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Schwarzachklamm, Schwarzenbruck, Schwarzach, Bayern

Naturtagebuch: Schwarzachklamm bei Schwarzenbruck

An Felsschluchten kann man die Geschichte der Erde ablesen. Und in schluchtenartigen Flusstälern kommt ihre einzigartige Geschichte ganz besonders zur Geltung. Das emsig fließende Wasser beweist hier, dass es nicht nur sanft, sondern mitunter auch sehr kraftvoll und vehement sein kann. Derart vehement, dass es selbst Felsgestein erweicht. Die Schwarzachklamm ist solch ein Schauplatz, an dem sich harter Fels dem vermeintlich sanften Wasser beugt.

 

Stetes Wasser höhlt den Stein

Ich mag Dinge, die andere gerne als zerbrochen bezeichnen. Alle Erschütterungen der Zeit bloßgelegt, die harte Hülle zersplittert und ausgewaschen. Abgeschleift vom Zahn der Zeit, zermürbt, zerfallen und zerknittert. Die einst so aalglatten und makellosen Oberflächen, die, einem Härtetest unterzogen, nun mehr Profil besitzen, sodass die eigentümliche Schönheit dessen, was darunter liegt, ans Tageslicht gelangt. Wild und ursprünglich.

Ganz wie das Wasser. Es lässt sich nicht glätten, denn es fließt und ist nicht starr. Und auf seinem eigentümlichen Weg formt es, gestaltet und erschafft. Leben, Landschaften, Launen der Natur. Es scheint mit allem eins zu sein, wenn es gemächlich vor sich hin treibt und das Ufer akzeptiert, das ihm gegeben. Doch wer aufmerksam betrachtet, der weiß, dass es sich wehrt. Es wehrt sich vehement gegen die Grenzen, die ihm von außen aufgezwungen sind.

Wird es erschüttert, kommt die Flut. Wird es in Aufruhr versetzt, wird es Wellen schlagen. Und wird es aufgestaut, so läuft es über. Selbst der härteste Fels kann dem Wasser nicht standhalten. Ob es nun lautlos in ihn einsickert, sein Innerstes aushöhlt und all die schmalen Risse erforscht, die dem Gestein zu eigen sind, oder ob es seinem Dasein durch kraftvolle Brandung Gehör verschafft und peitscht und tost und mit sich reißt, was nicht stabil genug, sich zu erhalten. Wasser ist Wasser. Beständig und ungezähmt zugleich.

 

Schwarzachklamm, Schwarzenbruck, Schwarzach, Bayern
Was der Fluss entzweit | © Das Grüne Archiv

Der schwarze Fluss

Die Schwarzach ist ein knapp 56 km langer Fluss, der sich in Bayern zwischen der Oberpfalz und Mittelfranken erstreckt. Ihr Flusslauf entsteht in Neumarkt in der Oberpfalz durch den Zusammenfluss der beiden Quellbäche Irlgraben und Altweihergraben. Die Schwarzachklamm liegt dabei etwa 22 km nordwestlich von Neumarkt in der mittelfränkischen Gemeinde Schwarzenbruck.

Die Klamm ist Teil der Fränkischen Alb, die sich ähnlich wie der Oberpfälzer Jura rund um die Quelle der Schwarzach durch ihre imposanten Felsformationen auszeichnet. Speziell zwischen Schwarzenbruck und Altdorf hat sich der Fluss diesbezüglich im Laufe der Zeit tief in den hiesigen Sandstein gegraben und eine Vielzahl von eindrucksvollen Räthschluchten hinterlassen.

Verantwortlich für die massive Erosionskraft der Schwarzach an diesem Punkt war einst der Main. Dessen Wasserscheide wurde vor rund 1,5 Millionen Jahren aufgrund eines Grabenbruchs (der heutige Oberrheingraben) von Süden gen Westen verlagert. Fortan floss der Main nicht mehr in die Donau, sondern in den Rhein ab, wobei das Gefälle von Nebenflüssen wie der Schwarzach, ebenso wie deren Fließgeschwindigkeit gehörig zunahm.

Wissenswertes: Der Name der Schwarzach rührt von seiner dunklen Färbung zur Zeit der alljährlichen Schneeschmelze her. Das Wasser des Flusses führt zu diesem Zeitpunkt einiges an Sedimenten mit sich, die aus dem umliegenden Ufergestein ausgewaschen werden. Das „-ach“ in Schwarzach ist dabei dem keltisch-germanischen Wort Ache für „Bach“ bzw. „Fluss“ entlehnt.

 

Schwarzachklamm, Schwarzenbruck, Schwarzach, Bayern
Der Weg des Wassers | © Das Grüne Archiv

Die Sandsteinkluften der Schwarzach

Sandstein ist ein faszinierendes Gestein. Entstanden aus den verwitterten Überresten unzähliger anderer Gesteine wie Quarz oder Kalkstein findet man Sandstein gerade in der Nähe von Überflutungsgebieten sehr häufig.

Die fortwährenden Schleifvorgänge des Wassers lassen hier Sandsteinablagerungen von unterschiedlichem Charakter entstehen. Speziell der auch als Löwenstein-Formation oder Stubensandstein bekannte Burgsandstein der Schwarzachklamm entstand im Erdmittelalter und gehört zu den Keuper-Formationen der Germanischen Trias.

Im Gegensatz zu anderen Gesteinsarten gilt Sandstein häufig als vergleichsweise weich und porös. Verantwortlich dafür ist ein Gehalt an Sandkörnern von mindestens 50 Prozent. Es gibt aber auch äußerst harte Sandsteinarten und Burgsandstein ist eine davon. Das Flusswasser der Schwarzach konnte sich hier nur entlang schwächerer Gesteinsschichten in die Tiefe arbeiten.

Auf diese Weise schuf es neben majestätischen Schluchtwänden und Felsplateaus auch Brandungshöhlen wie die Karlshöhle und die Gustav-Adolf-Höhle. Unmittelbar an letztere schließt außerdem die wabenförmige Steingalerie an. Das aus Bröckellöchern bestehende Felsmuster ist auch als Tafone bezeichnet und mutet wie in Stein gemeißelte Bienenwaben an.

 

Schwarzachklamm, Schwarzenbruck, Schwarzach, Bayern, Gustav-Adolf-Höhle
Die Gustav-Adolf-Höhle verdankt ihren Namen dem Umstand, dass der schwedische König Gustav II. Adolf während dem Dreißigjährigen Krieg nach einem Sieg beim nahegelegenen Affalterbach in dieser Höhle einer Predigt beiwohnte. | © Das Grüne Archiv

Flora und Fauna der Schwarzachklamm

Die Schwarzachklamm ist gekennzeichnet durch ein vielfältiges Waldambiente. Direkt an den Ufern findet man Anteile eines Auwaldes mit einem reichen Bestand an Erlen. An den Hängen der Schlucht, geht der Wald in einen Mischwald aus Buchen, Fichten und Kiefern über.

An den teils immerfeuchten Felswänden der Klamm tummelt sich ebenfalls das blühende Leben. Sie sind teils stark mit Moosen und Flechten überwachsen. Auf den Felsvorsprüngen und am Fuße der Schlucht findet sich zudem ein ausgeprägter Bewuchs mit Farnen und Sauerklee, der im Frühling eine zauberhafte weiße Blütenpracht in die Schlucht zaubert.

Je nachdem, wo man seine Schluchtenwanderung beginnt, kann man außerdem noch andere ziervolle Gewächse bestaunen. Unmittelbar vor dem Schwarzachklamm Wanderweg, im Moorwald zwischen Faberschloss und Petzsches Schloss säumen Efeu, Immergrün, Windröschen und Taubnesseln den Weg gen Schlucht. Ein herrliches Waldambiente für Liebhaber von wilden Blütenstauden.

 

Waldsauerklee, Oxalis acetosella, Schwarzachklamm
Eine der wohl häufigsten Waldpflanzen in und um die Schwarzachklamm: Waldsauerklee | © Das Grüne Archiv

Wanderungen in der Schwarzachklamm

Die Schwarzachklamm besitzt eine Fläche von 41 ha und wurde vom Bayerischen Landesamt für Umwelt als eines von Bayerns schönsten Geotopen ausgewiesen. Seit 1936 gilt die Schlucht zudem als offizielles Naturschutzgebiet. Wassersport ist hier nicht erlaubt, was Kayak-, Kanu- und Raftingfans schmerzen dürfte.

Doch das Wassersportverbot dient auch der Sicherheit etwaiger Besucher. Immer wieder stürzen nämlich Bäume von den hohen Felsdächern der Schlucht. Darüber hinaus tummeln sich an den Ufern der Schwarzachklamm einige zauberhafte Pflanzen, deren Standorte es zu schützen gilt.

Erlaubt ist hingegen ein (moderates) Klettern rund um die Wanderwege der Klamm. Eine Vielzahl an natürlichen Wurzeltreppen formt kleine Wege, die an den Schluchtenhängen hinauf zu den höher gelegenen Halbhöhlen führen. Sie bieten Möglichkeit zur Rast und auch einen herrlichen Blick auf die Schwarzachklamm.

Der Schwarzachklamm Wanderweg führt sowohl durch die Schlucht als auch darüber hinweg. Der Lehrpfad bietet also mehr als nur eine Perspektive auf die Klamm, wobei man unbedingt auf gute Wanderschuhe mit ausreichendem Profil achten sollte. Empfehlenswert ist eine Exkursion nur bei trockenem Wetter, wenn die Wanderpfade nicht allzu schlammig und rutschig sind.

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