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Betonie pflanzen – Wirkung, Kultur und Arten

Der Name der Betonie (Betonica) erinnert ein wenig an den der Petunie. Und wie diese wird sie auch gerne als schmückende Zierpflanze kultiviert. Ihre bis zu 80 cm hohen Blütenspiere zieren den Garten artabhängig von Juni bis September mit weißen, rosa oder rotvioletten Blüten. Im Unterschied zur Petunie ist die Betonie aber keine reine Zierstaude, sondern auch ein wertvolles altes Heilkraut.

Wichtig: Die Gattung Betonica wurde früher häufig als eigenständige Sektion in die Gattung Ziest (Stachys) eingegliedert. Neuere Untersuchungen ergaben jedoch, dass Betonien-Arten und Ziest-Arten einige grundlegende molekulare und chemische Unterschiede aufweisen. Aus diesem Grund wird Betonica taxonomisch inzwischen als eigenständige Gattung geführt.

 

Betonie in der Küche und Medizin

Die Betonie gehört zu den Lippenblütlern und befindet sich damit verwandtschaftlich in bester heilpflanzlicher Gesellschaft. Zwar ist sie als Heilpflanze heute deutlich weniger bekannt als Artverwandte wie der Thymian, Salbei, Lavendel oder die Minze, wer im Kräutergarten aber Traditionskräuter kultivieren möchte, sollte sich mit diesem Kraut vertraut machen.

Denn unter den alten Heilkräutern ist Betonica ein echter Klassiker und wurde sowohl von den Heilkundigen der Antike als auch in der Klostermedizin des Mittelalters sehr geschätzt. Darüber hinaus war sie lange Zeit auch als Färber- und Gewürzpflanze im Einsatz.

 

Ein altes Färberkraut und Gewürz

Anwendungsbelege für Arten der Betonica gibt es zur Genüge. Interessant hieran ist, dass insbesondere Zubereitungen von Ale, Bier, Met und Wein die Betonie als Gewürz nutzten, schon sehr früh schriftlich belegt sind. Sowohl Dioskurides als auch Plinius beschrieben schon im 1. Jahrhundert n. Chr. entsprechende Rezepturen.

Beispielsweise nennt Dioskurides im vierten Buch seiner Materia Medica Betonien-Wein als verdauungsförderndes, entgiftendes und abführendes Mittel. Honigwein mit Betonica sollte wiederum gegen Fieber, Gelbsucht und Blasenleiden helfen. Plinius merkte ferner an, dass die Vettonnen, ein antikes Volk aus dem spanischen Raum der Iberischen Halbinsel, die Pflanze zuerst als Heilkraut entdeckten. So erklärt sich auch der wissenschaftliche Name der Betonice, welcher sich direkt vom Volk der Vettonen ableitet.

Der Kräuterkundige John Gerad beschrieb wiederum eines der ersten Rezepte für „Old Doctor Butler’s Head“ – ein medizinische genutztes Ale-Rezept mit Betonie, das bis ins 18. Jahrhundert in zahlreichen Apotheken erhältlich war. Verwendet wurden damals wie heute vorrangig die herb-bitteren Blätter der Pflanze, die bereits im Frühling üppig austreiben und die Betonica deshalb zu einem traditionellen Frühlingskraut machen.

Ebenfalls wichtige Bedeutung besaß das Kraut wegen seiner Blätter als Färberpflanze. Vor allem in der Wollfärberei diente die Betonie früher als dunkelgelb färbendes Naturmittel.

 

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Trotz meist rosa bis purpurvioletten Blüten: Betonica war früher als gelb färbende Färberpflanze in Verwendung.

Betonica in der Klostermedizin

Medizinisch genutzt wurde und wird hauptsächlich die als Heil-Ziest bekannte Echte Betonie (Betonica officinalis). Früher noch Stachys officinalis genannt, war sie neben Dioskurides und Plinius auch anderen legendären Heilkundigen des Altertums und Mittelalters ein Begriff, darunter Avicenna, Hildegard von Bingen und die Urväter der Botanik, Otto Brunfels, Hieronymus Bock und Leonhart Fuchs.

Dass sich das Wissen um die Heilwirkung der Betonie bis heute erhielt, ist dabei nicht zuletzt auch der Klostermedizin zu verdanken. Schon im 9. Jahrhundert ist sie durch entsprechende Inventarlisten als Bepflanzung in kaiserlichen Gärten belegt. Wenig später sorgte ein Lehrgedicht namens Hortulus von Wahlahfrid Strabo dafür, dass Betonica auch in Klostergärten deutlich mehr Wertschätzung erfuhr. In dem Gedicht heißt es über die damals noch als Vettonica bekannte Pflanze:

„Mag auch in Bergen und Wäldern, in Wiesen und Talgründen ringsum,
Aller Orten beinah, der Betonie köstliche Fülle
Häufig wildwachsend stehn, so besitzt doch auch sie unser Garten,
Und im bebauten Land gewöhnt er sie, sittsam zu werden.
So viel Lob hat sie schon aus aller Munde geerntet,
Dass meine Muse, wenn sie noch weiteres beifügen wollte,
Alsbald, in eitlem Bemühen versagend, erkennte, es bleibe,
Was sie auch vorbringen könnte, doch alles ganz ohne Nutzen.
Wenn du es wohl unternimmst, sie zu pflücken und grün zu verwenden,
Oder getrocknet dem schleichenden Winter sie aufzubewahren,
Ob nun die Becher schäumenden Mosts deine Kehle erfreuen,
Oder dir eher geduldig geklärte Gaben gefallen, –
Allem wird die erstaunliche Kraft dieses Krautes entsprechen.
So außerordentlich hoch, wir wissen es, schätzen sie manche,
Dass sie glauben, durch ihre Heilskraft sich schützen zu können
Gegen jegliche Not, die den Körper innerlich angreift.
Ununterbrochen pflegen deshalb sie täglich zu trinken
Diese kräftige Sorte des heilsamen Medikamentes.
Außerdem, wenn dein Kopf von feindlicher Wunde getroffen
Leidet und krankt, dann lege die heilige Pflanze, zerrieben,
Fleißig als Umschlag dir auf, und alsogleich wirst du bewundern
Ihre heilende Macht, denn fest wird die Wunde sich schließen.“

 

Von den mittelalterlichen Klostergärten aus setzte Betonica später auch in die ersten Apothekergärten über. Als heilpflanzliche Arznei war sie hier noch bis ins 19. Jahrhundert rege in Gebrauch. Und das zu unterschiedlichen Zwecken.

 

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Betonien-Kultur im Apothekergarten

Inhaltsstoffe und Wirkung der Betonie

Betonica ist reich an Bitterstoffen, was seine Verwendung als Zutat für verdauungsfördernde Spirituosen erklärt. Darüber hinaus enthält die Pflanze auch andere medizinisch wertvolle Inhaltsstoffe, darunter Gerbstoffe, Flavonoide und Sesquiterpene mit antimikrobieller, antioxidativer und adstringierender Wirkung. Insgesamt lassen sich folgende Inhaltsstoffe festhalten:

  • Bitterstoffe
  • Betaine
  • Betonicin
  • Cadenin
  • Caryophyllen
  • Cholin
  • Gerbstoffe
  • Germacren
  • Glykoside
  • Humulen
  • Kaffeesäure
  • Nerolidol
  • Pinen
  • Polyphenole
  • Rosmarinsäure

Die Heilwirkung von Betonien ist sehr vielseitig. Speziell Betonien-Tee wird gerne innerlich gegen Verdauungsbeschwerden (z.B. Verstopfung oder Durchfall), Gelbsucht, Wassesucht, aber auch bei Atemwegserkrankungen, Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut sowie gegen Nervenleiden eingesetzt.

In der Volksheilkunge ist der Heil-Ziest des Weiteren als Hausmittel gegen rheumatische Beschwerden, Gicht, Kopfschmerzen, Vergiftungen, Blasenentzündung und zur Wundbehandlung bekannt. Zur Entgiftung empfiehlt sich ein Tee aus Betonica diesbezüglich auch für eine Detox-Kur oder gesunde Diät. Als Richtwert für die Dosierung gilt:

  • auf 250 ml heißes Wasser kommem 1 bis 2 TL Betonienblätter

 

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Übrigens: Betonica ist eine ideale Bepflanzung für Bienenweiden und Wildblumenwiesen.

Betonien pflanzen – Standort und Ablauf

Arten der Betonica sind in ganz Europa und Asien heimisch. Als rundum nützliche Gartenpflanze kann man sie als Zierpflanzen und Nutzpflanzen gleichermaßen kultivieren, und das sogar mehrjährig. Denn viele Arten der Betonica sind bis -30 °C winterhart und kommen selbst in kühlen Gebirgsregionen natürlich vor.

 

Standort und Boden für Betonien

Gerne gepflanzt wird die Betonie als Bienenweide, im Kräutergarten oder Zierstaudenbeet. Auch im Steingarten oder Alpingarten ist sie eine ziervolle Ergänzung. Dabei bevorzugt die Kräuterpflanze einen sonnigen bis halbschattigen Standort.

Als Standortboden empfiehlt sich ein durchlässiges, humusreiches und sandig-lehmiges Substrat. Idealerweise ist der Boden frisch-feucht, wobei Betonica auch mit vorübergehender Trockenheit gut zurechtkommt. Die Pflanze ist kalktolerant, wünscht sich insgesamt aber einen mäßig nährstoffreichen Standort mit schwach sauren bis neutralen Boden-pH-Wert zwischen 6,5 und 7,5 Punkten.

Einzelheiten zum Standort für Betonica:

  • sonniger bis halbschattiger Standort
  • durchlässiger, humusreicher, mäßig nährstoffreicher Boden
  • sandig-lehmiges Substrat
  • Boden-pH-Wert: schwach sauer bis neutral, von 6,5 bis 7,5
  • Betonie ist bis -35 °C winterhart
  • Pflanze wird als Bienenweide empfohlen

 

Pflanzanleitung für Betonie

Die beste Pflanzzeit für Betonien liegt im Frühjahr, zwischen März und April. Lockern Sie den Boden vorab etwas auf und bringen Sie bei Bedarf etwas Sand für eine verbesserte Bodendurchlässigkeit ein. Bodenhindernisse wie Wurzelreste oder größere Steine sind vor der Pflanzung zu entfernen.

Ausgewachsene Arten der Betonica entwickeln eine Wuchsbreite von bis zu 40 cm. Dementsprechend sollte der Pflanzabstand zu Nachbarpflanzen mindestens 30 bis 40 cm betragen. Pro Quadratmeter dürfen final nicht mehr als 5 bis 9 Pflanzen stehen.

 

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Betonica an Naturstandort auf einer Gebirgswiese

Betonie gießen und düngen

Heil-Ziest und andere Arten der Betonica sind äußerst genügsam und pflegeleicht. Gegossen werden müssen sie nur selten. Allenfalls in anhaltenden Trockenperioden während der Sommermonate ist hin und wieder eine manuelle Bewässerung vonnöten. Dabei können Sie problemlos kalkhaltiges Leitungswasser für die kalktolerante Pflanze verwenden.

Zur alljährlichen Düngung genügt es, im Frühling vor der Blüte etwas Komposterde ins Standortsubstrat einzuarbeiten.

Betonie ernten und schneiden

Die Ernte frischer Blätter ist ganzjährig möglich, wobei die Haupternte im Frühling erfolgt. Ansonsten sind Schnitte an der Pflanze nur notwendig, um einen kräftigen Neuaustrieb zu gewährleisten. Hierzu schneiden Sie die Betonie im zeitigen Frühjahr einfach bodennah zurück.

Tipp: Für eine Vermehrung können Sie gut entwickelte Pflanzen im Herbst ausgraben und mit einem scharfen Messer eine Wurzelteilung durchführen. Die abgeteilten Pflanzen dürfen dann direkt zurück ins Beet gepflanzt werden.

 

Schöne Arten der Gattung Betonica

Die Gattung Betonica umfasst heute etwa 12 bis 17 Arten. Nochmals sei daran erinnert, dass Betonica-Arten früher zur ziest-Gattung Stachys gezählt wurden, weshalb die Artenzahl je nach Autor schwanken kann. Darüber hinaus wird insbesondere der Heil-Ziest häufig noch unter seinem alten Namen Stachys officinalis gehandelt.

Während sich die heilpflanzliche Nutzung von Betonica primär auf den Heil-Ziest konzentriert, werden andere Arten häufiger als Zierpflanzen kultiviert. Unterschiede bestehen einerseits auf die Blütenfarben der Arten, andererseits mit Blick auf ihre individuelle Blütezeit. Ein Überblick zu den beliebtesten Varianten:

  • Alpen-Betonie (Betonica hirsuta): pinke Blüten; Blütezeit von Juli bis August; kräftig behaarte Blütenstängel
  • Echte Betonie / Heil-Ziest (Betonica officinalis): dunkelrosa bis rotviolette; selten weiße Blüten; Blütezeit von Juni bis Oktober; heilpflanzlich genutzte Art der Betonica
  • Gelbe Betonie / Gelber Ziest (Betonica alopecuros): gelbe Blüten; Blütezeit von Juni bis September
  • Großblütige Betonie (Betonica macrantha): große, purpurrote Blüten; Blütezeit von Juni bis Juli
  • Ossetische Betonie (Betonica ossetica): weiß-gelbe Blüten; Blütezeit im Juli
  • Sardische Betonie (Betonica sardica): weiße, selten rosa Blüten; Blütezeit von Juni bis September
  • Schnee-Betonie (Betonica nivea): weiße bis weiß-gelbe, gelegentlich weiß-rosa Blüten; Blütezeit von Mai bis Juli
  • Späte Betonie (Betonica serotina): weiß-rosa bis rosa Blüten; späte Blütezeit von Juli bis Oktober

 

Mögliche Krankheiten und Schädlinge

Es sind keine besonderen Schadbilder für Arten der Betonica bekannt.

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