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Der Rasen der Zukunft – Rasenflächen zu Zeiten des Klimawandels

Ein schöner Rasen ist der ganze Stolz vieler Gartenbesitzer. Ihn zu erhalten ist aber gerade mit Blick auf den Klimawandel nicht mehr ganz so leicht. Denn die Rasenfläche muss heutzutage im Laufe des Jahres zahlreiche Belastungsproben bestehen, die weit über Trittbelastung und Unkrautwuchs hinaus gehen. Frosteinwirkung, Starkregen, extreme Sonneneinstrahlung und anhaltende Dürreperioden machen dem Rasen saisonbedingt stark zu schaffen. Und insbesondere mit Blick auf sommerliche Wetterextreme zeichnet sich derzeit ein Wandel in der Rasenwahl ab. Alle nötigen Infos hierzu sowie zu Grundlegenden Maßnahmen zum Anlegen von Rasenflächen erfahren Sie im nachstehenden Beitrag.

 

Wenn der Rasen brennt – Englischer Rasen in Nöten

Die Hitzewellen des Sommers 2022 haben im Süden Großbritanniens die Schwächen und Gefahren einer nicht an den Klimawandel angepassten Rasenwahl aufgezeigt. Englische Vorgärten brannten gleich serienweise bei anhaltenden und für England recht ungewöhnlichen Temperaturen von 30 °C und mehr.

Aus dem britischen Vorstadt- und Landidyll einheitlich strukturierter Rasenquadrate wurde binnen weniger Stunden ein flammendes Inferno. Hausbesitzer berichteten davon, dass sich das Feuer in nur wenigen Minuten von den Rasenflächen auf die Häuser ausbreiteten. Und so unterschiedlich die wortwörtlichen Brennpunkte im südlichen England auch lokalisiert waren, hatten sie doch eines gemeinsam: Englischen Rasen.

 

Englischer Kultrasen hat klimabedingt ausgedient

Auf den britischen Inseln hat der Englische Rasen lange Tradition. Die vergleichsweise kurz gehaltene Rasenfläche ist ein fester Bestandteil im Englischen Garten und entstand zeitgleich mit diesem im 18. Jahrhundert. Was ihn auszeichnet ist ein üppiger und dichter Wuchs mit sattgrüner Farbe sowie ein relativ flaches Rasenrelief. Durch letzteres entsteht beim Englischen Rasen die klassische Optik eines grünen Teppichs, der einen hohen Zierfaktor besitzt.

Das besondere Erscheinungsbild des Englischen Rasens erlaubt die saubere Reliefbildung an Beeträndern, was im Englischen Garten gerne für kunstvollen Randverlauf der Rasenfläche genutzt wird. Auch ist der kurze Rasen dank seines dichten Grasbewuchses äußerst trittfest. Der Englische Rasen als Kulturform stand darum Pate für eine Reihe an Rasenkonzepten, die einer intensiven Trittbelastung standhalten müssen. Hierzu zählen unter anderem der Golfrasen, Sportrasen und Spielrasen. Ebenso sind der traditionelle Zierrasen und viele Varianten des Rollrasens durch den Traditionsrasen aus England inspiriert.

Nun hat diese Rasenform aber auch ihre Nachteile. Einerseits ist der Englische Rasen recht pflegeintensiv und musst während der Vegetationszeit bis zu drei mal wöchentlich mit höchsten Augenmaß gemäht werden. Die Schnitthöhe liegt bei ca. 4 cm, im Falle starker Hitze bei 6 cm, weshalb die Mähintervalle je nach Saison und Wetter variieren können. Darüber hinaus mag der Englische Rasen zwar sehr trittfest sein, extremer Trockenheit hält er jedoch kaum stand.

 

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Tauglichkeitsprüfung Klimawandel: Der Englische Rasen hat wegen seiner Klimasensibilität und wenig ökologischen Konzeption ausgedient | © Das Grüne Archiv

Klimawandel erfordert Umdenken bei der Rasenwahl

So schön der Englische Rasen ist, gereicht er uns in Sachen klimaresistente Rasenfläche also leider nur als Negativbeispiel. Der Grund für seine außergewöhnliche Ästhetik ist zugleich nämlich auch Ursache seiner Anfälligkeit. Denn im Saatgut für Englischen Rasen kommt eine äußerst empfindliche Grasmischung zusammen.

Für gewöhnlich besteht der Rasen aus einer Mischung von Ziergräsern wie Rostschwingel (ca. 50 %), Wiesen-Rispengras (ca. 40 %) und Straußgras (ca. 10 %). Dabei gelten vor allem das zarte Strauß- und Wiesen-Rispengras als relativ feinblättrig und sind somit ideal für die ästhetischen Ansprüche des Englischen Rasens. Allerdings sind beide Grasarten auch recht empfindlich und vertragen lang anhaltende Trockenphasen äußerst schlecht.

In Großbritannien bislang kein Problem, denn die Inselnation ist nicht umsonst als Eiland des Regenwetters bekannt. Konstante Niederschläge ließen die Gräser dank optimaler Feuchtigkeitsversorgung im Frühling, Sommer und Herbst freudig sprießen. Die britischen Winter sind dagegen gemeinhin eher mild. Besondere Frosthärte war für den Englischen Rasen daher ebenfalls kein Thema.

In den letzten Jahren hat sich zu den vergleichsweise trockenen Wintern aber vor allem im Süden Großbritanniens und damit in England ein ebenfalls recht trockener, vermehrt heißer Sommer gesellt. Die englischen Rasenflächen, sind diese Trockenheits- und Hitzebelastung nicht gewohnt. Für sensible Grassorten wie Strauß- und Wiesen-Rispengras das Todesurteil, was sich in von Jahr zu Jahr mehrenden, strohtrockenen Rasenflächen während der Sommermonate widerspiegelt. Das sorgt buchstäblich für Zündstoff und leistet Bränden in Vorgärten und Städten Vorschub.

 

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Dem filigranen Wiesen-Rispengras machen die Dürren des Klimawandels schwer zu schaffen | © Das Grüne Archiv

Synthetische Rasenflächen sind keine Lösung

Die britische Royal Horticultural Society (RHS) gab 2017 eine düstere Prognose für englische Rasenflächen ab. Laut ihrem Bericht Gardening in a changing climate tendierten Rasenbesitzer mit Blick auf die Zukunft des Klimawandels dazu, künstliche Rasenflächen aus Plastik dem Naturrasen vorzuziehen.  Es braucht keinen Doktortitel, um zu erahnen, dass dies genau der falsche Ansatz ist. Denn synthetischer Rasen ist weder umweltfreundlich noch trägt er zur Biodiversität bei, die in Zeiten schwindender Naturflächen dringend notwendig wäre, um gegen den Klimawandel anzukämpfen.

Tatsächlich besitzen Rasenflächen nämlich ein ungeahntes Potential, wenn es darum geht, CO² aus der Atmosphäre zu filtern. Glaubt man den Aussagen des britischen Ökologen Howard Wood, so kann eine gepflegte Rasenfläche pro Jahr gut 12 Tonnen CO² binden. Das ist etwa doppelt so viel wie ein 120 Jahre alter Laubwald jährlich an Kohlenstoffdioxid neutralisiert und entspricht der Ausstoßmenge an Abgasen von drei Autos. Bei einer Fläche von 1000 m² Rasen produziert das Gras im Gegenzug außerdem Sauerstoff für 16 Personen. Jedoch nur unter bestimmten Bedingungen.

 

Naturrasen ist Klima-Rasen

Die oben genannten Klimabeiträge kann ein Rasen nur dann liefern, wenn er eben nicht wie beim Englischen Rasen stetig abgemäht wird. Denn dann verabschiedet sich das CO² postwendend aus den Blättern und Halmen der Gräser wieder zurück in die Atmosphäre. Der Englische Rasen belastet das Klima in diesem Punkt sehr mit seiner aufwändigen Rasenbearbeitung und all den notwendigen Schnittmaßnahmen. Die Lösung zur CO²-Bindung durch Rasenflächen liegt also darin, sie bis auf 10 cm wachsen zu lassen. Hier können sich dann auch niedrigwachsende Rasenblumen wie Gänseblümchen ungestört entfalten, ohne dass sie bei zu geringer Schnitthöhe durch den Rasenmäher geköpft werden.

Insgesamt muss gesagt werden, dass artenreiche Wiesen wie die Wildblumenwiese, der spartanischen Rasenfläche in Sachen Klimabilanz und Klimaresistenz deutlich überlegen sind. Es kann daher durchaus sinnvoll sein, das Rasenmähen einfach mal einzustellen und aus dem Rasen eine Wiese sprießen zu lassen.

 

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Für ein besseres Klima: Rasen weniger mähen oder gleich ganz in Wiese umwandeln | © Das Grüne Archiv

Mit Blick auf ihre Hitzebeständigkeit und Trockenheitsresistenz ist darüber hinaus die Auswahl des Saatguts für den Rasen wichtig. Dabei geht es nicht nur um widerstandsfähige Grassorten wie das Rotschwingelgras oder Weidelgras, sondern um eine insgesamt vielfältige Pflanzenauswahl. Rasentypen wie der Zierrasen, Sportrasen oder Spielrasen sind hier mit einer limitierten Anzahl an maximal drei bis vier verschiedenen Grassorten eher suboptimal. Artenreicher und deshalb auch robuster sind hier Rasentypen wie der Landschaftsrasen oder Biotoprasen, die neben Gräsern auch Kräuter und Blumen enthalten.

 

Kräuter und Moose als Rasenbelag der Zukunft

In diesem Zusammenhang sei auch der Dachrasen erwähnt. Er folgt in seiner Zusammensetzung dem Konzept der Landschafts- und Biotoprasenflächen und macht aus Dächern grünende Naturflächen zur CO²-Absorbtion und Sauerstoffproduktion. Insbesondere dann, wenn auf dem Dach auch CO²-aktive Kräuter wie die Hauswurz oder der Mauerpfeffer Platz finden, kann man privat einen wunderbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Eine weitere, ökologische Alternative zum herkömmlichen Rasen ist außerdem der Moosrasen. In der Vergangenheit wurde Moos im Rasen immer als Unkraut und unerwünschter Gast angesehen. Das könnte sich mit Blick auf die Klimafunktion von Moos künftig jedoch ändern. Zudem ist eine Moosfläche als Alternative zum Grasrasen auch deutlich pflegeleichter und nicht weniger ziervoll als der Rasenklassiker.

 

Fazit

Geht es um klimafreundliche und gleichermaßen klimaresistente Rasenflächen, haben radikal abgemähte Zierrasen wie der Englische Rasen allmählich ausgedient. Ihre Ästhetik, ebenso wie ihr Pflegeaufwand, stehen in keiner Relation zu dem Schaden, dem sie unserem Klima zufügen und auch durch den Klimawandel nehmen. Stattdessen muss künftig mehr Fokus auf natürliche Rasenflächen und Wiesen gelegt werden, wenn städtische Grünanlagen und Gärten den Klimatest langfristig bestehen wollen.

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