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Familien der Pflanzenwelt: Amaryllisgewächse

Bei den Amaryllisgewächsen (Amaryllidaceae) handelt es sich um eine sehr besondere Pflanzenfamilie. Ihre Mitglieder sind für gewöhnlich Zwiebel- oder Knollenpflanzen und warten mit einer sehr außergewöhnlichen Blüte auf. Diese ähnelt neben Lilien vor allem an die stern- bis trompetenförmigen Blüten der Narzisse, die nur einen von vielen bekannten Vertretern der Amaryllisgewächse stellt und der Pflanzenfamilie den Beinamen Narzissengewächse einbrachte.

Und auch die in der Küche und Heilkunde vielseitig genutzten Kräuter und Gemüsepflanzen der Gattung Lauch sind bei den Amaryllidaceae zu finden. Insgesamt vereinen die Amaryllisgewächse etwa 81 Pflanzengattungen mit rund 1600 Arten. Zur besseren Übersicht werden diese botanisch in drei Unterfamilien gegliedert:

  • Amaryllidoideae
    umfasst 59 bis 67 Gattungen der Amaryllidaceae
  • Allioideae
    umfasst 13 Gattungen der Amaryllidaceae
  • Agapanthoideae
    umfasst die Gattung der Schmucklilien

 

Besonderheiten der Amaryllisgewächse

Die Vorsilbe des Familiennamens „Amaryllis-“ geht auf eine gleichnamige Sagenfigur aus Vergils Hirtengedichten zurück. In dieser, auch Eklogen genannten Gedichtsammlung ist Amaryllis eine Schäferin und Geliebte des Nymphensohns Daphnis.

Ähnlich wie der Wald- und Hirtengott Pan verfiel auch Amaryllis der Schönheit des jungen Hirten, was stark an die Legende der Narzisse erinnert. Sie hat ihren Namen ebenfalls einem schönen Nymphensohn, hier in Gestalt des Narziss zu verdanken.

 

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Von Sagen umwoben: Die Narzisse | © Das Grüne Archiv

Die malerischen Sternblüten der Amaryllisgewächse werden also wiederholt mit Sagen und Legenden in Verbindung gebracht. Getragen wird die meist weiße, gelbe oder rotviolette Blüte der Amaryllidaceae von einem blattlosen Blütenstängel, der entweder hohl, durchwachsen oder halbdurchwachsen ist. Letzteres gilt auch für Narzissen, die nur im Bereich der Blüte einen Hohlstängel ausbilden.

Neben der Narzisse gehören zu den Amaryllidaceae einerseits weitere beliebte Zierpflanzen, wie zum Beispiel Schmucklilien, Schneeglöckchen und der Ritterstern. Andererseits zählt die Familie der Amaryllis- bzw. Narzissgewächse auch wichtige Gemüse- und Gewürzpflanzen zu ihren Mitgliedern. Hier wären vor allem die mannigfaltigen Arten des Lauchs zu nennen. Sie sind im Vergleich zu ihren schmuckvollen Verwandten gut winterhart, wohingegen Ritterstern und Co. häufig frostfrei, oder zumindest sehr trocken überwintern müssen.

 

Amaryllisgewächse der Unterfamilie Amaryllidoideae

Der Zierwert der Amaryllisgewächse treibt in der Unterfamilie der Amaryllidoideae besonders vielfältige Blüten. Da wäre zum einen die kälteresistente Narzisse, deren gelbe Blüte vor allem zu Ostern gerne für Sträuße und Gestecke genutzt wird.

Der im Mittelmeerraum heimische Frühlingsblüher entwickelt manchmal schon im März erste Blüten, denn seine kaltkeimende Pflanzenzwiebel zeigt sich von Kälte gänzlich unbeeindruckt. Gleiches gilt für Schneeglöckchen und Märzenbecher, die hierzulande zu den beliebtesten Früh- beziehungsweise Winterblühern gehören.

 

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Das härteste Blümchen der heimischen Flora: das Schneeglöckchen | © Das Grüne Archiv

Anders sieht es bei wärmeliebenden Sommerblühern der Amaryllidoideae aus. Bestes Beispiel ist hier der Ritterstern, dessen Arten bei uns am besten sonnig und warm als Zimmer- oder Balkonpflanzen gehalten werden. Seine mangelnde Kälteresistenz macht Hippeastrum jedoch durch eine sehr grazile Blüte wieder wett, die meist rot, weiße, und manchmal sogar rot-weiß panaschiert ist.

Einen Hinweis auf seine sternförmige Blütenform trägt Ritterstern praktisch mit im Gattungsnamen. Allerdings wird er hierzulande auch gerne unter dem Namen „Amaryllis“ oder „Gartenamaryllis“ verkauft, was nicht selten zu Verwechslungen führt. Denn eigentlich gibt es nur ein bis zwei echte Arten der Amaryllis, die inzwischen zwar ebenfalls zur Gattung der Rittersterne gezählt werden, sich von anderen Hippeastrumarten aber deutlich unterscheiden.

So gehen die Rispenblüten der Amaryllis beispielsweise etwas mehr ins Trompetenförmige. Auch bilden Amaryllis im Gegensatz zu Ritterstern keinen hohlen, sondern durchwachsene Blütenstängel aus. In Sachen Blütenfarbe bestechen Amaryllis häufiger mit einem zarten Rosa, Violett oder einer weißen-violetten Panaschierung, wohingegen Ritterstern oft mit kräftig roten Blüten aufwartet.

 

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Roter Ritterstern ‚Red Pearl‘ | © Das Grüne Archiv

Anders als die winterharte Narzisse bevorzugen Ritterstern und Amaryllis ganzjährig warme und trockene Standorte. Grund hierfür ist die Tatsache, dass beide Pflanzen aus den subtropischen bis tropischen Regionen Südamerikas und Afrikas stammen. Dies gilt im Übrigen für den Großteil aller Amaryllidoideae, unter denen sich auffallend viele exotische Liliengattungen tummeln.

Einst gehörten die meisten von ihnen sogar wirklich zur Familie der Liliengewächse. Inzwischen ordnet man sie aufgrund ihrer individuellen Pflanzenmerkmale aber der Familie der Amaryllisgewächse und hier speziell der Unterfamilie der Amaryllidoideae zu. Wie viele Lilienformen hier insgesamt zu finden sind, entnehme Sie bitte der folgenden Übersicht:

  • Amazonaslilie (Eucharis amazonica)
  • Amaryllis (Amaryllis)
  • Echte Amaryllis, Belladonnalilie (Amaryllis belladonna)
  • Blutblume (Haemanthus)
  • Goldbecher (Sternbergia)
  • Guernseylilie (Nerine)
  • Hakenlilie (Crinum)
  • Jakobslilie (Sprekelia)
  • Klivien (Clivia)
  • Märzenbecher (Leucojum)
  • Narzisse (Narcissus)
  • Ritterstern (Hippeastrum)
  • Schneeglöckchen (Galanthus)
  • Schönlilie (Hymenocallis)
  • Spinnenlilie (Lycoris)
  • Trichternarzisse (Pancratium)
  • Zephirlilie (Zephyranthes)

 

Amaryllisgewächse der Unterfamilie Allioideae

Allioideae alias Lauch- und Zwiebelgewächse sind ein absolutes Muss in Küche und Garten. Ohne sie ist wohl so gut wie kein Gericht denkbar, weshalb Allioideae eine überaus bedeutsame Gruppe der Küchenkräuter und Gemüsepflanzen stellen.

Im Detail handelt es sich hier um die Arten der Stammgattung Lauch, die sowohl in Europa, als auch in Asien und Afrika heimisch ist. Ob als Gemüsebeilage, Suppengrün, Salat- oder Fleischwürze – Laucharten wie Zwiebeln und Bärlauch gehören für Hobbyköche weltweit zur Grundausstattung. Zudem können auch Gärtner nur selten auf Lauch verzichten, denn Arten wie Schnittlauch und Knoblauch sind dafür berühmt, durch ihren würzigen Geruch Pflanzenschädlinge auf Abstand zu halten.

 

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Schnittlauchblüte | © Das Grüne Archiv

Nun ist das Lauch aber nicht der einzige bekannte Vertreter der Allioideae. Ebenso gehört der als Zierpflanze genutzte Bastardlauch (Nothoscordum) zu dieser Unterfamilie der Amaryllisgewächse. Bei ihm stehen außer den würzigen Knollen, Zwiebeln und Blattkräutern auch seine ziervolle, weiße bis gelbe Blüte im Vordergrund der Kultivierung. Weitere Allioideae mit besonderem Zierwert sind Sonnenglanz (Leucocoryne) und Sternblume (Ipheion).

Geht es um den Winterschutz für Allioideae sei erwähnt, dass Lauch mitunter das einzige, in gemäßigten Klimazonen heimische Mitglied dieser Unterfamilie ist. Alle anderen Allioideae stammen hingegen vorwiegend Südamerika, wo vor allem Chile, Peru und Argentinien als Hauptverbreitungsgebiete gelten.

Die Gewächse müssen deshalb in den meisten Fällen im Haus überwintern müssen. Die Zwiebeln der Laucharten behaupten sich dagegen sehr gut gegen Kälte und brauchen diese sogar, um zu keimen. Im Folgenden noch einmal alle Lauch- und Zwiebelgewächse auf einen Blick:

  • Bastardlauch (Nothoscordum)
  • Lauch (Allium)
  • Bärlauch (Allium ursinum)
  • Knoblauch (Allium sativum)
  • Knoblauch-Schnittlauch (Allium tuberosum)
  • Schnittlauch (Allium schoenoprasum)
  • Weinberglauch (Allium vineale)
  • Wilder Lauch (Allium scorcdoprasum)
  • Winterlauch / Porree (Allium porrum)
  • Winterzwiebel (Allium fistulosum)
  • Zwiebel (Allium cepa)
  • Sonnenglanz (Leucocoryne)
  • Sternblume (Ipheion)

 

Amaryllisgewächse der Unterfamilie Agapanthoideae

Agapanthoideae kennt man wohl besser unter der Bezeichnung Schmuckliliengewächse. Kaum verwunderlich, denn immerhin sind Schmucklilien die einzigen Gewächse in dieser Unterfamilie der Amaryllisgewächse. Die Agapanthen unterscheiden sich von anderen Amaryllidaceae durch ihre doldige Blüte, welche meist weiß, blau oder blass-violett gefärbt ist.

 

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Afrikanische Schmucklilie (Agapanthus africanus) | © Das Grüne Archiv

Erstaunlicherweise sind viele Sorten der Schmucklilie trotz ihrer afrikanischen Herkunft gut winterhart. Sie können deshalb oft ohne bedenken im Kühlen überwintern. Mehr noch, empfehlen Experten auf dem Gebiet der Agapanthenzucht, die Schmucklilien nicht allzu lange fernab vom Freiland zu überwintern.

Die verschiedenen Sorten mögen unterschiedliche Winterhärten aufweisen, doch zu viel Wärme und Freiluftmangel bekommt den Pflanzen in der kalten Jahreszeit ebenfalls nicht gut. Weitere Einzelheiten zur Kultivierung von Agapanthen entnehmen Sie bitte unserem Pflanzratgeber für Schmucklilien [Text ausstehend].

 

Fazit

Amaryllisgewächse sind im Garten, wie auch in der Küche unverzichtbar. Während Laucharten wie Knoblauch, Schnittlauch und Zwiebel die aromatische Vielfalt dieser Pflanzenfamilie wieder spiegeln, bieten Zierpflanzen wie Amaryllis, Narzisse, Ritterstern und Schmucklilie passende Blumenakzente fürs heimische Grün. Die Blüte der Amaryllidaceae weist dabei meist eine stern- oder trompetenförmige Form, sowie beeindruckende Farbvariationen auf.

Die Pflanzenzwiebeln der Amaryllisgewächse sind je nach Gattung mehr oder weniger winterhart, weshalb sie oftmals frostfrei überwintern müssen. Eine klare Ausnahme bilden hier anspruchslose und gut winterharte Laucharten, deren Aufzucht gerade Anfängern einen wunderbarer Einstieg in die Grundlagen der Kräuterkultivierung bietet.

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