Wie bereits im ersten Teil der Blogserie Verdauungskräuter nach Hildegard von Bingen aufgezeigt, legte Hildegard von Bingen in ihrer Ernährungs- und Kräutertherapie stets besonderen Fokus auf den Magen-Darm-Trakt. Dieser bildet bekanntlich auch das Kernstück der Verdauung und ist mitunter besonders anfällig für Beschwerden bei gesundheitlichen Problemen. Dabei können Magen-Darm-Beschwerden nicht nur durch lokale Erkrankungen schwer zusetzen.
Auch Krankheitsverläufe in angrenzenden Organen sowie nervliche und seelische Belastung machen sich immer wieder durch entsprechende Verdauungsbeschwerden im Magen-Darm-Abschnitt bemerkbar. Eines der häufigsten unspezifischen Symptome ist hier die Appetitlosigkeit.
Kräuterwelten: Verdauungskräuter
Kaptel 2.1:
Verdauungskräuter bei Appetitlosigkeit
Ein mangelnder Appetit ist, außer bei konkreten Magen-Darm-Erkrankungen, auch bei Fieber- und Infektionskrankheiten häufig anzutreffen. Ebenso zeichnen sich Essstörungen, Lebensmittelvergiftungen und depressive Verstimmungen durch Appetitlosigkeit als Begleiterscheinung aus.
In vielen Fällen ist diese auf einen Nährstoffmangel – vor allem Vitaminmangel – zurückzuführen, der sich im Rahmen eines Krankheitsgeschehens sehr leicht einstellt, weil der Körper für die Regeneration überdurchschnittlich viele Nährstoffe verbraucht. Ebenso sorgen zahlreiche Medikamente und krankheitsbedingte Veränderungen im Geschmacksempfinden gerne für einen herabgesetzten Appetit.
Nährstoffmangel als Ursache für Appetitlosigkeit kann oft schon durch bloße Anwendung pflanzlicher Lebensmittel aus der Hildegardküche reguliert werden. Während Obst reichlich Vitamine zur Genesung beisteuert, liefern Gemüse und Getreide wertvolle Mineralstoffe zur Stärkung von Stoffwechsel und Immunsystem.
Zudem ist oftmals auch schlichtweg ein guter Wille hilfreich. Zwar sollte man sich nicht zum Essen zwingen müssen, mit dem Wissen, dass der Appetit schneller zurückkehrt, wenn man ihm durch geschmackliche Anreize auf die Sprünge hilft, kann jedoch eine ausreichende Motivation zur Nahrungsaufnahme bieten.
Sollte sich die Appetitlosigkeit besonders hartnäckig zeigen, empfehlen sich zudem Heilkräuter zur Steigerung des Hungergefühls. Hildegard setzte diesbezüglich insbesondere auf aromatische Kräuter wie den Muskatellersalbei. Anders als sein berühmter Artverwandter, der Echte Salbei, blüht diese Salbeiart nicht blau, sondern weiß-rosa und ist auch in ihrem Aroma deutlich würziger.
Auch die Blätter des Muskatellersalbeis unterscheiden sich deutlich von denen seines berühmten Artgenossen, was mitunter bei der Identifizierung von Wildpflanzen helfen kann. Während letzterer sich durch schmale, länglich-ovale, kaum behaarte Blattspreiten auffällt, zeichnet sich Muskatellersalbei durch deutlich größere, herzförmige Blattlappen aus, die für gewöhnlich auch stark filzig behaart sind.
Muskatellersalbei ist gemeinhin auch als Römischer Salbei bekannt, weil seine Anwendung gerade im Mittelmeerraum lange Tradition hat. Hildegard dürfte ihr Wissen um die Pflanze daher zum Teil auch antiken Schriftquellen aus der römisch-griechischen Antike zu verdanken haben.
Sie verwendete die Heilpflanze gerne zusammen mit anderen appetitanregenden Kräutern wie der Poleiminze und bereitete aus ihnen mit etwas Honig und Weißwein einen das Hungergefühl stimulierenden Trank auf, um so nicht nur Appetitlosigkeit, sondern auch Verdauungsbeschwerden gleich mitzubehandeln.

Es fällt auf, dass die von Hildegard gegen Appetitlosigkeit genutzten Kräuter häufig auch bei Verdauungsbeschwerden etwas auszurichten vermögen. Mutter Natur hat hier offensichtlich eine Vorliebe für die kompakte Wirkungsweise ihrer Verdauungskräuter. Dies insbesondere, wenn es um den Magen-Darm-Trakt geht.
Magenbeschwerden
Entzündungen können ähnlich wie Appetitlosigkeit mitunter viele verschiedene Ursachen haben. Die Magenentzündung (Gastritis) ist hierfür das beste Beispiel. Unterscheiden lässt sich hier je nach Entzündungsursache zwischen bis zu 5 verschiedenen Gastritis-Varianten, wobei neben Infektionserregern auch Autoimmunprozesse, chemische Substanzen und sogar körpereigene Sekrete in Form von Magensäure oder Gallenflüssigkeit als Verursacher der Entzündung in Frage kommen.
Am häufigsten sind jedoch bakterielle Erreger wie Helicobacter pylori für die Gastritis verantwortlich. Dabei kommt es zunächst zu einer anhaltenden Reizung der Magenschleimhäute, bis diese sich schließlich entzünden und in Folge zu zersetzen beginnen. Da sehr explizit die Schleimhäute des Magens von der Entzündung betroffen sind, wird für Gastritis auch häufig die Bezeichnung Magenschleimhautentzündung verwendet. Typische Begleitsymptome einer Magenentzündung sind:
- Druckgefühle in der Magengegend
- Magenschmerzen
- Sodbrennen
- Verdauungsprobleme
Wird die Entzündung nicht zeitnah behandelt, kann es sogar zu Magenblutungen und im späteren Verlauf zu gefährlichen Entartungen der Magenschleimhaut kommen, die dann in einem Magengeschwür (Ulcus ventriculi) resultieren. Die Schleimhautentartung ist deutlich gefährlicher als die bloße Magenschleimhautentzündung und erhöht langfristig das Risiko auf Magenkrebs.
Die Magenschmerzen, die bei einem Magengeschwür auftreten, sind ganz besonders unerträglich und finden ihren Höhepunkt meist unmittelbar nach dem Verzehr von Lebensmitteln, wenn vermehrt Magensäure zur Verdauung freigesetzt wird.
Die aggressive Säure kann ob des krankheitsbedingt mangelhaften Schleimhautschutzes die Magenwände direkt angreifen, was mitunter kolikartige Schmerzen verursacht. Auch die Verdauung an sich kann unter diesen Koliken leiden, sodass ein Verschluss des Magens durch anhaltende Krämpfe nicht auszuschließen ist.
„[…] wer unter Verstopfung im Magen und im Bauch leidet, der pulverisiere Ingwer und mische dieses Pulver mit ein wenig Saft von Ochsenzunge. Und aus diesem Pulver und Bohnenmehl mache er Törtchen, und er backe sie in einem Ofen, dessen Feuerhitze etwas nachgelassen hat. Und so esse er diese Törtchen oft nach dem Essen und nüchtern, und es mindert den Unrat des Magens und stärkt den Menschen […]“
Die Hildegardküche kennt nun sehr viele verschiedene Kräuter gegen Magenerkrankungen. Erstaunlicherweise nutzte die Kräuterfrau des Mittelalters für viele ihrer Rezepturen schon damals diverse, Gewürzkräuter, die man heute eher den fernöstlichen Disziplinen des Ayurveda sowie der Traditionellen Chinesischen Medizin zuschreibt.
Sowohl Ingwer, als auch Galgant, zwei Wurzelkräuter, die klassischerweise der asiatischen Medizin zugeschrieben werden, wusste Hildegard sehr vielfältig einzusetzen. Dies nicht ohne Grund, denn beide Ingwergewächse gelten als außergewöhnlich entzündungshemmend und krampf- bzw. schmerzstillend. Darüber hinaus regulieren sie die Sekretion von Magensäure und Gallensaft, was der Verdauung zugutekommt.
Tipp: Ein magenfreundlicher Wein lässt sich im Übrigen sehr leicht aus 2 bis 3 Teelöffeln Lorbeeren und 500 ml Rotwein herstellen. Beides für ca. 3 Minuten im Topf aufgekocht und danach abgefiltert, bildet eine wunderbare Basis für die Einnahme des Ingwermischpulvers.

Hildegards Wissen um fernöstliche Heilkräuter aus der Familie der Ingwergewächse hatte sie höchstwahrscheinlich ihrem Zugang zu den klösterlichen Kräuterarchiven zu verdanken. Heilpflanzliche Schriften aus aller Welt lagerten hier und warteten darauf, von den Geistlichen in das damals gebräuchliche Kirchenlatein übersetzt zu werden. Häufig stammten Abschriften zu exotischen Kräutern dabei aus Griechenland oder dem arabischen Raum, wo gerade indische Heilkräuter schon lange vor Beginn des Mittelalters in Gebrauch waren.
Nun wusste die Klosterfrau aber nicht nur asiatische Kräuter, sondern natürlich auch ganz banale heimische Pflanzen gegen Magenbeschwerden einzusetzen. Besonders interessant erscheint ihr Einsatz von Rinde und Früchten erlesener Laubbäume wie der Edelkastanie oder der Feldulme.

Die genannten Baumkräuter sind für ihren reichen Gehalt an Schleimstoffen bekannt, die in der Medizin immer wieder zur Behandlung von entzündeten Schleimhäuten Anwendung finden. Zudem mildern Schleimstoffe auch das Schmerzpotential von Schleimhautentzündungen, Magenschmerzen und Sodbrennen, da sie beruhigend und kühlend wirken.
Kapitel 2.2:
Verdauungskräuter bei Darmerkrankungen
Das Feld der Darmerkrankungen und Darmbeschwerden ist noch deutlich umfangreicher als das der Magenerkrankungen. Eine wichtige Gruppe bilden hier die Darmentzündungen, wobei je nach Lokalisation und Krankheitsbild zwischen verschiedenen Formen der Darmentzündung unterschieden werden muss:
- Zwölffingerdarmentzündung (Duodenitis): Eine Entzündung der Schleimhäute im Zwölffingerdarm, die nicht selten einer vorangegangene Gastritis oder Darminfektion geschuldet ist. Ebenso als Ursache denkbar sind reger Alkoholkonsum, bestimmte Medikamente (v.a. Rheumamittel wie NSAR), Nervenreizungen und entzündliche Erkrankungen von Nachbarorganen wie der Galle oder Bauchspeicheldrüse.
- Dünndarmentzündung (Enteritis): Ursächlich sind in der Regel Dünndarminfektionen durch Bakterien wie Campylobacter, Clostridien, Escherichia coli, Salmonellen, Shigellen oder Staphylokokken, seltener Viren wie Adeno- und Rota-Viren oder Einzeller wie Amöben. Aggressive Strahlentherapien im Rahmen einer Krebserkrankung und Intoxikationen wie sie durch eine Lebensmittelvergiftung entstehen sind ebenfalls als Auslöser denkbar. Eine Sonderform der Dünndarmentzündung stellt zudem die als Magen-Darm-Grippe bekannte Magen-Darm-Entzündung dar.
- Magen-Darm-Entzündung (Gastroenteritis): Eine kombinierte Entzündung aus Gastritis und Enteritis, bei der häufig bakterielle Erreger als Auslöser ausgemacht werden können. Meist sind dabei Lebensmittelvergiftungen, etwa durch Salmonellen oder mangelnde Hygienestandards für die ursächliche Infektion verantwortlich.
- Dickdarmentzündung (Kolitis): Ähnlich wie bei der Enteritis stellen auch bei der Kolitis Infektionserreger die häufigste Ursache. Daneben gibt es strahlen- und medikamentenassoziierte Formen der Dickdarmentzündung. Letztere treten nicht selten als Folge einer Antibiotikabehandlung ein, welche das natürliche Bakterienmilieu der Darmflora ebenso angreift wie bakterielle Krankheitserreger. Des Weiteren gibt es drei wichtige chronische Formen der Darmentzündung
- Colitis ulcerosa: Eine auf die Dickdarmschleimhäute beschränkte, chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die Patienten immense Verdauungsprobleme bereitet. Die Ursachen von Colitis ulcerosa sind noch nicht vollständig geklärt, Experten vermuten aber eine erblich bedingte Entzündungsneigung sowie krankhaft gesteigerte Immunreaktionen hinter dem Krankheitsgeschehen.
- Morbus Crohn: Obwohl in ihren vermuteten Ursachen mit Colitis ulcerosa identisch, unterscheidet sich die chronische Darmentzündung Morbus Crohn gleichzeitig auch entschieden von dieser, wenn es um die Tragweite der Entzündung geht. Betroffen sein können neben dem Dickdarm auch der Dünndarm, Magen und sogar die Speiseröhre. Die Annahme, es handle sich bei Morbus Crohn um eine Autoimmunerkrankung, konnte bislang nicht bestätigt werden, ist jedoch nicht abwegig.
- Divertikulitis: Diese Entzündung manifestiert sich in den Divertikeln der Darmwände. Darunter versteht man Ausstülpungen der Darmschleimhaut, die eigentlich gutartig sind und keiner besonderen Behandlung bedürfen, solange sie keine Beschwerden verursachen. Nehmen Divertikel im Darm jedoch überhand, so sind sie vermehrt anfällig für Entzündungsprozesse, die unbehandelt auch Darmkrebs begünstigen.
- Blinddarmentzündung (Appendizitis oder Typhlitis): Ist bei einer Blinddarmentzündung nur der Wurmfortsatz des Organs betroffen, so spricht man von einer Appendizitis. Sie wird immer wieder durch kleinere Fremdkörper wie Kirsch-, Melonen- oder Weintraubenkerne ausgelöst, die sich während der Verdauung in den Blinddarm verirren und so zu entzündlichen Reizungen führen. Bei einer kombinierten Entzündung des Blinddarms sowie des aufsteigenden Colons spricht man dagegen von einer Typhlitis. Ihre Entstehung ist für gewöhnlich auf einen verminderten Wert von neutrophilen Granulozyten im Blut zurückzuführen, wie er im Rahmen einer Chemotherapie entsteht. Unbehandelt bergen Blinddarmentzündungen die Gefahr schwerer Folgeerkrankungen, darunter Gewebenekrosen, Bauchfellentzündungen und Darmperforationen.
Obgleich so unterschiedlich in ihrer Ausprägung, zeigen die meisten Darmentzündungen doch die gleichen Symptome, nämlich entzündliche Gewebereizungen und Beschwerden in Form von Bauchschmerzen, Blähungen, Darmkrämpfen, Durchfall und Verstopfung. Sie treten bei Darmentzündungen häufig gezielt nach der Nahrungsaufnahme oder nach dem Verzehr bestimmter Risikolebensmittel auf (z.B. scharfes oder säurehaltiges Essen) und setzen dem Verdauungstrakt durch wiederholte Störungen des funktionellen Ablaufes stark zu.
Eines von Hildegards Kräutern schlechthin bei derartigen Verdauungsbeschwerden war der auch heute noch vielseitig genutzte Fenchel. Seit Jahrhunderten stellt er eines der wichtigsten Kräuter in Verdauungsschnäpsen, was seine heilsamen Eigenschaften bei Darmbeschwerden belegt.
Dabei wirkt Fenchel so schonend, dass er selbst von Kindern und Säuglingen hervorragend vertragen wird. Selbst als Küchengewürz und Traditionsgemüse kann Fenchel ohne Bedenken täglich verzehrt werden. Sein Teesud, ebenso wie Extrakte seiner Samen sollten daher in keiner Küche fehlen.
„Auch roh gegessen schadet der Fenchel nicht. Wie auch immer der Fenchel gegessen wird, macht er den Menschen fröhlich und vermittelt ihm angenehme Wärme und guten Schweiß, und er verursacht gute Verdauung. Auch sein Same ist von warmer Natur und nützlich für die Gesundheit des Menschen, wenn er anderen Kräutern beigegeben wird in Heilmitteln. Denn wer Fenchel oder seinen Samen täglich nüchtern isst, der vermindert den üblen Schleim oder die Fäulnisse in ihm und er unterdrückt den üblen Geruch seines Atems.“

Das Geheimnis des Fenchels liegt in der besonderen Zusammensetzung seiner Inhaltsstoffen, die von ätherischen Ölen über verdauungsfördernde Flavonoide bis hin zu Mineralstoffen und Vitaminen aus fast jeder medizinisch wertvollen Pflanzenstoffgruppe mehrere Komponenten beinhalten.
Gerne gemischt wird Fenchel mit Anis, der wie Fenchel zur Familie der Doldenblütengewächse gehört und diesem in inhaltsstofflicher Zusammensetzung sowie Aroma und Wirkung stark ähnelt.
Überhaupt nutzte Hildegard von Bingen mit Vorliebe Kräuter und Gewürze aus den Reihen der Doldenblütler zur Behandlung von Darmbeschwerden. Dies wie so oft nicht ohne Grund, denn den Gewürzkräutern unter den Doldenblütlern ist gemein, dass sie vor Bitterstoffen nur so strotzen. Dahinter verbergen sich bitter schmeckende Pflanzenstoffe, die dafür bekannt sind, dass sie die Sekretion von Verdauungssäften anregen. Kräuter- und Magenbitter haben ihren Namen also nicht ganz zufällig erhalten.
Auch der Kreuzkümmel macht den bitterstoffhaltigen Doldenblütlern hier alle Ehre. Ein weiteres klassisches Küchengewürz mit verdauungsfördernder Wirkung, das wie seine Artgenossen Anis und Fenchel in so manchem Kräuterbitter zu finden ist. Der im Altertum auch Mutterkümmel genannte Kreuzkümmel zeigt abermals auf, wie vertraut Hildegard mit orientalischen Kräutern war. Denn das Gewürz gilt als Grundpfeiler der indischen Küche und hat folglich auch in der indischen Heilkunst des Ayurveda seinen Platz.
Die Verwendung von Mutterkümmel-Mischpulver gemeinsam mit Eiflocken und Dinkelbrot unterstreicht außerdem die Bedeutung kombinationstherapeutischer Maßnahmen innerhalb der Hildegardküche, bestehend aus Kräutern, Gewürzen und gesunder Ernährung.
Abermals seien an dieser Stelle Hildegards Getreideprodukte erwähnt. Der früher auch unter dem Namen Spelt oder Spelz geführte Dinkel war hierbei, wenngleich Hildegards Lieblingskorn längst nicht die einzige Getreidevariante mit gesundheitsrelevanter Wirkung, die therapeutisch zur Anwendung kam.
Einen hohen Stellenwert hatten auch zwei andere, die Verdauung fördernde Getreidesorten, nämlich Leinsamen und Flohsamen. Sie enthalten ähnlich wie Edelkastanie und Ulmenrinde wertvolle Schleimstoffe, die sich wie ein schützender Film um die Darmschleimhäute legen und so Entzündungen und Schmerzen lindern.
Oftmals reicht es schon aus, einen gehäuften Teelöffel der leicht aufquellenden Getreidesamen über das noch warme Essen zu streuen, um ihnen ihre Schleimstoffe zu entlocken. Wer aber auf Nummer sicher gehen möchte, der lässt sie vorab in Wasser, Milch oder auch Naturjoghurt vorquellen. Milch und Joghurt liefern hier zusätzlich wichtige Milchsäurebakterien, die bei der Sanierung der Darmflora helfen und so den geschwächten Darmtrakt weiter stärken.
Die erwähnten pflanzlichen Heilmittel helfen auch bei einer weiteren Darmerkrankung, die aufgrund ihrer nahezu identischen Symptomatik nur allzu gerne mit einer Darmentzündung verwechselt wird. Die Rede ist vom Reizdarmsyndrom.
Zwar kann es durchaus als Folge einer entsprechenden Entzündung und hier insbesondere durch eine anhaltende Gastroenteritis entstehen, die genauen Entstehungsursachen für einen Reizdarm sind bislang aber noch ungeklärt. Wo sich in der schulmedizinischen Forschung aber die Geister an stress- und erblich bedingten Ursachen scheiden, weiß die Hildegardküche wieder einmal seit Jahrhunderten Rat.
Zu den Doldenblütlern, die in der Hildegardküche getrost als explizite Darmkräuter beschrieben werden können, gesellt sich hier der Koriander. Aus der Familie der Ingwergewächse empfiehlt Hildegard neben Ingwer selbst ferner den mediterranen Kardamom gegen gereizten Darm.
Letzterer ist in der indischen Küche weit verbreitet, was abermals das Wissen der Klosterfrau um die heilsamen Kräuterschätze des Orients aufzeigt. Und selbst die unverkennbar aromatisch-würzige Rinde am berühmten Zimtbaum scheint nach ihren Kenntnissen beruhigend auf den Reizdarm einzuwirken.
Die genannten Kräuter wirken ebenso gut bei Darmbeschwerden wie Durchfall oder Verstopfung, weshalb sie eine gute Zutat für jeden Verdauungstee sind. Gemeinsam mit sanften Bauchmassagen zur Entkrampfung des Darms sowie leichter körperlicher Aktivität wie einem langen Spaziergang, kann die Verdauung so schnell wieder ins Gleichgewicht finden.
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