Bohnenkraut, Winterbohnenkraut, Saturej, Satureja, Satureja montana, Berg-Bohnenkraut

Bohnenkraut pflanzen – Wirkung, Kultur und Überwintern

Das Bohnenkraut (Satureja) ist nicht nur ein uraltes Küchenkraut, sondern auch eine klassische Heilpflanze aus der Volksheilkunde. Gerne verwechselt werden die Bohnenkräuter dabei mit den als Gurkenkraut bekannten Kräuterpflanzen Borretsch und Dill. Allerdings sind die Kräuter im Geschmack grundverschieden und auch ihre Heilwirkung variiert.

Wissenswertes: Zusammen mit Thymian, Rosmarin, Oregano und Salbei ist Bohnenkraut in wichtiger Bestandteil in der mediterranen Kräutermischung Herbes de Provence. Das Gewürzkraut macht sich demnach gerade in mediterranen Gerichten wunderbar.

 

Bohnenkräuter in der Küche und Medizin

Der wissenschaftliche Name des Bohnenkrauts, Satureja, leitet sich wahrscheinlich entweder vom lateinischen Wort satus für „Saat“ oder aber von saturo für „sättigen“ ab. Ihm ist auch der Beiname des Krautes, Saturej, zu verdanken, der noch heute im deutschen Volksmund gebräuchlich ist.

Der herb-würzig bis leicht pfeffrig-scharfe Geschmack von Bohnenkraut lässt sich am besten mit dem Aroma von Thymian vergleichen. Und wie der Thymian stammen auch die in Europa heimischen Bohnenkraut-Arten überwiegend aus dem Mediterraneum. Erstmals schriftlich erwähnt wurde Satureja dabei im ältesten, noch erhaltenen Kochbuch De re coquinaria aus der römischen Antike.

Bis ins Mittelalter hinein wurden die Bohnenkräuter gerne als preiswerter Ersatz für den damals recht teuren Pfeffer verwendet. Als Gewürz passen sie demnach hervorragend zu Fleisch, Fisch und Gemüsebeilagen. Mit Blick auf letztere sei natürlich die traditionelle Verwendung des Bohnenkrauts als Würze für Bohnengemüse hervorgehoben, dem das Kraut seinen deutschen Namen verdankt. Primär als Küchengewürz und auch als Heilkräuter verwendet werden hierbei folgende Bohnenkraut-Arten:

  • Sommerbohnenkraut / Garten-Bohnenkraut (Satureja hortensis)
  • Winterbohnenkraut / Berg-Bohnenkraut (Satureja montana)
  • Kriechendes Bohnenkraut (Satureja spicigera)
  • Thymbra-Bergminze (Satureja thymbra)

 

Bohnenkraut, Winterbohnenkraut, Saturej, Satureja, Satureja montana, Berg-Bohnenkraut
Bohnenkraut ist dem Thymian nicht nur geschmacklich, sondern auch optisch sehr ähnlich

Inhaltsstoffe und Wirkung von Bohnenkraut

Bohnenkraut gehört wie der ihm verwandte Thymian zur Familie der Lippenblütler. Zu dieser gehören noch ganz andere namhafte Heilkräuter, darunter Oregano, Rosmarin, Salbei und Minze. Ihnen ist gemeinsam, dass sie einen hohen Gehalt an ätherischen Ölen enthalten.

Besagtes Öl ist reich an Flavonoiden, Terpenen und Gerbstoffen. Speziell im Kräuteröl von Lippenblütlern wie Satureja finden sich hier Gerbstoffe wie Rosamrinsäure sowie die terpenoiden Pflanzenstoffe Cymol, Thymol, Terpinen und Carvacrol. Sie sind in Bohnenkraut, Thymian und Co. für eine außergewöhnliche antioxidative, entzündungshemmende und antibiotische Wirkung verantwortlich.

Gerade im Winter werden die genannten Kräuter einschließlich des Bohnenkrauts darum als Erkältungskräuter in der Volksheilkunde genutzt. Gängig ist diesbezüglich die Herstellung von Bohnenkrauttee, der neben Atemwegserkrankungen auch bei Verdauungsbeschwerden, Menstruationsstörungen, Hautproblemen und innerer Unruhe zum Einsatz kommt.

 

Bohnenkraut, Winterbohnenkraut, Saturej, Satureja, Satureja montana, Berg-Bohnenkraut
Die Blätter des Bohnenkrauts lassen sich wunderbar zu Bohnenkrauttee verarbeiten

Bohnenkraut pflanzen – Standort und Aussaat

Bohnenkräuter ähneln dem Thymian nicht nur in Sachen Geschmack. Auch mit Blick auf die Standortbedingungen sind sich die beiden Lippenblütler recht ähnlich. Herkunftsbedingt bevorzugt Satureja sonnige und warme Standorte.

Dabei sind nicht alle Bohnenkraut-Arten gleichermaßen winterhart. Wer Satureja ganzjährig im Freiland kultivieren möchte, sollte sich für das Berg-Bohnenkraut entscheiden. Es wird wegen seiner guten Winterhärte auch Winterbohnenkraut genannt.

Pflanztipp: Mäßig winterharte Bohnenkraut-Arten lassen sich wunderbar im Topf kultivieren, etwa auf der ganzjährig warmen Küchenfensterbank. Berg-Bohnenkraut und Kriechendes Bohnenkraut sind zudem interessante Bepflanzungen für den sonnigen Steingarten.

 

Der richtige Boden für Bohnenkraut

Auch die Substratwahl hängt bei Bohnenkraut von der jeweiligen Art ab. Während Sommerbohnenkraut beispielsweise einen humus- und nährstoffreichen Boden bevorzugt, schätzen Winterbohnenkraut, Kriechendes Bohnenkraut und Thymbra Bergminze ein karges, sowie sandig-kiesiges Substrat.

In jedem Fall sollte der gewählte Boden aber locker und tiefgründig sein. Der ideale pH-Wert des Bodens liegt für Bohnenkräuter im schwach sauren bis leicht kalkhaltigen Bereich, zwischen 5,7 und 7,2 Punkten.

Einzelheiten zum Standort für Bohnenkräuter:

  • sonnige und warme Standorte wählen
  • Boden für Satureja hortensis: humus- und nährstoffreich
  • Boden für Satureja montana und Co.: karg und sandig-kiesig
  • grundsätzlich lockere und tiefgründige Substrate nutzen
  • Boden-pH-Wert: schwach sauer bis kalkhaltig, bei 5,7 bis 7,2
  • mäßig winterhartes Bohnenkraut am besten im Topf pflanzen
  • Kriechendes- und Berg-Bohnenkraut sind ideal für den Steingarten

 

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junge Bohnenkrautkultur

Pflanzanleitung für Bohnenkräuter

1. Schritt – Wahl des Aussaattermins: Bohnenkräuter gehören zu den beliebtesten Kräutern für die Vorzucht unter Glas. Gerade winterharte Arten wie Satureja montana lassen sich so schon zeitig gegen Ende Februar im Frühbeet vorziehen. Bei kälteempfindlichen Arten sollte die Vorzucht dagegen im Haus (z.B. in Eierkartons oder Anzuchtschalen) erfolgen. Erst ab April kann hier eine Vorzucht im Frühbeet erfolgen. Die Direktaussaat oder Direktpflanzung ins Freiland ist dann ab Mitte Mai nach den letzten Spätfrösten möglich.

2. Schritt – Bodenvorbereitung: Lockern Sie das Standortsubstrat tiefgründig auf. Zu schwere Böden sind vorab mit Sand und Kies aufzulockern. Für nährstoffliebende Arten wie das Sommerbohnenkraut können Sie zusätzlich etwas Humus oder Kompost in den Boden einarbeiten.

3. Schritt – Aussaat des Bohnenkrauts: Da Bohnenkräuter Lichtkeimer sind, wird das Saatgut lediglich oberflächlich ausgesät und danach nur leicht angedrückt. Wässern sie die Samen anschließend gut und stellen sie sicher, dass die Saat so viel Licht wie möglich abbekommt. Anzuchtschalen werden zu diesem Zweck auf eine lichtreiche Fensterbank gestellt.

4. Schritt – Pikieren der Jungpflanzen: Bohnenkraut benötigt zur Keimung konstante Temperaturen von 16 bis 20 °C. Während dieser Zeit muss das Saatgut gleichmäßig feucht, aber nicht zu nass gehalten werden. Ab Ende Mai lassen sich die Jungpflanzen dann ins Freiland pikieren. Der finale Pflanzabstand sollte zwischen 25 und 30 cm betragen.

Kurzschritte zum Pflanzen im Überblick:

  • Aussaattermin unter Glas: Februar bis April
  • Aussaattermin im Freiland: ab Mitte Mai
  • Boden zuvor tiefgründig umgraben
  • zu schwere Böden mit Sand und Kies auflockern
  • für nährstoffliebende Arten Humus oder Kompost einarbeiten
  • Satureja ist Lichtkeimer, daher Samen nicht mit Erde bedecken
  • Keimtemperaturen: konstante 16 bis 20 °C
  • Saatgut konstant feucht halten
  • Jungpflanzen ab Ende Mai ins Freiland pikieren
  • Pflanzabstand: 25 bis 30 cm

 

Bohnenkraut, Winterbohnenkraut, Saturej, Satureja, Satureja montana, Berg-Bohnenkraut
blühendes Winterbohnenkraut | © Das Grüne Archiv

Bohnenkraut gießen und düngen

Die Keimdauer für Satureja beträgt etwa 3 bis 4 Wochen. Nach dieser Zeit muss man Bohnenkräuter nur selten manuell gießen. Als klassische Mediterrankräuter mögen es die Pflanzen eher trocken.

Natürlicher Niederschlag ist daher in der Regel völlig ausreichend. Allenfalls Topfkulturen könnten öfter mal einen zusätzlichen Gießgang benötigen. Dabei ist kalkhaltiges Leitungswasser kein Problem, denn die Pflanzen sind kalkliebend.

Auch in Sachen Düngung zeigt sich Bohnenkraut recht unkompliziert. Eine jährliche Frühjahrsdüngung reicht gänzlich aus. Verwenden Sie hierfür am besten organischen Dünger wie Kompost oder Vogelguano.

 

Bohnenkraut ernten und vermehren

Bohnenkraut ernten sollte man am besten vor der Blütezeit, die sich von Juni bis September erstreckt. Das Kräuteraroma ist dann besonders intensiv. Grundsätzlich ist eine Ernte aber ganzjährig möglich. Als Würzkräuter verwendet werden maßgeblich thymianähnlichen Blätter der Satureja-Arten.

Wenn Sie eine mehrjährige Bohnenkrautkultur anstreben, kann es sinnvoll sein, die Bohnenkräuter im Juli vor der Blüte um etwa 10 cm einzukürzen. Das regt den Neuaustrieb an und sorgt für einen kompakten Pflanzenwuchs. Im Idealfall erzielen Sie so außerdem eine zusätzliche Ernte.

 

Vermehrung durch Stecklinge

Viele Bohnenkräuter wachsen als Sträucher, weshalb sich eine Stecklingsvermehrung hier besonders anbietet. Entnehmen Sie hierfür im Spätfrühling oder Sommer einfach einen gut entwickelten, einjährigen Seitentrieb und stellen Sie ihn für einige Tage in ein Glas voll Wasser.

Der Steckling sollte innerhalb einer Woche bewurzelt sein und kann dann in einen Topf umziehen. Ins Freiland sollten Sie Stecklinge dann aber erst im Folgejahr pflanzen.

 

Vermehrung durch Wurzelteilung

Es ist empfehlenswert, ältere Bohnenkräuter regelmäßig durch Wurzelteilung zu verjüngen. Denn die Pflanzen treiben ab einem gewissen Alter nicht mehr so üppig aus. Nehmen Sie die Teilung am besten im Frühjahr vor und graben Sie die Pflanzen hierzu aus.

Teilen Sie anschließend den Wurzelballen mit einem Spaten oder scharfen Messer in zwei gleich große Stücke. Die Teilstücke können Sie anschließend direkt zurück ins Freiland setzen.

 

Bohnenkraut überwintern

Arten wie das Winterbohnenkraut sind bis -20 °C winterhart. Im Freilandbeet ist daher allenfalls ein leichter Winterschutz aus Reisig oder Stroh von Nöten. Anders sieht es mit Topfkulturen und frostempfindlichen Bohnenkraut-Arten wie dem Sommerbohnenkraut aus. Topfkulturen benötigen hier grundsätzlich einen guten Bodenschutz, beispielsweise durch Gartenvlies und Korkuntersetzer.

Eine Empfehlung für kälteempfindliche Freilandkulturen des Bohnenkrauts ist das Winterbeet. Hier kann man Bohnenkraut überwintern, ohne es in einen Topf umpflanzen zu müssen. Auch ein ganzjähriger Standort im wärmenden Frühbeet ist denkbar.

 

Interessante Sorten der Satureja Arten

Bohnenkräuter werden artabhängig zwischen 15 und 70 cm groß. Als Zwerg-Bohnenkraut und guter Bodendecker für Steingartenbeete ist diesbezüglich das nur 15 cm hohe Kriechende Bohnenkraut bekannt.

Deutlich größer wird das bis zu 70 cm hohe Winterbohnenkraut. Von diesem gibt es mit der als Zitronenbohnenkraut bekannten Sorte ‚Citriodora‘ sogar eine nach Zitrone duftende Variante, die gerne zum Würzen von Grillfleisch und Räucherfisch verwendet wird.

Noch sortenreicher ist das Sommerbohnenkraut. Es liegt mit Blick auf seine Wuchshöhe irgendwo zwischen Kriechendem und Winterbohnenkraut, wobei die meisten Sorten eine Wuchshöhe von 50 cm nicht überschreiten. Hier ein kleiner Überblick zu den wichtigsten Sommerbohnenkraut-Sorten:

  • ‚Aromata‘: üppig wachsende und sehr aromatische Sorte
  • ‚Cyrano‘: großblättriges Bohnenkraut mit hohem Wuchs
  • ‚Pikanta‘: intensives Pfeffer-Aroma und buschiger Wuchs
  • ‚Safira‘: intensives Aroma und sehr wuchsfreudig
  • ‚Saturn‘: sehr reich an ätherischen Ölen

 

Satureja – Mögliche Krankheiten und Schädlinge

Dank seinem hohen Gehalt an ätherischen Ölen wird Bohnenkraut von den meisten Schädlingen gemieden. Und auch besondere Pflanzenkrankheiten sind an Satureja nicht bekannt.

 

Fazit

Als mediterranes Kraut steht Bohnenkraut oft im Schatten berühmter Artverwandter wie Thymian, Rosmarin, Salbei oder Oregano. In Sachen Aroma steht es diesen aber in nichts nach. Und auch die Heilwirkung von Satureja begründet sich auf ähnliche Inhaltsstoffe.

In ihrer Pflege sind Bohnenkräuter dabei recht unkompliziert. Eine aufwändige Düngung oder Bewässerung ist nicht notwendig. Lediglich ein lichtreicher Standort ist zu gewährleisten. Arten wie das Winterbohnenkraut bevorzugt außerdem einen kargen Boden, wohingegen Sommerbohnenkraut lieber auf nährstoffreichem Untergrund steht.

Auch bezüglich der Winterhärte ist auf artabhängige Unterschiede zu achten, denn während Winterbohnenkraut namensgemäß bis -20 °C winterhart ist, zeigen sich Bohnenkraut-Arten wie das Sommerbohnenkraut deutlich kälteempfindlicher. Sie müssen deshalb gut geschützt überwintern.

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