Rauhnacht, Raunacht, Glühwein

Rezept: Rauhnacht-Glühwein

Glühwein ist an kalten Winterabenden ein beliebtes Getränk, um sich die Kälte aus den Gliedern zu treiben. Ähnlich wie der als Honigwein bekannte Met serviert man ihn traditionell heiß und das bevorzugt an winterlichen Feiertagen. Etwas ganz besonderes ist hier ein spezieller Rauhnacht-Glühwein.

 

Rauhnacht-Glühwein – Ein Glühweihn für die Wilde Jagd

Als Rauhnächte werden gemeinhin die zwölf Nächte zwischen dem 1. Weihnachtstag am 25. Dezember und dem Dreikönigstag am 6. Januar bezeichnet. Laut Legende soll in jener Zeit die Wilde Jagd ihr Unwesen getrieben haben. Die andersweltliche Meute aus mystischen Jägergestalten wie dem Jägerfürst Lord Herne, Fabelwesen und den Seelen Verstorbener sei während der Rauhnächte in heller Aufregung, so heißt es. Denn ihr Anführer, der Grüne Mann durchlebt in jener Zeit seine alljährliche Wiedergeburt, der im Winter zunächst sein Tod vorausgeht.

Die nahende Rückkehr des obersten Anführers wird von der Wilden Jagd natürlich feucht-fröhlich gefeiert. Glühwein und Met sind darum gerade im Rahmen der letzten Rauhnacht am 6. Januar ein beliebtes Festtagsgetränk.

 

Feierlaune zum Jahreswechsel zwischen den Welten

Der saisonale Kreislauf von Werden und Vergehen hat im Rahmen der zwölf Rauhnächte eine besondere Bedeutung. Man spricht in diesem Zusammenhang auch auch gerne von den elf „toten Tagen“, welche astronomisch gesehen die Differenz zwischen den 354 Tagen der zwölf Mondmonate und den 365 Tagen des Sonnenjahres bilden. Die Rauchnachtzeit ist somit eine Übergangsphase zwischen dem alten und dem neuen Jahr, in der die Grenzen zwischen Diesseits und Jenseits verschwimmen.

In Erscheinung tritt die Wilde Jagd je nach Erzählung zu ganz unterschiedlichen Zeiten. Manchmal bricht die Jagdmeute bereits zu Samhain bzw. Allerheiligen auf, wobei ihr Treiben während der Rauhnächte ihren Höhepunkt erfährt. Anderen Überlieferungen zufolge passiert die Wilde Jagd erst zu Silvester, also genau zur Mitte der Rauchnächte die Grenzen zwischen den Welten.

In manchen Versionen ist statt dem Grünen Mann der nordische Göttervater Odin höchstpersönlich Anführer der Wilden Jagd. Ungeachtet der variierenden Überlieferungen ist das Treiben der Meute aber immer gleich. Unter schallendem Lärm ziehen sie des Nachtens über den Himmel, durch die Wälder und Straßen der Städte. Dabei sollen Sterbliche es tunlichst vermeiden, dem Geschehen beizuwohnen oder die Wilde Jagd gar auszuspähen. Ansonsten droht den Beobachtern ein tragisches Schicksal: Sie müssen fortan mit der Jagdgesellschaft zwischen den Welten umherziehen, bis sie entlassen oder gerettet werden.

 

Rauhnacht, Raunacht, Glühwein
Ideale Aromen für den Rauhnacht-Glühwein: Orange, Nelken, Sternanis, Wacholder, Lorbeer, Zimt und Aroniabeeren | © Das Grüne Archiv

Die Wilde Jagd und der Einkehrbrauch 

Der Jagdumzug der Wilden Jagd inspirierte im Volksbrauchtum zahlreiche Traditionen. Festtagsumzüge zwischen den Jahren mit Schellenkränzen, Ratschen und Trommeln gehören hier ebenso dazu wie das Böllern zu Silvester und der berühmte Einkehrbrauch. Letzterer ist der Grund, weshalb die Rauhnächte auch als Anklopfnächte oder Glöckelnächte bekannt sind.

Üblich ist, dass ein Pulk aus jungen Männern durch die Gassen zieht und an den Häusern anklopft. Das auch gerne in Verkleidung von Teufeln, Perchten, Faunen, Satyren und anderen gespenstischen Fabelwesen. Die sogenannten Glöckler fordern dann häufig eine angemessene Bewirtung oder milde Gaben im Austausch für einen „Haussegen der Wilden Jagd“ beziehungsweise das Verschonen des Haushaltes. Serviert wird den Einkehrern neben Früchtebrot auch vor allem heißer Glühweihn auch deshalb, da er sie beim Umherziehen in den winterlichen Straßen warm halten soll.

Unnötig zu erwähnen, dass junge Herren diesen Brauch nur zu gerne für eine Rauchnacht-Trinktour in der Nachbarschaft nutzen… 

 

Nicht nur zum Räuchern gut: Kräuter im Rauhnacht-Glühwein

Der Name der Rauhnächte leitet sich aller Wahrscheinlichkeit nach von Rauch oder Räuchern ab. Er nimmt Bezug auf den ländlichen Brauch, zum Jahreswechsel die Viehställe wie auch Häuser und Felder mit Räucherungen symbolisch zu reinigen und zu segnen. Dabei sind Rauhnacht-Kräuter nicht nur für Räucherungen interessant. Kräuter wie

  • Anis,
  • Lorbeer,
  • Nelken,
  • Salbei,
  • Thymian,
  • Wacholder
  • oder Zimt

machen sich auch im Rauhnacht-Glühwein wunderbar. Kombinieren kann man das ganze für ein noch erleseneres Aroma mit getrockneten Beeren. Auch Beerensäfte machen sich hervorragend als Zutat für den Rauhnacht-Glühwein und können zudem eine schöne alkoholfreie Alternative zum echten Wein sein.

 

Rauhnacht, Raunacht, Glühwein
angesetzter Glühwein

Rauhnacht-Glühwein selber machen

Das nachstehende Rezept verwendet neben obst genannten Kräutern getrocknete Aroniabeeren, Brombeeren sowie die obligatorischen Orangenscheiben, die in keinem Glühwein fehlen dürfen. Anstatt dem genutzten Wein kann man Johannisbeersaft, Aroniasaft oder andere rote Beerensäfte nutzen. Das Rezept lautet wie folgt:

 

Zutaten:

  • 1 Flasche Rotwein
  • 750 ml Beerensaft
  • 250 ml Met
  • 150 g brauner Zucker
  • 3 EL Aroniabeeren
  • 3 Nelken
  • 3 Wacholderbeeren
  • 2 Lorbeerblätter
  • 2 Zimtstangen
  • 1 Sternanis
  • 1 Orange
  • 1 Hand voll Brombeeren

 

Zubereitung:

Gebt Wein, Saft und Zucker in einen großen Topf. Schneidet anschließend die Orange in Scheiben und fügt diese gemeinsam mit den Gewürzen und Beeren ebenfalls hinzu. Lasst das Ganze auf dem Herd einmal sprudelnd aufkochen, ehe Ihr den Topf vom Herd nehmt und den Rauhnacht-Glühwein abfiltert.

Für ein noch feineres Aroma könnt Ihr den Wein auch 1 bis 2 Tage ziehen lassen und dann nach Bedarf erhitzen. In saubere Falschen abgefüllt, hält sich der Glühwein zudem bis zu 4 Wochen.

Tipp: Der Rauhnacht-Glühwein schmeckt nicht nur während der Rauhnächte wunderbar, sondern den ganzen Winter hindurch.

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