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Koriander pflanzen – Wirkung und Kultur

Bei Koriander (Coriandrum) scheiden sich oftmals die Geister. Während einige auf sein einzigartiges Aroma und seine Heilwirkung schwören und deshalb sehr gerne Koriander pflanzen, kommen andere bei Koriander buchstäblich nicht auf den Geschmack. Der Bedeutung der Kräuterpflanze als Heil- und Küchenkraut tut das aber keinen Abbruch. Zudem kann man das Küchenkraut auch wunderbar  im Topf kultivieren.

 

Koriander in der Küche und Medizin

Der Name des Korianders leitet sich vom altgriechischen Wort koríandron für „Wanzendill“ ab. Verantwortlich für die Benennung ist der markante Geruch von Coriandrum, der von einigen Menschen mit dem von Wanzen gleich gesetzt wird.

Mit dem echten Dill verbindet den Koriander dabei so einiges. Einerseits gehören beide Gewürzpflanzen zur Familie der Doldenblütler. Andererseits erinnern auch die sparrig belaubten Blütentriebe an die Kräutertriebe des Dills.

Die gefiederten Blattriebe von Koriander erinnern dagegen eher an Artverwandte wie Kerbel, Liebstöckel oder Petersilie. Im Unterschied zu diesen besitzt der Koriander jedoch einen für viele recht gewöhnungsbedürftigen, seifigen Geschmack.

 

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Der Petersilie zum Verwechseln ähnlich: Blattkoriander

Koriandersamen und Korianderblätter

Neben den Korianderblättern werden in der Küche auch Koriandersamen verwendet. Diese haben im Vergleich zu den Blättern des Krautes einen ganz anderen Geschmack. Ihr Geruch erinnert an Fenchel, Anis und Kümmel, weshalb die Samen auch gerne mit besagten Gewürzen kombiniert werden.

Klassische Gewürzmischungen mit Koriandersamen sind diesbezüglich zum Beispiel Brotgewürz, Lebkuchengewürz oder Garam Masala. Letzteres ist für die Zubereitung zahlreicher Curry Gerichte unerlässlich und prädestiniert Koriandersamen als Gewürz für indische Gerichte. Doch auch in Europa überwiegt die Nutzung von Koriandersamen im Vergleich zum Korianderkraut.

Eine Ausnahme bildet hier im Übrigen Großbritannien, wo die indische Nationalküche schon seit der Kolonialzeit kulinarische Maßstäbe setzt. Denn gerade in Indien spielt Koriander auch heilpflanzlich eine wichtige Rolle, weshalb er in zahlreichen Gerichten vorkommt.

 

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Koriander ist in Curry Gerichten wie Butter Chicken unverzichtbar

Abneigung gegen den Geschmack von Koriander 

Während Korianderblätter in Asien eben wegen ihrem seifig-frischen Aroma als Küchengewürz hochgeschätzt werden, genießt der europäische Gaumen sie oft mit äußerster Vorsicht. Die Abneigung gegen Koriander hat dabei laut aktuellem Forschungsstand offenbar genetische Ursachen.

Laut Ergebnissen einer US-amerikanischen Studie des Wissenschaftlers Nicholas Erikson und seines Forschungsteams ist für die Abwehrhaltung manches Geschmackssinns gegenüber Koriander eine von zwei Varianten des Geruchsrezeptors  OR6A2 verantwortlich. Er lässt den Geruchssinn beim Verzehr von Koriander denken, man esse Seife.

Das ist auch gar nicht so verwunderlich, denn dass Korianderblätter nach Seife schmecken, liegt an den selben kräutereigenen Aldehyden, die auch in Seife vorkommen. Die Aldehyde machen im ätherischen Korianderöl immerhin 95 Prozent aus, wodurch sich der seifenähnliche Geschmack hinreichend erklären lässt.

Übrigens: Während in Afrika nur 14 Prozent, in Europa immerhin 17 Prozent aller Befragten den Geschmack von Koriander als eklig empfinden, sind es Ostasien ganze 21 Prozent.  Dass Europäer die größte Abneigung gegen Koriander haben, stimmt also nicht.

 

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Wem der Blattkoriander zu seifig schmeckt, dem seien die im Geschmack an Anis und Kümmel erinnernden Koriandersamen als Gewürz empfohlen

Inhaltsstoffe und Wirkung von Koriander

Koriander gilt in Indien als eines der wichtigsten Ayurveda Kräuter. Die traditionelle indische Heilkunst setzt bekanntlich auf Ernährungstherapie, weshalb Kräuter und Gewürze in der Kulinarik Indiens auch immer auf ihre Heilwirkung hin betrachtet werden.

Allerdings, und das ist nicht allen bekannt, wurde Coriandrum schon zuvor heilpflanzlich genutzt. Die Anwendung von Koriandersamen ist diesbezüglich schon seit 5.000 v. Chr. belegt, wobei die alten Ägypter als Erstanwender gelten. Selbst im Pharaonengrab des berühmten Kindkönigs Tutenchamun fanden Archäologen Reste der Samen.

In Sachen Heilwirkung hat Koriander viel mit Verdauungskräutern wie Anis und Fenchel gemeinsam. Sein ätherisches Öl wirkt appetitanregend, krampflösend und verdauungsfördernd, weshalb das Kraut gerne bei Magen-Darm-Beschwerden Anwendung findet.

Die wichtigste Korianderart, die in der Küche und Medizin genutzt wird, ist der Echte Koriander (Coriandrum sativum). Neben den stoffwechselanregenden Aldehyden fallen dabei noch ein paar andere Wirkstoffe im Korianderöl auf. Hier ein kleiner Überblick zu den wichtigsten Inhaltsstoffen:

  • Aldehyd
  • Campher
  • Linalool
  • Linolsäure
  • Ölsäure
  • Petroselinsäure
  • Pinen
  • Terpinen

 

Die Korianderblätter sind außerdem auch reich an Mineralstoffen und Vitaminen. Vor allem der Gehalt an Vitamin A, Vitamin C und Vitamin K ist in Coriandrum relativ hoch.

 

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Ein anspruchsloses Gewürzkraut mit verdauungsfördernder Wirkung

Koriander pflanzen – Standort und Aussaat

Obwohl Echter Koriander vor allem aus der indischen Küche bekannt ist, stammt er ursprünglich doch aus dem Mittelmeerraum. Es handelt sich also um ein verkanntes mediterranes Kraut. Und wie viele Mediterrankräuter tut sich auch Koriander schwer mit Minusgraden.

Schon bei herbstlichen Temperaturen unter 10 °C fängt das Gewürzkraut an, zu schwächeln. Man kann Coriandrum daher allenfalls einjährig kultivieren oder muss die Pflanze für mehrjährige Haltung im Haus überwintern.

Das prädestiniert das Küchenkraut jedoch auch für eine Kultur im Topf, etwa auf einem hellen Fensterbrett in der Küche. Grundsätzlich ist ein lichtreicher, warmer und geschützter Standort empfehlenswert.

 

Der richtige Boden für Koriander

Durch eine Kultivierung im Topf wird die Substratwahl bei Koriander sehr leicht. Nutzen Sie am besten spezielle Kräutererde, um den Nährstoffbedarf der Pflanze optimal zu decken. In der Regel enthält die Spezialerde auch einen gewissen Sandanteil, was das Substrat schön locker und durchlässig macht.

Im Gegensatz zu manch anderen Kräutern schätzt Cordiandrum einen leichten Kalkgehalt im Boden. Diesen können Sie beispielsweise durch das Gießen mit kalkhaltigem Wasser generieren. Als geeigneter Boden-pH gelten schwach saure bis neutrale Werte, zwischen 6 und 7 Punkten.

Einzelheiten zum Standort von Koriander:

  • sonniger, warmer und geschützter Standort
  • lockeres, nährstoffreiches und kalkhaltiges Substrat
  • Boden-pH-Wert: schwach sauer bis neutral, zwischen 6 und 7
  • das Gewürzkraut ist nicht winterhart
  • idealerweise Koriander im Topf pflanzen

 

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Koriander aussäen

Bei Indoor-Kultur können Sie die Koriandersamen bereits zwischen Februar und März säen. Im Freiland erfolgt die Aussaat zwischen April und Juni. Dabei wählen Sie für die Aussaat am besten Anzuchttöpfe oder Pflanzgefäße, die einen geringen Durchmesser von maximal 12 cm haben.

Wichtig sind Keimtemperaturen von mindestens 15 bis 20 °C. Die optimale Saattiefe beträgt 1 cm, der passende Reihenabstand zwischen 20 und 25 cm. Nach der Aussaat sollten die Koriandersamen dann regelmäßig bewässert werden.

Bis zur Keimung dauert es dann etwa 12 bis 15 Tage. Vereinzeln Sie die Keimlinge des Korianders anschließend ab einer Wuchshöhe von ca. 5 bis 10 cm auf einen Abstand von 15 cm. Pro Topf sollten danach nicht mehr als 2 bis 3 Pflanzen stehen.

 

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Wichtig: Koriander unbedingt in ausreichendem Pflanzabstand säen

Koriander gießen und düngen

Coriandrum mag es gerne mäßig feucht. Gießen Sie daher mit Augenmaß und überschwemmen sie die Pflanze nicht. Als Orientierungshilfe gilt die Fingerprobe. Sobald das Topfsubstrat im Oberbodenbereich spürbar trocken und krümelig erscheint, darf nachgegossen werden.

Wer von Beginn an auf nährstoffreiche Kräutererde setzt, muss Koriander nachträglich nicht mehr düngen. Es reicht aus, das Gewürzkraut gelegentlich mit etwas Mineralwasser zu verwöhnen.

Tipp: Wesentlich wichtiger als das Düngen ist bei Coriandrum das regelmäßige Unkrautjäten. Vor allem im Freiland kann Unkraut die mediterrane Pflanze rasch verdrängen. Empfehlenswert ist diesbezüglich eine leichte Mulchschicht zur Unkrautvorbeugung.

 

Koriander ernten und vermehren

Geschnitten werden Korianderpflanzen maßgeblich zur Ernte oder um welke Pflanzenteile zu entfernen. Die Blätter des Korianders ernten können Sie bereits ein bis zwei Monate nach der Aussaat. Eine Haupternte wird jedoch für Juni empfohlen.

Für eine Ernte der aromatischen Koriandersamen müssen Sie dagegen etwas länger warten. Die Samenreife erfolgt in der Regel nach der Blüte zwischen Ende August und Anfang September.

Wenn die Samen eine gelblich-braune Färbung angenommen haben, ist der richtige Zeitpunkt für die Ernte gekommen. Dabei ernten Sie die Koriandersamen am besten in den frühen Morgenstunden, wenn sie noch zart von Morgentau benetzt sind.

Übrigens: Für eine reiche Samenernte wird zu einer Frühkultur im März geraten. So haben die Pflanzen genügend Zeit, um einen kräftigen Wuchs auszubilden und entwickeln eine reiche Blüte.

 

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Die Korianderblüte

Vermehrung durch Aussaat

Natürlich können Sie die geernteten Samen des Korianders auch zur Vermehrung nutzen. Das Schöne daran ist, dass die Samen bei trockener Lagerung selbst acht Jahre nach der Ernte noch keimfähig sind und einen Zuchterfolg von bis zu 80 Prozent versprechen.

Wichtig: Wer Koriandersamen lagern möchte, muss sie zuvor erst lufttrocknen, damit sie keinen Schimmel ansetzen. Die Trocknung kann bis zu 14 Tage dauern.

 

Koriander überwintern

Echter Koriander ist eine einjährige Pflanze, die nach der Samenreife abstirbt. Ein Überwintern lohnt daher bei Coriandrum sativum meist nicht. Mehrjährige Kulturen sind hingegen mit Vietnamesischem Koriander (Persicaria odorata) möglich. Dabei handelt es sich zwar um keine echte Korianderart, sondern eine Art aus der Gattung der Knöteriche, sein korianderähnliches, würziges Aroma ist aber ebenfalls für die Küche geeignet.

Nun übersteht aber auch der Vietnamesische Koriander Temperaturen von unter 12 °C kaum. Er muss daher an einem warmen Zimmerstandort überwintern. Geben sie dem Scheinkoriander hier einen hellen Fensterplatz und stellen Sie sicher, dass die Raumtemperaturen konstante 18 bis 22 °C betragen.

Vietnamesischer Koriander sollte auch in den Wintermonaten stets leicht feucht gehalten werden. Darüber hinaus empfehlen sich ein bis zwei Winterdüngungen, beispielsweise mit organischem Kräuterdünger.

 

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Echter Koriander ‚Cilantro‘

Sorten des Coriandrum sativum

Je nachdem, ob eine Blatternte oder Samenernte geplant ist, bieten sich bei Koriander verschiedene Sorten an. Dementsprechend werden Koriandersorten in Blattkoriander und Gewürz-Koriander (Körnerkoriander) unterschieden. Hier ein paar Empfehlungen zur Sortenwahl.

 

Blattkoriander

Blattkoriander ist für seinen besonders üppigen Blattaustrieb bekannt. Seine Sorten besitzen oft auch besonders große Blätter mit intensivem Aroma. Auch blüht Blattkoriander deutlich später als Gewürz-Koriander, wodurch wertvolle Inhaltsstoffe der Korianderblätter länger erhalten bleiben und insgesamt eine längere Blatternte möglich ist. Beliebte Sorten des Blattkorianders sind diesbezüglich:

  • ‚Calypso‘
  • ‚Caribe‘
  • ‚Cilantro‘
  • ‚Confetti‘
  • ‚Dawrf Lemon‘
  • ‚Leisure‘
  • ‚Marino‘
  • ‚Thai‘

 

Gewürz-Koriander

Der Gewürz-Koriander alias Körnerkoriander ist besonders beliebt für Gewürzmischungen wie Garam Masala. Das gilt insbesondere für die Sorte ‚Indischer Koriander‘ bzw. ‚India‘. Zudem bringt Gewürz-Koriander natürlich auch eine reiche Blüte hervor, die eine reiche Saatguternte garantiert. Die wichtigsten Sorten sind hier:

  • ‚India‘
  • ‚Jantar‘
  • ‚Morrocan‘
  • ‚Thüringer‘

 

Coriandrum – Mögliche Schadbilder

Schadbilder entstehen an Koriander meist durch Pflegefehler. Schädlinge wie Blattläuse treten an Koriander nur auf, wenn der Standortboden unmittelbar vor der Aussaat frisch gedüngt wurde. Ein regelmäßiges Besprühen mit Brennnesselsud kann hier Abhilfe schaffen.

Auch Pflanzenkrankheiten wie Echter Mehltau zeigen sich maßgeblich bei einem zu geringen Pflanzabstand. Die Krankheit lässt sich mit Ackerschachtelhalmbrühe relativ gut behandeln.

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