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Räucherstäbchen selber machen

Räucherstäbchen sind neben Duftöl und Smudge Sticks gewiss das beliebteste Räucherwerk der Welt. Ursprünglich aus Asien stammend, hat der Einsatz des Räucherwerks als spirituelles und heilpflanzliches Hilfsmittel dort lange Tradition. Und auch im Westen haben sich die wohlriechenden Düfte am Stäbchen als Wellnesszubehör durchgesetzt. Doch kann man Räucherstäbchen auch selber herstellen? Die Antwort lautet: Ja.

 

Räucherstäbchen in der asiatischen Kultur

Räucherstäbchen sind insbesondere aus der indischen, japanischen und chinesischen Kultur bekannt. In Indien sind sie, ähnlich wie Weihrauch im Christentum, spirituelles Räucherwerk zur Meditation und zum Gebet. Daneben spielen sie auch in der Aromatherapie der indischen Heilkunst Ayurveda eine bedeutsame Rolle. Hier sollen individuelle Räuchermischungen dabei helfen, die Körpersäfte der sogenannten Doshas ins Gleichgewicht zu bringen.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), ebenso wie in der japanischen Heilkunst, haben Räucherstäbchen eine ähnliche Gesundheitsfunktion. Hier sollen sie die Lebensenergien des Qi-Flusses stabilisieren. Zudem zündet man sie zeremoniell in den Tempelanlagen, Schreinen und Meditationsstätten Chinas und Japans an. Das Räucherwerk dient dann entweder der Ahnenverehrung, dem Fernhalten böser Energien, der Klärung des Geistes oder der Anrufung von Göttern.

Auch im Rest der asiatischen Welt sind Räucherstäbchen zu genannten Zwecken seit mindestens 1.000 Jahren Tradition. So werden sie in Tibet beispielsweise schon seit dem 7. Jahrhundert hergestellt. Die Region gilt als spirituelles Zentrum des buddhistischen Glaubens in Asien und somit auch als bedeutsamer Produzent von spirituellem Räucherwerk mit hoher Qualität.

 

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Tibetanische Wacholder Räucherstäbchen | © Das Grüne Archiv

Zutaten für Räucherstäbchen

Räucherstäbchen werden gemeinhin aus einer klebrigen Räucherpaste oder Räucherpulver herstellt. Dieses wird entweder direkt zu Stäbchen gerollt oder auf dünne Holz- bzw. Bambusstäbchen aufgetragen. Als wichtigste Zutaten gelten hierbei:

  • ätherische Öle
  • Holzpulver
  • Kräuterpulver
  • Baumharze
  • Wasser

Die genaue Zusammensetzung von Räucherstäbchen kann je nach Herkunft sehr unterschiedlich sein. So nutzt man in Japan zum Beispiel Wasser, Holzpulver und Duftöle. Auch das Trägerholz fällt hier weg, womit japanische Räucherstäbchen denen aus Tibet ähneln.

In Indien, China und Vietnam verwendet man hingegen Trägerhölzer oder Bambusstäbchen und arbeitet neben Holz- und Kräuterpulver auch mit Pulver aus Räucherharz.

 

Der Klassiker: Nag Champa Räucherstäbchen

Es versteht sich wohl von selbst, dass Duftkräuter bei der Herstellung von Räucherstäbchen eine übergeordnete Rolle spielen. Ob als Duftöl oder Räucherpulver – sie verleihen dem Räucherwerk seinen einzigartigen Duft und kommen in allerlei Duftkompositionen.

Eines der wohl berühmtesten Räucherpulver aus Indien ist diesbezüglich die Nag Champa Räuchermischung. Dabei ist jedoch zwischen der für Duftöle genutzten Campaka Magnolie und den für Nag Champa Pulver und Räucherstäbchen verwendeten Kräuteressenzen zu unterscheiden. Letztere enthalten noch andere Duftkomponenten, wodurch der einzigartige, süßlich schwere Duft von Nag Champa Räucherstäbchen zustande kommt.

Das Rezept für Nag Champa Räucherstäbchenpulver ist ein gut gehütetes Geheimnis der indischen Räucherwerkproduktion und kann je nach Hersteller zudem variieren. Einige Bestandteile sind jedoch bekannt und lauten wie folgt:

  • Blütenöl des Ceylon-Eisenholzes „Nag Champa“ (Mesua ferrea)
  • Harz des Götterbaums (Alianthus malabrica)
  • Sandelholz (Santalum albium)

 

Die Einzelzutaten für Nag Champa Pulver sind im Westen relativ schwer zu bekommen. Allerdings gibt es die fertige Pulvermischung im Handel zu kaufen.

 

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Nag Champa Räucherpulver | © Das Grüne Archiv

Räucherpulver aus Duftkräutern

Neben Nag Champa gibt es natürlich noch eine Reihe weiterer Kräuterpulver, die sich für die Herstellung von Räucherstäbchen eignen. Diese sind meist sehr reich an ätherischen Ölen was nicht nur die Stabilität der Räuchermasse, sondern auch deren Brennfähigkeit verbessert. Klassische Duftkräuter für Räucherpulver sind diesbezüglich:

Hinzu kommen eine Reihe exklusiver Duftmischungen wie Midnight Bloom, Meditation, Ayurveda, Rain Forest, Autumn Leaves oder Christmas Cookie, deren Zusammensetzung von Herstellern aber strikt geheim gehalten wird.

 

Drachenblut, Sanguis draconis
Ein besonderer Tipp: Selbstgemachte rote Räucherstäbchen aus gemahlenem Drachenblut | © Das Grüne Archiv

Das Trägerholz

Trägerhölzer für die Räuchermischungen bestehen wie erwähnt in der Regel aus Holz oder Bambus. Gerne werden die Stäbchen auch bunt eingefärbt. Bei bunten Räucherstäbchen aus Vietnam steht dabei jede Farbe sogar für einen speziellen Duft und orientiert sich an der Farbe der Räuchermischung. Sie kann je nach Kräuterzusätzen sehr individuell ausfallen, wird für einen besonderen Farbeffekt aber häufig noch nachträglich eingefärbt.

 

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Vietnamesische Räucherstäbchen in verschiedenen Farben | © Das Grüne Archiv

Vorteile von DIY-Räucherstäbchen

Da die meisten Räucherstäbchen aus Asien stammen, treten sie im Rahmen des internationalen Handels oft lange Reisen an. Für die Umwelt ist der Massenexport des Räucherwerks daher nicht gerade nützlich.

Außerdem fallen für Versand und Verkauf der Räucherstäbchen oft hohe Verpackungskosten an. Die Verpackung besteht neben Pappschachteln zudem aus Unmengen an Plastiktütchen. Ein weiteres Manko in Sachen Umweltfreundlichkeit.

Davon abgesehen erlaubt die private Herstellung von Räucherstäbchen individuelle Duftkompositionen und ist frei von gesundheitsschädlichen Zusatzstoffen. Denn Räucherstäbchen von Großproduzenten haben ihre Tücken. Nicht selten stecken sie voller synthetischer Zusatzstoffe, die von Herz-Kreislauf-Beschwerden bis hin zu Lungenkrebs eine Reihe an Gesundheitsrisiken bergen. DIY-Räucherstäbchen sind hier die deutlich gesundheitsfreundlichere Alternative.

Vorteile von DIY-Räucherstäbchen im Überblick:

  • preiswertes Räucherwerk
  • umweltfreundliche Herstellung
  • natürliche Inhaltsstoffe und Zutaten
  • individuelle Räuchermischungen
  • tolle DIY-Geschenkidee

 

Räucherstäbchen herstellen

Als Trägerhölzer für die Räucherstäbchen verwendet Ihr am besten schmale Bambusstäbe oder Schaschlik-Spieße. Diese werden im Anschluss der Länge nach geviertel, damit sie schmal genug sind, um ohne übermäßige Rauchentwicklung des Holzes gut abzubrennen.

Nutzt für das Spalten der Trägerhölzer am besten eine kleine Axt oder ein Hackebeil. Dabei sind natürlich die nötigen Sicherheitsvorkehrungen zu Treffen. Tragt beim Spalten auf jeden Fall Schutzhandschuhe und eine Schutzbrille, damit euch keine Holzsplitter verletzen. Wer einen talentierten Meister im Holzhacken kennt, kann auch diesen Fragen, ob er das Spalten für Euch übernimmt.

Tipp: Wem das Spalten der Spieße zu aufwändig ist, der kann die Räucherstäbchen natürlich auch ohne Trägerhölzer herstellen. Die Kräuterpaste, die zur Herstellung verwendet wird, eignet sich darüber hinaus sogar für Räucherkegel

 

DIY-Anleitung für Räucherstäbchen und Räucherkegel

Für die traditionelle Herstellung von Räucherstäbchen und Räucherkegeln wird eine Art aromatische Knetmasse verwendet, die aus Kräuterpulver und Wasser besteht. Die Duftknete wird anschließend zu länglichen Röllchen mit oder ohne Trägerholz oder zu Räucherkegeln verarbeitet. Hier die Anleitung:

 

Zutaten:

  • 350 ml Wasser
  • 10 EL Kräuterpulver
  • 5 EL Räucherharz (z.B. Weihrauch, Myrrhe oder Copal)
  • 2 EL feines Weizenmehl
  • 1 EL Honig oder Zucker
  • ½ Tablette Räucherkohle (optional)
  • Trägerhölzer (optional)

 

Zubereitung:

Besorgt Euch einfach ein fertiges Räucherpulver wie Nag Champa oder kreiert selbst Euer bevorzugtes Räucherpulver, indem Ihr getrocknete Blüten, Blätter und Hölzer von Duftkräutern fein mahlt oder im Mixer zerkleinert.

Wer nun Holzkohle als Brennhilfe hinzu geben möchte, kann dies tun, sollte diese aber nicht mit in den Mixer geben. Stattdessen wird sie, ebenso wie das Räucherharz, im Mörser zu feinem Pulver gemahlen. Danach müsst ihr Kräuterpulver, Harz und wahlweise Kohlepulver nur noch miteinander vermischen.

Für den Naturkleber, der später die Räuchermischung zusammenhält, mischt Ihr Mehl, Zucker und Wasser zu einer sämigen Masse. Gebt das Ganze anschließend in einen Topf und bringt es bei schwacher Hitze und unter stetem Rühren zum Kochen. Danach nehmt Ihr den Topf vom Herd und lasst das natürliche Bindemittel etwas abkühlen.

Im nächsten Schritt vermischt Ihr ein Drittel des Mehlklebers mit der Räuchermischung zu einer klebrigen und knetfähigen Masse. Je nachdem, ob die Knetmasse während der Verarbeitung zu trocken oder zu feucht erscheint, könnt Ihr mehr Bindemittel oder Kräuterpulver hinzu geben.

Für die Herstellung von Räucherkegeln trennt Ihr jetzt einfach je einen Esslöffel Räuchermasse ab und formt sie pyramidenartig aus. Zur Herstellung von Räucherstäbchen rollt Ihr hingegen rauf einer hölzernen Unterlage schmale Würstchen aus dem Knetteig, die vom Durchmesser schon an den Umfang eines Räucherstäbchens heranreichen sollten.

Wenn Ihr mit Trägerhölzern arbeitet, ist nun die Zeit gekommen, diese in die Mitte der kleinen Teigwürste zu drücken. Lasst eine Griffbreite von etwa 5 cm. frei von Räucherpaste und rollt die Masse anschließend gleichmäßig um das Trägerholz, bis sich die Form eines Räucherstäbchens ergibt. Wer keine Trägerhölzer verwendet, kann aus der Duftknete direkt Räucherstäbchen Rollen.

Manche geben die Räucherstäbchen nun zum Trocknen bei ca. 50 °C für 60 Minuten in den Ofen. Allerdings ist diese Behandlung nicht besonders schonend für die Inhaltsstoffe des Räucherwerks und verbraucht unnötig Strom. Besser ist es, die Räucherstäbchen natürlich trocknen zu lassen. Das dauert zwar je nach Feuchtigkeitsgehalt der Kräuterpaste zwischen wenigen Stunden und einem Tag. Ihr könnt ja zwischendurch schon mal ein Test-Räucherstäbchen anzünden und sehen, ob es gut abbrennt.

 

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Räucherstäbchenhalter in allen Farben und Formen | © Das Grüne Archiv

Räucherstäbchen richtig anzünden

Für das Anzünden von Räucherstäbchen verwendet man in der Regel einen Räucherstäbchenhalter. Dieser kann sehr unterschiedliche Formen besitzen, wobei vor allem längliche und rundliche Räucherstäbchenhalter aus Holz, Keramik, Stein oder Metall gebräuchlich sind.

Alternativ gibt es auch Räucherstäbchenhalter in Figurenform. Beliebt sind in diesem Zusammenhang Räucherstäbchenhalter mit Buddha-Figur oder in Blattform. Für Räucherstäbchen ohne Trägerholz gibt es ebenfalls spezielle Halter.

In ihren Ursprungsländern steckt man Räucherstäbchen zudem gerne in auf einer Räucherschale befindlichen Sandhäufchen. Das gilt insbesondere für Standorte in Tempeln oder Schreinen.

Um den Duft der Räucherstäbchen freizusetzen, entfacht man eine leichte Glut (z.B. mit einem Feuerzeug oder einer Kerze). Es empfiehlt sich, die Flamme für einige Sekunden am Räucherstäbchen herab wandern zu lassen, damit die Glutentwicklung Bestand hat. Danach kann man die Räucherstäbchen in Räumen oder auch im Freien positionieren.

Wichtig: In geschlossenen Räumen sollte man bei häufiger Verwendung von Räucherstäbchen regelmäßig Lüften. Denn das Räucherwerk gibt Feinstaub an die Luft ab, der auf Dauer gesundheitsschädlich sein kann. Wer aber für eine gute Luftzirkulation sorgt, dem spenden Räucherstäbchen einen herrlichen Raumduft und bereichern das Ambiente mit ihrem sagenhaften Aroma.

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