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Pimpinelle (Wiesenknopf) – Wirkung, Kultur und Ernte

Den auch als Pimpinelle oder Pimpernelle bekannten Wiesenknopf (Sanguisorba) findet man in zahlreichen Naturwiesen. Er gilt deshalb hierzulande als traditionelle Wildpflanze. Darüber hinaus gehört er zu den alten Kräutern der Volksheilkunde. Allerdings ist seine medizinische Wirkung nahezu in Vergessenheit geraten. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Pimpinelle auf zahlreichen Freiflächen munter vor sich hin wächst.

Unter Hobbygärtnern ist der Wiesenknopf aufgrund seiner schlichten Schönheit ein Spezialtipp für naturnahes Gartenambiente. Seine namensgebenden, blutroten bis rotvioletten Knopfblüten sollten deshalb in keiner Wildblumenwiese fehlen. Ebenso kommt das heilsame Blümchen in Naturgartenbeeten gut zur Geltung. Kultivieren lässt sich Sanguisorba dabei recht unkompliziert. Alles, was es dazu zu wissen gibt, verrät Ihnen unser Pflanzratgeber.

Vorsicht, Verwechslungsgefahr: Die Pimpinelle wird aufgrund ihrer Namensähnlichkeit gerne mit der Bibernelle (Pimpinella) verwechselt. Dabei handelt es sich ebenfalls um eine heilkundlich genutzte Pflanzengattung, zu der unter anderem der Anis (Pimpinella anisum) gehört. Dieser hat jedoch eine ganz unterschiedliche Heilwirkung, die sich eher auf Verdauungsbeschwerden sowie den körpereigenen Sekretfluss bezieht. Und auch im Aussehen weichen Pimpinelle und Pimpinella entschieden voneinander ab. Zwar besitzen die Arten beider Kräuter stark gezähnte Fiederblättchen. Doch während der Wiesenknopf rote, knopfblütige Blüten entwickelt, weist die Bibernelle weiße bis zartrosa Doldenblüten auf.

 

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Knopfblüten der Pimpinelle | © Das Grüne Archiv

Pimpinelle in der Küche und Medizin

Bereits im Mittelalter wurde die Pimpinelle rege als Gewürz und Heilkraut verwendet. In der Küche waren ihre leicht nach Gurken schmeckenden Blüten und Blätter beispielsweise eine beliebte Zutat für Salate, würzige Getränke, Fleisch- und Fischmarinaden. Unabdingbar ist die Pimpinelle bis heute in Traditionsgerichten wie der Frankfurter Grünen Soße. Denn die Kräutersoße setzt auf sieben klassische Frühlingskräuter, zu denen auch der Wiesenknopf gehört. Das Rezept zum Kräuterklassiker aus Frankfurt am Main finden sie hier.

Medizinisch in Verwendung sind beim Wiesenknopf neben Blüten und Blättern auch die Wurzeln der Pflanze. Insbesondere zur Behandlung von inneren und äußeren Blutungen werden Wurzelextrakte der Pimpinelle rege genutzt. Auf diese blutstillende Wirkung nimmt auch der fachbotanische Name des Wiesenknopfes, Sanguisorba Bezug. Er setzt sich nämlich aus den lateinischen Worten sanguis für „Blut“ und sorbere für „aufsaugen“ zusammen. Die traditionelle chinesische Medizin verwendet die Pflanze zudem bei Sodbrennen, Hämorrhoiden und blutigem Durchfall.

Als heilsame Inhaltsstoffe der Pimpinelle fungieren vor allem Gerbstoffe wie Gallussäure und Gerbsäure. Diese gelten als stark desinfizierend und keimabtötend, was zur Sterilhaltung von Wunden von großer Bedeutung ist. Der adstringierende (zusammenziehende) Effekt auf Haut und Blutgefäße stillt die Blutung und verhindert das Einwandern von Keimen in die Wundfläche. Hinzu kommt eine antioxidative und entzündungshemmende Wirkung der Pflanze, die auch von Flavonoiden wie Kaempferol mitgestaltet wird.

 

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Die Fiederblättchen der Pimpinelle sind heilsam und schmackhaft gleichermaßen | © Das Grüne Archiv

Pimpinelle säen – Standort und Ablauf

Der zur Familie der Rosengewächse gehörende Wiesenknopf ist neben Afrika auch in ganz Eurasien heimisch. Mit einer ausgezeichneten Winterhärte von bis zu -35 °C besteht er selbst harte Winter problemlos. Darüber hinaus ist Pimpinelle auch eine interessante Nützlingsweide für Bienen und Schmetterlinge.

Kultivieren kann man Pimpinellen dabei nicht nur im Garten, sondern auch auf dem Balkon, zum Beispiel im Blumenkasten. Von halbschattigen bis sonnigen Standorten kommen Arten der Gattung Sanguisorba dabei eigentlich mit allen Lichtverhältnissen zurecht.

Etwas anspruchsvoller ist Wiesenknopf dagegen in Sachen Bodenansprüche. Das Substrat sollte idealerweise kiesig-lehmig, nährstoffreich, durchlässig und leicht kalkhaltig. Ebenso ist auf eine ausreichende Grundfeuchte des Bodens zu achten. Dessen optimale pH-Werte bewegen sich im basischen bis alkalischen Bereich, zwischen 7 und 9 Punkten. Als Pflanzpartner für Wiesenknöpfe eignen sich Ziergräser wie das Hohe Pfeifengras. Aber auch blütenreiche Stauden und Kräuter wie der Wiesenstorchschnabel oder Salbei.

Pflanztipp: Für Wildblumenwiesen, Wildgärten und Naturgartenkonzepte ist Sanguisorba wie geschaffen. Seine urtümlichen Blüten machen sich wunderbar in naturbelassener Gartenlandschaft und verleihen dieser ohne viel Schnörkelei leuchtende Akzente.

 

Einzelheiten zum Standort für Pimpinelle:

  • Sanguisorba verträgt sonnige und halbschattige Standorte
  • die Staude ist bis -35 °C winterhart
  • Boden sollte frisch-feucht, nährstoffreich und durchlässig sein
  • ein leichter Kalkgehalt im Standortsubstrat ist empfehlenswert
  • kiesig-lehmige Gartenböden oder Gartenerde reichen aus
  • pH-Wert des Bodens: basisch bis alkalisch, zwischen 7 und 9
  • ideal ist Sanguisorba in naturbelassenen Gartenkonzepten
  • gute Pflanzpartner: Hohes Pfeifengras, Wiesenstorchschnabel, Salbei

 

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Blütenknospe der Pimpinelle | © Das Grüne Archiv

Aussaat der Pimpinelle

1. Schritt – Wahl des Aussaattermins: Der ideale Aussaattermin für Wiesenknöpfe liegt zwischen Ende Februar und Anfang April. Bodenfrost macht dem Gewächs grundsätzlich zwar nichts aus, jedoch sollte keine extreme Frostperiode mehr drohen.

2. Schritt – Boden vorbereiten: Vor der Aussaat lockern Sie den Boden ihrer Wiesenknöpfe gut auf und reichern das Substrat zur Grunddüngung mit etwas Humus oder gut verrottetem Kompost an. Um die Bodendurchlässigkeit zu erhöhen, empfiehlt sich die Beimengung von etwas Sand. Bei Topfkultur empfiehlt sich eine Drainage aus Kies.

3. Schritt – Aussaat des Wiesenknopfs: Da es sich beim Wiesenknopf um einen Lichtkeimer handelt, darf die Saattiefe nicht mehr als 1 cm betragen. Der Saatabstand ist mit ca. 20 cm richtig bemessen. Falls Sie den Wiesenknopf auf Ihrem Balkon kultivieren möchten, wählen Sie daher bitte ausreichend große Töpfe oder nutzen Sie einen Balkonkasten. Bis zur Keimung ist das Saatgut dann gleichmäßig feucht zu halten. Der Boden darf niemals vollständig austrocknen.

4. Schritt – Pikieren der Jungpflanzen: Haben sich an den jungen Wiesenknöpfen neben den beiden ersten Keimblättchen zwei weitere Blätter entwickelt, können sie vereinzelt werden. Achten Sie auch hier auf einen ausreichenden Pflanzabstand von mindestens 20 cm. Ein weiteres Umpflanzen sollte vermieden werden, da Sanguisorba zu den standorttreuen Stauden zählt.

Kurzschritte zur Aussaat im Überblick:

  • Aussaattermin für Sanguisorba: Ende Februar bis Anfang April
  • Boden vor Ausbringung des Saatguts gut auflockern
  • für Kultivierung auf Balkon große Kübel oder Kästen verwenden
  • hier ist eine Kiesdrainage sinnvoll
  • Substrat mit etwas Humus und Sand anreichern
  • Saattiefe: 1 cm
  • Saatabstand: 20 cm
  • nach Aussaat Boden konstant feucht halten
  • Pikieren erfolgt nach Ausbildung des ersten Blattpaares

 

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Junger Blütenstand der Pimpinelle | © Das Grüne Archiv

Pimpinelle gießen und düngen

Wiesenknöpfe benötigen bei richtiger Standortwahl und guter Bodenbeschaffenheit gemeinhin nur wenig Pflege. Allerdings sollten die Pflanzen bei Trockenheit regelmäßig und großzügig gegossen werden. Staunässe ist zwar dennoch zu vermeiden, trockene Böden können der Staude jedoch ähnlich schnell gefährlich werden. Hier kann es leicht zu Mehltau am Wiesenknopf kommen.

Wer von vorn herein an eine gute Grunddüngung des Wiesenknopfes gedacht hat, der kann alljährliche Nährstoffgaben auf eine Frühjahrsdüngung beschränken. Bei suboptimalen Bodenverhältnissen ist eine Düngung möglicher Weise öfter von Nöten. Dies gilt auch für Kübelpflanzungen, da Nährstoffe hier rasch ausgewaschen werden.

Düngemittel erster Wahl sind natürliche Düngerpellets oder Kompost. Flüssigdünger mit Langzeitwirkung ist nur geeignet, wenn Sanguisorba nicht als Gewürz- oder Heilkraut verwendet wird.

Kurztipps zum Gießen und Düngen:

  • Boden stets frisch-feucht halten
  • Staunässe aber dennoch vermeiden
  • Düngung erfolgt nur einmal jährlich
  • hierzu im Frühjahr Kompost oder Düngerpellets ausbringen
  • bei ungünstigen Böden und Topfkultur ggf. regelmäßigen düngen
  • Langzeitdünger nur bei Zierpflanzen einsetzen

 

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erntereife Pimpinelle | © Das Grüne Archiv

Wiesenknopf ernten und vermehren

Wer Sanguisorba als Gewürzkraut oder Heilpflanze nutzen möchte, der sollte vor allem die jungen Blätter und Triebe der Staude verwenden. In der Küche eignen sich diese frisch wie getrocknet besonders gut für das Würzen von Suppen oder die Zubereitung von Kräuterbutter. Als Heilkraut nutzt man die Pflanzenteile vor allem zur Zubereitung von Kräutertee oder für Waschungen. Gehen Sie bei der Dosierung aber sparsam mit den Kräutern um. Zu viel Pimpinelle kann nämlich zu Beschwerden wie Übelkeit und Magenschmerzen führen.

Schneiden muss man Wiesenknöpfe eigentlich nur, wenn man deren Selbstaussaat ab Mai verhindern möchte oder einzelne Pflanzen zu groß für den heimischen Garten geworden sind. Zur Vermeidung einer Selbstaussaat werden hierzu die welken Blüten rechtzeitig abgezwickt, ehe sie ihre Samen verlieren. Ein Rückschnitt kann ebenfalls nach der Blütezeit im Herbst erfolgen. Zu diesem Zweck kürzen Sie die Pflanze bodennah ein.

Vermehrung durch Aussaat oder Wurzelteilung: Die Vermehrung erfolgt beim Wiesenknopf durch Aussaat oder Wurzelteilung. Das Saatgut der Mutterpflanze kann ab Mai geerntet werden. Für die Vermehrung durch Wurzelteilung graben Sie die Pflanze im Frühjahr oder Herbst aus und teilen die Wurzel mit einem scharfen Messer. Alternativ eignen sich auch Wurzelausläufer zur Vermehrung.

Kurztipps zum Ernten und Vermehren:

  • zur Weiterverarbeitung junge Blätter und Triebe ernten
  • diese anschließend Trocknen und sparsam verwenden
  • um Selbstaussaat zu vermeiden, welke Blüten ausschneiden
  • bodennaher Rückschnitt der Pflanze im Herbst ist möglich
  • Vermehrung gelingt durch Aussat, Stecklinge oder Ausläufer

 

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Kleine Pimpinelle (Sanguisorba minor) | © Das Grüne Archiv

Interessante Arten der Gattung Sanguisorba

Wie bereits erwähnt, wird Sanuisorba des Öfteren mit der Bibernelle verwechselt. Grund dafür ist die Tatsache, dass eine der berühmtesten Arten der Gattung, der Kleine Wiesenknopf (Sanguisorba minor) auch als kleine Pimpinelle bekannt ist.

In der Gattung der Bibernellen sorgt diesbezüglich vor allem die kleine Bibernelle (Pimpinella minor oder Pimpinella saxifraga) für Verwirrung. Man kann die beiden Pflanzen aber schon an ihren sehr unterschiedlichen Blüten gut unterscheiden. Diese wachsen bei der Pimpinelle in roten Knopfblüten. Die Pimpinella hingegen besitzt weiße Doldenblüten.

Etwas schwieriger wird es bei den Blättern, die in beiden Fällen grob gesägten, rundlichen bis eiförmigen Fiederblätter sind. Wer genauer hinsieht, dem fällt jedoch auf, dass die Blätter des Wiesenknopfs nicht wie bei der Bibernelle spitz zulaufen. Stattdessen haben sie einen eher ganzheitlich rundlichen Formverlauf haben. Und auch innerhalb der Gattung Sanguisorba gibt es ein paar markante Unterschiede. Lesen Sie nachstehend nützliche Einzelheiten zu drei der beliebtesten Wiesenknopfarten im Überblick:

ArtBeschreibung
Bergamasker Wiesenknopf
Sanguisorba dodencandra
Blütezeit: Juli bis September
Blütenfarbe: gelbe Kopfblüten
Wuchshöhe: 50 bis 150 cm
Herkunft: italienische Alpen, Nord-Italien
Eignung für Kultivierung: gut
Besonderheiten: bis -18 °C winterhart, altes Heilkraut
Großer Wiesenknopf / Große Pimpinelle
Sanguisorba major / Sanguisorba officinalis
Blütezeit: Juli bis November
Blütenfarbe: rosa-purpur bis braunrote Kopfblüten
Wuchshöhe: 30 bis 120 cm
Herkunft: Asien, Europa, Nordafrika
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: bis -35 °C winterhart; alte Heilpflanze, benötigt Boden-pH-Werte zwischen 6,5 und 7,5; ist auch als Herrgottsbart, Kölbleskraut und Welsche Bibernelle bekannt
Kleiner Wiesenknopf / Kleine Pimpinelle
Sanguisorba minor
Blütezeit: Mai bis August
Blütenfarbe: grün-violette Kopfblüten
Wuchshöhe: 20 bis 100 cm
Herkunft: Asien, Europa, Nord- und Westafrika
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: bis -29 °C winterhart
gute Sorten: 'Dali Marble', 'Roth and Roll'

 

 

Wiesenknopf – Mögliche Krankheiten und Schädlinge

Bei richtiger Pflege ist Sanguisorba weitestgehend resistent gegen Schadbilder. Lediglich Nacktschnecken mögen Wiesenknopf recht gerne. Fernhalten kann man die lästigen Kriechtiere jedoch mit recht einfachen Mitteln wie einem Schneckenzaun oder Hausmitteln wie Bier. Möglich ist außerdem die Verwendung von handelsüblichem Schneckenkorn.

 

Fazit

Ein Wiesenknopf ist nicht nur wunderschön anzusehen, sondern auch eine nützliche Gewürz- und Heilpflanze verwenden. Die Kultivierung ist relativ einfach und im heimischen Garten oder auf dem Balkon möglich. Wichtig sind vor allem ein sonniger bis halbschattiger Standort und ein nährstoffreicher, sandiger-boden Boden. Wenn in der Standortwahl und Pflege aber alles richtig gemacht wird, dann findet man in der Pimpinelle ein anspruchsloses Wildkraut, das garantiert jede Heimapotheke bereichert.

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