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Hexenkraut, Hexenkräuter, Circaea, mollis

Hexenkraut (Circaea) pflanzen – Wirkung und Kultur der Hexenkräuter

Es gibt magische Hexenkräuter und es gibt das Hexenkraut (Circacea). Als Namenspatron der Ritual- und Zauberpflanzen sorgt dieses Kraut nicht nur gerne für Verwirrung und Verwechslungen. Es zeigt leider auch auf, wie sehr die sagenhaften Wirkungen zahlreicher Kräuterpflanzen, die einst Fantasie der Menschen beflügelten, heute in Vergessenheit geraten.

 

Vorsicht, Verwechslungsgefahr

Im Englischen trägt das Hexenkraut einen ebenfalls gar magischen Namen. Enchanter’s  Nightshade (Des Zauberers Nachtschatten) heißt es hier und lässt unweigerlich an giftige Pflanzen aus der Familie der Nachtschattengewächse denken. Tatsächlich wird der Begriff Hexenkraut auch als Beiname für eine dieser Giftpflanzen genutzt, nämlich das Bilsenkraut.

Eine Verwechslung beider Pflanzen wäre jedoch fatal, denn während das Bilsenkraut zu den tödlichen Giftkräutern gehört, zählt das echte Hexenkraut zu den alten Heilkräutern. Auch handelt es sich bei der Pflanze nicht um ein Nachtschattengewächs, sondern um einen Vertreter der Nachtkerzengewächse.

Nachtschatten, Nachtkerzen – schon begrifflich ein großer Unterschied, wobei es mit Blick auf echte Hexenkräuter noch etwas mehr Licht ins Dunkel zu bringen gilt. Es scheint nämlich ganz so, als würde Circaea mit der artverwandten Nachtkerze nicht nur die Zugehörigkeit zur selben Pflanzenfamilie verbinden, sondern auch eine faszinierende Heilkraft.

 

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Noch ein beliebter Verwechslungsfall: Die Klettfrüchte der Hexenkräuter verliehen ihnen auch den Beinamen Waldkletten, weshalb sie gerne mit der echten Klette verwechselt werden

Hexenkräuter in der Mythologie

Echte Hexenkräuter sind als Heilkräuter heutzutage nahezu in Vergessenheit geraten. Wer nach historischen Quellen zum Hexenkraut sucht, wird auch feststellen, dass diese recht rar gesät sind.

Bekannt ist aber, dass das Kraut wohl schon in den Klostergärten des Mittelalters gedieh und seinerzeit eine bedeutsame Zauberpflanze war. Diese sind unter dem Sammelbegriff Hexenkräuter sogar nach dem Hexenkraut benannt. Und das zu Recht, wenn man sich die Entstehunsgeschichte seines wissenschaftlichen Namens Circaea einmal genauer ansieht.

 

Das Zauberkraut der Circe

Der wissenschaftliche Name Circaea verweist auf die legendäre Zauberin Circe aus der griechischen Mythologie. Auf sie zurückgeht auch das Verb bezirzen als Synonym für „jemanden bezaubern“ oder „jemanden umgarnen“. Die Tochter des Sonnengottes Helios und der Okeanide Perse verzauberte laut Legende einst Odysseus‘ Gefährten in Schweine, nachdem diese ihre Insel Aiaia betreten hatten und erkunden wollten.

Der Verzauberung voraus gingen die charmanten Bewirtungskünste der Circe und ihrer Dienerinnen. Diese endeten jedoch jäh, nachdem die Gäste von Speisen kosten, denen die Göttertochter ein Zauberkraut beigemischt hatte. Odysseus selbst konnte sich gegen Circes Zauberkünste nur mit einer anderen magischen Pflanze behelfen, die ihm Götterbote Hermes vorab zum Schutz gegeben hatte und die in mythologischen Texten als Moly bezeichnet wird.

Die Identifizierung besagter Pflanze bereite schon zahlreichen Pflanzenkundigen Kopfzerbrechen. Griechische und italienische Botaniker und Kräuterkundler vermuteten bis zur Renaissance eine Zwiebel- bzw. Lauchart hinter der Moly und schlugen entweder den Hexen-Lauch (Allium magicum) oder den Gold-Lauch (Allium moly) als des Rätsels Lösung vor.

John Goodyer, der die Materia Medica von Dioskurides übersetzte, legte 1655 zudem den Schwarz-Lauch (Allium nigrum) als möglichen Kandidaten nahe. Andere Vorschläge nennen das Schneeglöckchen, die Herbstzeitlose, Seerose, Nieswurz oder Alraune, wobei nicht alle diese Pflanzen auch tatsächlich weiß blühen, wie es Homers Beschreibung der Moly vorgibt.

 

„Also sprach Hermeias, und gab mir die heilsame Pflanze,
Die er dem Boden entriss, und zeigte mir ihre Natur an:
Ihre Wurzel war schwarz, und milchweiß blühte die Blume;
Moly wird sie genannt von den Göttern. Sterblichen Menschen
Ist sie schwer zu graben; doch alles vermögen die Götter.“

– Homer, Odyssee 10, 302–307

 

Lauch, Allium, Lauchblüte
Höchstwahrscheinlich die Moly aus der Circe-Sage: der Lauch

Hexenkräuter als Zauberpflanzen

Weniger Zweifel scheint es da schon bei dem Kraut zu geben, das Circe den Gefährten von Odysseus mit ins Essen gab. Es handelte sich hierbei wohl um Hexenkraut, das bis ins Mittelalter für seine aphrodisierenden und auch psychedelischen Eigenschaften bekannt war. Das gilt insbesondere für das Alpen-Hexenkraut (Circaea alpina), das entgegen seinem Namen auch außerhalb der Alpen bis in den Mittelmeerraum verbreitet ist. Die betörenden Zauberkünste der legendären Zaubergöttin ließen sich so gut erklären.

Mit Blick auf besagte Wirkung steht das Hexenkraut auch sinnbildlich für die Eigenschaften diverser Zauberpflanzen. Denn häufig waren es damals noch unerklärliche Effekte auf die Wahrnehmung oder die Libido, die aus Aphrodisiaka und Kräutern mit psychoaktiven Wirkstoffen sogenannte Hexenkräuter machten. Darunter fallen beispielsweise auch Kräuter, die angeblich zur Herstellung von Flugsalben verwendet wurden.

Anhänger der Hexenverfolgung warfen Frauen, die etwaige Salben verwendeten, vor, sie würden mit deren (und des Teufels) Hilfe auf ihrem Hexenbesen durch die Lüfte fliegen. Dabei waren die Salben höchstwahrscheinlich nur mit psychedelischen Kräutern bestückt, die den „schwebenden Geisteszustand“ beförderten.

Nun ist eine psychedelische bis halluzinogene Wirkung für Hexenkraut bislang zwar noch nicht bestätigt, allerdings ist die Studienlage zu diesem Kraut aktuell auch noch sehr dünn. Jedoch: Die wenigen Studien, die bereits zu Circaea existieren, legen nahe, dass es sich bei diesem Kraut nicht nur um eine verkannte Heilpflanze, sondern möglicherweise sogar um ein vergessenes Frauenheilkraut handelt.

 

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Das Kraut der Circe hat wahrlich manch wundersame Wirkung und unterstreicht die Stellung ihrer Namenspatronin als Göttin der Magie, der Zauberinnen und Frauen innerhalb der griechischen Mythologie

Wirkung von Hexenkraut

Dass es im Altertum oft vermeintliche Hexen waren, die das Wissen um alte Heilkräuter bewahrten, ist kein Geheimnis. Das gilt insbesondere für Frauenheilkräuter, deren Wirkung häufig nur den Anwenderinnen geläufig war, bevor es wissenschaftliche Wirkstoffanalysen gab.

Bezüglich Hexenkraut förderten einige Studien inzwischen auch interessante Ergebnisse zutage. Sie bestätigen das Vorkommen von pflanzlichen Östrogenen, also Phytohormonen, die dem weiblichen Geschlechtshormon Östrogen ähneln. Und das ist nicht alles. Jüngere Forschungsergebnisse weisen ferner darauf hin, dass es sich beim Hexenkraut durchaus um ein potentes Heilkraut handelt.

 

Inhaltsstoffe der Hexenkräuter

Ein Studienbericht des Department of Biology der University of Missouri St. Louis in den USA wies bereits 1977 auf Glykoflavone als wichtige Hauptwirkstoffe in Hexenkraut hin. Im Fokus des Berichts stand damals das antioxidative, entzündungshemmende, herzstärkende und neuroprotektive Flavonoid Vitexin.

Es dauerte jedoch über drei Dekaden, bis die Fakultät für Pharmazie der Medizinischen Universität Warschau eine vollständige Übersicht aller bisher bekannten Inhaltsstoffe von Circaea bereitstellte, darunter:

  • Apigenin
  • Ellagsäure
  • Gallussäure
  • Gerbstoffe (v.a. Oneothin B)
  • Isoorientin
  • Kämpferol
  • Luteolin
  • Phenolsäuren
  • Quercetin / Isoquercetin
  • Vicenin
  • Vitexin / Isovitexin

 

Hexenkraut, Hexenkräuter, Circaea
Das Hexenkraut ist in Wahrheit ein verkanntes Frauenheilkraut und Wundheilkraut

Hexenkraut in der Wundbehandlung

Zur Wirkstoffanalyse verwendeten die Forscher der Universität Warschau oberirdische Pflanzenteile des Großen Hexenkrauts (Circaea lutetiana). Die Pflanze ist sowohl in Europa und Asien als auch in Nordafrika und Nordamerika heimisch und wird speziell von den indigenen Völkern Amerikas traditionell als Wundheilkraut verwendet.

Wundstillend wirken sich in diesem Zusammenhang vor allem die antioxidativen und entzündungshemmenden Flavonoide von Circea aus, zu denen neben Vitexin auch Quercetin, Luteolin, Kämpferol, Isoorientin, Gallussäure, Ellagsäure sowie die Gerbstoffe der Pflanze gehören. Letztere besitzen einen adstringierenden (zusammenziehenden) Effekt auf die Haut, der es Keimen erschwert, in die Hautporen einzudringen. Luteolin soll als Anti-Aging-Wirkstoff sogar die Hautalterung verzögern und bei chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen helfen können.

Wissenswertes: Quercetin zeigt im Versuch auch eine vorbeugende Wirkung gegen Muskelkater. Außerdem soll es gemeinsam mit Luteolin positive Effeke in der Behandlung von Gicht erzielen und eine krebshemmende Wirkung besitzen.

 

Hexenkraut als Frauenheilkraut

Es gibt einige Wikstoffe in Circaea, die auch für andere Frauenheilkräuter typisch sind. Sowohl Quercetin als auch Luteolin, das neben seiner wundstillenden Wirkung auch beruhigende und schlaffördernde Eigenschaften besitzt, kommen beispielsweise im Hirtentäschel vor.

Gleiches gilt für Kämpferol, dem eine neuroprotektive Wirkung nachgesagt wird und bei dem es sich darüber hinaus um ein Phyto-Östrogen handelt. Als Ersatz für das weibliche Geschlechtshormon Östrogen kann Kämpferol Menstruations- und Wechseljahrsbeschwerden entgegenwirken, die durch einen Östrogenmangel verursacht werden.

Das Apigenin in Hexenkraut hemmt wiederum die Östrogenproduktion, was medizinisch zum Beispiel für die Behandlung von durch Östrogenüberschuss bedingten Fruchtbarkeitsstörungen von Bedeutung ist. Die Kultur von Hexenkraut kann sich also insbesondere für Frauen lohnen.

 

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Großes Hexenkraut (Circaea lutetiana)

Hexenkräuter pflanzen – Standort und Ablauf

Hexenkräuter sind mehrjährige Stauden, die vor allem an unberührten Naturstandorten gedeihen. Doch auch im Garten sind sie bei geeigneten Standortbedingungen gänzlich anspruchslos. Die wichtigsten Kulturarten sind:

  • Kleines Hexenkraut / Alpen-Hexenkraut (Circaea alpina)
  • Mittleres Hexenkraut (Circaea x intermedia)
  • Großes Hexenkraut (Circaea lutetiana)

 

Der richtige Standort für Hexenkräuter

Hexenkräuter sind typische Waldpflanzen. Sie lieben schattige und feuchte Standorte unter hohen Gehölzen. Eine schöne Pflanzidee sind sie darum neben dem Kräutergarten auch für Naturgärten wie den Waldgarten oder andere waldnahe Pflanzkonzepte. Das Substrat sollte für die Bedürfnisse von Circaea tiefgründig und lehmig sein und einen schwach sauren pH-Wert von 5 bis 6,5 Punkten aufweisen.

Hexenkräuter sind in allen subtropischen, gemäßigten und subarktischen Breitengraden der Nordhalbkugel heimisch. Sie sind daher bis -28 °C sehr gut winterhart. Allerdings benötigen sie dennoch eine frostfreie Periode von mindestens 11 Wochen pro Jahr.

Einzelheiten zum Standort für Hexenkraut:

  • schattiger bis halbschattiger Standort
  • feuchter, tiefgründiger und lehmiger Boden
  • pH-Wert des Bodens: schwach sauer, von 5 bis 6,5
  • Hexenkräuter sind bis -28 °C winterhart
  • gut zur Unterpflanzung hoher Gehölze geeignet

 

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Wichtig: Das Hexenkraut ist eine Waldpflanze und fühlt sich daher an Orten wohl, die ähnlich schattige und sickerfeuchte Standortbedingungen bereitstellen

Hexenkräuter richtig pflanzen

Hexenkräuter eignen sich artabhängig für unterschiedliche Pflanzkonzepte. Die Artennamen zeigen bereits auf, dass hier für jede Pflanzflächengröße etwas mit dabei ist. Das Große Hexenkraut ist namensgemäß die größte Art. Mit Wuchshöhen von bis zu 60 cm macht sie sich gut als vordergründige Kräuterstaude.

Das Kleine Hexenkraut wächst dagegen nur 10 bis 30 cm hoch. Ein idealer Bodendecker also für kleinere Unterpflanzungen. Das Mittlere Hexenkraut, im Übrigen eine Naturhybride aus Großem und Kleinem Hexenkraut, wird wiederum bis zu 75 cm groß. Es eignet sich somit ggf. auch als Hintergrundpflanze.

Graben Sie den Boden vor der Pflanzung von Circaea tiefgründig um. Die Wurzeln der Pflanze können bis zu 20 cm tief wachsen und benötigen deshalb ausreichend Platz im Erdreich. Eine Oberbodendicke von ca. 25 cm wird empfohlen. Die beste Pflanzzeit für Hexenkräuter ist entweder im Frühling nach den letzten Spätfrösten oder im zeitigen Herbst.

 

Hexenkraut gießen und düngen

Da Hexenrkäuter es gerne feucht mögen, sollte man bei anhaltender Trockenheit unbedingt manuell bewässern. Um übermäßige Verdunstung in heißen Sommermonaten zu vermeiden, kann die Ausbringung von Rindenmulch im Wurzelbereich sinnvoll sein.

Circaea ist nicht besonders nährstoffhungrig und eine Düngung daher nicht zwingend erforderlich. Wer möchte, kann hin und wieder mit Brennnesseljauche düngen, was das stickstoffliebende Hexenkraut auch gerne annimmt.

 

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Tipp: Im feuchten Waldgarten-Ambiente ist Circaea mitunter auch im Sommer gut vor Austrocknung geschützt

Hexenkraut schneiden und vermehren

Welke Pflanzenteile von Circaea lassen Sie am besten über den Winter als leichten Winterschutz stehen. Erst im Frühling wird die Pflanze dann bodennah bis auf 10 cm zurückgeschnitten.

Vermehren lässt sich Circaea unkompliziert über Wurzelausläufer, die sich unterirdisch reichlich an der Pflanze ausbilden und als Brutknollen für Neupflanzungen verwenden lassen.

 

Krankheiten und Schädlinge

Circaea ist relativ robust gegenüber den meisten Schadbildern. Einzig Schnecken könnten sich im Frühling am Jungaustrieb der Pflanzen zu schaffen machen. Im Ernstfall hilft dann ein Schneckenzaun.

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