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Palo Santo, Bursera graveolens

Palo Santo – Wirkung, Anwendung und Geschichte

Der Name von Palo Santo bedeutet aus dem Spanischen übersetzt „Heiliges Holz“ und verdeutlicht bereits die besondere Verehrung des Räucherholzes in seinen Herkunftsländern der Neuen Welt. Diese liegen in Zentral- und Südamerika, wo bereits Ur-Völker wie die Inka von dem heiligen Räucherwerk Gebrauch machten. Und noch heute wird Palo Santo mit rituellen Handlungen assoziiert.

 

Geschichte von Palo Santo

Der Palo-Santo-Baum (Bursera graveolens) ist weder in Europa noch in Afrika oder Asien heimisch. Dennoch verbindet ihn viel mit Duftgehölzen der Alten Welt wie Myrrhe oder Weihrauch. Denn sie alle gehören zur Familie der Balsambaumgwächse. Mehr noch, verlieh die Gatung Bursera dieser Pflanzenfamilie einst sogar ihren wissenschaftlichen Namen, Burseraceae. Und wie Weihrauch und Myrrhe handelt es sich auch bei Palo Santo um ein rituelles Räucherwerk.

 

Von heiligen Hölzern und magischem Baumharz

Die schriftlich belegte Anwendungsgeschichte von Palo Santo reicht bis in die Zeit des großen Inka-Reiches und somit mindestens bis ins 15. Jahrhundert zurück. Es darf jedoch angenommen werden, dass die aromatischen Eigenschaften des Holzes und Harzes von Bursera graveolens schon wesentlich früher von den indigenen Völkern Amerikas entdeckt wurden.

Das gilt insbesondere mit Blick auf das weitläufige Verbreitungsgebiet des Baumes, welches sich vom zentralamerikanischen Mexiko bis in südamerikanische Länder wie Peru und Ecuador erstreckt. Die Ureinwohner besagter Länder blicken auf eine äußerst lange, schamanische Tradition zurück, die sich weit bis in die antike Vorgeschichte der Welt erstreckt. Dass Palo Santo bereits hier als Räucherwerk mit spirituellen Qualitäten zum Einsatz kam, ist daher sehr wahrscheinlich.

Noch heute werden entsprechende Volksbräuche um das Heilige Holz sehr aktiv praktiziert. Eine der wichtigsten Funktionen von Palo Santo ist es diesbezüglich nach wie vor, als reinigendes Räucherwerk zur Vertreibung negativer Energien und böser Geister zu dienen. Die Anwendung ähnelt dem traditionellen Gebrauch von Smudge Sticks, die für denselben Zweck verwendet werden.

Es ist üblich, mit Palo Santo Häuser, Räume aber auch kranke Patienten zu räuchern. Die Überzeugung, dass Krankheiten auf dem Wirken eines bösen Geistes beruhigen, ist wie in alter Zeit noch sehr tief im Volksglauben Südamerikas verankert. Eine Geistheilung unter Zuhilfenahme von heiligem Rauch ist daher durchaus noch in zahlreichen Regionen üblich.

Und auch andere spirituelle Konzepte haben Palo Santo zur Reinigung von Orten und Auren inzwischen für sich entdeckt. Selbst im Yoga, eigentlich ein Konzept des Buddhismus bzw Hinduismus, weiß man Holz und Harz von Bursera graveolens durchaus zu schätzen.

Daneben sei erwähnt, dass selbst die Herstellung von Spirituosen wie Bier und Whiskey gelegentlich auf Holzchips des Baumes zur Reifung der Getränke setzt. In Ecuador gibt es sogar einen speziellen Palo Santo Tee, der dann aber häufig wieder der rituellen Reinigung und Klärung des Geistes dient.

 

Palo Santo, Bursera graveolens
In seiner traditionellen Anwendungsform soll Palo Santo böse Geister fernhalten und vor Krankheiten und Unglück bewahren

Gefährdung von Palo Santo

In Peru sammelt man in der Regel nur die herabgefallenen Zweige von Bursera graveolens oder erntet dessen Baumharz, damit der Baum nicht gefällt werden muss. Eine Praxis, die mit Blick auf den Gefährdungsstatus des Baumes auch dringend notwendig ist. Ähnlich wie Sandelholz ist nämlich auch der heilige Baum der Inka heute stark gefährdet. Bis vor einigen Jahren war es deshalb streng verboten, Lebendexemplare zu fällen.

Inzwischen hat sich die gesetzliche Lage wieder etwas entspannt. Es gibt in Ländern wie Ecuador zahlreiche regionale Projekte zur Wiederaufforstung, die auch den Artenschutz von Bursera graveolens mit einschließen. Nichtsdestotrotz sollte man Palo Santo Holz nur aus kontrolliertem Anbau kaufen, um den Arterhalt zu unterstützen.

 

Palo Santo, Busrera graveolens, Räucherharz
Die ökologischere Variante: Für die Ernte von Palo Santo Harz muss der Heilige Baum nicht gefällt werden.

Inhaltsstoffe und Wirkung von Palo Santo

Als Räucherwerk verwendet werden von Bursera graveolens sowohl das duftende Holz als auch das Harz des Baumes. Holz- und Harzduft lassen sich dabei als eine Mischung aus karamellisiertem Zucker und gebackenen Äpfeln beschreiben. In der Aromatherapie zeigt das ätherische Öl der Pflanze eine angstlösende und entspannende Wirkung, durch die sich auch die reduzierte Furcht vor bösen Geistern im Zuge einer Anwendung erklären lässt.

Fernab der spirituellen Nutzung gibt es aber auch konkrete schulmedizinische Anwendungsgebiete für Palo Santo. Hierzu gehört die Verwendung bei Bauchschmerzen und Rheuma. Insgesamt wird das Wirkstoffprofil der Pflanze in Studien als entzündungshemmend, antioxidativ und antimikrobiell beschrieben.

Speziell die antimikrobielle Wirkung gegen Pilzinfektionen wurde hierbei mehrfach untersucht und bestätigt. Eine wichtige Rolle spielen diesbezüglich Terpene wie Limonen und Phellandren im ätherischen Öl des Baums. Darüber hinaus konnte in Studien eine krebshemmende Wirkung von Bursera graveolens belegt werden. Alles in allem lassen sich folgende wichtigen Wirkstoffe festhalten:

  • Germacren
  • Lignane
  • Limonen
  • Lupeopl
  • Menthofuran
  • Myrcene
  • Phellandren
  • Terpineol

 

Palo Santo, Bursera graveolens
Sowohl Harz als auch Holz von Bursera graveolens enthalten heilsame ätherische Öle.

Anwednung von Palo Santo Öl, Holz und Harz

Wenngleich die Räucherhölzer von Bursera graveolens wohl am bekanntesten sind, gibt es Palo Santo noch in anderen Anwendungsformen. Je nach Verwendungszweck können hier unterschiedliche Formen von Vorteil sein.

 

Palo Santo Öl in der Aromatherapie

Das ätherische Öl des Duftgehölzes lässt sich hier zum Beispiel in der Aromatherapie anwenden, weil es beim Verdampfen in der Duftöllampe bzw. im Diffuser keine problematische Rauchentwicklung verursacht.

Besonders gut eignet sich diese Anwendungsform zur Entspannung, Angstlösung oder Anti-Stress-Therapie. Und auch für die Nutzung von Palo Santo als Raumduft ist das Duftöl von Bursera graveolens sehr zu empfehlen.

 

Palo Santo Holz und Harz zur spirituellen Reinigung

Die traditionellen Anwendungsformen von Palo Santo Harz und Holz kommen insbesondere zu rituellen Zwecken zum Einsatz. Sei es die Reinigung von Wohn- und Arbeitsräumen oder die Reinigung des Geistes bzw. der eigenen Aura – die natürlichen Formen von Räucherwerk aus Bursera graveolens werden hierbei in der Regel bevorzugt, weil sie ursprünglicher und natürlicher sind.

Die Verbrennung von Harz erfolgt diesbezüglich in einem Räucherstövchen oder Räucherbrenner. Im Räucherstövchen legt man das Harz auf ein entzündetes Stück Räucherkohle. Im Harzbrenner funktioniert das Räuchern auch ohne Kohle.

Wer sich für die traditionelle Räucherung mit Palo Santo Holz entscheidet, sollte sehr sparsam damit räuchern. Einerseits entfaltet das unverarbeitete Holz seinen Duft schon kurz nach dem Entzünden äußerst intensiv. Andererseits sollte das Holz mit Blick auf den Gefährdungsstatus von Bursera graveolens auch nicht zu exzessiv konsumiert werden.

Beim Verbrennen von Räucherholz sind stets ausreichende Sicherheitvorkehrungen zum Brandschutz zu treffen. Legen Sie das Holz nach dem Anzünden auf einem feuerfesten Teller bzw. in einer feuerfesten Schale ab und stellen Sie sicher, dass die Kohle nicht mit leicht entflammbaren Oberflächen in Kontakt kommt.

Im Zuge der Räucherung von Harz oder Holz ist es außerdem wichtig, gut zu lüften. Das nicht nur mit Blick auf die Rauchstoffe in der Luft. Denn es ist bei der rituellen Reinigung in geschlossenen Räumen allgemein üblich, etwaige negative Energien durch geöffnete Fenster entweichen zu lassen. Nur so wird eine erneute Manifestation unterbunden.

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