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Wiesenschaumkraut, Cardamine pratensis

Wiesenschaumkraut pflanzen – Wirkung und Kultur

Kräuterliebhabern ist das Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis) als altes Gewürzkraut hinreichend bekannt. Neben seiner Verwendung als Gewürz hat die Pflanze dabei auch gesundheitsfördernde Wirkung. Diese wurde im Vergleich zu anderen traditionellen Kräutern aus der Volksheilkunde jedoch erst relativ spät entdeckt.

 

Besonderheiten des Wiesenschaumkrauts

Als Vertreter der Schaumkräuter (Cardamine) gehört das Wiesenschaumkraut zu den Kreuzblütlern. Dabei ist das bis zu 50 cm hohe Gewächs mit seinen wunderschönen, zart-rosa gefärbten Kreuzblüten nicht nur eine wertvolle Kräuterpflanze, sondern auch eine äußerst ziervolle Blumenstaude. Zur Blume des Jahres 2006 wurde sie diesbezüglich deshalb gewählt, um auf die Gefährdung der Feuchtbiotope hinzuweisen. Diese dienen zahlreichen Schaumkräutern als bevorzugte Standorte und sind in den letzten Jahrzehnten durch weitläufige Trockenlegung immer seltener geworden.

Ein echter Verlust für die Ökologie, denn gerade die Feuchtwiesenpflanze Cardamine pratensis ist auch mit Blick auf die Synökologie von besonderer Bedeutung. Beispielsweise dienen ihre nektarreichen Blüten als kostbare Bienenweide. Neben der Knoblauchsrauke sind sie darüber hinaus Hauptnahrungsquelle und Nistpflanze für den Aurorafalter, eine heimische Schmetterlingsart mit markant orange-gelben Flügeln.

 

Wiesenschaumkraut, Cardamine pratensis, Aurorafalter
Aurorafalter an Wiesenschaumkraut

Der Wiesenschaumzikade hat das Wiesenschaumkraut sogar seinen Namen zu verdanken. Das Insekt legt seine Eier bevorzugt in den Blattachseln der Pflanze ab. Seine Larven ernähren sich zudem von dem Pflanzensaft von Cardamine pratensis, wobei sie sich zahlreiche kleine Luftbläschen mit einverleiben. Diese scheiden die Zikaden-Larven später in Form eines schaumigen, eiweißhaltigen Sekrets wieder aus. Es dient den Larven als schützende Schaumhülle, die sowohl als Fraßschutz als auch feuchtigkeitsspendendes Schaumnest für die weitere Entwicklung der Larven fungiert.

Besonders häufig entdeckt man besagte Schaumnester an Cardamine pratensis im Frühling, wenn die jungen Larven der Schaumzikade schlüpfen. Sowohl die Schaumnester als auch das Wiesenschaumkraut selbst sind dabei im Volksmund als Kuckucksspeichel oder Hexenspucke bekannt.

 

Wiesenschaumkraut in der Küche und Medizin

Vor einigen hundert Jahren waren Arten des Schaumkrauts in der Heilkunde noch gänzlich unbekannt. Weder antike Mediziner wie Dioskurides oder Hippokrates noch mittelalterliche Heilkundige wie Hildegard von Bingen erwähnten die Pflanze in ihren Aufzeichnungen. Das, obwohl Cardamine in ganz Eurasien heimisch sind.

Ein schwerer Verlust insbesondere für die Seefahrer der Neuzeit. Denn Schaumkräuter sind reich an Vitamin C und wurden Jahrhunderte später gegen die berüchtigte Seefahrerkrankheit Skorbut eingesetzt, die durch einen massiven Vitamin-C-Mangel entsteht.

 

Das zu lange verkannte Heilkraut

Bis ins 16. Jahrhundert gab es laut historischen Quellen nur einen Heilkundigen, der die Heilwirkung von Wiesenschaumkraut bereits erkannte. Gemeint ist der flämische Mediziner und Botaniker Rembert Dodoens. Er setzte die medizinische Wirkung von Cardamine pratensis mit denen der Kapuzinerkresse gleich und lieferte so bereits den ersten Hinweis auf den reichen Gehalt an Senfölglykosiden in der Pflanze.

Die schwefelhaltigen Zuckerverbindungen sind neben der Kapuzinerkresse auch für viele Artverwandte der Schaumkräuter aus der Familie der Kreuzblütler typisch, darunter allen voran der namensgebende Senf sowie Meerrettich, Kressen und verschiedene Arten von Kohlgemüse.

Größere Bekanntheit erreichte Cardamine pratensis jedoch erst, als Carl von Linné 1753 die Gattung Cardamine aufstellte. Der Gattungsname leitet sich vom griechischen Wort kardamon ab, das ursprünglich der Gartenkresse galt. Es verweist auf den kresseähnlichen Geschmack mancher Schaumkräuter, die aus diesem Grund auch gerne als Gewürzkräuter verwendet werden.

Basierend auf Linnés Erstbeschreibung beschäftigten sich im 18. Jahrhundert auch Heilkundige vermehrt mit den Schaumkräutern. Speziell das auch als Bitterkresse oder Falsche Brunnenkresse bekannte Bittere Schaumkraut (Cardamine amara) wurde öfter als Heilmittel gegen Krämpfe und Rheuma genannt. Es sollte aber noch bis 1924 dauern, bis der deutsche Mediziner August Paul Dinand in seinem „Handbuch der Heilpflanzenkunde“ auch auf die gute Wirkung von Schaumkraut gegen Hautbeschwerden und Skorbut verwies.

 

Bitteres Schaumkraut, Cardamine amara
Auch Bitteres Schaumkraut ist äußerst gesund: Während die Blüten der Schaumkräußer sie zu ziervollen Wildblumen machen, sind ihre Blätter äußerst nahrhaft. Dank einem hohem Gehalt an Bitterstoffen und Senfölglykosiden wirken sie zudem antibiotisch und verdauungsfördernd.

Cardamine pratensis – Eine würzige und gesunde Salatpflanze

Ähnlich wie Kresse lässt sich auch Wiesenschaumkraut wunderbar als Würzmittel für Salate nutzen. Ein besonderer Tipp ist diesbezüglich Wildkräutersalat. Hier kommen die einzigartigen Aromen von Wildkräutern wunderbar zur Geltung und erlauben ein kulinarisches Experimentieren mit alten Gewürzpflanzen.

Alternativ dazu eignet sich Schaumkraut auch für Kräuterquark oder Kräuterbutter. Verwenden sollte man die würzigen Blätter der Kräuterpflanze dabei am besten frisch. So bleiben das reichhaltige Vitamin C und auch die verdauungsfördernden Bitterstoffe der Pflanze am besten erhalten. Die antimikrobiellen Senfölglykoside der Pflanze stärken ergänzend das Immunsystem.

 

Inhaltsstoffe und Wirkung von Wiesenschaumkraut

Wie bereits erwähnt, ist Cardamine pratensis reich an Senfölglykosiden. Genauer gesagt, ist es das Senfölglykosid Glucocochlearin, das zahlreichen Arten der Schaumkräuter nicht nur ihren scharf-würzigen Geschmack, sondern auch eine antioxidative und antimikrobielle Wirkung verleiht. Darüber hinaus wird die Heilwirkung von Wiesenschaumkraut als entzündungshemmend, blutreinigend, leberstärkend, stoffwechselanregend und hautschützend beschrieben.

Speziell die hautschützenden Eigenschaften der Pflanze beruhen vor allem auf einem hohen Gehalt am Hautnährstoffen in Cardamine pratensis, darunter Eisen, Kalium und Magnesium. Sie sind der Grund dafür, weshalb Extrakte des Wiesenschaumkrauts sogar bei trockener Haut, chronischen Hauterkrankungen wie Schuppenflechte und gegen Hautunreinheiten, wie sie bei Akne auftreten, empfohlen werden. Insgesamt lassen sich folgende Inhaltsstoffe für Cardamine pratensis nennen:

  • Bitterstoffe
  • Eisen
  • Kalium
  • Magnesium
  • Polyphenole
  • Schwefel
  • Senfölglykoside
  • Vitamin C

 

Finger-Zahnwurz, Cardamine pentaphyllos
Ebenfalls eine schöne Pflanzalternative zum Wiesenschaumkraut: die Finger-Zahnwurz (Cardamine pentaphyllos)

Wiesenschaumkraut pflanzen – Standort und Aussaat

Die natürlichen Verbreitungsgebiete von Wiesenschaumkraut erstrecken sich von Nordamerika über Europa bis nach Nordasien. Eine klassische Kräuterpflanze der Nordhalbkugel also. Dementsprechend gut ist auch die Winterhärte der Pflanze, denn Wiesenschaumkraut ist bis -35 °C winterhart. In seiner Kultur zeigt sich der Kreuzblütler dabei gänzlich pflegeleicht, solange denn die Bodenanforderungen passen.

Übrigens: Alternativ zum Wiesenschaumkraut kann man auch andere Schaumkraut-Arten im Garten kultivieren. Sie sind ebenfalls essbar und ihr Geschmack ist denen von Cardamine pratensis relativ ähnlich. Zudem faszinieren manche Arten durch dekorative Fiederblätter mit auffällig gezähnten Blatträndern, weshalb manche Cardamine-Arten auch als Zahnwurzen bekannt sind. Schöne Empfehlungen sind hier:

  • Behaartes Schaumkraut (Cardamine hirsuta)
  • Bitteres Schaumkraut (Cardamine amara)
  • Fieder-Zahnwurz (Cardamine heptaphylla)
  • Finger-Zahnwurz (Cardamine pentaphyllos)
  • Kleeblättriges Schaumkraut (Cardamine trifolia)
  • Wald-Schaumkraut (Cardamine flexuosa)
  • Zwiebel-Zahnwurz (Cardamine blubifera)

 

Wiesenschaumkraut, Cardamine pratensis
Bei optimalen Standortbedingungen bedürfen Schaumkräuter kaum zusätzlicher Pflege

Standort und Boden für Wiesenschaumkraut

Cardamine pratensis wünscht sich einen sonnigen bis halbschattigen Standort und ist als klassische Feuchtbiotoppflanze auf einen feuchten Boden angewiesen. Dieser sollte etwas schwerer sein und einen lehmigen bis sandig-lehmigen Charakter besitzen. Außerdem sollte das Substrat durchlässig und humusreich sein. Die passenden pH-Werte des Bodens liegen für die Bedürfnisse des Schaumkrauts im neutralen Bereich, zwischen 6,5 und 7,5.

Als feuchtigkeitsliebende Pflanze ist Cardamine pratensis eine ideale Wasserpflanze für den Gewässerrand. Wer das Kraut nicht als Uferstaude verwenden möchte, sollte dennoch ausreichend feuchte Standorte, wie zum Beispiel eine frisch-feuchte Blumenwiese, ein Sumpfbeet oder den Gehölzrand im frisch-feuchten Naturgarten wählen.

Einzelheiten zum Standort für Wiesenschaumkraut:

  • sonniger bis halbschattiger Standort
  • feuchter, durchlässiger und humusreicher Boden
  • sandig-lehmige Böden sind ideal
  • pH-Wert des Bodens: neutral, zwischen 6, und 7,5
  • ideal für den Gewässerrand oder Gehölzrand

Wiesenschaumkraut, Cardamine pratensis
Wiesenschaumkraut an seinem natürlichen Standort auf einer Feuchtwiese

Aussaat von Wiesenschaumkraut

Schaumkräuter sind Kaltkeimer, weshalb man eine Aussaat zeitig im Frühjahr planen sollte, wenn die Temperaturen noch nicht zu hoch sind. Am besten ist ein Aussaattermin im Februar oder März. Säen Sie die Samen dann oberflächlich in einen Freilandkübel oder direkt ins Kräuterbeet aus und bedecken Sie das Saatgut nur dünn mit Erde.

Direkt nach der Aussaat sollten die Samen gut angegossen und bis zur Keimung dauerhaft feucht gehalten werden. Seien Sie aber vorsichtig und gießen Sie nur mit einem Aufsatz, damit das Saatgut nicht fortgeschwemmt wird. Die Keimdauer beträgt je nach Standort und Wetterlage etwa vier Wochen.

Ab einer Größe von 10 bis 15 cm können Sie die Jungpflanzen vereinzeln. Der finale Pflanzabstand sollte dann ca. 25 cm betragen. Für Topfpflanzungen gilt: maximal zwei bis drei Pflanzen pro Topf, wobei die Topfgröße etwa 20 bis 30 cm betragen sollte.

 

Wiesenschaumkraut, Cardamine pratensis
Blüte des Wiesenschaumkrauts

Wiesenschaumkraut gießen und düngen

An ausreichend feuchten Standorten versorgt sich Cardamine pratensis überwiegend selbst mit Wasser. Öfter ist eine manuelle Bewässerung dagegen auf trockeneren Böden und im Topf nötig. Der Standortboden sollte nie völlig austrocknen. Eine Düngung ist bei Wiesenschaumkraut nicht nötig.

Wiesenschaumkraut ernten und schneiden

Als Frühlingskraut wird Wiesenschaumkraut insbesondere während den Frühlingsmonaten geerntet. Dafür schneidet man einfach die gewünschte Zahl der Blattstängel von der Pflanze ab und verwendet die Blätter dann nach Belieben für Salate oder als Würzmittel.

Ein alljährlicher Rückschnitt von Cardamine pratensis erfolgt im Herbst. Schneiden Sie die Pflanze hier bodennah zurück. So treibt sie im nächsten Jahr wieder kräftig aus und beschert erneut eine gute Ernte.

 

Mögliche Krankheiten und Schädlinge

Es sind keine besonderen Schadbilder für Wiesenschaumkraut bekannt, was nicht zuletzt auch an den Senfölglykosiden der Pflanze liegt. Diese dienen nämlich erfolgreich als Fraßschutz und antimikrobieller Wirkstoff gegen Pflanzenkrankheiten.

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