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TCM Kräuter, TCM, Traditionelle Chinesische Medizin

TCM-Kräuter: Schätze der Traditionellen Chinesischen Medizin

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) gilt als federführend in Sachen Alternativmedizin. Dabei spielen neben manuellen Therapiemaßnahmen wie Akupunktur oder Druckpunktmassagen insbesondere TCM-Kräuter eine besondere Rolle. Eine kleine Exkursion in die chinesische Pflanzenheilkunde.

 

Die Lehren des Kräuterkaisers

Wer die Geschichte der TCM-Kräuterlehre verstehen möchte, muss weit zurück bis zu den Ursprüngen der chinesischen Kaiserdynastien reisen. Als legendäre Kultfigur gilt hier Urkaiser Shennong (神農 ). Auch als Kräuterkaiser bekannt, soll er nicht nur der erste chinesische Kaiser und damit Urkaiser des Landes gewesen sein, sondern auch die traditionelle chinesische Landwirtschaft und Pflanzenheilkunde erfunden haben.

Die Meinungen darüber, ob Meister Shennong wirklich existiert hat und wenn ja, wann, gehen weit auseinander. Unbestritten ist jedoch, dass ein Buch, das einst im Namen Shennongs  geschrieben wurde, den Ursprung der Traditionellen Chinesischen Medizin darstellt. Die Rede ist vom Shénnóng Běn Cǎo Jīng alias Klassisches Werk der Wurzeln und Kräuter nach Shennong (神农本草经), das als eines der ältesten Werke zum Ackerbau und zur Kräuterkunde gilt.

 

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Portrait von Meister Shennong beim Prüfen des Geschmacks einer Kräuterwurzel

 

Von der Kunst der Teezubereitung

Nun ist das Originalbuch zu Shennongs Kräuterklassiker heute aber leider nicht mehr erhalten und das Werk liegt nur in einer um 300 v. Chr. angefertigten Abschrift vor, dessen Verfasser unbekannt ist. Chinesische Überlieferungen besagen jedoch, dass Kaiser Shennong das Original um 2.800 v. Chr. selbst verfasst haben soll.

Die drei Bände des Werkes beschreiben dabei rund 365 unterschiedliche TCM-Kräuter, die in der Traditionellen Chinesischen Medizin bis heute Anwendung finden. Darüber hinaus beschreibt der Kräuterklassiker nach Shennong auch die Zubereitung von Teekräutern, wobei der Kräuterkaiser in China auch als Erfinder des Tees gilt.

Beim Kochen von Wasser über offenem Feuer soll Shennong nämlich ein Blatt der Teepflanze dabei beobachtet haben, wie es in seinen Teekessel fiel. Das Wasser verfärbte sich daraufhin gelblich, was dem Meister der TCM-Kräuter zur Inspiration gereichte, Tee aus Blättern der Teepflanze herzustellen.

 

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Das wohl bekannteste TCM Kraut überhaupt: Grüner Tee

Naturheilkunde nach der Qi-Lehre

Meister Shennong gilt nicht nur als Erfinder der chinesischen Heilkunde, sondern auch als Mitbegründer der Qi-Lehre. Sie bezeichnet ein Konzept des Taoismus, demzufolge der Körper von universeller Lebensenergie, dem Qi (氣), durchflossen wird. Dabei fungieren Meridiane (經絡) als Leitbahnen besagten Energieflusses.

In diesem Zusammenhang werden Shennong auch die Ursprungslehren manueller Praktiken wie Akupunktur und Akupressur als Therapieformen der TCM zuschrieben. Sie sehen eine Druckbehandlung im Bereich der körpereigenen Meridiane vor und sollen so einen krankheitsbedingt gestörten Qi-Fluss wieder normalisieren.

Übrigens: Aus der Qi-Lehre leiten sich auch Meditationspraktiken und Kampfkünste wie Qi-Gong, Tai-Chi oder Kung Fu ab. Hier geht es darum, den natürlichen Qi-Fluss so zu trainieren, dass er einen perfektionierten Zustand der Ausgeglichenheit (Qi-Gong) oder physischen Beherrschung und Effizienz (Tai-Chi und Kung Fu) erreicht.

Auch mit Blick auf TCM-Kräuter spielt die Qi-Lehre eine bedeutsame Rolle. Denn die Kräuter der Traditionellen Chinesischen Medizin lassen sich gemäß der Lehre in verschiedene Funktionsbereiche einteilen.

 

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TCM-Kräuter zielen darauf ab, Krankheiten durch Optimierung des Qi-Fluss zu kurieren

Yin- und Yang-Kräuter

Das übergeordnete Prinzip der Qi-Lehre ist die Lehre von Yin und Yang (陰陽). Der Begriff wird oft fälschlicherweise auf die Polarität von Licht (Yang) und Schatten (Yin) reduziert, was dem Konzept aber bei Weitem nicht gerecht wird. Und speziell mit Blick auf die Funktion von TCM-Kräutern reicht diese Betrachtungsweise auch nicht aus, wenn es um Yin- und Yang-Kräuter geht.

Krankheiten werden in der TCM nämlich unter anderem in Yin-Krankheiten und Yang-Krankheiten eingeteilt, die je nach Art der Erkrankung mit Yin- oder Yang-Kräutern zu behandeln sind. Es gilt folgender Grundsatz:

  • Yin-Krankheiten: Die Erkrankung wird durch einen Mangel oder Überschuss an Yin verursacht. Bei einem Yin-Mangel kommen Yin-Kräuter zur Stärkung zum Einsatz. Bei einem Yin-Überschuss muss die Aufnahme von Yin über Kräuter und Ernährung reduziert werden.
  • Yang-Krankheiten: Die Erkrankung ist einem Mangel oder Überschuss an Yang geschuldet. Dementsprechend wird ein Yang-Mangel durch gezielte Anwendung von Yang-Kräutern, ein Yang-Überschuss durch die Reduzierung von Yang in der Ernährung behoben.

 

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Mehr als nur hell und dunkel: Yin und Yang geben in der TCM die Wirkung verschiedener Kräuter vor

Yin-Kräuter

Yin (陰) verkörpert gemeinhin den dunklen Pol, wobei das Dunkle nicht gleichbedeutend ist mit Negativität. Stattdessen werden Yin Eigenschaften wie Ruhe, Gelassenheit, Kühle und Sanftheit zugeschrieben. Qualitäten, deretwegen Yin auch als der weibliche Pol angesehen wird. Yin-Kräuter sind demzufolge kühlend, beruhigend und sanft, wobei folgende Kräuter dem Yin zugeordnet werden:

Es gibt in der Ernährungslehre der TCM auch kühlende Lebensmittel, darunter Auberginen, Gurken, Pilze, Radieschen, Ruccola, Salate, Spargel, Tomaten und Zucchini. Ähnlich wie Yin-Kräuter sollen sie einen Yin-Mangel beheben. Als typische Symptome eines Yin-Mangels gelten dabei:

  • Erschöpfung
  • Hitzewallungen
  • hohe Temperatur
  • Hyperaktivität
  • schneller Puls
  • spröde Lippen
  • trockene und rote Zunge
  • Verstopfung

 

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Ein klassisches Yin-Kraut: der kühlende und beruhigende Lotus

Yang-Kräuter

Yang (陽) steht im Taoismus für das Licht, aber auch für Härte, Hitze, Aktivität und Bewegung. Es repräsentiert den männlichen Pol, wobei Yang-Kräuter gemäß TCM eine wärmende, belebende und anregende Wirkung haben. Zu den wichtigsten Yang-Kräutern gehören:

Rechnet man hierzu wärmende Lebensmittel wie Aprikosen, Kirschen, Lauch, Rosenkohl, Süßkartoffel oder Walnüsse, ist die Liste der potentiellen Yang-Kräuter und Speisen ziemlich lang. Es ist folglich oft leichter, einen Yang-Überschuss anzuhäufen als einen Yin-Überschuss. Allerdings gelten auch Yang-Mangel-Krankheiten wie Erkältung oder Grippe als klassische Volkskrankheiten. Grundsätzlich gelten dabei folgende Symptome als Anzeichen für einen Yang-Mangel:

  • blasse Lippen
  • blasse und feuchte Zunge
  • Zyanose
  • Durchfall
  • Kälteempfindlichkeit
  • langsamer Puls
  • Lethargie
  • niedrige Temperatur
  • Schläfrigkeit

 

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Das scharfe Kultgewürz unter den Yang-Kräutern: Die wärmende und belebende Chili

Neutrale Kräuter

Nicht alle TCM-Kräuter lassen sich den extremen Ausprägungen von Yin- und Yang zuordnen. Beispielsweise gilt die Schafgarbe zwar als schwach kühlend, insgesamt aber als eher neutral. Jiaogulan wiederum wird in der TCM als schwach wärmend bis neutral beschrieben. Ähnlich sieht es mit Baldrian, Ginkgo, Tragant und Süßholz aus, die in der TCM ebenfalls der Neutralität zugewiesen werden.

Wissenswertes: Insbesondere der Ginkgo steht in der TCM seit jeher für den Ausgleich zwischen Yin und Yang und wird deshalb stets medizinisch genutzt, um ein Ungleichgewicht der beiden Pole herbeizuführen. 

Unter den Lebensmitteln lassen sich vor allem Brombeeren, Himbeeren, Reis, Linsen, Sojabohnen, Erbsen, Brokkoli, Pflaumen, Zucchini und Getreidearten wie Dinkel, Roggen als neutral bezeichnen. Sie sind daher gut, um einen Überschuss zu neutralisieren und das Gleichgewicht zwischen Yin und Yang wiederherzustellen.

 

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Das TCM Kraut der Balance: Ginkgo bringt Yin und Yang ins Gleichgewicht

TCM-Kräuter der fünf Elemente

Die taoistische Qi-Lehre beruht auf der Annahme, dass sich die Lebensenergien fünf Elementen zuordnen lassen, die in stetem Wandel begriffen sind. Diese Lehre von den fünf elementaren Wandlungsphasen, kurz Fünf-Elemente-Lehre (五行學), lässt sich nicht nur auf von außen auf den Menschen einwirkende Energien übertragen, die zum Beispiel im Feng Shui oder der Bonsai Kultur relevant werden.

Gemäß TCM steht die Fünf-Elemente-Lehre auch mit fünf Funktionskreisen des Körpers sowie fünf verschiedenen Geschmäckern in Verbindung. Bereits Shennong war dafür bekannt, Kräuter immer erst auf ihren Geschmack hin zu prüfen, um sie in Folge korrekt anzuwenden. Die fünf elementaren und aromatischen Funktionskreise lauten dabei wie folgt:

  • Holz (木): Dem sauren Geschmack und dem Funktionskreis der Leber zugeordnet
  • Feuer (火): Dem bitteren Geschmack und dem Funktionskreis des Herzes zugeordnet
  • Erde (土): Dem süßen Geschmack und dem Funktionskreis der Milz zugeordnet
  • Metall (金): Dem scharfen Geschmack und dem Funktionskreis der Lunge zugeordnet
  • Wasser (水): Dem salzigen Geschmack und dem Funktionskreis der Niere zugeordnet

Inbegriff dieser Lehre von den fünf Elementen im Bereich der TCM-Kräuter ist die Schisandra-Beere. Sie wird auch gerne Frucht der fünf Elemente bzw. Frucht der fünf Geschmäcker genannt, da sie in der Tat alle fünf oben beschriebenen Geschmacksrichtungen in sich vereint und aus sich der TCM deshalb ganzheitlich auf alle fünf Funktionskreise wirkt.

 

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Die Frucht der fünf Geschmäcker: Die Schisandra-Beere gilt als TCM Kraut der fünf Elemente

TCM-Kräuter für das Leber-Qi

Das Leber-Qi ist in der TCM von äußerster Wichtigkeit. Immerhin steht es in direkter Verbindung mit den essenziellen Verdauungs- und Stoffwechselprozessen des Körpers, aber auch mit der Immunfunktion.

Störungen im Funktionskreis der Leber können dabei nicht nur zu Funktionsstörungen der Leber und Magen-Darm-Beschwerden führen, sondern auch zu stofflichen Ungleichgewichten, die dann unter anderem zu hormonellen Störungen (z.B. Menstruationsstörungen), Depressionen, Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Muskelbeschwerden oder Sehproblemen führen.

Verzichten sollte man bei Störungen des Leber-Qis dagegen auf scharfe Gewürze wie Pfeffer oder Chili. Regulierung erfährt das Leber-Qi dagegen durch Lebensmittel mit saurem und deshalb mit der Leber resonierenden Geschmack. Das gilt zum Beispiel für Sellerie, eingelegtes Gemüse wie saure Gurken oder saure Früchte wie Zitronen. Klassische TCM-Kräuter zur Stärkung der Leberfunktion sind außerdem:

  • Artischocke
  • Goji-Beeren
  • Jiaogulan
  • Kümmel
  • Löwenzahn
  • Mariendistel
  • Pfefferminze
  • Ringelblume

 

Jiaogulan, Unsterblichkeitskraut, Gynostemma pentaphyllum
Das Leberkraut Jiaogulan ist auch als Unsterblichkeitskraut bekannt und soll sogar Krebserkrankungen heilen können

TCM-Kräuter für das Herz-Qi

Das Herz-Qi steuert gemäß TCM die Funktionen des Herz-Kreislauf-Systems sowie der Gefäße, Zunge und des Dünndarms. Durch seine Zuordnung zum Element des Feuers ist das Herz insbesondere für einen Yang-Überschuss, also zu viel Hitze prädestiniert. Gleichwohl kann ein Yang-Mangel die Herzfunktion in besonderem Maße beeinträchtigen.

Gesundheitsbeschwerden wie Bluthochdruck, Herz-Rhythmus-Beschwerden oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen aber auch Dünndarm-Beschwerden sind nach Ansicht der TCM also häufig in einem Yang-Ungleichgewicht zu suchen. Zur Behandlung werden demnach entweder das Yang stärkende oder einen Überschuss an Yang senkende bzw. kühlende TCM-Kräuter gebraucht.

Für eine Therapie hilfreich sein können zudem Lebensmittel und Kräuter mit einem hohen Gehalt an dem Herz zugeordneten Bitterstoffen. Diese wirken nicht nur verdauungsfördernd sondern stärken nachweislich auch die Herzgesundheit. Neben bitteren Lebensmitteln wie Rucola oder Endivie sind deshalb auch Bitterkräuter in der Behandlung eines gestörten Herz-Qis sinnvoll. Insgesamt werden für das Herz-Qi folgende Kräuter empfohlen:

  • Basilikum
  • Färberdistel
  • Ginseng
  • Grüner Tee
  • Jiaogulan
  • Kurkuma
  • Oregano
  • Rosmarin
  • Rotwurzel-Salbei
  • Thymian

 

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Die Ginsengwurzel stärkt als Herzkraut nicht nur das Herz, sondern auch den Kreislauf und die Gefäße

TCM-Kräuter für das Milz-Qi

Das Milz-Qi ist in der TCM für die Feuchtigkeitsversorgung sowie den Schleim- und Sekretfluss zuständig. Dementsprechend rechnet man dem Funktionskreis der Milz auch sekretführende Organe und Körperabschnitte wie den Magen oder Mund zu.

Ein gestörtes Milz-Qi drückt sich zum Beispiel durch trockenen Mund (mangelnder Speichelfluss), Mandelentzündung, Sodbrennen, Magenschleimhautentzündung, aber auch in Brechreiz, Drehschwindel und Müdigkeit aus. Süße, wärmende und sekretfördernde Kräuter können helfen, darunter:

  • Anis
  • Fenchel
  • Granatapfel
  • Ingwer
  • Nelke
  • Süßholz
  • Vanille
  • Zimt

 

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In der TCM ein unschlagbares Duo zur Sekretförderung: Die Milzkräuter Süßholz und Sternanis

TCM-Kräuter für das Lungen-Qi

Trauer gilt in der TCM als eine Emotion der Lunge. Das Gefühl, das einem manchmal wortwörtich die Luft zum Atmen nimmt, steht dabei symbolisch für einen Prozess, der das Atmungssystem in besonderem Maße beansprucht: das Weinen. Mit einer übermäßigen Schleimproduktion in der Nase und einer unregelmäßigen bis stockenden Atmung verursacht der Vorgang des Weinens massive Blockaden in den Atemwegen.

Besagte Blockaden können im Lungen-Qi auch durch Erkältungskrankheiten, Schnupfen, Husten, Lungenerkrankungen, Asthma und Allergien ausgelöst werden. Außerdem stehen mit einem gestörten Lungen-Qi Symptome wie Hautausschläge, Schlafstörungen und durch Sauerstoffmangel entstehende Beschwerden (z.B. Müdigkeit oder Zyanose) in Verbindung.

Zur Auflösung von Blockaden im Lungen-Qi gibt es mehrere Möglichkeiten. Scharfe und zumeist auch wärmende Gewürze befreien hier die Atemwege und können zudem auch desinfizierende Wirkung haben. Beruhigende Kräuter verschaffen daneben Linderung bei Hustenreiz und entzündeten Atemwegen. Insgesamt empfehlen sich zur Stärkung des Lungen-Qis folgende TCM-Kräuter:

  • Chili
  • Ginkgo
  • Ingwer
  • Minze
  • Salbei
  • Senf
  • Thymian
  • Zwiebeln

 

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Als Lungenkraut von unschätzbarem Wert: Der antibiotische und immunstärkende Ingwer

TCM-Kräuter für das Nieren-Qi

Die Niere symbolisiert unter den fünf Funktionskreisen selbstverständlich das Wasser. Immerhin wird hier die Harnflüssigkeit gebildet und in Folge über die Harnwege ausgeschieden. Für eine gute Durchspülung des Körpers und somit eine ausreichende Entschlackung und Entgiftung des Körpers ist eine störungsfreie Nierenfunktion unerlässlich. Umso schwerwiegender können sich Funktionsstörungen der Niere auswirken.

Typische Beschwerden eines gestörten Nieren-Qis sind Nierensteine oder Blasensteine, Ödeme und Wasseransammlungen, Schilddrüsenfehlfunktionen und eine vermehrte Ansammlung von Stoffwechselabbauprodukten im Körper wie es zum Beispiel bei Gicht der Fall ist.

Gleichwohl kann eine mangelnde Nierengesundheit auch den Sekretfluss des Milz-Qis beeinträchtigen, weshalb zur Behandlung von Milzerkrankungen oft auch eine Stärkung des Nieren-Qis erforderlich ist.

 

Fenchel, Foeniculum, Foeniculum vulgare
Auch in der westlichen Medizin als nierenreinigendes Heilkraut bekannt: der Fenchel

Der salzige Geschmack, dem das Nieren-Qi als Wasser-Qi zugeordnet ist, hat hier durchaus seine Logik. Denn Salz reguliert den Elektrolythaushalt und somit die Feuchtigkeitsversorgung des Körpers, was auch der Durchspülung der Nieren zugute kommt. Salzige Lebensmittel wie Fisch, Meeresfrüchte, Algen, Soja Sauce und auch Salz an sich werden also nicht ohne Grund dem Nieren-Qi zugeordnet.

Allerdings ist auch eine gute Flüssigkeitsversorgung für ein gesundes Nieren-Qi wichtig und die Salzzufuhr sollte stets moderat bemessen sein. Ergänzend können folgende TCM-Kräuter die Nierengesundheit stärken:

  • Engelwurz
  • Fenchel
  • Goji-Beeren
  • Ingwer
  • Kürbis
  • Liebstöckel
  • Tragant
  • Wacholder
  • Zimt

 

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Die antioxidativen und ausleitenden Goji-Beeren sind gemäß TCM-Lehre typische Leber- und Nierenkräuter

Anwendung von TCM-Kräutern

Ähnlich wie Ayurveda Kräuter entstammen auch TCM-Kräuter einem ganzheitlichen Behandlungskonzept, das neben pflanzlichen Arzneimitteln auch pflanzliche Lebensmittel in die Therapie mit einbezieht. TCM-Kräuter richtig anzuwenden bedeutet daher nicht nur, Medizin zu schlucken. Ebenso werden die Kräuter in Form von Gemüsebeilagen und Gewüzen in eine gesunde Ernährung eingebunden, was dem Erhalt und der Wiederherstellung der Gesundheit dient.

 

Klassische Zubereitung der TCM-Kräuter

Charakteristisch für TCM-Kräutermedizin ist ein hoher Anteil an Wurzelkräutern, Kräuterrinden und Beerenkräutern. Um ihre heilsamen Inhaltsstoffe nutzen zu können, müssen diese vergleichsweise harten Kräuter oft lange eingeweicht und im heißen Extraktionsverfahren zubereitet werden. Neben Kräutertee sind daher auch Kräutersuppen und gedämpftes oder gegartes Kräutergemüse traditionelle Darreichungsformen.

Wohlbekannt sind chinesische Suppengerichte wie Pekingsuppe oder Kung Fu Suppe, die neben Gemüseeinlagen auch klassische TCM-Kräuter wie Ingwer, Knoblauch oder Zitronengras enthalten. Die Kräuter werden in China auch zur Teezubereitung genutzt, was im Westen weniger üblich ist. Gleiches gilt für Pilze bzw. Heilpilze, die in der TCM nicht nur für Suppen und als Gemüsebeilage, sondern auch für heilsame Pilztees verwendet werden.

 

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Voller gesunder Kräuter: Die chinesische Küche ist nicht nur lecker, sondern auch heilsam

Geschmacklich ist in der chinesischen Küche oft das Zusammenspiel von süß und sauer, also Leber-Qi und Milz-Qi dominat, was einen verdauungsfördernden Effekt erzielen soll. Es gibt aber auch salzige Rezepte (Algen-, Fisch und Sojagerichte), scharfe Gerichte (Chili- und Meerrettich-Gerichte) und bittere Gerichte (bitterstoffhaltige Salate und Kohlgerichte).

 

TCM-Kräutermischungen

In chinesischen Apotheken werden Kräuter sehr akribisch und genau abgewogen. Dabei ist es üblich, Kräutermischungen auf Basis der persönlichen Patientendiagnose vor Ort individuell zusammen zu stellen. Ein hoch anspruchsvoller Vorgang, der vom TCM Apotheker genaue Kenntnis über die jeweiligen Kräuter und ihre Wirkung erfordert.

 

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Ein TCM Apotheker bei der Arbeit

Im Handel erhältliche Kräutermischungen der Traditionellen Chinesischen Medizin tragen oft solch ungewöhnliche Namen wie Frische der frühabendlichen Pagode, Kühle des Morgennebels oder Fünferlei Auslöschen des Vulkans. Diese nehmen einerseits Bezug auf Anzahl und Art der in den Kräutermischungen verwendeten TCM-Kräuter, lassen andererseits aber auch Rückschlüsse auf deren Wirkung zu.

Begriffe wie „frisch“, „kühlend“ oder „löschend“ stehen meist für kühlende Yin-Kräuter. Worte wie „Fluss“, „Regen“, „Lockerung“ oder „Schwung“ können ein Hinweis auf eine Blockaden lösende oder sekretfördernde Wirkung der Kräutermischungen sein. In der Regel ist die genaue Wirkung in der Produktbeschreibung der Mischungen zu finden. Diese sollte man vor einem Kauf auch unbedingt beachten.

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