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Wegwarte (Zichorie) – Standort, Aussaat und Pflege

Die auch als Zichorie bekannte Wegwarte (Cichorium) hat viele Gesichter. Ihre meist himmelblau gefärbten Blüten sehen dabei aber denen der Kornblume zum Verwechseln ähnlich.  Aus diesem Grund wird die Wegwarte auch gerne als Wildblume im Garten kultiviert. Und selbst Indoor kann man die schöne Blume problemlos kultivieren.

Daneben verbirgt sich hinter der Wegwarte auch eine vielseitige Nutzpflanze, die als Gemüse und Heilpflanze gleichermaßen interessant ist. Dabei ist in mehr Lebensmitteln und Naturheilmitteln Zichorie drin, als es zunächst den Anschein hat.

Wissenswertes: Einer mittelalterlichen Sage zu Folge erhielt die Wegwarte ihren Namen dank der aufrichtigen Liebe eines Burgfräuleins. Ihr Geliebter, ein hiesiger Ritter, nahm einst an den Kreuzzügen teil und kehrte nie mehr zurück. Und so wartete das Burgfräulein in Begleitung ihrer Hofdamen vergeblich Tag für Tag vor dem Stadttor, unwillens, die Hoffnung auf eine Rückkehr ihres Geliebten aufzugeben. Ihre unerschütterliche Treue soll die Himmlischen derart berührt haben, dass diese die am Wegesrand Wartende in eine weiße und ihre Hofdamen in blaue Wegwarten verwandelten.

 

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Ein blaues Meer aus Wegwarten | © Das Grüne Archiv

Wegwarte in der Küche und Medizin

Cochorium ist im Bereich der Heilpflanzen keine Unbekannte, wenden Kräuterkundige sie aufgrund ihrer Gerb- und Bitterstoffe doch gerne zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden und Erkrankungen des Verdauungstraktes an. Mit einer Zichorienart haben wir es dabei besonders häufig zu tun. Einige trinken ihre Auszüge sogar regelmäßig, ohne es zu wissen.

Gemeint ist die Gemeine Wegwarte (Cichorium intybus), deren Name manchen kaum etwas sagen dürfte. Das obwohl wir die Blätter dieser Zichorie relativ häufig in Salaten verspeisen und aus ihrem gemahlenem Pulver sogar den berühmten Caro Kaffee herstellen. Beides allerdings unter anderem Namen. Die Rede ist von einigen der Traditionssalate schlechthin. Dazu zählen:

  • Endivie (Cichorium intybus subsp. glabratum var. endivia)
  • Radicchio und Chicorée (Cichorium intybus subsp. intybus var. foliosum)

 

Endivie und Radicchio | © Das Grüne Archiv

Endivie und Radicchio werden auch gerne ‚Salatzichorien‘ genannt, wobei ihre Namen bereits aufzeigen, dass es sich hierbei um recht spezielle Wuchsformen der Gemeinen Wegwarte handelt. Umso faszinierender ist der vielseitige Einsatz dieser Zichorienart.

Vom bereits erwähnten Heilkraut über Kaffeeersatz bis hin zum Functional Food mit besonders vielen Nährstoffen gibt es also zahlreiche Anwednungsmöglichkeiten. Die gängigste Nutzung ist jedoch nach wie vor die als Speisesalat.

 

Wegwarte pflanzen – Standort und Ablauf

Die Pflanzen der Wegwarte zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie sind sowohl in Eurasien als auch in Afrika heimisch. Dort wachsen die bis zu 140 Zentimenter hohen Stauden bevorzugt an vollsonnigen Feld- und Wegrändern und werden aufgrund ihrer hellblauen Blütenfärbung häufig mit Kornblumen verwechselt.

Wirft man aber einen Blick auf die fleischigen Blattköpfe der Zichorien, die sie zu ausgezeichneten Salatpflanzen machen, wird schnell klar, dass man die beiden Gewächse zumindest in bestimmten Jahreszeiten deutlich auseinander halten kann. Am bekanntesten dürfte diesbezüglich die Endivie sein. Doch auch der Radicchio mit seinen auffallend roten Blattlappen ist eigentlich unverwechselbar.

 

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Der Kornblume zum Verwechseln ähnlich | © Das Grüne Archiv

Ähnlich sind sich Kornblume und Wegwarte auch bei den Bodenansprüchen. Das Standortsubstrat sollte in beiden Fällen nährstoffreich und trocken sein. Sandige Böden mit neutralen bis leicht basischen pH-Werten von 6,5 bis 7 sind ideal, normale Gartenerde erfüllt jedoch den selben Zweck.

Wegwarten sind Ruderalpflanzen und machen sich in Einzelstellung oder als Beetstauden gleichermaßen. Ansprechende Begleitgewächse im Beet sind Kamille, Mohn, Schafgarbe oder andere Salatpflanzen. Einer Kultivierung im Topf ist ebenfalls möglich.

Pflanztipp: Wenn Sie Wegwarten als Heilkräuter nutzen möchten, sollten Sie zu Cichorium intybus greifen. Die essbaren Blätter dieser Art eignen sich zur Herstellung heilsamer Extrakte. Daneben werden Subtypen der Gemeinen Wegwarte auch häufig als Salatpflanzen angebaut. Die Wurzeln von Cichorium intybus var. sativum im Speziellen sind sogar ein gern genutzter Bestandteil von Ersatzkaffee. Beispielsweise enthält der wohl bekannte Caro-Kaffee nicht unwesentliche Anteile dieser Wurzel-Zichorie.

Einzelheiten zum Standort für Wegwarten:

  • Wegwarte benötigt vollsonnigen Standort
  • Standortboden muss nährstoffreich und trocken sein
  • Boden-pH-Wert: neutral bis leicht basisch zwischen 6,5 und 7
  • sandige Böden werden bevorzugt, normale Gartenerde geht auch
  • Zichorien kann man im Topf, als Einzel- oder Beetstaude pflanzen
  • gute Pflanzpartner: Kamille, Mohn, Schafgarbe und andere Salate

 

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junge Endivie (links) neben Kopfsalat (rechts) im Salatbeet

Eine vorgezogene Pflanze im Handel zu finden kann bei der Wegwarte bisweilen eine ziemliche Herausforderung sein. Sinnvoller und Einfacher ist deshalb eine Aussaat gekaufter Samen. Diese gibt es in jedem gut sortierten Gartenhandel oder auch im botanisch versierten Online-Shops zu erstehen. Haben Sie erst einmal ein Päckchen Cichoriumsamen gekauft, gehen Sie wie folgt vor:

1. Schritt – Aussaattermin wählen: Sie können Ihre Wegwarte entweder gegen März ins Frühbeet oder im April direkt ins Freiland aussäen. Bei Topfkulturen empfiehlt es sich, die Pflanze im Haus vorzuziehen, sofern es draußen noch sehr kalt ist. Hier ist ein heller Standort wichtig, damit sich die Samen gut entwickeln

2. Schritt – Boden vorbereiten: Eine Drainage ist sowohl bei Topf- als auch bei Freilandkultivierung der Wegwarte äußerst wichtig. Immerhin sollte Feuchtigkeit so schnell wie möglich abfließen können, damit die Trockenheit liebenden Zichorien nicht zu nass stehen. Lockern Sie zu diesem Zweck auch die Erde vor der Aussaat gut auf und reichern Sie das Substrat ggf. mit Sand an, damit es die Standortbedingungen erfüllt.

3. Schritt – Wegwarte aussäen: Die Saattiefe für Wegwarten beträgt ca. 2 Zentimeter. Dabei ist ein Reihenabstand von 25 Zentimetern geboten, um den Keimlinge später genug Platz einzuräumen. Bedecken Sie das Saatgut des Cichorium nach der Ausbringung locker mit Erde und achten Sie darauf, den Boden nicht allzu sehr zu verdichten.

4. Schritt – Saatgut bewässern: Bis die Samen der Zichorien aufgehen, müssen sie regelmäßig gegossen werden. Gehen Sie aber maßvoll mit etwaigen Wassergaben um, damit der Standort der Keimlinge nicht zu feucht wird.

5. Schritt – Jungpflanzen pikieren: Sobald die jungen Zichorien eine Größe von etwa 5 cm erreicht haben, können Sie die Gewächse vereinzeln. Jetzt ist ein Mindestabstand von 10 Zentimetern zwischen einzelnen Pflanzen völlig ausreichend, um jedem Exemplar einen guten Wuchs zu gewährleisten.

Kurzschritte zur Aussaat im Überblick:

  • Aussaattermin für Cichorium: März im Frühbeet, April im Freiland
  • Topfkulturen an hellem Standort im Haus vorziehen
  • Boden vor Ausbringung des Saatguts drainieren
  • Substrat für Zichorien ggf. mit Sand anreichern
  • Saattiefe für Wegwarte: 2 cm
  • Reihenabstand bei der Aussaat: 25 cm
  • Samen bis zur Keimung regelmäßig aber mäßig wässern
  • ab einer Größe von 5 cm Jungpflanzen pikieren
  • Pflanzabstand beim Vereinzeln: 10 cm

 

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Endiviensalat | © Das Grüne Archiv

Pflege der Wegwarte – gießen, ernten und vermehren

Beinamen wie Sonnenbraut, Sonnenwende oder Sonnenwendel hat die Wegwarte ihrer Eigenheit zu verdanken, ihre Blüten am Morgen bei Sonnenaufgang zu öffnen und gegen Mittag bzw. Nachmittag zu schließen. Danach sterben die eintägigen Blütenstände zumeist ab. Sie müssen also nicht befürchten, dass die kurze Blühzeit mit mangelhaftem Gießverhalten in Verbindung steht.

Ist die Wegwarte nämlich erst einmal herangewachsen, bildet sie tief reichende Pfahlwurzeln aus, dank derer sich die Pflanze einen Großteil an Wasserbedarf aus dem Boden zieht. Um diesen Vorgang durch Gießen der Zichorien zu unterstützen reicht es völlig aus, die Erdoberfläche sachte zu befeuchten und mit der nächsten Wassergabe zu warten, bis die oberste Erdschicht getrocknet ist. Gedüngt werden muss Cichorium in der Regel nicht.

Kurztipps zum Gießen und Düngen:

  • Blütenstände der Wegwarte richten sich nach der Sonne aus
  • Zichorie hat keinen hohen Wasserbedarf
  • in regelmäßigen Intervallen nur leicht befeuchten
  • mit nachgießen warten, bis obere Erdschicht aufgetrocknet ist
  • Düngung ist bei Wegwarten nicht notwendig

 

Eine Selbstaussaat erfolgt bei der mehrjährigen und bis zu -40 Grad frostharten Wildstaude Cichorium häufig sehr reichhaltig. Wenn Sie dies verhindern möchten, empfiehlt es sich verwelkte Blüten abzuschneiden, ehe diese mit Samen um sich schmeißen.

Im Herbst wird die Wegwarte dann bodennah zurück geschnitten. Dies ist besonders für einen Anbau von Chicorée, Radiccio und Endivie wichtig. Hier müssen die Wurzelrüben der Zichorien zwischen Oktober und November zunächst ausgegraben, von Blättern und verwelkten Blüten befreit und anschließend wieder eingegraben werden.

 

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Die Blätter der Wegwarte | © Das Grüne Archiv

Decken Sie die Rüben über der Erde lichtdicht ab, damit sich an den zuvor eingekürzten Blattachseln in den Folgemonaten zarte Sprossen mit geringem Bitterstoffgehalt bilden können. Geerntet wird von Dezember bis Februar.

Wer die Blätter, Blüten und Wurzeln der Wegwarte als Heilkräuter verwenden oder zu anderen Lebensmitteln als zu Salat weiterverarbeiten möchte, muss natürlich ebenfalls den richtigen Erntezeitpunkt abpassen. Die frischen Blätter und Wurzeln der Pflanze werden zwischen März und April geerntet.

Für einen Tee aus frischen Blüten der Pflanze ist hingegen weniger Timing notwendig. Schneiden Sie hier einfach nach Belieben zwischen Juli und September. Stellen Sie aber sicher, nur gesunde Blüten zu verwenden.

Vermehrung durch Aussaat oder Wurzelteilung: Welche Vermehrungsmethode bei der Wegwarte die erfolgversprechendste ist, darüber wird bisweilen viel diskutiert. Manchen gelingt die Vermehrung der Pflanze im Garten ohne jegliches Zutun durch Selbstaussaat gut gepflegter Mutterpflanzen. Andere versuchen vergeblich, den schönen Blüten austreibendes Saatgut zu entlocken und probieren es deshalb lieber mit der Teilung der Pfahlwurzeln. Sofern Sie letzteres bevorzugen, sollten Sie sicherstellen, dass abgetrennte Seitenwurzeln mindestens 10 Zentimeter lang sind. Stecken Sie die kleinen Rüben mit der richtigen Seite nach unten zurück in die Erde und warten Sie einfach ab, ob es sich gelohnt hat.

Kurztipps zum Ernten, Schneiden und Vermehren:

  • welke Blüten der Wegwarte zur Prävention von Selbsaussaat entfernen
  • bodennaher Rückschnitt der Zichorien im Herbst
  • für die Salaternte Wurzeln im Oktober/November ausgraben
  • Rüben von Pflanzgrün befreien
  • danach wieder einpflanzen und lichtdicht abdecken
  • Sprossbildung dauert je nach Variante ca. 6 bis 11 Wochen
  • Ernte der Salatköpfe zwischen Dezember und Februar
  • Blätter und Wurzeln des Cichorium von März bis April ernten
  • gesunde Blüten für Teezubereitung zwischen Juli und September ernten
  • Vermehrung der Zichorie über Samen oder durch Wurzelteilung
  • für Wurzelteilung seitliche Pfahlwurzeln von 10 cm Länge abtrennen
  • Wurzelstücke zurück in die Erde stecken und Ergebnis abwarten
  • Wegwarte ist bis zu -40 °C frosthart, Winterschutz ist nicht nötig

 

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Frisée neben Schnittlauch im Beet | © Das Grüne Archiv

Wichtige Arten der Cichorium

Cichorium umfasst ca. sechs bis zehn Arten, von deren Unterarten und Sorten einige als Nutz- andere als Zierpflanzen oder Heilkräuter kultiviert werden können. Hier ein kleiner Überblick zu den wichtigsten Vertretern der Gattung:

SorteBeschreibung
Dornige Wegwarte
Cichorium spinosum
Blütezeit: Juni bis August
Blütenfarbe: hellviolette Blüten, dorniger Wuchs
Wuchshöhe: bis zu 20 cm
Herkunft: Mittelmeerraum
Eignung für Kultivierung: mäßig
Besonderheiten: nur für warme Steingärten geeignet
Gemeine Wegwarte
Cichorium intybus
Blütezeit: Juli bis Oktober
Blütenfarbe: weiße bis himmelblaue Blüten
Wuchshöhe: bis zu 140 cm
Herkunft: Asien und Europa
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: Arznei-, Kaffeeersatz- und Salatpflanze
gute Sorte: 'Albus'
Wurzel-Zichorie
Cichorium intybus subsp. sativum
Blütezeit: Juli bis Oktober
Blütenfarbe: himmelblaue Blüten
Wuchshöhe: bis zu 140 cm
Herkunft: Asien und Europa
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: Arznei- und Kaffeeersatzpflanze
Salat-Zichorie (Endivie)
Cichorium intybus subsp. glabratum var. endivia
Blütezeit: Juli bis September
Blütenfarbe: himmelblaue Blüten
Wuchshöhe: bis zu 70 cm
Herkunft: Afrika, Asien und Europa
Eignung für Kultivierung: gut
gute Sorten: 'Escariol', 'Frisée'
Salat-Zichorie (Chicorée & Radicchio)
Cichorium intybus subsp. intybus var. foliosum
Blütezeit: Juli bis Oktober
Blütenfarbe: himmelblaue Blüten
Wuchshöhe: bis zu 140 cm
Herkunft: Asien und Europa
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: Salatpflanze

 

Wegwarte – Mögliche Krankheiten und Schädlinge

Ein Schadbild bei der Gartenkultivierung ist in Sachen Wegwarte einzig für Salat-Zichorien. Hier könnten Schnecken die wohlschmeckenden Salatköpfe einholen. Schneckenkorn und spezielle Zäune zum Abfangen der gefräßigen kleinen Tierchen helfen in der Regel, das Problem schnell in den Griff zu bekommen. Sollten die Schnecken bereits an der Pflanze zu Gange sein, müssen Sie diese vor Ausbringung der Gegenmittel natürlich absammeln, um weitere Schäden an der Wegwarte abzuwenden.

 

Fazit

Arten, Unterarten und Varietäten der Wegwarte sind unter zahlreichen Beinamen bekannt. Von Chicorée über Endivie bis hin zu Zichorie und Sonnenwendel können mit Cichorium diverse Pflanzexemplare gemeint sein. Welche davon Ihren persönlichen Kultivierungsanliegen entspricht, müssen Sie natürlich selbst entscheiden. Allerdings sind die Wegwarten allesamt unglaublich pflegeleicht und versprechen zudem auch noch eine gute Ernte. Sagen Sie also ‚Ja‘ zur Wegwarte und helfen Sie der in heimischen Gärten fast schon ausgestorbenen Pflanze, erneut botanisch Fuß zu Fassen.

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