Dracorubin geschuldet. Gemeinsam mit den aromatischen Verbindungen im Harz des Drachenbaums macht Dracorubin das Naturharz zu einem sogenannten Oleoresin. Die Harzgruppe ist definiert durch färbende und geschmacksbildende Eigenschaften.

 

Drachenblut, Sanguis draconis
Die Anwendungsmöglichkeiten und Anwendungsformen von Sanguis draconis sind vielseitig | © Das Grüne Archiv

Anwendung von Sanguis draconis

Zu den Hauptanwendungsgebieten von Sanguis draconis gehören wie erwähnt Wunden, Atemwegsbeschwerden und Magen-Darm-Beschwerden. Ebenso kommen Auszüge des Harzes bei Hautbeschwerden wie Warze, Akne und Hautalterung zur Anwendung. Und selbst gegen Diabetes mellitus, Krebs und Thrombosen soll das Harz etwas auszurichten vermögen.

Wenngleich die medizinische Verwendung des Drachenbaumharzes heute nicht mehr so gebräuchlich ist wie früher, kann man es doch zumindest als stimulierendes Räucherharz einsetzen. Ein mystischer Duft ist dabei garantiert und so manche Muse soll Künstler und Poeten beim Räuchern mit Drachenblut schon geküsst haben.

Das Harzpulver des Drachenbaums ist zudem ein äußerst effektiver Farbstoff. Ebenso gut lässt es sich für die Herstellung von Räucherstäbchen nutzen. Ätherische Ölauszüge der Drachenbäume sind ergänzend als Duftöl sehr beliebt.

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