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Liebstöckel, Maggikraut, Levisticum, Levisticum officinale

Liebstöckel (Maggikraut) – Wirkung und Kultur

Wer Maggi mag, wird Liebstöckel (Levisticum officinale) lieben. Das auch als Maggikraut bekannte Gewürz stellt nämlich die originale Maggi-Würze dar und hat ganz nebenbei auch heilsame Eigenschaften. Die Kultur des pflegeleichten Liebstöckels hat dabei lange Tradition und gelingt wunderbar auch ohne besondere Vorkenntnisse.

 

Liebstöckel in der Küche und Medizin

Liebstöckel gehört zu den alten Küchenkräutern und wurde bis ins späte Mittelalter standardmäßig zum Würzen von Suppen, Soßen, Eintöpfen, Salaten und Gemüsebeilagen verwendet. Eine besondere Bedeutung hat das Gewürzkraut in der Volksküche als Würze für Pilzgerichte und Käsespezialitäten wie den Obatzten.

Warum das Maggikraut vermehrt aus den heimischen Küchen verschwand, liegt nicht zuletzt auch am Aufkommen künstlicher Würzmittel aus dem Handel. Einer Flüssigwürze im Speziellen gelang es dabei erfolgreich, den Geschmack von Liebstöckel zu imitieren.

 

Maggikraut als ursprüngliche Maggi-Würze

Der Geschmack von Liebstöckel erinnert unweigerlich an Maggi. Diesbezüglich hat das Maggikraut viel mit dem artverwandten Sellerie gemeinsam, dessen würzig-säuerlicher Geschmack ihn zu einem beliebten Suppengrün macht.

Das maggiähnliche Aroma entsteht dabei in beiden Gewürzkräutern durch einen hohen Gehalt an Phthalid. Der pflanzliche Aromastoff macht im ätherischen Öl des Maggikrauts einen Anteil von bis zu 70 Prozent aus.

Übrigens: In Maggi-Würze ist trotz geschmacklicher Ähnlichkeit kein Maggikraut enthalten. Das charakteristische Aroma kommt in der Fertigwürze aus dem Handel durch eine Kombination aus Weizenprotein, Salz, Zucker und Geschmacksverstärkern wie Mononatriumglutamat zustande.

 

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Diese Flaschen haben mit Maggikraut nichts gemeinsam bis auf den Geschmack. Und nur im Fall von Maggikraut ist besagter Geschmack nicht künstlichen Aromastoffen zu verdanken

Inhaltsstoffe und Wirkung von Liebstöckel

Während in der Küche vor allem die Samen und frischen oder getrockneten Blätter von Maggikraut Verwendung finden, ist die Anwendung der Liebstöckelwurzel (Levistici radix) in der Heilkunde gebräuchlich.

Schon Dioskurides beschrieb im 1. Jahrhundert n. Chr. die diuretische, wie auch menstruations- und verdauungsfördernde Wirkung von Levisticum officinale. Klassische Anwendungsgebiete sind diesbezüglich Menstruationsstörungen sowie Harnwegsinfekte und Nierenleiden, bei denen die harntreibende Wurzel zur Durchspülungstherapie genutzt wird.

Hildegard von Bingen kannte Liebstöckel außerdem als Heilmittel gegen Halskrankheiten. Entsprechend gilt Maggikraut noch heute als schleimlösendes Hustenmittel und Hausmittel gegen Atemwegserkrankungen wie Katarrh, Asthma oder Erkältung.

Vor allem die antibakterielle Wirkung der Phthalide in Liebstöckel ist mittlerweile gut erforscht. Auch gibt es Hinweise auf ein antioxidatives, nervenstärkendes und entzündungshemmendes Potential von Maggikraut. Neben Phthalid sind dabei insbesondere folgende Inhaltsstoffe relevant für die Heilwirkung von Liebstöckel:

  • Apiol
  • Apfelsäure
  • Bitterstoffe
  • Carvon
  • Gerbstoffe
  • Kampfer
  • Myristicin

 

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Vorsicht, Verwechslungsgefahr. Die Blätter von Liebstöckel sind denen von Kerbel und Koriander sehr ähnlich

Liebstöckel pflanzen – Standort und Ablauf

Maggikraut gehört zur Familie der Doldenblütler und ist daher neben Sellerie auch eng verwandt mit anderen aromatischen Heil- und Gewürzkräutern, darunter Fenchel, Kerbel, Kümmel und Koriander. Gerade zu Kerbel und Koriander bestehen hier mit Blick auf die Blattform große Ähnlichkeiten, weshalb die drei Doldenblütengewächse gerne miteinander verwechselt werden.

Obwohl Liebstöckel ursprünglich aus dem Nahen Osten stammt, wird er doch schon seit der Antike auch in Europa angebaut. Und wenngleich er an seinen natürlichen Standorten eher in warmen Lagen zu finden ist, besitzt er eine recht gute Winterhärte von bis zu -20 °C.

Ein spezieller Winterschutz ist im Freiland also nicht notwendig. Jedoch wäre dem aromatischen Gewürzkraut ein Standort in der Sonne oder im hellen Halbschatten sehr genehm.

 

Der richtige Boden für Liebstöckel

Beim Boden ist Maggikraut nicht sonderlich wählerisch. Ein frisch-feuchtes, nährstoffreiches und humoses Substrat mit leichtem Kalkgehalt reicht völlig aus. Der pH-Wert des Bodens sollte neutral sein und zwischen 6,5 und 7 Punkten liegen.

Bedenken Sie aber, dass Liebstöckel bei guten Standortbedingungen und richtiger Pflege bis zu 2 m hoch wird. Achten Sie deshalb darauf, dass das Gewürzkraut am Standort ausreichend Platz für die freie Entfaltung zur Verfügung hat.

Einzelheiten zum Boden für Liebstöckel:

  • sonniger bis halbschattiger Standort
  • nährstoffreicher, humoser und kalkhaltiger Boden
  • pH-Wert des Bodens: neutral, zwischen 6,5 und 7
  • Maggikraut wird bis zu 2 m hoch
  • genug Platz einplanen
  • die Gewürzpflanze ist bis -20 °C winterhart
  • kein spezieller Winterschutz erforderlich

 

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Levisticum officinale schätzt lichtreiche Standorte

Liebstöckel aussäen

Die Aussaat von Liebstöckel bietet sich vor allem für Topfkulturen an. Das Kraut lässt sich beispielsweise auf einer hellen Fensterbank oder in einem lichtreichen Treppenhaus kultivieren. Alternativ ist natürlich auch eine Aussaat für Vorzuchten im Gewächshaus oder Frühbeet möglich.

Der richtige Aussaattermin liegt zwischen Ende März und Anfang April. Bei Topfkultur wählen Sie als Pflanzgefäß einen Topf, der mindestens 2 l Fassungsvermögen besitzt. Denn die Wurzeln von Maggikraut sind recht wuchsfreudig.

Befüllen Sie den Topf mit Kräutererde oder bereiten Sie geschützte Beetstandorte im Freiland entsprechend mit optimiertem Substrat vor. Anschließend säen Sie die Samen aus und bedecken sie nur ganz leicht mit Erde.

Halten Sie das Saatgut im Folgenden stets leicht feucht. Das gelingt am besten mit einer Sprühflasche, wodurch sich ein Wegschwemmen der Erde verhindern lässt. Die Keimung sollte dann binnen zwei bis drei Wochen einsetzen.

Wichtig: Da Maggikraut recht groß werden, sollte später pro Topf nicht mehr als eine Pflanze stehen. Jungpflanzen müssen daher etwa zwei bis drei Monate nach der Keimung unbedingt vereinzelt werden.

 

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Tipp: Die Samen von Liebstöckel eignen sich sowohl zum Würzen als auch für die Aussaat

Liebstöckel pflanzen

Pflanzen können Sie Liebstöckel im Frühjahr ab Anfang Mai. Lockern Sie zuvor das Substrat gut auf und reichern Sie es bei Bedarf mit etwas reifem Kompost und Kalk an. Alternativ lässt sich auch spezielle Kräutererde verwenden.

In Anbetracht seiner finalen Größe und des daraus resultierenden Ernteertrags reicht eine Liebstöckelpflanze pro Kräutergarten meist aus. Als Pflanzabstand zu Nachbarpflanzen rechnen Sie am besten 0,5 bis 1 m ein.

 

Liebstöckel gießen und düngen

Trotz Sonnenliebe schätzt Liebstöckel regelmäßige Bewässerung. Lassen Sie den Boden daher niemals ganz austrocknen. Ein zusätzlicher Feuchtigkeitsspender kann organischer Flüssigdünger wie Brennnesseljauche sein, der das Gewürzkraut auch gleich mit notwendigen Nährstoffen versorgt.

Alternativ kommt als Düngemittel auch Kompost in Frage. Geben Sie den Dünger alljährlich im Frühjahr an die Pflanze ab.

 

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Maggikraut steht gerne etwas feuchter

Liebstöckel ernten und vermehren

Geschnitten wird Liebstöckel primär zur Ernte. Das regelmäßige Abernten der Blätter fördert dabei auch den Neuaustrieb. Ein guter Ernteturnus ergibt sich bei einer monatlichen Ernte alle vier Wochen. Wer einer Selbstaussaat von Maggikraut im Garten vorbeugen will, sollte zudem die Blütenstände vor der Samenreife abschneiden.

 

Vermehrung durch Aussaat

Wer Saatgut aus dem Maggikraut gewinnen oder eine Selbstaussaat erreichen möchte, lässt die Blütenstände bis Herbst stehen. Für eine kontrollierte Aussaat sammeln Sie dann die Samen ab. Aussäen können Sie diese zur Vorzucht unter Glas im Frühjahr zwischen März und April.

 

Vermehrung durch Wurzelteilung

Wer gerne die Liebstöckelwurzel zu Heilzwecken verwenden oder die Pflanze verjüngen möchte, gräbt das Maggikraut hierzu am besten im Frühjahr aus. Mit einem scharfen Messer entzweit, liefert eine Hälfte des Wurzelstocks dann eine üppige Heilkräuterernte. Die andere Hälfte kann direkt zurück ins Beet gepflanzt werden.

 

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Feuerkäfer an Liebstöckelblüte

Maggikraut – Krankheiten und Schädlinge

Bei richtiger Pflege ist das Maggikraut weitestgehend resistent gegen Krankheiten und Schädlinge. Bei anhaltend schwülem Wetter kann es jedoch zur Entstehung von Falschem Mehltau kommen. Die Krankheit macht sich durch weißen Belag an der Blattunterseite bemerkbar. Im weiteren Verlauf verfärben sich die Blätter bräunlich-gelb und fallen ab.

Verantwortlich für Falschen Mehltau an Maggikraut ist ein zu feuchtes Substrat in Kombination mit Wärme. Ein entsprechendes Standortmilieu entsteht insbesondere im Gewächshaus während der Sommermonate recht leicht, weshalb Liebstöckel hier außer zur Vorzucht besser nicht stehen sollte.

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