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Baldrian – Wirkung und Kultur

Der Baldrian (Valeriana) gehört neben Lavendel zu den berühmtesten pflanzlichen Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Allerdings handelt es sich bei der schönen Heilpflanze mit dem wohlklingenden Namen auch um eine alte nordische Zauberpflanze. Während sich ihr wissenschaftlicher Name vom lateinischen valere für „gesund sein“ ableitet, ehrt der deutsche Name Baldrian den germanischen Lichtgott und Sohn Odins, Balder.

Unnötig zu erwähnen, dass Balders Heilpflanze im nordischen wie germanischen Volksglauben als wichtiges Schutzkraut gegen dunkle Mächte und böse Zauber galt. Und auch als Küchenkraut kann man das aromatische Baldriankraut verwenden. Eine Kultur des Krautes im eigenen Kräutergarten ist dabei problemlos möglich.

 

Baldrian in der Küche und Medizin

Baldrian ist eine mehrjährige Kräuterstaude, deren weiße bis rosa Blütendolden im Frühling und Sommer malerische Akzente in jeden Garten zaubern. Die Dolden erinnern stark an die das Holunders und besitzen wie dieser aromatische Eigenschaften.

Während die Heilwirkung von Baldrian wohl bekannt ist, geriet die Verwendung der Pflanze als aromatisches Küchenkraut über die Jahre aber fast in Vergessenheit. Dabei ist der Einsatz von Valerian oder Valeriana als Gewürzkraut durchaus interessant.

Das fruchtige Apfelaroma des Baldriankrauts passt beispielsweise hervorragend zu Süßgebäck und Fruchtsäften. Darüber hinaus werden Baldrianextrakte auch zur Herstellung von aromatischen Ölen, Parfüms und Balsam mit fruchtiger bis moschusähnlicher Note genutzt. Die grünen Blätter der Pflanze können des Weiteren als Salatgrün zum Einsatz kommen, das geschmacklich an Feldsalat erinnert. Selbst die wohlriechenden Blüten lassen sich in einem Wildkräutersalat verarbeiten.

Wissenswertes: Das Baldrianaroma hat auf Katzen eine ähnliche Wirkung wie Katzenminze. Das Kraut wird daher gerne zur Herstellung von Katzenspielzeug wie Duftsäckchen verwendet.

 

Inhaltsstoffe und Wirkung von Baldrian

Für den einzigartigen Geschmack von Valeriana ist die nach dem Kraut benannte Valerensäure verantwortlich. Und auch die nervenberuhigende, schlaffördernde, schmerzstillende, verspannungs- und krampflösende Wirkung verdankt der Baldrian besagter Säure.

Schon Hippokrates und Paracelsus verwendeten Baldrianarten als Heilkraut gegen allerlei Erkrankungen, darunter Augenkrankheiten, Epilepsie und sogar die Pest. Dabei ist vor allem der Echte Baldrian (Valeriana officinalis) als heilpflanzlich genutzte Baldrianart zu nennen.

Mit Blick auf die Nutzung von Baldrian als Schlafmittel spielen neben Valerensäure auch sogenannte Lignanane eine wichtige Rolle. Die Pflanzenstoffe finden sich maßgeblich in der Baldrianwurzel, weshalb diese in Sachen heilpflanzlich Anwendung von Valeriana officinalis den wichtigsten Pflanzenteil des Krautes darstellen. Daneben ist auch eine Anwendung von Baldrianwurzel bei Magen-Darm-Krämpfen, Kopf- und Rückenschmerzen, Migräne, innerer Unruhe und Gemütsschwankungen möglich.

 

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geschnittene Baldrianwurzel | © Das Grüne Archiv

Baldrian pflanzen – Standort und Ablauf

Baldriane bilden die Stammgattung innerhalb der Baldriangewächse (Valerianoideae) die ihrerseits wiederum zu den Geißblattgewächsen gehören. Die Kräuterpflanzen sind daher eng verwandt mit Skabiosen, Karden und dem Feldsalat, der Baldrian mit Blick aufs Aroma sehr ähnlich ist.

Gemeinsam mit Feldsalat hat Baldrian auch seine Standortansprüche, bevorzugen beide Pflanzen doch sonnige Lagen und einen durchlässigen, mäßig feuchten Untergrund. Gartenkonzepte wie der Steingarten, die ein leicht kiesiges Substrat aufweisen, sind deshalb ideal. Im Kräutergarten bietet sich ein Platz in der oberen Zone einer Kräuterspirale oder eine lichtreiche Freifläche an. Der pH-Wert des Bodens sollte für die Bedürfnisse von Baldrian im sauren bis neutralen Bereich, zwischen 5,5 und 7 Punkten liegen.

Trotz seiner Liebe zum Licht ist Baldriankraut erstaunlich robust. Sein Verbreitungsgebiet reicht von Afrika bis in den hohen Norden. Hier gedeihen einige Arten sogar in Sibirien und in Gebirgsregionen wie den Alpen oder dem Himalaya bis in 5.000 m Höhe. Insgesamt ist Baldrian artabhängig bis -25 °C winterhart und verträgt selbst windige Standorte sehr gut.

Einzelheiten zum Standort für Baldrian:

  • sonniger und mäßig feuchter Standort
  • durchlässiges, kiesiges Substrat
  • Boden-pH-Wert: sauer bis neutral, zwischen 5,5 und 7
  • Baldrianarten sind bis -20 °C winterhart

 

Pflanzanleitung für Baldrian

1. Schritt – Pflanztermin wählen: Pflanzen können Sie Baldrianarten entweder im Frühling oder Herbst. Stellen Sie aber sicher, dass rund um den Pflanztermin keine Fröste drohen. Danach gehen Sie wie folgt vor:

2. Schritt – Boden vorbereiten: Lockern Sie das Substrat tiefgründig auf und reichern Sie es bei Bedarf mit Kies an. Zur Grunddüngung reicht es aus, die Erde mit etwas Kompost oder organischem Kräuterdünger zu versetzen. Eine Kiesdrainage im Pflanzloch zum verbesserten Wasserablauf ist empfehlenswert.

3. Schritt – Baldrian pflanzen: Heben Sie für die Baldrianpflanzen ein Pflanzloch aus, das der Größe des Wurzelballens entspricht. Da die Kräuter bis zu 1,50 m hoch wird, sollte der Pflanzabstand zu Nachbarpflanzen mindestens 90 cm betragen. Nach der Pflanzung ist die Erde gut anzudrücken und der Baldrian maßvoll zu bewässern.

Kurzschritte zur Pflanzung im Überblick:

  • Pflanztermin: frostfrei im Frühling oder Herbst
  • Boden gut auflockern und ggf. mit Kies anreichern
  • Grunddüngung mit Kompost oder Kräuterdünger
  • Pflanzloch von Größe des Wurzelballens ausheben
  • Pflanzabstand: 90 cm
  • nach Pflanzung Erde gut andrücken und Baldrian bewässern

 

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Echter Baldrian im Garten

Baldrian gießen und düngen

Baldrianpflanzen kommen mit Trockenheit deutlich besser zurecht als mit Staunässe. Gießen Sie daher mäßig aber regelmäßig. Eine Folgedüngung ist bei ausreichender Grunddüngung der Baldrianpflanzen nicht notwendig.

 

Baldrian schneiden und ernten

Die Blütezeit von Baldrian reicht von Mai bis Juli. Während dieser Zeit können Sie frische Blätter und Blüten für Salate oder Tees entnehmen.

Eine Ernte der Baldrianwurzel zu heilpflanzlichen Zwecken ist hingegen erst ab dem zweiten Standjahr möglich. Nach dem Ausgraben der Wurzel muss sie zunächst gesäubert und anschließend getrocknet werden.

Geschnitten kann die Baldrianwurzel nach dem Trocknen beispielsweise für die Zubereitung einer Tinktur oder eines Schlaftees verwendet werden. Die empfohlene Tagesdosis für Baldriantee liegt diesbezüglich bei 2 bis 3 g Trockenkräutern.

 

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Tee aus Baldrianwurzel | © Das Grüne Archiv

Baldrian vermehren

Vermehren lassen sich Baldrianpflanzen via Aussaat. Dabei sei aber erwähnt, dass das Saatgut der Pflanze relativ schnell seine Keimfähigkeit verliert, wenn es zu lange lagert. Säen Sie die Samen daher unverzüglich im Folgejahr nach der Saatguternte.

Ziehen Sie die Samen gegen April in einer Anzuchtschale auf der warmen und lichtreichen Fensterbank vor. Da Baldriansamen Lichtkeimer sind, dürfen sie nicht mit Erde bedeckt werden. Halten Sie das Saatgut lediglich ausreichend feucht, bis nach etwa vier bis sechs Wochen die Keimung erfolgt ist. Ab einer Höhe von ca. 10 cm können die Jungpflanzen ins Freiland gesetzt werden.

 

Interessante Arten der Valeriana

Die Gattung Valeriana umfasst insgesamt etwa 250 Arten. Unter diesen eigenen sich mit Blick auf die Winterhärte der Kräuter folgende Arten besonders gut für die Freilandkultur:

  • Berg-Baldrian (Valeriana montana)
  • Echter Baldrian (Valeriana officinalis)
  • Felsen-Baldrian (Valeriana saxatilis)
  • Kleiner Baldrian (Valeriana dioica)
  • Weidenblättriger Baldrian (Valeriana saliunca)
  • Zwerg-Baldrian (Valeriana supina)

Die Baldrianarten benötigen in der Regel keine Winterschutzmaßnahmen. Ihr im Herbst abwelkendes Laub reicht als leichter Winterschutz völlig aus, was den Kulturaufwand deutlich reduziert.

 

Fazit

Baldrian ist eine wunderbare Ergänzung für den Kräutergarten. Zu achten ist bei der Kultur lediglich auf einen ausreichend sonnigen Standort und ein gut durchlässiges Substrat. Ansonsten zeigt sich Valerianus gänzlich pflegeleicht, wobei sich sowohl die Baldrianwurzel als auch Blüten und Blätter ernten und verarbeiten lassen.

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